Darf man Kinder instrumentalisieren? Zu der „FridayforFuture“ Bewegung

Ilya Noskow
Foto: Sputnik / Ilona Pfeffer

Die Fridays for Future, die Video-Affäre um Strache in Österreich und – kurz vor dem Wahltag – das Rezo-Video haben den so genannten Volkspateien In Deutschland das Genick gebrochen und die Grünen in den Himmel der Politik katapultiert. Ja, für die Greta-Bewegung und deren Schüler in Deutschland gilt der Spruch: Die Motte fliegt gern in das Licht… der Untergang der stört sie nicht.

 

Jeden Freitag gehen sie – die Schüler der „FridayForFuture“-Bewegung – auf die Straße. Für die Zukunft, wie sie sagen – und schwänzen damit auch die Schule, die ihnen beim Aufbau ihres eigenen zukünftigen Lebens helfen sollte. Doch ist es ihre eigene Entscheidung? Und dürfen Jugendliche überhaupt schon im frühen Alter politisiert werden?

Inzwischen seit mehreren Monaten gehen Tausende junge Menschen deutschland- und europaweit zu Protestaktionen, um die etablierten Politiker zu aktiverem Klimaschutzhandeln zu bewegen. So wurden zum Beispiel am 15. März von der #FridaysforFuture Bewegung bundesweit 220 Proteste organisiert, an denen sich laut Veranstaltern rund 300.000 Menschen beteiligten. Dabei waren viele deutsche Großstädte wie Köln, Berlin, München etc.

Am 24. Mai hat ein „globaler“ Klimastreik stattgefunden, der in mehreren hundert deutschen Städten von Schülern und Studierenden durchgeführt wurde. Um teilzunehmen, müssten die Schüler nur noch eine Kleinigkeit machen: Die Schule schwänzen…

Wie kam diese Massenbewegung eigentlich ins Rollen?

Am Anfang war die Greta

Als Gründerin und Ideologin der FridaysForFuture-Bewegung wird in den Medien die 15-jährige schwedische Schülerin Greta Tunberg genannt. Sie hatte im heißen Sommer 2018 angefangen, jeden zweiten Freitag, anstatt die Schule zu besuchen, Einzelproteste vor dem schwedischen Parlament durchzuführen.

Nachdem die Medien von dieser Aktion berichteten, fand ihr Apell, „für die Zukunft“ zu streiken, einen immer breiteren Zulauf. Als Zeitpunkt des Durchbruchs wird ihr Auftritt bei der TEDx-Konferenz in Stockholm genannt. Das Video wurde viral und inzwischen über eine Million Mal angeschaut.
Eine Folge dessen war, dass sich seit Anfang 2019 weltweit Tausende Schüler vor allem in den westlichen Ländern Gretas Klimademos unter dem Slogan „Fridaysfor Future“ („Freitage für die Zukunft“) anschlossen. Das Leitmotiv: Die gegenwärtigen Politiker würden zu wenig für den Klimaschutz tun. Verschiedene kleinere Klimabewegungen haben sich der Bewegung angeschlossen. Protestiert wird in Belgien und Deutschland, in der Schweiz und den Niederlanden, in Großbritannien und Australien.

Und nun hat Greta Tunberg unter anderem schon einen Auftritt im Europäischen Parlament, beim Uno-Klima-Gipfel und sogar in Davos hinter sich und wurde sogar auf den Friedensnobelpreis nominiert.

Die Ziele der Bewegung scheinen ja zweifellos etwas Gutes zu bezwecken. Doch eine Frage sei erlaubt: Konnte das kleine Mädchen ernsthaft das Ganze allein in Gang setzen? Und: Wie werden diese Riesenprotestbewegungen organisiert?

Organisation durch Erwachsene

Wenn man den deutschen Protest der FridaysforFuture-Bewegung etwas näher betrachtet, erkennt man nicht ganz durchsichtige, aber sehr gut organisierte Strukturen, die sehr gut und reibungslos funktionieren – und die Protestbewegung informationsmäßig unterstützen und das Funktionieren der Aktionen gewährleisten:

FridaysforFuture-Aktivisten sind in allen bekannten sozialen Netzwerken präsent – die ökologische Bewegung gibt es auf Facebook, Instagram, Youtube, Spotify und Twitter. Allein in Deutschland sollen es über 155 Internet-Gruppen sein.

Die Proteste werden über Whatsapp-Gruppen zusammengerufen und koordiniert.

Es werden die modernsten Kommunikationsmedien benutzt, um ihre Ziele und die ökologische Weltanschauung in die Öffentlichkeit zu tragen.

Laut dem Sprecher der Bewegung für das Bundesland Brandenburg, Vincent Bartolain, gegenüber DW, wird die Information für die Klimastreiks in der  Bundesorganisation vorbereitet und an die örtlichen Gruppen weiterverbreitet:

„Wir sind in verschiedenen Ortsgruppen organisiert, die alle Veranstaltungen planen, aber vom bundesweiten Organisationsteam mit Infomaterial bestückt werden.“ Das sind dann Flyer, Sticker und Plakate, die online vertrieben werden. Meist aus recyceltem Papier umweltfreundlicher Druckereien, auf denen Sprüche stehen wie: „Fehlstunden verkraften wir, Klimawandel nicht!“, „Hopp, Hopp, Hopp, Kohlestopp“. Oder als internationale Botschaft auf Englisch: „There is no planet B!“ und „March noworswimlater!“.

Laut dem Sprecher wird die Bewegung durch Privatspenden finanziert. Andererseits: Wenn man die Seiten in den sozialen Netzwerken anschaut, kann man durchaus eine professionale Bloggerarbeit erkennen.

Es wird massenhaft zum Protest aufgerufen, mobilisiert und propagiert, um vor allem die Schüler auf die Straßen zu bringen.

Auf die Proteste werden die jungen Klimaaktivisten gut vorbereitet. Auf Extratreffen, wieder in Whatsapp organisiert, werden Plakate gemalt und vorbereitet und auch Protestslogans ausgedacht.

Auch heißt es, dass in mindestens 170 Kinos deutschlandweit Fridaysforfuture-Videos gezeigt werden.

(Tweet vom FFF-Klimaschutzaktivisten Mathias Kissling, Wirtschaftsingenieurstudent an der TU Berlin) 

Aber nur mal aus Interesse: Kann das Geld für die Werbesendungen wirklich mit Spenden gesammelt werden?

Und es ist doch sicher auch nur ein sehr guter Zufall, dass man gerade am Freitag, kurz vor dem Wochenende, die Schule ignorieren kann, um sich auf die Straßen zu begeben und zusammen mit anderen Mitschülern Spaß am Protestieren für die Zukunft der ganzen Welt zu haben. Und nach der wichtigen Aktion können die Jungs und Mädels dann auch endlich ins schulfreie Wochenende.

Dass an den Protestfreitagen das Wissen verlorengeht, dass sie später brauchen werden, ist vielen wohl gar nicht bewusst.

Was fordert FridaysForFuture?

Die Klimaproteste haben in den letzten Monaten ihre Forderungen auch der Politik präsentiert.

Es werden auch „regionale Forderungen“ gestellt. Unter den Forderungen, die während den Klimademos gestellt und als Dokument veröffentlicht und verbreitet wurden, werden unter anderem diese Ziele aufgeführt:

„Ausrichtung des politischen Handelns am 1,5-Grad-Ziel“; „Transparenz und Konkretisierung des Klimavorhabens“ von der örtlichen Politik. Man wolle das Amt einer Ombudsperson für zukünftige Generationen schaffen, die bei Entscheidungen des Gemeinderates wirken und diese auf Schädlichkeit für künftige Generationen überprüfen soll, und auch mit einem Vetorecht blockieren können. Die „Verkehrswende“ solle schneller vorangetrieben werden: So zum Beispiel könnten emissionsfreie Zonen in den Städten in Betracht gezogen werden, und „eine Einfahrt dort nur mit einem emissionsfreien PKW möglich sein“. Oder es soll die Anzahl der Parkplätze verringert werden.

Auch will man mehr veganes Essen in den Mensen. Es solle „in den öffentlichen Kantinen die regionale, saisonale und pflanzliche Ernährung“ bevorzugt werden“.

Als ob die jungen Demonstranten ein spezielles Dokument benötigen würden, das bestätigt, dass ihre Umweltsorgen gerechtfertigt sind, unterzeichneten über 12.000 deutsche, österreichische und schweizerische Forscher und Experten als „Scientists for Future“ einen offenen Brief, in welchem sie die Teilnehmer von FridaysforFuture unterstützen und sich ihren Forderungen anschließen. Damit bekam die Bewegung auch Rückenwind aus der Wissenschaftsbranche.

„Vor allem die Politik steht in der Verantwortung, zeitnah die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Insbesondere muss klimafreundliches und nachhaltiges Handeln einfach und kostengünstig werden, klimaschädigendes Handeln hingegen unattraktiv und teuer. “

Auszug aus der „Stellungnahme“ der „Scientists for Future“-Bewegung

Werden die Kinder für politische Zwecke benutzt? Europawahl

Die neue Bewegung wurde in Deutschland weitgehend positiv eingestuft, obwohl es in der Politik in den ersten Monaten auch kritische Stimmen gegeben hat.

So hatte zum Beispiel die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek (CDU), die Klimademos kritisiert, da sie „Schülerstreiks während des Unterrichts“ ablehne. Zwar sei das Anliegen der Schüler berechtigt, auch unterstütze sie die Bereitschaft, dafür auf die Straße zu gehen. „Aber das können sie auch am Samstagmorgen tun“, meinte Anja Karliczek.

Auch aus den Reihen der euroskeptischen rechten Partei AfD gab es Kritik an der starken Klimaschutz-Bewegung. „Fridays for Future“ sei aus Sicht der NRW-AfD „von linken Ideologen und Lobby-Gruppen instrumentalisiert“.

Auch FDP-Chef Christian Lindner meinte in seinem Twitter, dass die Schüler das Klimathema doch am besten „Profis“ überlassen sollten. Er erntete damit zuhauf kritische Reaktionen…

Kann es doch vielleicht sein, dass die Bewegung einer politischen Gruppe nützlich ist?

In WhatsApp Gruppen macht FridaysforFuture Deutschland schon seit Wochen für die kommende Europawahl mobil – und hat „Europawahl zur Klimawahl“ erklärt:

Auch werden Youtube-Videos auf Englisch weiterverbreitet, in denen am Ende ebenso aufgerufen wird: „Exeryone has a choice, but not everyone has a vote. Make the European election about climate.“

Zu Deutsch: „Jeder hat eine Wahl, aber nicht jeder hat eine Stimme. Mach die Europäischen Wahlen zur Klimawahl.“

Danach wird den Kindern gesagt, dass sie „eine besondere Verantwortung tragen“. Dafür sollten sie das Werbevideo anschauen, sich auf der Webseite der Bewegung „informieren“ und eine Briefwahl beantragen – und natürlich für das Klima streiken sowie die Nachricht an alle weiterverbreiten.

Eine so genannte virale Verbreitungstaktik also. Die Schüler werden gelobt und direkt instruiert, wie sie weiter vorgehen sollen.

Zwar werden keine konkreten Parteien benannt, die man unbedingt bei der Wahl unterstützen sollte, doch es wird wohl keine allzu fantastische Vermutung sein, dass eben die Partei, bei der Ökologie in ihrer Ideologie einen ganz besonderen Platz einnimmt, der zukünftige Nutznießer dieser Werbung bei der kommenden Europawahl sein könnte: Die Grünen.

Schließlich ist z.B. Luisa Neubauer, deutsche Klimaaktivistin und eine der deutschen Hauptorganisatorinnen der FFF, das offizielle Gesicht der deutschen FFF-Bewegung und Mitglied der Grünenpartei. Sie trat Ende März bei einer Grünen-Veranstaltung, dem „Grundsatzprogrammkonvent“, auf.

​Würden die Schüler selbst, die die Politik angeblich auf die Umwelt aufmerksam machen wollten, direkt zu den Europawahlen aufrufen? Das ist zu bezweifeln. Das klingt nicht mehr nach Protest, sondern nach Politik.

So könnte die Aussage, dass die Kinder politisch benutzt werden, durchaus einen wahren Kern enthalten.

Die politischen Kräfte scheinen die Jugendbewegung für ihre politischen Ziele mobilzumachen, mindestens um sich dadurch ein sehr gutes Wahlergebnis bei der Europawahl 2019 zu sichern.

​Außerdem kann man die ganze Geschichte noch aus einem anderen Blickwinkel betrachten:

Die jungen Demonstrantinnen und Demonstranten haben noch relativ wenig Lebenserfahrung und bisher auch kaum soziale Verantwortung zu tragen – für die Familie oder die Kinder oder am Arbeitsplatz beim Vorgesetzten.

So zum Beispiel ist vielen Schülern offensichtlich das ganze Ausmaß der Forderungen, die sie auf den Demos stellen, geschweige denn deren Folgen für das Alltagsleben der Menschen nicht ganz bewusst.

In jungen Jahren formt sich erst die Weltanschauung – mit Unterstützung der Familie und der Gesellschaft, inklusive des Bildungssystems, sprich: der Schule.

Unter anderem gerade aus diesem Grund gibt es eine Altersbegrenzung für Wähler – erst ab 18 darf man an die Wahlurne.

Quelle: https://de.sputniknews.com/meinungen/20190526325058329-darf-man-kinder-instrumentalisieren-fridayforfuture/

Ilya Noskow  28. Mai 2019
Rubrik: Politik/Gesellschaft/Umwelt

4 Gedanken zu „Darf man Kinder instrumentalisieren? Zu der „FridayforFuture“ Bewegung“

  1. Die Wahlen sind vorbei, das manipulieren hat seinen Zweck erfüllt, wurde genug Geld mit der Dummheit der Kids verdient ,somit ist es ein Auslaufmodell.

    1. Dieter Kundy, die nächsten Wahlen kommen bestimmt und da muss man genau hinsehen, was dann für Betrügereieen auf uns zukommen werden. Das nachher sind wir schlauer bringt uns nicht weiter

  2. Darf man nicht, die Instrumentalisierten nur kapieren es nicht, dass das mit Ihnen geschieht, und die die diese wählen sind noch gestörter

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