Auf Wiedersehen Krasnojarsk! Auf Wiedersehen Winter-Universiade!

Der berühmte russische Maler Wassilij Iwanowitsch Surikow, der auf der Krasnojarsker Erde geboren wurde, sagte: „Ich sah die schweizerischen und italienischen Alpen, aber nirgends sah ich eine solche Schönheit wie diese, unsere sibirische!“

 

Krasnojarsk zeichnet sich durch schöne Landschaften, Berge, den mächtigen, sibirischen Wald und den berühmten Naturschutzpark ”Stolby” aus. Das ist eine Stadt, wo man eine sichere Zukunft hat, wo gute Leute leben. Das ist die Stadt, die jeden Tag in die Chronik ihres Lebens bedeutende Seiten einschreiben lässt. Die deutschen und sogar englischen Teilnehmer der 29. Winter-Universiade sind von Krasnojarsk entzückt.

Schwimmen im Eiswasser
Foto: news.at

Bereits vor der Eröffnung wurde der erste Rekord aufgestellt – die Anzahl der Teilnehmerländer, deren Vertreter zu den Wettbewerben kommen, war noch nie so hoch. 58 Staaten haben die Teilnahme beantragt und Zuschauer aus mehr als 120 Ländern werden die Fernsehberichte von den Sportspielen sehen.

Die größten Mannschaften entsandten neben den Gastgebern Kanada, China, die USA und Norwegen. Mit nur einzelnen Sportlern sind Länder wie Indonesien, Mexiko oder Liechtenstein vertreten. Deutsche Athleten nehmen ebenfalls am Wettbewerb teil, dabei werden sie von deutsche Sportfans unterstützt. Am vierten Tag der Winter-Universiade hat Tobias Müller (Foto unten) mit Gold im Ski Slopestyle für das erste Edelmetall der deutschen Studierenden-Nationalmannschaft gesorgt. “Bei meiner ersten Universiade gleich Gold zu gewinnen ist eine Riesensache”, freute er sich.

Wie alle Athleten freute sich Tobias auf die Eröffnungsfeier, auf die besondere Atmosphäre und auf neue Bekanntschaften: “Ohne die Universiade wäre ich wohl nie nach Russland gereist”. Für manche ist die Universiade ein einmaliges Erlebnis, für viele der Saisonhöhepunkt, für andere ein Vorgeschmack auf die Olympischen Spiele.

Von Anfang bis Ende blickte Delegationsleiter Jörg Förster optimistisch auf die Wettbewerbe in Russland. „Die Teilnahme an einem Wintersportevent dieser Dimension und dann auch noch in Sibirien wird für alle Delegationsmitglieder ein unvergessliches Erlebnis werden und sicher eine extra Portion Motivation auslösen“, so Jörg Förster. “Ich bin enorm Stolz”, erwähnte  Christoph Böcklin, der Chef der schweizerischen Delegation.

Im Gegensatz zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 und der Fußball-WM 2018 ist es dieses Mal gelungen, eine übermäßige Politisierung der Universiade zu vermeiden. In seiner   Begrüßungsrede in Krasnojarsk stellte der Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland, Peter Blomeyer, die besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland heraus und betonte die gute Zusammenarbeit mit den Autoritäten vor Ort.

Russland bereitete sich sorgfältig auf die Universiade vor und führte einen großen Infrastrukturausbau durch, genau wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018. Es wurden vier Stadien, sowie auch neue Straßen und Straßenkreuzungen, neue Krankenhäuser, Wohnhäuser und Verwaltungskomplexe neu gebaut bzw. rekonstruiert. Alles wurde getan, um eine bequeme Beobachtung der laufende Wettbewerbe von Tausenden ausländischen Gästen zu ermöglichen und die besten Eindrücke über Russland zu erhalten.

Die Winter-Universiade war auch medial ein großer Erfolg. Die Sender Eurosport und Eurosport 2 übertrugen viele Stunden live von den Weltspielen der Studierenden, was noch einmal den Stellenwert der Multisportveranstaltung unterstreicht. Diese gigantische Veranstaltung lief bis zum Ende ohne Komplikationen und jedem Wunsch wurde nachgegangen. Die Eröffnungsfeier im neu errichteten Eislaufstadion war bis zum letzten Platz gefüllt und es bot sich eine gigantische Show über fast zwei Stunden, die sich der von Olympischen Spielen nicht verstecken muss. Krasnojarsk war ein würdiger Austräger. Nach der Universiade ist Krasnojarsk zu Großem fähig.

Eine kreative Kombination aus winterlicher Atmosphäre, kulturellen Merkmalen Sibiriens und traditionellen russischen Symbolen erzeugte eine festliche Atmosphäre für alle Teilnehmer. Eine Vertreterin des schwedischen Teams, Linnea Larsson, tanzte sogar zum traditionellen russischen „Kalinka-Malinka“-Lied. „Mir wurde gesagt, dass es in Russland gefährlich ist. Aber als ich hierher kam, stellte ich fest, dass es das nicht ist“, sagte Larsson. Agnes Ogren, eine weitere schwedische Athletin, fügte hinzu, dass sie sich Sorgen wegen des andersartigen Essens machte. „Aber es schmeckt gut. Es ist toll, hier zu sein.“ Die Gäste aus vielen Ländern haben sich entschieden, nach der Universiade  den Urlaub in Krasnojarsk durchzuführen.

Für Karl Lustenberger, Leiter Sport der Winter-Universiade 2021, ein spannender Einblick: “Die Veranstalter haben sich im besten Licht präsentiert. Die Bedingungen für die Sportlerinnen und Sportler sind ideal und alle Anlage sind rechtzeitig fertig geworden. Das sei nicht immer selbstverständlich, wenn so viele Anlage neu gebaut oder verbessert werden.” Karl Lustenberger ist ein ehemaliger Schweizer Skisportler, der im Skispringen und in der Nordischen Kombination international erfolgreich war.

Hockey mit einem Ball bleibt – trotz seiner Popularität in Skandinavien und Russland –  eine exotische Sportart in anderen europäischen Ländern. Am größten Dilemma des deutschen Bandys – dem Fehlen einer Eisfläche der entsprechenden Spielfeldgröße – wird sich in absehbarer Zukunft nichts ändern. Die Entwicklung von in Deutschland lebenden Talenten wird also schwer bleiben.

Bandy in Russland  ist in Bewegung. Der Cheftrainer der schwedischen Frauen-Bandynationalmannschaft Lars Magnus Nordin hat  „Platinum-Arena“ die beste in der Welt genannt. Der 25.000 m² große Sportkomplex in Krasnoyarsk (unter dem Namen „Platinum-Arena“)  wurde für die Winter-Universiade 2019 errichtet. Er verfügt über Versammlungsräume, ein Pressezentrum, Restaurants, Fitnessräume und vieles mehr. Das Herz des Bauwerks ist die Eishockey-Halle, die Platz für bis zu 7.000 Zuschauer bietet. Bei solch hohen Besucherzahlen war es wichtig, die Laufwege sorgfältig zu planen, um Menschenansammlungen zu vermeiden.

Die 23-jährige Sportlerin Zahra Lari (Foto oben) als erste Eiskunstläuferin aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ist eine der umstrittensten Teilnehmerinnen bei der Universiade. Als praktizierende Muslimin ist die junge Frau außerdem die erste im Hidschab auftretende Athletin. Das Tragen des Kopftuches ist eigentlich Normalität für arabische Frauen, doch gewiss keine bei sportlichen Wettkämpfen von internationalem Rang. Die Tochter einer zum Islam konvertierten US-Amerikanerin und eines aus den Emiraten stammenden Vaters trennte sich trotzdem nicht von ihrem Kopftuch. Lari wird von der ehemaligen russischen Eiskunstläuferin Alexandra Ijewlewa trainiert.

„Die größte Schwierigkeit besteht darin, Eisbahnen zu finden, es gibt einfach nicht genug. Wir haben nur eine Halle in Abu Dhabi. Die zweite ist anderen Arten des Wintersports vorbehalten, dort wird Eishockey gespielt. Das ist schon alles, was es in den VAE gibt. Diese Schwierigkeiten sind schon okay, schließlich bin ich die erste aus den Emiraten, und wenn man die Erste ist, steht man immer vor Herausforderungen“, sagte  Lari.

Die Winter-Universiade 2019 ist erfolgreich beendet. Auf Wiedersehen Krasnojarsk! Gaststadt der Winter-Universiade 2021 wäre Luzern.

Franz Krummbein  14. März 2019
Rubrik: Balkan/Osteuropa/Kaukasus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.