Die Heilige Synode, Makedonien und der Balkan

N. I. Mertzos
N. I. Mertzos

Die Heilige Synode der Kirche Griechenlands hat einstimmig beschlossen, die Benennung seitens Griechenlands des Staates Skopje mit dem Namen Makedonien oder einem Namen der diese Bezeichnung enthält nicht zu akzeptieren, weil, nach dem Erzbischof (Hieronymos Β΄) „das Thema nicht nur politisch und national sondern auch kirchlich ist“. Das ist von der Heiligen Synode falsch.

Η ΙΕΡΑ ΣΥΝΟΔΟΣ, Η ΜΑΚΕΔΟΝΙΑ ΚΑΙ ΤΑ ΒΑΛΚΑΝΙΑ
Übersetzung: Emmanuel Sarides

 

Da dieser Artikel möglicherweise skandalisieren könnte, sollten die Interessenten wissen, wer sein Verfasser ist. Den Verfasser haben mehrere Metropolien für seine Kämpfe zugunsten von Makedonien geehrt – darunter die Metropolien von Thessaloniki, Kastoria und Deutschland . Der Ökumenische Patriarch hat ihm das höchste Officio „Herrscher Lehrmeister des Geschlechts der Heiligen Großen Christus Kirche“ verliehen.

Mit Respekt vor der Kirche und vor allem vor der Wahrheit wollen wir bemerken:

  1. „Das Thema ist kirchlich“, weil die orthodoxe Kirche von Skopje „Makedonisch“ genannt wird. Sie wurde aber 1968 gegründet. Dauerte es ein halbes Jahrhundert, bis die Heilige Synode es bemerkt hat. Warum aber jetzt? Warum so plötzlich?
  2. Seit dem Jahre des Herrn 1993 ist der Staat von Skopje ein Mitglied der Vereinten Nationen, unter dem vorläufigen Namen „Former Yugoslav Republic of Macedonia, kurz FYROM“. Es bedarf nicht der Ausgießung des Heiligen Geistes, damit jeder sterbliche Mensch erkennen kann, dass dies klar und deutlich den Namen Makedonien enthält und diese Bestimmung sich lediglich auf das Wort Republik bezieht. Wann und wie hat seitdem die Heilige Synode der Kirche reagiert?
  3. Im Jahr 2007 haben alle Parteien unseres Parlaments, außer LAOS, den Namen Makedonien akzeptiert, sofern dieser eine Definition und für alle gültig war. Totenstille in der Heiligen Synode, seit mehr als zehn Jahren.
  4. Vor einiger Zeit hat sich die Heilige Synode – zu Recht – entschieden gegen die Einmischung des zuständigen Ministers in die inneren Angelegenheiten der Kirche gewehrt. Damals wurde der Minister entlassen. Nun aber greift die Kirche Griechenlands offen in die inneren Angelegenheiten des Staates ein und übt damit Außenpolitik aus. Sie vergisst damit, was der Herr sagte: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“. Versteht sie denn nicht, dass sie damit Wasser auf die Mühlen jener politischen Kräfte leitet, die die völlige Trennung der orthodoxen Kirche vom Staat wollen? Sieht sie nicht, dass sie damit spaltet?
  5. Im Vorgriff auf diese kritischen Fragen, erklärt die Heilige Synode, dass sie in Sachen Name ihrer Herde folgt. Führt sie ihre Herde oder wird sie von der Herde geführt? Wir Wlachen (eine Schäfer-Minderheit in Griechenland) wissen, dass die Schäfer die Herden treiben. Sie folgen ihr nicht. Und die pastoralen Schäfer, was tun sie?
  6. Ihr „Recht“ auf die rohe Intervention in die inneren Staatsangelegenheiten erklärt die Heilige Synode damit, dass „unsere Kirche mit dem Blut des Klerus und des Volkes große Opfer für die Hellenisierung Makedoniens gebracht hat“. Das ist richtig. Doch wohl unter anderen Bedingungen. Während des makedonischen Kampfes haben in der Tat Dutzende von einfachen Priestern ein Martyrium erlitten, und an erster Stelle haben viele Metropoliten gestanden, allen voran der Metropolit von Kastoria Germanos Karavangelis, von Pelagonia Ioakim Foropoulos, von Drama Chrysostomos, von Serres Grigorios, von Meleniko Emilianos, von Nevrokopi Theodoritos, von Korca Fotios und von Grevena Emilianos. Die letzten beiden wurden ermordet. Chrysostomos von Drama starb 1922 in Smyrna. Damals stand aber der makedonische Hellenismus unter den Osmanen, die Große Christi-Kirche führte Nation und Herde und die Guerillas (Komitazi) des schismatischen Exarchats von Bulgarien haben viele Menschen geschlachtet. Jetzt sind wir griechischen Makedonier freie Bürger der griechischen Republik, in deren Verfassung es heißt: „Alle Macht kommt vom Volk, sie existiert für das Volk und für die Nation und wird ausgeübt wie es in der Verfassung definiert wird. Die orthodoxe Kirche von Griechenland ist eine autokephale Kirche, die von der Heiligen Synode verwaltet wird und wird zusammengestellt wie im Statut der Kirche festgelegt ist.“
  7. In ihrer Rhetorik über Makedonien widerspricht die Heilige Synode ihre eigene Praxis. Sie weiß sehr gut, dass vor einigen Jahren bei der Wahl der neuen Mitglieder der Metropolien ein brillanter Kandidat schrecklich diffamiert wurde „er sei ein Mann von Skopje“, einfach weil er ein makedonischer Akritas (Grenzer) war. So viele „Patrioten“ und „Verteidiger Makedoniens“ beherrschen heute noch die priesterlichen Fanfaren. Deshalb sollten die ehrwürdigen Bischöfe vorher in den offiziellen Protokollen der Hierarchie die Antwort des „Skopje-Mannes“ lesen, der nun ihr Mitbruder ist, und sich öffentlich bei uns allen „verdächtigen“ makedonischen Akrites entschuldigen.
  8. Alle Epiphänomene zeigen, dass ein ehrlicher Kompromiss mit Skopje heranreift, sofern nicht verhandelbare Voraussetzungen unter internationaler Garantie gewährleistet werden: Name, allen gegenüber, Änderung der Verfassung, sofortige Abschaffung des Irredentismus zulasten griechisch Makedoniens. Jetzt ist die Zeit. Morgen wird es zu spät sein, weil die geopolitische Situation auf dem Balkan sich radikal verändert hat, die Korrelationen verbessern sich spektakulär, Griechenland ist ein Eckpfeiler und kann eine führende Rolle spielen. Griechenland befindet sich immer noch in einer Position der Überlegenheit allen anderen Balkan-Ländern gegenüber. Im Jahr 2016 hatten Albanien, Bulgarien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Serbien und Mazedonien zusammen 24.924.000 Einwohner und die Summe aller BIP belief sich auf 139,24 Milliarden Dollar. Im selben Jahr hatte Griechenland ein BIP von 194,06 Milliarden Dollar, obwohl es seit 2008 um 27% gesunken war.
  9. Die Stabilität des Nachbarstaates, die gegenseitige Freundschaft und die enge Zusammenarbeit sind von grundlegender Bedeutung für Griechenland. In Skopje gehört Griechenland unter den 5 größten Handelspartnern und ausländischen Investoren. Die griechischen Investitionen haben dort 18.000 Arbeitsplätze geschaffen und übersteigen die 1,2 Milliarden Euro. Sie kontrollieren die Erdöl-Raffinerie, die Tankstellennetze, die größte Bank, Kaufhäuser und anderes mehr. Unser junger Nachbarstaat ist der größte Kunde des Hafens von Thessaloniki und kontrolliert die strategischen Täler der Flüsse Axios (Vardar), Strymon und Erigonos. Seine Bürger verbringen massenweise ihren Urlaub in Griechisch Makedonien und stärken wöchentlich unseren Handel. Der Staat von Skopje besitzt eine bedeutsame Position im südlichen Balkan, ist aber auch eine Bombe, bereit zu explodieren und könnte seismische Erschütterungen verursachen, vielleicht auch Krieg in diesem sensiblen geopolitischen Raum.
  10. Wenn die gemeinsamen Anstrengungen gelingen sollten, wäre die Verbesserung der Situation eindrucksvoll. Es gibt übrigens ein Beispiel. Seit Jahrhunderten haben die Auseinandersetzungen mit den Bulgaren Flüssen von Blut gekostet. Seit aber Bulgarien der NATO und der EU, mit der warmen Unterstützung Griechenlands, beigetreten ist, haben die beiden Nachbarländer eine strategische Allianz entwickelt und verstärkt. Der nationale Traum der Bulgaren, der Zugang zum Belo More, in der Ägäis, wurde wahr. Der bulgarische Handelsverkehr wird über die Häfen von Thessaloniki, Kavala und Alexandroupolis, über die Autobahn Egnatia-Straße und über die neue internationale Straßenverbindung Nymphaia abgewickelt. Hunderte Bulgaren, nunmehr Bürger Europas, haben Villen an den Touristenstränden von Griechisch Makedonien gekauft. 35.104 Bulgaren haben sich 2005 als ständige Einwohner Griechenlands registriert. Griechenland ist der viertgrößte Investor in Bulgarien mit 2,5 Milliarden Euro im Jahr 2016. Die beiden Länder entwickeln gemeinsame EU-finanzierte Kommunikationsnetze. Am 5. September 2017 unterzeichneten die Premierminister von Griechenland und Bulgarien in Kavala ein Abkommen über ein schnelles elektrisches Bahn-Netz, das die griechischen Häfen Thessaloniki-Kavala-Alexandroupolis in der Ägäis mit den bulgarischen Häfen Burgas und Varna am Schwarzen Meer und Ruse (Russe) an der Donau verbinden soll. Am 6. Oktober 2017 wurde in Belgrad vereinbart, das ein schnelles elektrisches Bahnnetz Belgrad im Westen mit Budapest und im Süden, über Skopje, mit Thessaloniki verbinden soll.
  11. Gleichzeitig sind jedoch Bedrohungen auf dem Balkan sichtbar. Mit dem Islam als Fahne betreibt die Türkei seit Jahren eine Politik des Neo-Osmanismus und hat strategische Positionen auf dem Balkan besetzt und seinen Handel stark ausgeweitet, während sie Albaniens Förderung von Großalbanien nährt, das griechische Gebiete beansprucht.

In diesem sich verändernden geopolitischen Feld sollten alle lebendigen Kräfte des Hellenismus die Position von Griechenland erhalten und stärken. Als Schlüssel kann ein ehrlicher Kompromiss mit Skopje sein. Gott segne ihn!

N. I. Mertzos  19. Januar 2018
Rubrik: Balkan/Osteuropa/Kaukasus

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