Ankaras Plan für die Ägäis und das östliche Mittelmeer

Vasilis Nedos

Die Übung der türkischen Marine „Mavi Vatan“ (Blaue Heimat), die vom 27. Februar bis 8. März 2019 im Schwarzen Meer, in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer stattfinden wird, hat in Griechenland heftige Diskussionen ausgelöst. Sie ist die bisher größte Marine-Übung der türkischen Streitkräfte

 

Βασίλης Νέδος: Το σχέδιο της Αγκυρας για Αιγαίο, Αν. Μεσόγειο
Übersetzung und redaktionelle Überarbeitung von Emmanuel Sarides
(immer wieder bereitet mir in griechischen Texten die Identifikation ausländischer Namen große Schwierigkeiten, die in griechischer Schrift geschrieben werden. Es wäre sinnvoll und nützlich, wenn man sie in lateinischer Schrift schreiben würde)

Siehe auch den Artikel von Παναγιώτης Παστουσέας: Η «Γαλάζια Πατρίδα» – Ποιο είναι το μήνυμα που στέλνει η Άγκυρα και ποιοι οι αποδέκτες του

Karte: Der strategische Plan des Admirals Recep Bülent Bostanoğlu für den ostlichen Mittelmeerraum

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Am 30. Mai 2014 gab der damalige Chef der türkischen Streitkräfte (TSK, Türk Silahlı Kuvvetleri), Necdet Özel, nach dem Ende der Übung „Beyaz Firtina ’14“ (Weißer Sturm ’14) eine ausführliche Erklärung ab, die in zwei Punkten einen Satz enthielt, welchen die breitere griechische Öffentlichkeit bis vor kurzem keine besondere Bedeuting beimisste. Herr Özel, zusammen mit dem damaligen Armeechef Hulusi Akar und dem seit 2013  Oberkommandierenden der Marine, Admiral Recep Bülent Bostanoğlu, erwähnte zweimal den Begriff Mavi Vatan, Blaue Heimat. Ein Jahr später Hulusi Akar wurde Chef der türkischen Streitkräfte TSK, während Bostanoğlu übernahm die Aufgabe, das Konzept einer Strategie der türkischen Marine zu entwerfen.

Die Strategie enthält einige interessante Fakten. Das interessanteste ist jedoch auf zwei Karten zu finden. Die erste Karte zeigt die ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) der Türkei und der Republik Zypern (wie sie Ankara versteht) und die Zweite die maritime Zone, die das türkische Kabinett der türkischen Mineralölgesellschaft Türkiye Petrolleri Anonim Ortaklığı (TRAO) gewährt hat. Beide haben eine westliche Grenze, die eine denkbare Warnung an Griechenland darstellt: den 28. Meridian, der ungefähr in der Mitte von Rhodos und offenbar weit westlich von Kastellorizo ​​liegt (siehe Karte weiter oben, ES).

Straßenkarte

Dort wird die westliche Grenze der türkischen Ansprüche lokalisiert, während die Östliche den 32. Meridian am zypriotischen Paphos erreicht. Als südliche Grenze ist die Mitte der Entfernung zwischen der Türkei und Ägypten. Trotz der Tatsache, dass das Konzept der engen Verbindung der Türkei mit den drei Meeren (Ägäis, Östliches Mittelmeer, Schwarzes Meer) nicht neu ist und geht auf die Mitte des 20. Jahrhunderts zurück, als der bekannte türkische Schriftsteller Jevan Sakir (konnte die richtige Schreibweise trotz intensiver Recherche leider nicht ausfindig machen, ES) in seinen Werken die unzerbrechliche Verbindung der Türken von Anatolien mit dem unendlichen Blau betonte. Nach 2015 beginnt der umfassende Versuch, den 28. Meridian dazuzubeziehen.

Herr Bostanoğlu (gestützt ua auf die Untersuchungen von Admiral a.D. Cihat Yaycı und des Journalisten Cem Gürdeniz) hat in der Praxis eine Roadmap für die operative Entwicklung der türkischen Marine erstellt. In den folgenden dreieinhalb Jahren folgte das türkische Schiffbauprogramm konsequent dem Strategieprogramm von Bostanoğlu. Dies hatte zur Folge, dass die Marine des Nachbarlandes zu diesem Zeitpunkt eine Flottenvielfalt hatte, die sich nicht nur auf Krieg beschränkte, sondern auch Schiffe für wissenschaftliche Forschung und Rettung, während sie sehr bald auch eine zweite Bohranlage fertigstellen wird.

Erst vor wenigen Wochen wurde ein Schiff lanciert, praktisch eine „R & D“ -Plattform, die der von nur sehr großen Ländern (USA, Russland, China) ähnelt, und wird normalerweise als teurer Luxus betrachtet, da sie für Radartests und -entwicklung verwendet wird. Waffen, elektronische und andere Systeme. Es kann mit entsprechenden Ergänzungen in einen Zerstörer umgewandelt werden. Außerdem ist die Türkei die einzige Kraft im östlichen Mittelmeerraum, die im Falle eines schweren U-Boot-Unfalls erhebliche Rettungskapazitäten besitzt. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt gegeben, dass der „TCG Anadolu“ -Hubschrauber rechtzeitig einsatzbereit sein wird, was die türkische Interventionskapazität im östlichen Teil des Mittelmeerraums weiter stärken wird.

Bülent Bonsanoglu hatte bereits 2015 die allgemeine Logik der türkischen Marine beschrieben. „Die Art und Weise, in der ein Land seine Seestreitkräfte einsetzt, offenbart auch die Merkmale seiner Außenpolitik“, sagte er hinweisend. Von nun an wurde eindeutig festgestellt, dass zu den grundlegenden Zielen der türkischen Marine „die Abschaffung illegaler Vermessungen / Bohrungen in unseren Verantwortungsbereichen“ und „Unterstützung der von der türkischen Regierung genehmigten Forschungs- und Bergbauaktivitäten“ gehören.

Genau diese Dimension möchte Ankara der „Mavi Vatan ’19“ geben, die vom 27. Februar bis 8. März im Schwarzen Meer, in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer stattfinden wird und als die größte je beschrieben wird die TECs. Derzeit gibt es weder offizielles Informationsmaterial, das die quantitativen und qualitativen Elemente der Übung festlegt, noch gibt es gebundene Bereiche, obwohl es üblich ist, etwa zwei Wochen vor der Übung zu kommunizieren. Wenn sich die Übung über die Medien in der Nähe des Präsidentenpalastes entwickelt, ist nichts als die Mobilisierung des größten Teils der türkischen Flotte zu erwarten.

Bildergebnis für Mavi Vatan ’19
http://www.turkererturk.com.tr/?p=3631

Die Förderung der türkischen Macht auf See stärkt neben einer außenpolitischen Erklärung auch ihre Position im Kampf um Kohlenwasserstoffe. In den letzten Wochen segelte das türkische barbarische Vermessungsschiff durch die zypriotische AWZ, ein paar Meilen südlich von Akrotiri. Zur gleichen Zeit, in den nächsten 24 Stunden, wird die zweite von Ankara gelieferte schwimmende Bohrmaschine, die „Deep Sea Metro-1“, die Ägäis betreten, nach Gialova im Marmarameer, wo sie Änderungen und natürlich die notwendige Umbenennung erfahren wird Dann geht es zusammen mit der „Portist“ ins östliche Mittelmeer.

Er macht sich Sorgen um Nikosia

Die große Frage, die Nikosia betrifft, ist, wann die „Deep Sea Metro-1“, die das Potenzial hat, noch tiefer als die „Portici“ zu gehen, vor allem dort hingehen wird, wo gebohrt wird. Die zweite Bohrfahrt in der Region wird vor Juni erwartet, während in Nikosia die Befürchtung besteht, dass die Türken sie auf einem Land der zyprischen AWZ platzieren könnten, das nicht der Ausbeutung zugewiesen wurde (1, 4, 5 und 7). Die türkische Mobilität in der Region hat auch zu einem äußerst sorgfältigen Umgang mit den Informationen geführt, die über die ersten ermutigenden Ergebnisse von ExxonMobil in Bezug auf das Ziel Glaucos-1 von Grundstück 10 der zypriotischen AWZ vorliegen.

Gute Absichten, um Spannungen abzubauen

Was sich im östlichen Mittelmeerraum abspielt, hat seine ganz eigene Dynamik und ist nicht an die neue Verschiebung in den griechisch-türkischen Beziehungen gebunden, wie sie sich nach dem Treffen von Premierminister Alexis Tsipras und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zeigt. Die beiden Verteidigungsminister, Evangelos Apostolakis und Houlousi Akar, stimmten 1988 in der Debatte über die mögliche Wiedereinführung oder Neugestaltung der vertrauensbildenden Maßnahmen von Yilmaz-Papoulias überein.

Den ersten Informationen zufolge wird der türkische Flottenchef erstmals zu einem offiziellen Besuch nach Griechenland eingeladen. Dies war eine Einladung, die viel früher angesprochen werden musste, aber nach der Festnahme und Inhaftierung der beiden griechischen Soldaten in Adrianopel wurde sie suspendiert. Weitere relevante Einladungen werden ebenso wie Besichtigungsbesuche, darunter hochrangige griechische Offiziere und militärische Missionen in der Türkei, folgen.

Die türkische Version des Spannungsabbaus hat immer einige besondere Aspekte. Einer von ihnen wurde vor wenigen Tagen deutlich, als der Kommandant des Mersin-Marinestützpunkts in der Südtürkei den Fregattenherrscher von Lemnos aufforderte, ihn während des Aufenthalts des griechischen Schiffes dort zu begrüßen. Die Ankunft von „Lemnos“ im Marinestützpunkt von Mersin wurde zu Versorgungs- zwecken vorgenommen und wird nicht als neuartig betrachtet, da sie im verbündeten Kontext stattfindet. Die Fregatte „Lemnos“ und das Ozean-U-Boot werden mit türkischen Schiffen an der Sea Guardian Nautical Exercise im östlichen Mittelmeer teilnehmen.

Die Verstöße

Eine zentrale Frage ist, ob diese Goodwill-Bewegungen zu praktischen Ergebnissen führen. Auf Rekordniveau von Verstößen ist dies wahrscheinlich nicht zu erwarten. Die überwiegende Mehrheit der türkischen Verstöße wird zwischen 6 und 10 Seemeilen des nationalen Luftraums erfasst, wobei Ankara per definitionem die Gerichtsbarkeit Griechenlands nicht anerkennt. Noch wichtiger für die Entwicklung dieser Fragen wird die Fortsetzung der diplomatischen Gespräche sein. Bereits die ersten Kontakte zwischen dem c. Außenminister Dimitris Paraskevopoulos und der türkische Staatssekretär des Senats Oval sind für März bestimmt.

Siehe auch

Turkish Naval Forces – Dependable in Cooperation, Deterrent in Crises and Decisive in Combat

Vasilis Nedos  27. Februar 2019
Rubrik: Balkan/Osteuropa/Kaukasus

5 Gedanken zu „Ankaras Plan für die Ägäis und das östliche Mittelmeer“

  1. Man glaubt in griechenland all das wie zb die ägäis, konstantinopel, kleinasien, pontos, kaukasus, nord ipirus alles gehört athens griechenland.

    1. Ja, wir glauben daran, und das ist das, was man uns in der Schule gelehrt hat, was wir in den Schul- und anderen Büchern gelesen haben, das, was so zu unserem nationalen Credo geworden ist. Und wir bekommen eine Menge Probleme, wenn wir dies hinterfragen.
      Tatsächlich glauben wir aber an ein Narrativ, eine Geschichte des Nation Building, die zur Zeit der so genannten Revolutionen von England und Franklreich uns aufoktroyiert wurde – und wovon vorher die Philhellenen Deutschlands geträumt hatten, die das Land der Griechen mit der Seele suchten, was auch unsere National-Historiker wie Paparrigopoulos nachgeplappert haben.
      An einem ähnlichen Narrativ glauben aber auch die Türken. Und auch die Bewohner der anderen Balkanländer.
      Und diese Narrative sind recht giftig, denn seit Entstehung der Balkanländer haben sie Konflikte miteinander, über die sich der zionistische Hegemon freut, der als Schiedsrichter auftritt und mal dem Einem, mal dem Anderen Recht gibt, womit er bestens seine Globalisierungspolitik betreiben kann.
      Nur wenn wir dahinter kommen, wie diese Konflikte immer wieder entstehen, welche Wurzel sie haben und wer dahinter steht, der nach Belieben diese schürt, könnten wir hoffen, diese irgendwann mal zu übrerwinden.
      Denn Konflikte sind nicht leicht zu überwinden, weil sie in der Natur meschlicher Existent liegen, die den Naturgesetzen gehorcht. Ohne Plus und Minus gibt es keinen Strom, ohne Plus und Minus würde die Erde in Staub zerfallen, ohne Feind/Konkurrenten könnte der Mensch nicht existieren, er würde verhungern.
      Derselbe Mensch hat aber die Vernuft, das Leben auf der Erde erträglicher zu machen.
      Und die Griechen haben die Vernuft, die Konflikte mit den Nachbarländern zu minimieren. Vorausgesetzt, sie machen von dieser Vernuft gebrauch.

      1. SariBlog Ich glaube nicht dass wiedermal andere schuld daran sind wie wir griechen denken. Gesunder Wettbewerb ist immer gut. Nationalismus ist nicht gut. Wie in anderen ländern gedacht wird ist ein anderes thema. Es gibt kein „zionistischen“ hegemon. Globalisierung entwickelt sich obs mir gefällt oder nicht.

        Diese Globalisierung wird es (weiterhin) geben allein schon wegen der fortschreitenden technologischen entwicklung. Stelle sich mal jemand vor wir hätten in europa verhältnisse an der grenze wie noch in den achtziger jahren wo jeder auch mit handgepäck stundenlang warten musste um haar genau kontrolliert zu werden vom zoll. Wir hatten in griechenland ende der achtziger jahre beim zoll immer probleme wegen elektronischer geräte weil man in griechenland damals einfach so nichtmal ein autoradio mitbringen durfte.

        Ich denke griechen im großen und ganzen sind unfähig sich gemeinsam zu entwickeln aus verschiedenen gründen. Weil einigung und entwicklung setzt verschiedene eigenschaften vorraus.

        Ich beschreibe gerne das Beispiel aus meiner schulzeit. Ich war auf einer schule wo auch griechische klassen unterrichtet wurden. Sport hatte meine klasse mit der griechischen klasse zusammen, bzw die jungs aus der deutschen klasse hatten sport mit den jungs aus der griechischen klasse, und die mädchen aus der deutschen klasse hatten sport mit den mädchen aus der griechischen klasse.

        Wir spielten auch fussball beim sport mit der griechischen klasse. Meine klasse war vom talent gesehen nichts besonderes was die fähigkeiten anging fussball zu spielen, aber wir gewannen immer gegen die griechische klasse und zwar sehr hoch also deutlich über zehn tore schossen wir immer.

        In der Mannschaft der griechischen klasse nahm immer ein einzelner spieler den ball und versuchte alleine vergeblich ein tor zu schießen anstatt durch pässe zusammen mit seinen mitspieler diszipliniert durch umsetzung einer strategie den ball ins tor zu bringen.
        Nach den ersten paar toren die die griechische klasse von uns beim fussball kassierte fingen sie schon die streitereien an. Ich verstand ja was die griechische klasse gesprochen hatte, jeder beschuldigte jeden schuld zu sein am verlieren. Spieler die den ball nicht weiter gaben wurden von der manschaft nicht zum gemeinschaftlichen spielen gebracht.
        Wie schon gesagt, meine schulklasse war beim fussball nichts besonderes aber pässe wurden immer gespielt und wir waren diszipliniert so dass wir nicht immer wegen unserer eigenen fehler andere verantwortlich machten.
        ***
        Vielleicht wäre es gut mal zu schauen wie sich einige ehemalige länder des ostblocks bis heute entwickelt haben im vergleich zu griechenland und das in nur 20 bis 30 jahren. Wäre griechenland anfang der achtziger jahre nicht in die EWG aufgenommen worden wäre griechenland schon in den achtziger jahren bankrott, stattdessen gabs viele dutzende milliarden euro gratis wirtschaftshilfe die natürlich für konsum verheizt wurde. Auch da sind wieder die europäer selbst schuld wenn griechenland die Subventionen verheitzt hat weil ja griechenland bei den europäern eingekauft hat.

        Ich denke in griechenland wird der Konflikt mit der türkei nur dazu benutzt um der griechischen gesellschaft angst einzujagen. Man kann dreissig jahre alte nachrichten aus griechenland bei YouTube anschauen und wird das gleiche wie heute sehen, immer wird in den nachrichten behauptet die türken wollen angeblich die ägäis erobern, dann wird in den griechischen nachrichten gezeigt wie arm angeblich alle griechen sind. Charakteristisch sind dann so szenen wie Journalisten mit der kamera auf den griechischen märkten rumlaufen um die leute zu fragen wie teuer alles geworden ist. Aus sendungen der achtziger jahre kann man dann sehen wie 1 kilo tomaten für 30 drachme dem griechen viel zu teuer waren.

        Ich weiß noch 2003 hat 1 liter bleifrei benzin in saloniki keine 30 cent gekostet gemeckert über angeblich zu hohe preise wurde trotzdem.

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