Die beste Medizin für unsere Probleme ist die Erinnerung an das Wiegenlied der Mutter

Dr. Emmanuel Sarides

Griechenland. Der Staat ist bankrott, die Gesellschaft kränkt. Die Jugend verlässt das Land und die Älteren leiden an psychischen Erkrankungen und nehmen Medikamente. Auswanderung und der Konsum von Medikamenten, die eine Menge Nebenwirkungen haben, lösen aber die Probleme nicht. Besser ist es, sie in einer therapeutischen Gruppe aufzuarbeiten, wozu die Erinnerung an die Wiegenlieder (Νανουρίσματα) der Mutter gehört.

 

Die Griechen befinden sich wirtschaftlich und sozial in einem schlechten Zustand, der von Arbeitslosigkeit, Selbstmorden und psychischen Erkrankungen gekennzeichnet ist. Allein ein Blick in die Parlaments-Debatten mit den schreienden Politikern, die kurz vor einer Apoplexie zu stehen scheinen und wenig später sich in einem Skyladiko (Hundehütte mit Hundegebell, wie griechische Amüsierbetriebe heißen) bei trübseligen Jammerliedern amüsieren (!) oder im Alltag der Menschen, deren Stimmung zwischen Phasen der Hochstimmung und der Niedergeschlagenheit schwankt, zeigt deutlich,  dass die griechische Gesellschaft psychisch krank ist, man könnte meinen, dass sie an einer bipolaren Störung leidet.

Ist auch kein Wunder. Denn die Menschen haben die Orientierung verloren, wenn sie denn jemals eine hatten, sie wissen nicht mehr, woran sie sich halten sollen. In der Zeit der so genannten fetten Kühe, vor allem unter den PASOK-Regierungen von Papandreou, ihre Orientierung bestand darin, eine Stelle im Öffentlichen Dienst zu ergattern, Land für Feld und Hausbau illegal zu besetzen, Bankkredite für den auch illegalen Hausbau aufzunehmen und zu konsumieren, konsumieren was das Zeug hält, hauptsächlich importierte Produkte (Autos, Modesachen, Whisky, Käse, ja, Käse usw. usf.). Jetzt ist die Quelle des billigen Geldes versiegt, weder die Bürger, noch die Regierungen können Kredite bekommen, denn beide sind in die raffiniert aufgestellte Schuldenfalle der Gläubiger gefallen, die zu den Memoranden führte, mit denen die Gläubiger ihnen auch das letzte Hemd abgenommen haben. So stehen sie da und wissen nicht ein und nicht aus. Die Regierenden haben vor lauter Kotaus vor den Vertretern des Hegemons keinen Rückgrat mehr und sind in ihrem Handeln blockiert und die Regierten sind in ihrer Hoffnungslosigkeit in Depressionen verfallen oder rennen zum Paradies von Frau Merkel.

Auch ihre ethisch-moralischen Werte sind dahin. Philopatria, die Liebe zu Staat, Land und Familie, der soziale Zusammenhang, Anstand und Tugend, alles ist inzwischen unter dem Einfluß „fortschrittlicher“ und linker Ideologien erodiert. Unzählige Nicht-Regierungsorganisationen, ausgestattet mit reichlich Geld von Soros und anderen „Wohltätern“, strömen durch die von den Politikern geöffneten Türen ins Land eingeströmt und vergiften die Köpfe, besonders der Jugend. Greenpeace, Amnesty International, Caritas International, Hellenic Observatory of the Helsinki Agreements, Perichoresis usw., etc, pp., Parteistiftungen wie die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Rosa- Luxemburg-Stiftung, die anarchoterroristische Website „Indymedia“, die Terrororganisationen Revolutionärer Kampf und der Haufen von Gruppierungen und Organisationen, die man unter der Kategorie Stadtguerilla klassifizieren könnte, leisten ihre Arbeit bestens, denn dafür kriegen sie Geld. Diese besteht darin, die Jugend umzupolen, die Begriffe wie Heimat, Staat und Ordnung mit den Füssen zu treten und die Tausende von so genannten Flüchtlingen nach Deutschland weiterzuschieben oder in KZ-ähnlichen Camps aufzubewahren .

Damit hat die Jugend ihr mentales Gleichgewicht verloren und versucht es, mit terroristischen Aktionen als Stadtguerilla, Anschluss in Antifa-Gruppen oder in totaler Opposition zum Staat zu kompensieren. Oder sie tappt in die brain-drain-Falle Deutschlands und sucht ihr Heil hier, ohne zu wissen, dass Deutschland hinter seiner glanzvollen Fassade ein Land mit 6 Millionen Arbeitslosen ist (die auf 2.209.546 herunter frisiert wurden, Stand 12/2018, siehe auch „Die Dauerlüge vom Jobwunder: Liegt die Arbeitslosenquote bei 3% oder bei 8%?„, seine Menschen, laut Statista, 19,7 Prozent von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen sind, also 13 Millionen Arme hat (2017) und viele Leute suchen in den Abfalleimern nach Verwertbarem.

In diesem Deutschland werden tatsächlich Leute gesucht, Ärzte, Programmierer, Altenpfleger – und in griechischen Restaurants Köche und Kellner. Er findet dann als normaler Auswanderer eine Arbeit, die meistens eine Schicht- oder Leiharbeit ist und steht mit seinem Lohn Lebenshaltungskosten gegenüber, die seiner Vorstellung übertreffen, vor allem eine bezahlbare Wohnung, deren Miete so teuer wie sein Lohn ist. Und dann muss er mit der ständigen Angst vor einem hire and fire leben. So fängt dann die sorgsam aufgebaute Fassade des prosperierenden Deutschlands schnell zu zerbröseln und die bittere Realität kommt zum Vorschein, auch die erwarteten locker und flockigen Frauen und das besonders in Berlin gepflegte Bild der Spaßgesellschaft erweisen sich dann als eine Fata Morgana.

Mitgefangen ist aber mitgehangen. Ärzte und Ingenieure finden zwar einen halbwegs vertretbaren Job, die Frauen als Pflegekräfte in Altersheimen oder als Putzfrauen auch und ebenfalls die Küchenhilfen, die von einer Taverna zur anderen wandern (unzählig sind die Gruppen im Facebook, die mit der griechischen Gastronomie in Deutschland zu tun haben). Und die Buzukispieler spielen ihre jammervollen Lieder in Kneipen. Gleichzeitig füllen immer mehr Griechen die psychiatrischen Kliniken, wie Panagiotis Kouparanis von der Deutschen Welle von den 600 Griechen berichtet, die  psychische Probleme haben und unter ärztlicher Behandlung in der Humboldt-Klinik in Berlin stehen (siehe „die psychischen Kosten der Zuwanderung»).

Und wenn hier von der griechischen Auswanderung die Rede ist, so möchte ich auch auf meine Artikel über Brain Drain hinweisen, die von der Propaganda der Industrieländer und das versprochene Paradies handeln, mit dem zum Teil gut ausgebildete Leute angelockt werden. Es handelt sich um das Brain Drain ή οι ανοιχτές φλέβες της Ελλάδος“ (Brain Drain oder die offenen Ader Griechenlands, geschrieben 2012 und „Κακούργα μετανάστευση…“ (Böse Migration…, 2014, beides in griechischer Sprache). Und die dem widersprechen, was die Propaganda den 500.000 jungen Leuten versprochen hat, die in den letzten Jahren die Heimat verlassen haben, ohne Deuschland zu kennen, angelockt von den deutschen Diensten in Griechenland, von Veröffentlichungen in der blöden Presse und von der sorgsam aufgebauten Glanzfassade des Landes wo Milch und Honig fließen und dem Einwanderer die deutschen Huris, die wunderschönen Jungfrauen, auf ihn warten, um glücklich zu werden. Und ohne sich zu fragen, wer das heruntergewirtschaftete Griechenland wieder aufbauen wird. Nach mir die Sintflut.

So bleiben die Probleme des ruinierten Griechenland und die Probleme der ruinierten Psyche der Griechen ungelöst. Die Auswanderung ist keine Lösung und das bisschen Tourismus kann eine exportorientierte Produktion nicht ersetzen, ebenso wie der Konsum von Medikamenten, Fernsehbeiträgen der untersten Schublade und die Auseinandersetzung mit den Hahnenkämpfen der Politiker in der Zeitung auch nicht.

Gibt es eine Therapie, mit der die Griechen ihr ramponiertes Selbstvertrauen zurückgewinnen können, ihren Patriotiscmus und ihre Liebe zu Land und Leuten wieder zu entdecken? Ich kenne keine. Was Politiker mit Wenden, Revolutionen und die politische Partei wechseln ist nur für die Katz. Man könnte aber versuchen die persönlichen Probleme zu erkennen und aufzuarbeiten, in einer therapeutischen Gruppe beispielsweise. Beginnend, sinnvollerweise, mit der Kindheit und der Stimme der Mutter, die uns ihre Wiegenlieder gesungen hatte. Vielleicht wird dann manches besser.

Ich habe hier einige Νανουρίσματα, Wiegenlieder ausgesucht, die mir gut gefallen. Das erste ist „Ύπνε που παίρνεις τα παιδιά“, das es in Griechenland in mehreren Variationen gibt, von denen die Unterstehende eher Wiegenlied unserer Mutter für meine jüngeren Geschwister gleichkommt.

Hier die ersten zwei Strophen

Ύπνε που παίρνεις τα παιδιά
έλα πάρε και τούτο
Μικρό-μικρό σου το ‚δωσα
μεγάλο φέρε μου το

Μεγάλο σαν ψηλό βουνό
ίσιο σαν κυπαρίσσι
Οι κλώνοι του να φτάνουνε
σ‘ ανατολή και δύση

Meine Übersetzung

Schlaf, du die Kinder mitnimmst,
komm und holt dir auch dieses,
klein sehr klein hab ich es dir gegeben,
groß sollst du es mir wieder bringen.

Groß wie ein hoher Berg
gerade wie eine Zypresse
und seine Äste sollen reichen
vom Osten bis zum Westen

Von demselben Wiegenlied gibt es auch eine Version von Roza Eskenazy, die eigentlich im Rotlichtmillieu Istanbuls und später Athens ihre Haschischlieder sang. Sie sing aber ein Νανούρισμα

 

Sehr emotional gesungen ist „Nani Nani“, ein sephardisches Wiegenlied von Hadass Pal-Yarden, stimmlig näher an meine Mutter. Ich vermute, dass dieses Wiegenlied aus den jüdischen Gemeinden von Thessaloniki oder Istanbul kommt und in der Zeit des Osmanischen Reichs entstand, denn die Mutter wünscht sich dem Kind, einem Jungen, dass er ein Aga Grande, ein großer Aga wird.

Sehr schön ist auch das Greek Lullaby, gesungen von Lydia Koniordou

Dann ein „Sleepsong ~ Lullaby from a Secret Garden“

Das türkische „Dandini Dandini Dastana Turkish Lullaby Video Alkışlarla Yaşıyorum“

Und ich schließe mit einem Wiegenlied von Dionyssis Savopoulos. Hören Sie einen anderen Savopoulos: „Νάνι το μωρό μου“ (Nani mein Baby).

Dr. Emmanuel Sarides  17. Juli 2019
Rubrik: Kultur, Musik, Bühne, Sport

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