Ethnische Minderheit und zwischenstaatliches Streitobjekt. Die Pomaken in Nordgriechenland

Dr. Emmanuel Sarides

Emmanuel Sarides, Freie Universität Berlin, Forschungsgebietsschwerpunkt ETHNIZITÄT UND GESELLSCHAFT, Probleme ethnischer Grenzziehung in Gesellschaften des Vorderen und Mittleren Orients

Emmanuel Sarides
Ethnische Minderheit und zwischenstaatliches Streitobjekt. Die Pomaken in Nordgriechenland
ETHNIZITÄT UND GESELLSCHAFT  Occasional Papers Nr. 11
ClP-Kurztitelaulnahme der Deutschen Bibliothek  Sarides, Emmanuel:  Ethnische Minderheit und zwischenstaatliches Streitobjekt; die Pomaken in Nordgriechenland Emmanuel Sarides. (Freie Univ. Berlin, Forschungsgebietsschwerpunkt Ethnizität u. Gesellschaft).
Berlin: Verl. Das Arab. Buch, 1987 (Ethnizität und Gesellschaft! Occasional Papers; Nr. 11)
ISBN 3-923446-20-9
NE: Ethnizität und Gesellschaft/Occasional Papers
gebietss  14; 16; 25

Freie Universität Berlin Forschungsgebietsschwerpunkt ETHNIZITÄT UND GESELLSCHAFT Probleme ethnischer Grenzziehung in Gesellschaften des Vorderen und Mittleren Orients
Sprecher:  Prof. Dr. Friedemann Büttner, Arbeitsstelle Politik der Vorderen Orients, Albrechtsstr. 36a  D-1000 Berlin 41  Tel.: O 30/79126 83  ISBN 3-923446-20-9 OCCASIONAL PAPERS
by Emmanuel Sarides Alle Rechte vorbehalten
Bestellungen:  Das Arabische Buch Wundtstr.13/ 15 D-1000 Berlin 19 Tel.: 0 30/3 22 85 23
Herstellung: tertia oHG Druck: R. Walter/Göttingen Printed in Germany 1987

Inhaltsverzeichnis

Seite

Einleitung                                                                                   1 – 4
Zur Geschichte der Pomaken                                                    4 – 7
Die soziopolitische Lage                                                            7 – 8
Aspekte griechischer Pomakenpolitik                                      8 – 13
Die bulgarische Sicht                                                                13 – 15
Die Pomaken aus türkischer Sicht                                           15 – 17
Schluss                                                                                       17 – 18
Anmerkungen                                                                            19 – 25
Literatur                                                                                    25 – 27
Zeitungen, Zeitschriften, Statistische Zahlen, Lexika, Dokumente  27 – 28
Abstract                                                                                                28 – 29

Ethnische Minderheit und zwischenstaatliches Streitobjekt. Die Pomaken in Nordgriechenland

Einleitung

Nationale Identitätsprobleme, ungeregelte Territorialansprüche und ungelöste Minderheitenfragen prägen noch immer die Innenpolitik und die zwischenstaatlichen Beziehungen der Balkanstaaten. Einige dieser Probleme – wie die Militarisierung der der kleinasiatischen Küste vorgelagerten griechischen Insel Limnos, die Festlegung der Luftkorridore über der Ägäis und die in jüngster Zeit zunehmenden Spannungen zwischen der Türkei und ihren Nachbarstaaten Bulgarien und Griechenland wegen deren Politik gegenüber den jeweiligen muslimischen Minderheiten – beschäftigen sogar die NATO, deren Südostflanke sie schwächen und die Europäische Gemeinschaft, deren Voll- bzw. assoziiertes Mitglied Griechenland und die Türkei sind. Auch wächst in den Ländern Westeuropas das Interesse einer breiteren Öffentlichkeit an diesen Streitfragen.

Die darin involvierten Länder Griechenland, Bulgarien und die Türkei haben seit ihrer Entstehung als moderne Nationalstaaten mit Schwierigkeiten ihrer kulturhistorischen und politischen Standortbestimmung und ihrer nationalen Selbstdarstellung zu kämpfen gehabt. Hervorgegangen aus der Konkursmasse des Osmanischen Reiches, hatten sich alle drei Staaten Innerhalb von Grenzen einzurichten, die unter dem Expansions- und Konkurrenzdruck der für die Zerstörung des Osmanischen Reiches mitverantwortlichen Großmächte Europas seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts mehrfach haben neu gezogen werden müssen, bis im Friedensvertrag von Lausanne 1923 Nationalgrenzen festgeschrieben wurden, die – trotz erneuter Verschiebungen während des 2. Weltkrieges – bis heute gültig sind.

Den Prozess einer Staatsbildung erschwerte der mit den Ideen der Aufklärung und Romantik nach Südosteuropa gebrachte Nationalismus, der dort besonders in seinen chauvinistischen Ausprägungen wirksam wurde: Zunächst war in dieser Ideologie prinzipiell die Einheit von Volk/Nation, Territorium und Staat gefordert, dann aber zwischen Völkern unterschieden, die durch ihre Geschichte und Kultur ausgezeichnet und darum zur Nationwerdung befähigt seien, und „geschichtslosen“ Völkern und Stämmen, denen die Berechtigung zu einer eigenstaatlichen Existenz abgesprochen wurde.

Mit dieser Ideologie konnten die „jungen Nationen“ in Griechenland, Bulgarien und anderen neuentstandenen Staaten die Konsequenzen immer neuer Grenzverschiebungen und territorialer Erweiterungen rechtfertigen, durch die untereinander verfeindete ethnisch-religiöse Gemeinschaften und Stämme im Interesse der „nationalen Einheit“ zusammengeführt und einer rigorosen Assimilationspolitik unterworfen wurden, andere, die im Prozess einer jahrhundertelangen soziokulturellen Angleichung unter byzantinischer und osmanischer Herrschaft gemeinsame soziokulturelle Werte und Traditionen entwickelt hatten mitsamt ihrer homogenisierten Region auf verschiedene Nationalstaaten aufgeteilt und in diese integriert.

In Griechenland nahm der Nationalismus die Form einer Theorie vom Griechentum an, die – m Interesse der erwünschten Identität aller Bewohner des Nationalstaates – eine eklektische Mischung aus Christentum und Antike zur Sollbestimmung und Staatsdoktrin erhob. Ihr entsprechend wurden alle Christen, die auf dem Boden des antiken Hellas lebten, ohne Berücksichtigung sprachlicher, ethnischer oder kultureller Besonderheiten, zu Nachfahren der alten Hellenen erklärt. Diese Doktrin, die noch heute in der Gleichsetzung von „Volk“. „Staat“ und „Nation“ im Begriff „Ethnos“ ihren Ausdruck findet, lieferte auf der anderen Seite die ideologische Legitimation für eine Minderheitenpolitik, die, von der Frage der Religionszugehörigkeit ausgehend, erhebliche und sehr unterschiedliche Konsequenzen für alle Minderheiten hatte. Die Doktrin erklärt einerseits, weshalb eine ethnische Vielfalt der auf griechischem Boden siedelnden Bürger geleugnet wurde und andererseits, warum bestimmte Minderheiten, wie die in Griechenland lebenden Muslime, nicht per Zwangsassimilation zu Griechen im Sinne einer auch über die Religionszugehörigkeit definierten Nation deklariert werden konnten. Letztlich wurde ihre Religion Ausgangspunkt einer Stigmatisierung als „Türken“ (wobei sich religiöse mit regionalpolitischen Vorurteilen verbanden), womit ihnen zugleich die Befähigung abgesprochen wurde, vollwertige Mitglieder der griechischen Gesellschaft zu sein.

Wie Griechenland, so hat auch Bulgarien seine heutige Territorialgröße erst in langwierigen und blutigen Kämpfen mit seinen Nachbarländern erlangt: während der sogenannten Balkankriege stritten sich z.B. die Popen des bulgarischen Exarchats mit ihren Kollegen der autokephalen Kirche Athens um die Gunst der makedonischen Slawen, welche allein ihre bulgarische oder griechische Ethnizität bezeugen sollte. Diese Phase nationaler Politik, die ebenfalls muslimische Minderheiten nicht assimilierbar machte, führte auch nach dem 2. Weltkrieg, als Bulgarien bereits sozialistisch geworden war, zu mehreren Abkommen mit der Türkei, welche einen Teil der bulgarischen Muslime als Türken aufnahm. Die in Bulgarien verbliebenen, immerhin noch schätzungsweise 800.000 Personen, kamen in den letzten Jahren immer wieder auf die Schlagzeilen der internationalen Presse (1).

Wie in Griechenland handelt es sich auch bei einem Teil der „Türken“ in Bulgarien um Pomaken, eine slawischsprachige Minderheit, die mit den Türken nur die islamische Religion gemeinsam hat. Wurde auch gelegentlich in der Berichterstattung über die Situation in Bulgarien auf diese Tatsache aufmerksam gemacht (2), so blieb doch das herkömmliche Bild erhalten, wozu sicherlich der Umstand beitrug, dass internationale Organisationen und Institutionen (wie der Europarat oder die Gefangenenhilfsorganisation amnesty international) sich die undifferenzierte Bezeichnung zu eigen machten, indem sie die bulgarische Regierung durch Resolutionen aufforderten, die Verfolgung der „Türken“ in Bulgarien einzustellen (3). Auf der anderen Seite ist festzuhalten, dass die Pomaken als eine europäische Minderheit selbst bei Fachwissenschaftlern so gut wie unbekannt sind.

Wer aber sind die Pomaken? Woher kommt diese „Minderheit in der Minderheit“ und welche Faktoren haben dazu beigetragen, dass ihre Eigenidentität hinter dem in der Öffentlichkeit entstandenen Bild unscharf erscheint, ja, dass sie sogar von einer Türkischen überzogen wird? Die nachfolgende Untersuchung, die sich vor allem als Beitrag zur historischen und zeitgeschichtlichen Forschung versteht, trägt das vorhandene Material zur Beantwortung dieser Fragen zusammen. Für die Erfassung der ethnischen Besonderheiten und des historisch gewachsenen Selbstverständnisses dieser Minderheit wird bei der Aufarbeitung des vorhandenen Materials das Augenmerk auf die Assimilationsstrategien und Allianztaktiken der drei involvierten Länder Griechenland, Bulgarien und der Türkei gerichtet, um dem Grad der Fremdbestimmung der Pomaken die eigene ethnische Identität gegenüber zu stellen. Erst aus diesem Gegensatz können Kriterien für eine Feldforschung über die Pomaken gewonnen werden.

Hervorgehoben sei hier, dass eine Darstellung der Pomaken-Problematik aus mehreren Gründen äußerst schwierig ist: Die Sprache der Pomaken‚ ein altslawisches Idiom, ist keine Schriftsprache; in Griechenland wäre ihre Schriftsprache das Bulgarische, das aufgrund des historisch gewachsenen Gegensatzes zwischen beiden Ländern unmöglich in griechischen Schulen eingeführt werden kann. Die Forschung ist bei der Rekonstruktion ihres historischen Niedergangs auf spärliche, meist tendenziöse Berichte und auf die mündlichen Überlieferungen der Pomaken selbst angewiesen, die schwer in Erfahrung zu bringen sind, da Forschung im Pomaken-Gebiet auf das Misstrauen der griechischen Behörden stößt. Veröffentlichungen über Minderheiten können in Griechenland dem Autor leicht den Vorwurf der “antinationalen Umtriebe“ eintragen, in Bulgarien und der Türkei ist die Situation auch nicht anders. Darum sei hier ausdrücklich versichert, dass der Autor dieses Aufsatzes die nationalen Interessen der in die Pomaken-Problematik involvierten Länder nicht beeinträchtigen will, seine Untersuchung also nicht als der berühmte „nützliche Idiot“ einer Seite, sondern im Sinne des Panbalkanismus eines Rigas Ferreos abgefasst hat.

Zur Geschichte der Pomaken 

Die Pomaken Griechenlands sind Teil einer Volksgruppe, die heute auf dem südlichen Teil der Rhodopen-Gebirge angesiedelt ist (4). Durch die griechisch-bulgarische Staatsgrenze willkürlich getrennt, leben ihre Angehörigen heute als Bürger zweier Staaten, die im Verlauf ihrer bisherigen Geschichte miteinander meistens verfeindet waren. Weder die Pomaken Griechenlands noch diejenigen Bulgariens konstituieren eine ethnische Minderheit, die gesondert Anerkennung gefunden hätte. Beide Minderheiten sind vielmehr von den jeweiligen Ländern als Objekte von Assimilierungsstrategien ausersehen‚ d.h. sie sollen gräzisiert bzw. bulgarisiert werden. Die Türkei schließlich leitet aus der Tatsache, dass die Pomaken Muslime sind, den Anspruch ab, sie als Türken für sich zu reklamieren.

Für die Pomaken gilt, wie für alle anderen „geschichtslosen“ Völker, dass ihre Geschichte die Geschichte ihrer Eroberer ist. Im Gebiet der Pomaken waren solche die Bulgaren‚ die Byzantiner und die Osmanen. Beide letzteren bildeten multiethnisch-multisprachige Imperien‚ die sich durch ihre relative Toleranz kleineren Völkern gegenüber auszeichneten. Anders die Bulgaren, die bei ihren Einfällen in das Gebiet des heutigen Bulgarien im 7., 10., 11. und 12. Jahrhundert die flüchtigen Pomaken in die schwer zugänglichen Hänge des Rhodopen-Gebirges trieben. Es muss angenommen werden, dass diese Erfahrung noch heute ihrer expliziten Antipathie gegen die Bulgaren zugrunde liegt. Im Rhodopen-Gebirge, das ihnen zudem gegen die häufigen Einfälle der Piraten, die die Ägäis-Küsten und Inseln unsicher machten, Schutz bot (5), sind die Pomaken heimisch geworden.

In der westeuropäischen Rezeption wird der ethnische Ursprung der Pomaken unterschiedlich dargestellt. Für de Jong sind sie “a turkicised Muslim people of obscure origins mostly speaking a Bulgarian dialect with Turkish as a second language“ (6). Nach Bajraktarevic´ bilden sie allerdings „die reinste Schicht der alten bulgarischen bzw. serbischen Bevölkerung, die ihren slawischen Typus und ihre slawische Sprache (besonders lexikalische Archaismen) gut, manchmal – infolge der Abschließung gegenüber Christen und der Isolierung in den abseits gelegenen Ebenen – sogar besser erhalten haben als ihre christlichen Stammesgenossen, welche einer Mischung mit anderen ethnischen Elementen fortwährend ausgesetzt waren“ (7). Von Interesse mögen — wegen ihrer Dürftigkeit wohl – auch die Pomaken-Definitionen der verschiedenen enzyklopädischen Werke sein: „Der neue Brockhaus“ beispielsweise schreibt unter dem Stichwort „Pomaken“: „bulgar. Pomaci, die muslim. Bulgaren in einigen Gegenden Bulgariens, Thrakiens und Makedoniens, etwa 120.000 Menschen“ (8). Ähnliches schreibt auch “Meyers Großes Universal Lexikon“, welches die Pomaken als „zum Islam bekehrte Bulgaren“ bezeichnet (9), in der „Great Soviet Encyclopedia“ bedeutet „Pomaken“ „the formerly colloquial name for Bulgarian Muslims“ (10) und im „Larousse du XXe Siecle“ erscheinen sie als „partie du peuple bulgane“ (11). Der gleichen Auffassung ist auch das griechische „Enkyklopedicon Lexikon Eleftherudakis“, welches außerdem auf den Unterschied zwischen Pomaken und Türken in Bulgarien hinweist (12). „The New Encyclopaedia Britannica“ hat für die Pomaken keine Eintragung (13).

Unterschiedliche Auffassungen gibt es auch hinsichtlich der Zeit und der näheren Umstände ihrer Islamisierung. Nach Bajraktarevic´ erfolgte sie nicht überall auf einmal, sondern allmählich und zu verschiedenen Zeitperioden: erst nach der Schlacht von Maritza (1371) und dem Fall von Trnovo (1393), dann zurzeit Sultan Selim I. (1512-1520), zuletzt unter Mehmed IV. (1648-1687) (14). Türkische Quellen stimmen mit diesen Angaben in etwa überein: A.C. Eren z.B. führt ihre Bekehrung auf die Zeit Murad l. (1359-1389) (15), M. Kayihan auf die Zeit nach der Schlacht von Kosovo (1389) zurück (16). Nach dem „Enkyklopedikon Lexikon Eleftherudakis“ wurden sie im 17. Jahrhundert islamisiert (17), nach J.D. Magriotis begann ihre Bekehrung zum Islam zur Zeit Selims I. und war unter Mehmet IV. (1648-1687) abgeschlossen (18).

Nach Kayihan hatten die Pomaken bis zu ihrer Islamisierung eine schamanistische Religion (19). Viele Autoren behaupten aber, indem sie sich auf die Tatsachen von Überresten christlicher Kirchen in ihrem Siedlungsgebiet stützen (20), die Pomaken seien vor ihrer Islamisierung Christen gewesen. Vor allem griechische Autoren weisen darauf hin, dass die Pomaken zu den treuesten Verbündeten der byzantinischen Kaiser gehörten; im Rhodopen-Gebirge wurden sie von ihnen als „Grenzer“ eingesetzt, um das Reich und seine Hauptstadt gegen die Einfälle der „Barbaren“, meist Bulgaren, zu schützen (21). Manche Bräuche, etwa die Bekreuzigung des Brotteigs oder der Basilius-Stollen mit der darin versteckten Goldmünze, weisen auf christliche Ursprünge (22). Nach Obolensky waren die Pomaken bis zu ihrer Islamisierung Bogomilen, wie ihre Bezeichnung Torbesi bezeugen soll (23). Tatsächlich ist ihr Siedlungsgebiet das Gebiet, in dem sich im 10. bis zum 13. Jahrhundert die Bogomilen-Bewegung ausbreitete. Gegenüber früheren, anderslautenden Aussagen stimmen heute die meisten Autoren zumindest darin überein, dass die Islamisierung der Pomaken gewaltlos erfolgte (24).

Mit den Balkanbund schufen Bulgarien, Griechenland, Serbien und Montenegro 1912 eine Voraussetzung für die Aufteilung der ehemaligen osmanischen Gebiete in Europa. Thrakien und Makedonien wurden in den folgenden Balkankriegen unter den Siegern aufgeteilt. Aber erst nach der Beendigung des Ersten Weltkrieges erfolgte eine endgültige Grenzziehung‚ mit der Bulgaren, Griechen und Serben endlich ihre „Brüder und Schwestern“ heimholten‚ während zugleich Großmächte ihre Einflussgebiete erweiterten und/oder stabilisierten.

Die Pomaken blieben von diesem Prozess forcierter Nationenbildung ausgeschlossen. Während „Nationalstaaten“ unterschiedlicher Art auf dem Boden des ehemaligen Osmanischen Reiches entstanden waren, wurden in der Balkan-Politik der damaligen Großmächte die „nationalen“ Interessen der Pomaken ebenso wenig wie jene der Kurden oder Armenier berücksichtigt. Die Situation verschärfte sich eher, da die neugezogene griechisch-bulgarische Grenze ihr Hauptsiedlungsgebiet in den südlichen Rhodopen in der Mitte durchschnitt. Die Pomaken waren zu einer „nonstate nation“ geworden, deren Angehörige zur Hälfte in Griechenland, zur Hälfte in Bulgarien existieren sollten. Statt einer nationalen Befreiung hatten sie lediglich einen Herrschaftswechsel erlebt. Das bedeutete eine Verschlechterung der Lage gegenüber der Ausgangssituation, denn ihr neuer Status wies jetzt einen definitiven Charakter auf und gewährte ihnen keine Aktions- und Freiräume.

Nach der Französischen Revolution und wohl auch im Zuge der imperialistischen Expansion europäischer Großmächte, setzte auf dem Balkan das sogenannte nationale Erwachen der Völker ein. Westeuropäische Ideologien vermengt mit konmunalistischen und/oder regionalistischen Symbolen rückten in den Vordergrund des sozial-politischen Lebens und verdrängten die Bedeutung des Stammes oder der Region hinter jener der Konfession und der Nation. Die Griechen rekurrierten auf das antike Hellas, die Slawen suchten ihre Schwäche zeitweise in der Panslawismus-Bewegung zu überwinden. Die Position der ebenfalls um Autonomie kämpfenden Pomaken gestaltete sich aber schwierig. Eine Anlehnung an die christliche Bewegung der Panslawisten oder gar Russlands war aus religiösen Gründen nicht möglich. Einen Ausweg bot lediglich die Unterstützung der Pforte, die jedoch die Autonomie ausschloss. Es kam zu einer Allianz mit dem Sultan, der die Pomaken zur Niederschlagung des sogenannten April-Aufstands der Bulgaren 1876 benutzte, bei dem sie sich durch besonderen Fanatismus und Brutalität auszeichneten (25).

Nach dem offenen Eingreifen Russlands auf Seiten Bulgariens endete der Krieg 1877/1878 mit der Niederlage der osmanischen Armeen. Der Berliner Kongress 1878 erkannte ein tributpflichtiges Fürstentum Bulgarien und ein transbalkanisches Vilayet Ostrumelien an, welches autonom vom christlichen Statthalter der Pforte Aleko Pascha verwaltet werden sollte. Dieses schloss in seinem Territorium das Hauptsiedlungsgebiet der Pomaken ein. Da die Pomaken mit dieser Lösung nicht einverstanden waren und der Berliner Kongress ihren Abgesandten keine Alternativregelung bot, kam es zu einem Aufstand, der zur Gründung einer Pomaken-Republik führte (26).

Bereits 1883 wurde diese Pomaken-Republik infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Bulgaren und Osmanen aufgelöst. Bulgarische Truppen besetzten 1885 Ostrumelien und damit auch das Rhodopen-Gebirge. Bis zu einer endgültigen Regelung der Territorialfragen auf dem Balkan stritten sich Bulgarien und Griechenland um das Siedlungsgebiet der Pomaken. Dabei wurden die Pomaken oft als Objekte der jeweiligen Diplomatie und Außenpolitik missbraucht‚ um Territorialansprüche der beiden Länder geltend zu machen. So haben z.B. am Ende des Ersten Weltkrieges 8 pomakische Abgeordnete des bulgarischen Parlaments, der Sabranje, in einer Petition an den französischen General d’ Esperay Maßnahmen gegen die bulgarische Regierung wegen Willkür und einen Anschluss an Griechenland gefordert (27).

1919-1922 führte Griechenland einen Feldzug nach Kleinasien, um seine expansionistischen Pläne der “Megali ldea“‚ der Wiederherstellung eines imperialen Griechenland, zu verwirklichen. Die Expedition endete mit einer verheerenden Niederlage der griechischen Armee und einer Regelung der umstrittenen Territorialfragen, die Griechenlands Rückzug aus Kleinasien und Ost-Thrakien vorsah. Rest-Thrakien wurde unter Bulgarien und Griechenland aufgeteilt; die gemeinsame Grenze schnitt dichotom das Siedlungsgebiet der Pomaken.

In der Lausanner Konvention “concerning the exchange of Greek and Turkish populations“ vom 30.1.1923 wurde die Religionszugehörigkeit‚ wie bei den osmanischen Millets, zum maßgeblichen Kriterium bei der Bestimmung der jeweiligen ethnischen Zugehörigkeit erhoben (28). Von Bevölkerungsaustausch, der etwa 434.000 aus Griechenland ausgesiedelte Muslime und etwa 1,35 Millionen Christen orthodoxen Glaubens aus der Türkei betraf (29), blieben. neben einer relativ kleinen Gruppe albanischer Muslime in Griechisch-Epirus‚ die Muslime in Griechisch-Thrakien‚ wie auch die Christen in Istanbul und auf den beiden Inseln Imbros und Tenedos ausgenommen. Sie erhielten den Status von Minderheiten, wobei man die Pomaken unter die muslimische bzw. türkische Minderheit subsumierte‚ und ihnen somit die Anerkennung als eine gesonderte ethnisch-religiöse Gruppe verweigerte.

Als griechische Staatsangehörige überboten die Pomaken die Muslime bzw. Rumeli-Türken Griechenlands in der Ablehnung Kemal Atatürks und wurden zu den erbittertsten Gegnern der kemalistischen Reformen und der aus dem Kemalismus hervorgegangenen türkischen Regierungen. Es ist anzunehmen, dass dies daran lag, dass einerseits Reformen einer Säkularisierung und dadurch einer Relativierung des Glaubens Vorschub leisteten, zum anderen aber auch, weil eine eventuelle Übernahme türkischer ‚Verwestlichungsmuster“ für sie große Assimilationsgefahren bedeutete. Diese Distanz zur Türkei hätte natürlich Griechenland vielfältig nutzen können, wenn es eine konsequente Politik der Unterscheidung zwischen den einzelnen muslimischen Minderheiten Thrakiens verfolgt hätte. Die griechische Muslimen-Politik hat aber stets nur Muslime oder Türken anerkannt. Erfolgreich war letztlich nur die Türkei, die es verstand, einen in Ansätzen vorhandenen ldentifikationsprozeß der Pomaken mit den Rumeli-Türken zu unterstützen, dadurch ihre Identifikation mit der Türkei zu erreichen und sie zu einem Mittel ihrer Griechenland-Politik zu machen.

Während des Zweiten Weltkrieges spielte die gemeinsame Sprache in den Beziehungen der Pomaken zu Bulgarien zeitweise eine wichtige Rolle. Die Ereignisse zur Zeit der Okkupation durch deutsche und bulgarische Truppen mögen dies belegen. Die bulgarischen Besatzer verfolgten nämlich in Thrakien eine Bulgarisierungspolitik, die darauf abzielte‚ das Vorhandensein einer bulgarischen Bevölkerung zu dokumentieren und so ihre Ansprüche auf die Region, die eine langersehnte Öffnung zur Ägäis ermöglichte‚ geltend zu machen. Angeführt vom ehemaligen Parlamentsabgeordneten von Xanthi, Hamdi Fehmi‚ fanden sich viele Pomaken bereit, die bulgarische Staatsangehörigkeit anzunehmen und so den Verfolgungen zu entgehen, die die übrige Bevölkerung Thrakiens erlitt (30). Mit dem Zusammenbruch der Achsenmächte war für Griechenland die Gefahr, die vom faschistischen Bulgarien ausging‚ beseitigt, die Gefahr aus dem kommunistischen Bulgarien trat an ihre Stelle. Im Bürgerkrieg verdächtigte die griechische Regierung die Pomaken als die fünfte Kolonne Bulgariens bzw. Moskaus, weswegen ihr Siedlungsgebiet aus Furcht vor Infiltration und Waffennachschub für die griechischen kommunistischen Guerillas zur militärischen Sperrzone erklärt wurde.

Die soziopolitische Lage 

Die Region Thrakien im nordöstlichen Teil Kontinental-Griechenlands, hat im Osten eine gemeinsame Grenze mit der Türkei, im Norden mit Bulgarien, im Süden befindet sich das Ägäische Meer. Thrakien besteht aus den drei Verwaltungseinheiten (Präfekturen, griech. Nomoi) Xanthi, Rhodopi und Evros. Die Pomaken machen etwa ein Viertel der muslimischen Bevölkerung Thrakiens aus, die Muslime insgesamt ein knappes Drittel der Gesamtbevölkerung Thrakiens (31). Sie bewohnen ethnisch homogene Siedlungen, die in einer etwa 20 Kilometer breiten Zone unterhalb der bulgarischen Grenze an den südlichen Ausläufern der Rhodopen-Gebirge liegen, dem sogenannten Dag Bölge (Gebirgszone), Balkan Kol (Balkanarm) oder Cebel (Berg) (32).

Die Pomaken sind, wie die Gesamtheit der Muslime Griechisch-Thrakiens, Sunniten. Sie selbst bezeichnen sich als Hanefi, Angehörige der im Osmanischen Reich bevorzugten Rechtsschule. Eine größere Anzahl von Tekke (Derwisch Klöstern), die über ganz Thrakien verstreut sind, zeugen noch heute von der Bedeutung des Bektaschi-Ordens im osmanischen Thrakien. Wie bereits erwähnt, haben die thrakischen Muslime und ganz besonders die Pomaken die laizistischen Reformen Kemal Atatürks nicht akzeptiert, diese sogar als Werk des Teufels betrachtet. Dieser Gegensatz zum Kemalismus tritt zwar heute nicht mehr so krass in Erscheinung, trägt jedoch zur Bildung einer Grenze bei, die Pomaken von der dominanten Gruppe der Runeli-Türken doch noch trennt.

Der Umstand, dass in Griechenland eine Trennung von Staat und Kirche nicht vollzogen wurde, prägt auch den Status der Muslime im griechischen Verwaltungssystem: Sie unterstehen zwar der Oberherrschaft des griechischen Staates, für die zivile Gerichtsbarkeit sind jedoch die in ihrer Präfektur gelegenen Müftü-Ämter zuständig. Diese Ämter zählen Eheschließungen und Scheidungen, Vormundschaften und Testamente zu ihren Aufgaben, darüber hinaus die Einsetzung von lmamen (Geistlichen) und – zusammen mit eigens dafür zu bildenden Ausschüssen – die Verwaltung des religiösen Vermögens (Vakf). Es gibt drei Müftü-Ämter, die in Xanthi (Iskece)‚ Komotini (Gümülcina) und Didimoticho (Dimotika) residieren. Gemäß einem bilateralen Abkommen zwischen Griechenland und der Türkei aus dem Jahre 1968 sind die Schulen der Muslime zweisprachig, d.h. der Unterricht findet in Türkisch und Griechisch statt. Schulen mit Pomakisch-Unterricht gibt es nicht; in den Siedlungen der Pomaken findet der Unterricht in Türkisch, Griechisch und Arabisch statt. In Thrakien existieren 261 ein-. zwei-‚ drei- usw. -klassige Grundschulen, zwei Gymnasien und zwei Medressen‚ von denen die eine in der Pomaken-Gemeinde Echinos liegt. Nach einem umstrittenen Schlüsselsystem kommt ein Teil der Lehrer und der Lehrbücher aus der Türkei, ein anderer Teil der Lehrerschaft besteht aus Angehörigen der muslimischen Minderheit, die in einer pädagogischen Akademie in Thessaloniki ausgebildet werden. In Thrakien werden fünf türkischsprachige (Wochen-) Zeitungen und zwei türkischsprachige Zeitschriften herausgegeben (in den Städten Xanthi und Komotini). Schließlich gibt es ein tägliches Rundfunkprogramm im lokalen Rundfunk für die Muslime.

Haupterwerbsquelle der Pomaken ist die Landwirtschaft. Im Gebirge ihrer Siedlungsgebiete wird Weizen, Mais, Gemüse, vor allem jedoch Tabak angebaut und Schafzucht betrieben. Teilweise hat die Landwirtschaft Subsistenzcharakter. Aufgrund struktureller Veränderungen in der griechischen Landwirtschaft, die mit einem Zurückgehen der Fläche der Tabakfelder um etwa 38 Prozent einherging (33), gab es in den sechziger und siebziger Jahren eine starke Auswanderung der vorwiegend vom Tabakanbau lebenden Bevölkerung Thrakiens nach Westeuropa. Zur gleichen Zeit machten sich auch bei den Pomaken Landfluchttendenzen bemerkbar. Obwohl traditionell stark ortsgebunden, begannen sie ihre Siedlungen zu verlassen und sich in die Provinzhauptstädte Thrakiens niederzulassen (34). Pomaken sind heute sogar im entfernten Thessaloniki anzutreffen. Ein anderer Teil der Pomaken fand eine saisonbedingte Beschäftigung in der Industrie und im Bau- und Dienstleistungsgewerbe. Unter den etwa 7.000 muslimischen „Gastarbeitern“ aus Griechenland in der Bundesrepublik sind viele Pomaken anzutreffen.

Eine Führungsschicht besitzen die Pomaken nicht. Der Mufti von Xanthi z.B.‚ pomakischer Abstammung, gibt sich niemals als solcher zuerkennen und hat auch niemals die Interessen der Pomaken artikuliert. Pomaken-Kinder, die ausnahmsweise studieren wollen, besuchen nach der Grundschule eines der beiden Minderheiten-Gymnasien in Xanthi oder Komotini, die von türkei-türkischen Lehrern beherrscht werden. Fast zwangsläufig folgt darauf ein Studienaufenthalt in Istanbul, der meist zu dauernder Niederlassung in der Türkei führt. So sind die Pomaken auf die Einrichtungen der Rumeli-Türken angewiesen, auf deren Zeitungen, Vereine, Rechtsanwälte und auf die Dienste der beiden Abgeordneten im griechischen Parlament, die ebenfalls aus den Reihen der Rumeli-Türken gewählt werden. Ihre Möglichkeit, sich öffentlich als Gruppe zu artikulieren, ist deshalb extrem eingeschränkt und ihre „Artikulatoren“ vertreten Interessen, die nicht völlig mit ihren eigenen identisch sind. Zumindest was die Außendarstellung angeht, erfolgt eine zunehmende Identifizierung der Pomaken mit den Rumeli-Türken.

Aspekte griechischer Pomakenpolitik 

Die offizielle Pomakenpolitik Griechenlands ist bis heute von häufigen Richtungswechseln, einem Gelegenheitscharakter und von unkoordinierten‚ den jeweiligen innen- oder außenpolitischen Belangen gehorchenden Maßnahmen geprägt. Wären die Pomaken Christen, wären sie längst gräzisiert‚ wie all die übrigen Minderheiten, wie die Albaner, Makedonier‚ Wlachen u.a.m. Doch die sogenannte Kontinuitätstheorie, der zufolge alle auf dem Boden des antiken Hellas wohnenden Christen Nachfahren der alten Hellenen sind, bildet zwar die Grundlage der Assimilation aller Christen im Prozess der nationalen Integration, begründet aber zugleich die Ausgrenzung der Muslime, spricht ihnen die Fähigkeit ab, vollwertige Mitglieder der griechischen Gesellschaft zu sein. Die griechische Intelligenzija und griechische Autoren haben es niemals gewagt, sich gegen den offiziellen Standpunkt aufzulehnen. In diesem Kontext war die griechische Pomakenpolitik stets „ratlos“; sie wusste nicht, mit ihnen etwas anzufangen.

Das neue Griechenland entstand nicht nur im Kampf gegen die Osmanen. Der ursprüngliche Zwergstaat gewann seine heutige Territorialgröße erst nach längeren Auseinandersetzungen mit seinen Nachbarstaaten um die restlichen Gebiete des Osmanischen Reichs in Europa. Letzter Akt griechischer Expansionspolitik, die ideologisch in der Losung von der sogenannten “Megali Idea“ zum Ausdruck kam, war 1922 die Niederlage der griechischen Expansionstruppen in Anatolien durch die Armeen Kemal Atatürks. Dieser Niederlage folgte eine Phase der nationalen Konsolidierung, die bevölkerungspolitisch darauf abzielte, die verschiedenen christlichen ethnischen Gruppen im Assimilationsprozeß zu gräzisieren. An die Homogenisierung der Bevölkerung knüpfte man eine zweifache Hoffnung: eine relative soziopolitische Stabilität im Innern herzustellen und weniger Möglichkeiten für eine Einmischung von außen zu bieten.

Der Prozess nationaler Integration durch die Assimilationspolitik, durch das Abschieben ethnischer Gruppen in die benachbarten Länder (35), vor allem jedoch durch den in den Jahren 1922/23 erfolgten Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei in den meisten Regionen kann heute als abgeschlossen betrachtet werden (36). Unklar blieb die Situation nur in Thrakien‚ wo entsprechend der im Lausanner Vertrag vereinbarten Ausnahmeregelung die muslimische Bevölkerung in der Region verbleiben durfte (37). Diese Muslime wurden stets als Fremdkörper und als potentielles Konfliktpotential begriffen. Dabei entspringt diese Betrachtungsweise nicht allein der Zugehörigkeit dieser Bevölkerungsgruppe zum islamischen Glauben. Kleineren‚ peripheren Nationalstaaten fehlen vielfach die Voraussetzungen, ethnisch-religiöse Minderheiten gesellschaftlich und national zu integrieren: beispielsweise die finanziellen Mittel für Infrastrukturmaßnahmen, ein effizienter Verwaltungsapparat und insgesamt das öffentliche Bewusstsein und die staatliche Souveränität. Überdies sind diese Staaten aufgrund der Bedingungen ihres “nation-building“ in einem Territorium mit vielerlei ethnischen Gruppen und wohl auch aufgrund dessen, dass die Großmächte sich stets Minderheiten bedienten, um ihre Teile-und-Regiere-Politik durchzusetzen, in Minderheiten-Fragen äußerst misstrauisch und vermuten hinter jedem, der Forderungen von Minderheiten akzeptiert, weitergibt oder sich, z.B. als Forscher‚ mit Minderheiten befasst, Agenten von dunklen Mächten. Der einengende Nationalismus führt zwangsläufig dazu, dass Minderheiten-Fragen erst gar nicht gestellt oder von einem bestimmten Blickwinkel betrachtet werden, der als ahistorisch oder unwissenschaftlich bezeichnet werden könnte. So bleiben die Minderheiten in Griechenland für den Staatsbürger selbst eine terra incognita; ihre Belange dürfen lediglich vom Staat erörtert werden und die Intelligenzija, die sich des Themas annimmt, verkommt zu einem bloßen Repetitor staatlicher Politik, übertrifft im Übereifer zuweilen sogar die staatliche, extrem nationalistische Argumentation.

Die Ambivalenz griechischer Pomaken-Politik ist bis heute erhalten geblieben: Zwar hat man offiziell die nichtchristliche Bevölkerung Thrakiens stets pauschal als muslimisch oder türkisch bezeichnet, bei den statistischen Erhebungen jedoch bis 1951 die Pomaken anhand ihrer Muttersprache gesondert aufgeführt; zwar hat man die Pomaken als einen altthrakischen – und somit für das griechische Geschichtsverständnis einen altgriechischen – Stamm, den der Achrianen, deklariert, man behandelte sie jedoch niemals als eine entsprechend von den übrigen Muslimen gesonderte Gruppe, sondern unterwarf sie den Bedingungen der Minderheiten-Politik, die eigentlich die sogenannten Rumeli-Türken zum Ziel hatte. Ambivalent blieb es auch mit der Ersetzung der slawischen Orts-‚ Fluss- und Bergnamen durch griechische im Pomaken-Gebiet durch willkürlich gewählte griechische, da man die Pomaken auch hier nicht als Griechen, sondern als Muslime bzw. Türken behandelte.

Die Solidarisierung der Pomaken mit den Rumeli-Türken hatte nach dem Anschluss Thrakiens an Griechenland und den Lausanner Verträgen begonnen und zwar aus dem Bewusstsein der gleichen Lage als einer muslimischen Minderheit in einer als feindlich und bedrohlich empfundenen christlichen Unweit. Sie verfestigte sich nach den kemalistischen Reformen in der Türkei, als Griechisch-Thrakien Zufluchtsort der von Atatürk verfolgten Anhänger der Osmanen bzw. des Kalifats geworden war und ging schließlich in einer Identifizierung mit den Rumeli-Türken über, der auch von den Griechen am höchsten eingestuften Minderheit.

Ein Abkommen der griechischen Regierung mit der Türkei in den dreißiger Jahren führte dazu, dass die nach Thrakien geflüchteten Atatürk-Gegner und mit ihnen auch die traditionell konservativen politisch-religiösen Führer der thrakischen Muslime in die Türkei abgeschoben wurden. Die neuen Führer, die mit Einverständnis und auf Betreiben Griechenlands und der Türkei an die Macht kamen, waren Republikaner. Es wäre zu erwarten, dass der ldentifikationsprozeß der Pomaken mit den Rumeli-Türken damit beendet war. Hinzu kam, dass ein Teil der Pomaken während der deutschen bzw. bulgarischen Besetzung Thrakiens im Zweiten Weltkrieg sich an Bulgarien orientierte. Die Existenz einer starken muslimischen Resistance‚ an der auch zahlreiche Pomaken beteiligt waren, wirkte sich aber ausgleichend, so daß die Kontakte zwischen Pomaken und Rumeli-Türken und der Türkei aufrechterhalten blieben.

Das Fehlen einer konsequenten Pomaken-Politik und ihr Gelegenheitscharakter machten sich auch im Zweiten Weltkrieg bemerkbar. Erst wurden die Pomaken als Mittel griechischer Außenpolitik gegen Bulgarien eingesetzt, dann den Strategien und Taktiken türkischer Griechenland-Politik überlassen. So war im Jahre 1946 eine Pomaken-Abordnung, angeführt vom griechischen Parlamentsabgeordneten Hamdi Hüseyn Bey und von Hakki Süleyman Bey aus Bulgarien vor der Friedenskonferenz in Paris erschienen und hatte den Anschluss der Pomaken-Gebiete auf den Rhodopen an Griechenland gefordert. Anschließend waren die beiden Abgeordneten nach New York gereist und hatten vor der UNO die gleiche Forderung gestellt (38). Das Unternehmen war ermöglicht durch den Abgesandten der griechischen Militärmission in Sofia und Istanbul, General Mazarakis‚ der der bulgarischen Delegation von Sofia nach Istanbul und von dort per Schiff nach Marseille weitergeholfen hatte (39). Einige Jahre später erlaubten aber griechische Behörden „Agenten des türkischen Konsulats in Komotini den in ihre Siedlungen zurückgekehrten Pomaken bei der Reparatur ihrer Häuser Aufbauhilfe zu leisten und so die Kontakte zu ihnen zu verfestigen“ (40).

Mit dem Ausbruch der Zypern-Krise zu Beginn der fünfziger Jahre vollzog sich eine Wende im griechischen Feindbild: Die traditionelle „Gefahr aus dem Norden“ wich einer neuen Gefahr, die nunmehr aus dem Osten kam. Griechenlands Außenpolitik konzentrierte sich auf die “Enossis“‚ den Anschluss Zyperns an das Mutterland. Wie Meinardus zu Recht bemerkt, war eines der Hauptargumente der „Enossis“-Gegner, Englands und der Türkei, daß ein Anschluss Zyperns an Griechenland die Gefahr interkommunaler Konflikte und einer Diskriminierung der türkisch-zypriotischen Minderheit heraufbeschwören wurde (41). Für die griechische Regierung wurde die Widerlegung dieser Argumentation zu einem wichtigen Aspekt ihrer Zypern-Politik; Thrakien bildete das Demonstrationsobjekt dazu. Erstens sollte am Beispiel Thrakiens der Nachweis erbracht werden, daß religiös-ethnische Gruppen in Griechenland keinerlei Akten der Diskriminierung ausgesetzt sind, zum zweiten wollte man sich konziliant der Türkei gegenüber erweisen, die immer mehr als Sprecher der Muslime in Griechisch-Thrakien aufgetreten war und der griechischen Regierung in der internationalen Öffentlichkeit Diskriminierung der Muslime vorgeworfen hatte.

Einen konkreten Schritt in diese Richtung bildete am 28.1.1954 die Anweisung der lnnenabteilung der Generalverwaltung von Thrakien in Komotini an die örtlichen Behörden. Sie lautete: „Entsprechend einer Anweisung des Premierministers fordern wir Sie auf, zukünftig in jedem entsprechenden Fall die Bezeichnung Türke, türkisch statt Moslem zu benutzen“ (42). Nach Andreades sollte dies ein Zugeständnis an Ankara und ein Beitrag zur griechisch-türkischen Freundschaft sein (43). Die Ereignisse der kommenden Jahre sollten jedoch zeigen, daß man so weder die türkische Regierung zu einer positiveren Haltung im Zypern-Konflikt bewegen, noch die damit ausgelöste neue Konflikt-Front in den griechisch-türkischen Beziehungen verhindern konnte. Tatsache ist, daß der griechische Staat mit dieser Anweisung einen Teil seiner Bürger zu Ausländern machte und jegliche Unterscheidung zwischen Pomaken und Rumeli-Türken, so sporadisch sie bislang auch gewesen sein mochte, nunmehr entfiel. Chadziargyris bezeichnet dies als einen systematischen Versuch, die Pomaken zu türkisieren (44). im September 1955, als in London die Vertreter Englands, Griechenlands und der Türkei zu einer Zypern-Konferenz zusammen kamen, brachen in Istanbul antigriechische Ausschreitungen aus, die – von Politikern initiiert und von der Presse geschürt – Eigentum und Einrichtungen der griechischen Minderheit zerstörten und sie zu einem Massenexodus aus der Türkei zwangen (45). Zugleich drohte Ankara, in Nordgriechenland eine türkische Guerillaorganisation aufzustellen (46), als Antipoden zu den auf Zypern operierenden und von Athen aus gesteuerten Guerillaorganisationen. Zu Ausschreitungen gegen die Muslime in Griechisch-Thrakien ist es freilich niemals gekommen, von einigen kleinen Zwischenfällen abgesehen: Griechenland hatte drakonische Gegenmaßnahmen getroffen, denn es befürchtete eine Konterkarierung seiner „Enossis“- Bemühungen um Zypern (47).

Im Jahre 1968 verfügte die damalige Junta-Regierung per Dekret die Wiedereinführung der alten Bezeichnung „muslimisch“ für die Angehörigen der Minderheiten. Im selben Jahr wurde von den Außenministern Griechenlands und der Türkei, Kitsaras und Bilmen, das sogenannte Reziprozitätsprinzip ausgehandelt. Demnach wollte die griechische Regierung ihre Haltung gegenüber den Muslimen Thrakiens künftig von der Haltung Ankaras gegenüber den Griechen in der Türkei abhängig machen (48).

Diese Politik, die von den Regierungen nach dem Junta-Sturz „übernommen und verfeinert“ (49) wurde, hat bislang die Praxis behördlicher Maßnahmen gegen die Muslime legitimiert. Insgesamt fasst Magriotis die auf die Pomaken bezogenen Maßnahmen folgendermaßen zusammen:

  • Die Gendarmerie ahndete kleinere oder größere Gesetzesübertretungen übermäßig streng.
  • Die griechischen Behörden waren ihnen gegenüber äußerst misstrauisch wegen ihrer Religion und ihrer türkischen Namen und machten keine Unterschiede zwischen Pomaken und Rumeli-Türken.
  • Es wurden Maßnahmen getroffen, die einen Unterdrückungscharakter hatten und bis heute gültig sind. Dazu zählen Maßnahmen wie die Einschränkung der Bewegungsfreiheit und die Ausstellung von Genehmigungen zum Besitz von Jagdwaffen. Es wurde ihnen aber auch die Genehmigung zum Bau und zur Reparatur ihrer Häuser und zum Führen von Kraftfahrzeugen verweigert. Es wurden ihnen keine mittelfristigen Ackerbau-Kredite gewährt und man machte Schwierigkeiten bei der Auszahlung der Zuschüsse für den Tabakanbau (50).

Den Pomaken ist ferner, wie schon erwähnt, der Zugang zum Staatsdienst verschlossen, bei der Ableistung des obligatorischen Wehrdienstes verbleiben sie auf der untersten Stufe der Militärhierarchie (51). Diffamierenden Stereotypen über die Pomaken (sie seien alle Syphilitiker, dumme Bauern usw.) werden keinerlei aufklärenden Argumente entgegengestellt.

In den letzten Jahren ist eine neue Wende in der griechischen Pomaken-Politik zu erkennen. Aus der Erkenntnis heraus, daß eine pauschale Betrachtung aller Muslime Thrakiens den Spielraum der türkischen Griechenland-Politik erweitert, startete die griechische Regierung eine Kampagne zur Differenzierung der beiden thrakischen muslimischen Minderheiten. Publikationen, die in relativ hoher Auflage an Lehrer und andere Beamte kostenlos verteilt werden, bemühen sich um den Nachweis, daß es sich bei den Pomaken um Nachfahren der alten Thraker und somit um reine Griechen handele.

Diese Kampagne wird durch publizistische Aktivitäten von mehreren Autoren begleitet, die unisono diese These aufgriffen und in einem edlen Wettstreit um die rechte nationalistische Einstellung zu stehen scheinen. Eine kritische oder kontroverse Diskussion gibt es nicht. Nach Magriotis sind die Pomaken Nachfahren der gräkothrakischen Stämme der Rhodopen (52), ihre Sprache das Resultat der „brutalen“ bulgarischen Verwaltung ihrer Region in der Zeit von der Niederlage des lateinischen Kaisers von Byzanz, Balduin‚ bei Philippopel (1205) bis zur Ankunft der Osmanen (1365) (53). Für T. Gritsi-Milliex sind sie byzantinischer Abstammung, was immer das auch bedeuten mag, war doch Byzanz ein Vielvölker-Imperium (54). Für P. Papachristodulu sind sie Griechen, weil sie ein griechisches Bewusstsein haben (55). N. Gonatas und P. Kydoniatis verweisen auf den zehnprozentigen Anteil griechischer bzw. homerischer Wörter in ihrer Sprache und behaupten, daß sie dem altthrakischen Stamm der Agrianen entstammen, den sie mit dem Stadtteil „Achrian Mahalla“ in der Stadt Xanthi in Verbindung bringen und kommen zu dem Schluss‚ daß die Pomaken eine griechische Blutsader haben; sie seien islamisierte und slawisierte Nachfahren der alten Thraker (56). Das slawische Idiom der Pomaken wird durch den sprachlichen Einfluss der Smolenen erklärt, eines slawischen Stammes, den Kaiser Justinian in ihr Gebiet „verpflanzte“, da die Smolenen Feinde der Bulgaren waren (57). Eine andere Volksgruppe, die Jürüken (58), seien von den Osmanen in ihr Gebiet „verpflanzt“ und sorgten für den türkischen Anteil von etwa 15 Prozent in der Pomaken-Sprache (59). Im Laufe der Zeit seien Smolenen und Jürüken in der Volksgruppe der Pomaken aufgegangen (60).

Besonders erwähnenswert ist die Arbeit von N.l. Xyrotiris, der in den Pomaken-Orten Echinos, Sartre, 0reon‚ Melivia und Kotyli die Blutgruppenhäufigkeit von 1.030 Personen, etwa einem Drittel der Bevölkerung, untersuchte. Xyrotiris gelangt aufgrund seiner Befunde zu dem Schluss, dass die Pomaken der Region, die von ihm Achrianen benannt werden, kein Verwandtschaftsverhältnis zu anderen Völkern und Stämmen der Balkanhalbinsel wie Bulgaren, Türken, Serben, Albanern oder den „türkischen“ Bewohnern griechisch Thrakiens haben. Bei den Bewohnern der Orte Sartre und Echinos besteht zu 50 bis 70 Prozent eine Verwandtschaft mit den Griechen benachbarter Orte (51). Die Pomaken sollen rassisch eine besondere Volksgruppe sein, die im Laufe der Zeit durch Völker mongolischer Abstammung ein wenig beeinflusst worden sei. Alle „archäologischen, historischen, kulturellen, sprachlichen und hämatologischen Anzeichen deuten darauf hin, dass es sich bei den Pomaken um einheimische Thraker handelt, d.h. uralte Einwohner des weiteren hellenischen Raums. All ihre Ähnlichkeiten mit anderen Rassen wie Türken usw. (Religion, Sprache), die sich in byzantinischer Zeit in dieser Region niederließen‚ sind rein oberflächlich und das Resultat politischer und historischer Umstände“ (62). Obwohl der Autor seine Schlüsse vor allem hinsichtlich einer sogenannten Ethnogenese in einer zweiten Untersuchung relativieren musste‚ blieb er dabei, dass die Pomaken Griechisch-Thrakiens keinerlei Verwandtschaft mit den jenseits der Grenze lebenden Pomaken Bulgariens hätten (63). Dies, als Zeichen der offiziellen Haltung der griechischen Behörden gegenüber den Pomaken, findet A. Popovic „beunruhigend“ (64). Beruhigend findet es sicherlich die griechische Zentralregierung, die von jeher aus Furcht vor irredentistischen Bewegungen darum bemüht war, jegliche Bezüge ihrer Minderheiten zu den Nachbarländern zu negieren.

Von diesem krampfhaften Versuch, den Nachweis der hellenischen Abstammung der Pomaken zu erbringen, heben sich einige wenige Autoren der jüngsten Generation wohltuend ab. G. Kalatzopulos und G. Pituropulos, z.B., konzentrieren sich in einem kritischen Aufsatz über die thrakischen Muslime darauf, welchen Anteil an ihrer Türkisierung der griechische Staat selbst trägt, der sie stets aus der griechischen Gesellschaft ausgrenzte und der Türkei erlaubt hat, als ihr Sprecher und Protektor aufzutreten (65). Dem Staat wird vorgeworfen, diese Minderheiten in einem Ghetto zu halten und ihre Stigmatisierung als Andersstämmige nicht verhindert zu haben. Die türkische Politik andererseits sähe die Muslime gar nicht so ungern in eben diesem Ghetto, um sie als ein Propaganda-Mittel gegen Griechenland benutzen zu können (66). Die Tatsache, dass der griechische Staat bislang z.B. keine Unterscheidung zwischen Pomaken und Rumeli-Türken getroffen habe, hätte dazu geführt, dass sich die Pomaken heute mehr mit den Rumeli-Türken solidarisierten, obwohl zwischen beiden Differenzen nachweisbar seien (67). Andererseits übt Magriotis Kritik an dem Staat: Die von Athen in Thrakien eingesetzten, bis vor einiger Zeit in der Regel aus Südgriechenland und Kreta stammenden Präfekten und vor allem die niederen Exekutivorgane wie Polizisten, hätten keinerlei Kenntnis der ethnischen Problematik der Region und seien unfähig, einer griechischen Pomaken-Politik Rechnung zu tragen. „Der Blödsinn und die ungeheure Ignoranz der staatlichen Politik haben zu einer allmählichen Türkisierung dieser Gräko-Thraker der Rhodopen geführt“ (68).

Nicht nur die von Magriotis zusammengefassten „Sünden“ behördlicher Maßnahmen und Politik haben zu einer stärkeren Anlehnung der Pomaken an die Rumeli- Türken und die Türkei beigetragen. Lokale Autoritäten und Politiker haben diese stets konterkariert. So können die Geldprämien, die die Metropoliten Thrakiens an junge Pomaken für den Fall zahlen, dass sie bei einer eventuellen Heirat mit jungen Griechinnen zum orthodoxen Glauben übertreten, nicht ein geeignetes Mittel von Integrationspolitik sein (69). Dergleichen die Kritik an der Wiedereinführung der Bezeichnung „muslimisch“ anstatt „türkisch“, die ein Bürgermeisterkandidat bei den Kommunalwahlen von Oktober 1986 in Komotini auf Flugblättern an den Staat übte (70). Selbst Regierungsvertreter sind im Falle von Forderungen, die Pomaken zur Zeit an die Regierung stellen, bereit, diese zu Lasten der offiziellen Politik zu erfüllen, wie der Minister, der neulich Pomaken erlaubte, ihre Ziegenherden in neuaufgeforsteten Gebieten weiden zu lassen. So bleibt die gegenwärtige griechische Pomaken-Politik das, was sie immer war: ambivalent, opportunistisch, oft beschwichtigend.

Die bulgarische Sicht 

Bulgarien hat, wie Griechenland und jeder andere Staat auf dem Balkan, seine eigene Abstammungstheorle. lhr gemäß besteht die Nation aus einem ethnisch homogenen bulgarischen Volk, welches sich die Unabhängigkeit von der osmanischen Herrschaft erkämpfte. In einer Monographie der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften mit dem Titel „Anthropologie der bulgarischen Nation“, die auf einer mehr als dreißigjährigen Forschungsarbeit des Instituts für Morphologie der Akademie beruhen soll, werden die Ergebnisse anthropometrischer Messungen aufgeführt, die in Gebieten mit türkischen und griechischen Minderheiten durchgeführt wurden (71). Nach einem Bericht der  Zeitung „Otechestven Front“ vom 1.1.1986 hat diese Untersuchung einen sehr hohen Grad ethnischer Homogenität nachgewiesen. Daraus wird geschlossen, der Prozess der Nationswerdung sei durch die „Fusion“ thrakischer-, slawischer und asiatischer Elemente bereits Ende des 10. Jahrhunderts vollendet gewesen, die vergangenen 1.000 Jahre, einschließlich der Jahrhunderte osmanischer Herrschaft, hätten in Bulgarien keinerlei ethnische Spuren hinterlassen (72).

Dieser „Beweis“ ethnischer Homogenität wird gerade in einer Zeit vorgelegt, in der die internationale Presse häufig von Unterdrückungsmaßnahmen gegen Türken in Bulgarien und von dem Zwang berichtet, diese „Türken“ sollten ihre Namen bulgarisieren. Eine Unterscheidung zwischen Rumeli-Türken und Pomaken unterbleibt dabei, obwohl die Trennung zwischen diesen beiden ethnischen Gruppen gerade hier bedeutungsvoll ist, da die Zahl der Pomaken in Bulgarien etwa fünfmal höher ist als in Griechenland.

Bulgarien hat schon zu Beginn des Jahrhunderts die Pomaken zu “Bulgarski Mohammedani“ erklärt. Auf diese Bezeichnung beharrt man noch heute. Die Islamisierung der Pomaken in Bulgarien datiert Ischirkoff auf die Zeit Selims I. (1512-1520) und Mehmet Köprülüs (1656-1661), sogar noch im 18. Jahrhundert. Sie fand unter Anwendung von Gewalt statt, weshalb auch der Name Pomak etymologisch aus dem Wort mak (= Gewalt) hergeleitet wird (73). Die Religion soll ihr Nationalbewusstsein „getötet“ haben, sie “wollen zwar mit den Türken nichts zu tun haben und meiden sie, sie hassen aber auch die christlichen Bulgaren“ (74). „In der Neuzeit ertrugen sie ungern die Regierung ihrer christlich-bulgarischen Brüder und viele wanderten zusammen mit den Rumeli-Türken nach Kleinasien aus“ (75).

Vakarelski kennt keine anderen „ethnographischen Gruppen“ in Bulgarien außer jenen, die durch die ‘territoriale Abgeschlossenheit in der Zelt des türkischen Feudalismus unter dem Einfluß von natürlichen, ökonomischen und historischen Bedingungen“ zustande kamen (76). Für das Siedlungsgebiet der Pomaken werden als eine solche Gruppe die Rupcl genannt (77). Die „Kurze Bulgarische Enzyklopädie“ 1967 schreibt unter dem Stichwort „Pomaken“: „veraltete Benennung für bulgarische Mohammedaner“ (78), in der „Bulgarischen Enzyklopädie“ wurde das Stichwort Pomaken gestrichen, es gibt nur noch den Terminus „Bulgarski Mohammedani“ (79).

In Bulgarien erfolgte 1946 die letzte offizielle Volkszählung, bei der auch nach der Konfessionszugehörigkeit der Bevölkerung gefragt wurde. Die Anzahl der Pomaken wird dementsprechend heute bis auf etwa 150.000 Menschen geschätzt, die bis in die jüngste Vergangenheit überwiegend Analphabeten gewesen seien und über keine Intelligenzschicht verfügt haben sollen (80). Die gegenwärtige Situation der Pomaken und darüber hinaus der Muslime in Bulgarien ist dadurch gekennzeichnet, dass ihnen die Verfassung zwar eine freie Ausübung ihrer Religion garantiert, diese jedoch durch die seit 1945 geführte exzessive Laizisierungspolitik eingeengt und behindert wird. Außerdem unterliegen sie der Bulgarisierungskampagne der Regierung, die darauf abzielt, ihnen die bulgarische Sprache als ihre Sprache aufzuzwingen und bulgarische Namen anzunehmen. Bereits gegen Ende des letzten Jahrhunderts hatte sich die bulgarische Regierung bemüht, bei den Pomaken in der Gegend von Tschepino „durch Einführung von Schulen das Bewusstsein des Bulgarentums zu wecken, doch war der Erfolg gering. Die Religion siegte über die Nationalität“ (81). Während der Balkankriege und des Einmarsches bulgarischer Truppen in Tschataldscha „nahm der größere Teil der Pomaken in den Rhodopen und in anderen Gegenden, sei es durch das überzeugende Wort der Prediger oder um materiellen Vorteils willen, den orthodoxen christlichen Glauben an und vereinigte sich so auch auf kirchlichen Gebiete mit seinen Stammesgenossen“ (82). Mit dem Rückzug der bulgarischen Truppen und der Rückkehr der Osmanen in die Region zur Zeit der Proklamierung der Republik Gümülcina in Thrakien 1913 konvertierten aber die so christianisierten Pomaken zum Islam zurück (83).

Nach 1944 war Bulgarien mit dem Aufbau des sozialistischen Staates beschäftigt. Doch 1949 setzte eine Vertreibungskampagne gegen das konservativ gebliebene muslimische Element ein. Große muslimische Gruppen flüchteten in die Türkei, darunter mehrere Tausend Pomaken (84). Bis 1951 waren etwa 156.000 Muslime aus Bulgarien ausgewandert (85), etwa ein Drittel davon dürften Pomaken gewesen sein. Nach 1960 nahm der Druck auf die Pomaken zu, bulgarische Namen anzunehmen. Die behördliche Praxis umfasst Taktiken wie die Weigerung von Standesämtern‚ Pomaken-Kinder in die Register einzutragen, die keine bulgarische Namen führen. Als Begründung wurde die Korrektur des „historischen Irrtums“ angegeben, der sich aus ihrer Zwangsislamisierung ergeben habe (86). Andere Maßnahmen gegen die islamischen Pomaken sind etwa die Bestrafung derjenigen Elternteile, die den islamischen Ritus der Beschneidung vollziehen, Schikanen gegen pomakische Studenten, Polizeibescheide, die eine Namensänderung erzwingen wollten, Verlust des Arbeitsplatzes und die Ausstellung neuer Ausweise im Turnus von drei Jahren, wobei demjenigen‚ der keinen bulgarischen Namen akzeptiert, Verlust der Arbeit oder der Entlohnung droht (87). Diese Maßnahmen werden propagandistisch von der 1944 gegründeten Zeitung „Yeni lsik“ und der seit 1952 erscheinenden Zeitschrift „Yeni Hayat“ unterstützt, die den Pomaken laizistisches Gedankengut näher bringen wollen. Auf Initiative des turkologischen Instituts der Universität Sofia hin sind außerdem die Ortsnamen im Pomaken-Gebiet geändert worden (88). Und schließlich wurde ihr Hauptsiedlungsgebiet zur militärischen Sperrzone erklärt (89). Diesen Maßnahmen haben sich die Pomaken oft heftig widersetzt, es kam deswegen mehrmals (1964. 1973 und zuletzt 1985) zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der anrückenden Miliz, die zahlreiche Opfer, Tote, Verwundete und Verhaftete forderten (90).

Abschließend ist anzumerken, dass seitens der Muslime in Bulgarien keinerlei publizistische Aktivitäten zu verzeichnen sind, mit Ausnahne der oben erwähnten Regierungs-Zeitungen. Offizielle Veröffentlichungen bulgarischer Behörden über Muslime bzw. Pomaken sind „entweder ‚Handbücher des Atheismus‘ oder Veröffentlichungen, die den Pomaken zu schmeicheln versuchen oder Veröffentlichungen, in denen man bis zum Maximum (nach sowjetischer Manier) die wirtschaftliche, soziale, kulturelle etc. Situation der türkischen Minderheit des Landes idealisiert“ (91).

Die Pomaken aus türkischer Sicht 

Eine Unterscheidung der Pomaken von den übrigen Muslimen Griechisch-Thrakiens findet in der Türkei offiziell nicht statt. Ankara betrachtet alle thrakischen Muslime, darunter auch Zigeuner, schwarze Sudanesen, Tscherkessen u.a.m. als Türken und redet nur noch von der „türkischen Minderheit“ in Griechenland. Die Proklamierung aller Muslime zu Türken ergab sich aus der Bedeutung, die ihnen insbesondere nach dem Ausbruch des Zypern-Konflikts in der türkischen Griechenland-Politik zugesprochen wurde.

Der Status der Muslime in Griechisch-Thrakien beruht auf unterschiedlichen Vertragskomplexen und Abkommen, die Griechenland und die Türkei vor allem zwischen 1923 und 1933 vereinbarten. Nach der am 30.1.1923 geschlossenen „Convention concerning the Exchange of Greek and Turkish Populations“ traf sich eine gemischte griechisch-türkische Kommission 1926 in Athen und 1930 und 1933 in Ankara (92) und bemühte sich um eine dauerhafte Lösung dieser Angelegenheit. Dabei trug die türkische Seite wiederholt ihre Empfehlung vor, „die gesamte griechische Minderheit (in Istanbul) gegen die muslimischen Bauern Thrakiens auszutauschen“ (93). Wie Meinardus vermerkt, war die Türkei, damals im Gegensatz zum Interesse Athens, den Istanbuler Hellenismus zu bewahren, am Fortbestand ihres „Außenpostens“ in Griechisch-Thrakien nur sehr bedingt interessiert (94). Ihre offizielle Politik beschränkter sich darauf, „encouraging the Turkish-speaking minorities in Bulgaria and Greece to emigrate to Turkey“ (95). So sind „von 1939 bis zur Gegenwart mehr als 40.000 Türken (aus Griechenland) ausgewandert“, schreibt Bayülken (96). Diese Zahl wird folgendermaßen aufgeschlüsselt: 19.550 sind Muslime, die zwischen 1951 und 1957 „in Erfüllung von Forderungen der türkischen Migrationsregelungen“ auswanderten, 20.434 sind Muslime, die ohne Pass illegal in die Türkei flüchteten (97). Für die Zeit nach 1957 liegen keine Zahlen ausgewanderter Muslime vor, die Anzahl derjenigen, die seitdem Griechenland verlassen haben, dürfte aber sehr gering sein. Dies liegt daran, dass erstens die Türkei die Muslime in Thrakien als eine kompakte, zahlenmäßig starke Gruppe zu erhalten wünschte (98), andererseits dass die sozioökonomische Attraktivität der Türkei für die thrakischen Muslime gesunken war.

Die Wende in der Einwanderungspolitik der Türkei kam mit dem Ausbruch des Zypern-Konflikts gegen Mitte der fünfziger Jahre und der damit einhergehenden Neubewertung der Bedeutung ihres “Außenpostens“ in Thrakien für ihre Griechenland-Politik (99). Wie bereits angeführt, hatte die griechische Regierung in ihrem Bestreben, der Weltöffentlichkeit das harmonische Miteinanderleben von Minderheiten vor Augen zu führen, eingewilligt, die Bezeichnung „muslimisch“ durch „türkisch“ zu ersetzten. Diese Rechnung war allerdings nicht aufgegangen. Im Gegenteil, sie hatte der Türkei, deren Position zu Beginn der fünfziger Jahre im Zypern-Konflikt relativ schwach war, ein zusätzliches Mittel in die Hand gegeben, gegen Griechenland zu intervenieren. Denn nun handelte es sich nicht mehr um in Thrakien lebende Muslime griechischer Staatsangehörigkeit, sondern um Türken, die es vor Übergriffen wie auf Zypern zu schützen galt. Die Propaganda, die von den türkischen Tageszeitungen getrieben wurde und die Ängste der thrakischen Muslime schürte, die Pogrom-Ereignisse gegen die Istanbuler Griechen 1955 und die Furcht vor Repressalien sowie die griechische Politik, die auf eine möglichst starke Reduzierung des muslimischen Elements in Thrakien abzielte‚ haben die Zahlen der Flüchtlinge in die Höhe gehen lassen (100). Zugleich wurde der Prozess der Türkisierung der Rumeli-Türken, aber auch der Pomaken‚ für die es keine gesonderte griechische Politik gab, intensiviert und war in den siebziger Jahren weitgehend vollzogen.

Die Wiedereinführung der Bezeichnung „muslimisch“ in Griechenland 1968 und die seitdem betriebene Politik einer Differenzierung zwischen Rumeli-Türken und Pomaken wurde zum Anlass heftiger Proteste der türkischen und turkophonen Presse in der Türkei und in Thrakien, die noch andauern. In der Regel wird jedoch ohne konkreten Anlass protestiert, wie der Frontkrieg zwischen den turkophonen Zeitungen und dem griechischsprachigen „Chronos“ (Zeit) in Komotini beweist, bei dem der jeweils anderen Seite Ungerechtigkeit bzw. Antihellenismus vorgeworfen wird. Da viele der türkischsprachigen Zeitungen in Thrakien sich in Einklang mit der Politik des türkischen Konsulats von Komotini befinden (101), sind hinter ihrer Polemik die Züge türkischer Griechenland-Politik deutlich erkennbar. „Die Probleme der Minderheit“, schreibt Schraube, „werden nicht aus uneigennützigen Gründen von der Türkei aufgegriffen, sondern aus eigenen politischen Interessen. Einmal bekommen dadurch turanisch bzw. pantürkisch orientierte Kreise neuen Zündstoff; zum anderen wird die westthrakische Minderheit und deren Situation durch die Türkei angeführt, wenn deren eigene Minderheitenpolitik gegenüber den Griechen, Kurden, Armeniern etc. durch objektive Berichterstatter aufgegriffen wird. Die westthrakische Minderheit ist insofern nicht Subjekt, sondern Objekt der türkischen Interessen und ist auch für die Türkei eine Minderheit‚ nur eben mit einem anderen Vorzeichen als für die Griechen“ (102).

Träger bzw. Transmissionsriemen der türkischen Griechenland-Politik sind neben den türkischen Zeitungen und der turkophonen Presse Thrakiens das personell stark aufgeblähte türkische Konsulat in Komotini und – nolens volens, bewusst oder unbewusst – die verschiedenen Solidaritätsvereine thrakischer Muslime (mit Ablegern auch in Westeuropa) (103) sowie zahlreiche türkische Diplomaten, Autoren und Professoren in der Türkei, die aus Griechisch-Thrakien stammen (104).

Bei der Türkisierung der Muslime in Thrakien spielten Politiker wie Fehmi Hamdi Bey, Gründer der turkophonen Zeitung „Milliyet“ in Xanthi‚ und seine Söhne Sefket und Eqrem eine wichtige Rolle. Ersterer als Herausgeber der „Milliyet“ und Vorsitzender der Verwaltungskommission für religiöse Stiftungen (Vakf)‚ der zweite als Leiter der ersten muslimischen Schule in Xanthi. Zu nennen sind auch Sabahetin Galip, Parlamentsabgeordneter des Nomos Rhodopi‚ sein Bruder Salahetin‚ Herausgeber der turkophonen Zeitung „Azinlik Postasi“, Nuri Yilmaz‚ ehemaliger Abgeordneter des Nomos Xanthi und Herausgeber der turkophonen Zeitung „Trakya“ (105). Mehmet Hilmi‚ „einer der ersten fanatischen Träger des Turkismus in West-Thrakien“ (gest. 1931), wird heute von den thrakischen Muslimen und von denjenigen von ihnen, die sich in der Türkei niedergelassen haben, als Held geehrt (106). Die „Stärkung der türkischen Propaganda“ unter den Pomaken wird durch zwei Ereignisse gekennzeichnet, die Anweisung der griechischen Behörden an den Inspektor der muslimischen Schulen in Thrakien im Sommer 1955, in den pomakischen Schulen das Fach Arabisch durch Lateinisch ersetzt wurde (was auf Druck der türkischen und der griechischen Regierung geschah), und der Besuch des türkischen Botschafters Kamuran Bürün in Thrakien im September 1973, der entscheidend dafür war, dass die lateinische Schrift in den pomakischen Schulen eingeführt wurde (107).

Mit der Zypern-Krise stieg das Interesse türkischer Autoren an den Pomaken, wobei die zentrale Frage nach deren Herkunft, was nicht überraschen kann, im türkischen Sinne entschieden wurde. Vereinzelte eher kritische Auffassungen bestätigen nur den allgemeinen Trend. Cevat Eren verweist auf die Namensetymologie H.T. Gökbilgins, der den Namen Ahrianen oder Agarianen für die Pomaken – der Name Pomaken taucht erst nach dem osmanisch-russischen Krieg 1877/78 auf – auf die Bezeichnung Ahi, einer religiösen Bruderschaft, die bei der Besetzung Rumeliens durch die Osmanen eine wichtige Rolle spielte, zurückführt (108). Dies soll auch belegt sein durch die Existenz zahlreicher Siedlungsgebiete im Rhodopen-Gebirge, die von den Osmanen gegründet wurden, so u.a. der Ort Ahi Celebi im ehemaligen Sandschak Gümülcina, der von Pomaken bewohnt wird (109). wie A.C. Eren in der „Islam Ansiklopedisi“, vermeidet auch H. Eren in der „Türk Ansiklopedisi“ definitive Stellungnahmen zur Herkunft der Pomaken. Beide suggerieren, bei den Pomaken handle es sich um Islam-Konvertiten, die die türkische Kultur angenommen haben (110). Ganz anders bei Kayihan, der sie als „rein blutige Türken“ bezeichnet, die aus dem zentralasiatischen Stamm der Kumanen abstammen und sich via Russland 1055 auf dem Balkan niederließen (111). Nach Aydinli gehören zum Stamm der Kumanen verschiedene Gruppen wie die Sop, Torbes, Goran, Zakarcin und Canko. Die Kumanen kamen über Russland, die Ukraine, Polen und Rumänien auf den Balkan und gründeten 1087 gemeinsam mit den Petschenegen einen föderativen Staat, der all die Stamme, die zuvor auf dem Balkan angekommen waren, in sich vereinigte. Sie hatten den Osmanen geholfen, als diese 1360/61 dort ankamen, weshalb sie auch Pomagam‚ die Helfer, genannt wurden (112). Neueste Untersuchungen wollen als Vorfahren der Pomaken die Cepniler, Tschepniden, sehen, weiche Anhänger der Babek und der Hurremiden wamn, die zu Beginn des 9. Jahrhunderts unter dem türkischen Prinzen Afsin von den Abassiden besiegt wurden. Um Verfolgungen zu entgehen, seien sie auf byzantinisches Gebiet geflohen, um sich an der anatolischen Westküste und in den Rhodopen-Gebirgen niederzulassen (113). Nach den Tschepniden sind etliche Orte auf den Rhodopen benannt, so u.a. die Gegend Cepinsko Korito und den Ort Babek in Bulgarien (114). Unter dem Druck der slawischen Mehrheit haben die Tschepniden ihre Muttersprache verloren, jedoch ihre islamische Religion beibehalten. Zur Zeit der osmanisch-venezianischen Kriege um Kreta haben sie den Osmanen als Transporthilfstruppen geholfen, weswegen sie seitdem Pomaken heißen (aus dem bulgarischen „Pomagaci“ = Helfer) (115). Erwähnt sei schließlich auch die Arbeit von B. 0ran‚ der sich der bereits zitierten Definition von F. de Jong bedient, wonach die Pomaken als Zweitsprache das Türkische haben (116). Folgerichtig baut Oran seine Argumentation auf der Grundlage auf, daß eine faktische Türkisierung der Pomaken Thrakiens bereits vollzogen sei, welche dazu berechtige‚ die Unterscheidung der griechischen Behörden in Pomaken‚ Zigeuner u.a.m. in Frage zu stellen (117). Zu Recht bemerkt 0ran‚ dass die Versuche der griechischen Behörden, die Pomaken als zwangsislamisierte Griechen (Yunanli) darzustellen, gescheitert sind (118). Von besonderem Interesse ist es aber, dass er die Bestrebungen Bulgariens, Griechenlands und der Türkei kritisiert, die Pomaken als Bestandteil ihrer jeweils dominanten Ethnie zu erklären (I19).

Schluss 

Mit der Aufteilung der osmanischen Region Thrakien unter Griechenland, Bulgarien und der Türkei sind Staatsgrenzen gezogen worden, die die dort ansässigen Pomaken auf diese drei Länder verteilten. Die Pomaken in der Türkei sind aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum Islam assimiliert worden; in Bulgarien und Griechenland stand ihre Religion, als ethnisch-religiöses Abgrenzungskriterium aus den Osmanischen Reich überliefert und beibehalten, Ihrer Bulgarisierung bzw. Gräzisierung im Wege. Daraus entwickelten sich letztlich in Bulgarien und Griechenland innerstaatliche Konflikte, die wiederum dazu geführt haben, dass in der Türkei eine starke, staatsübergreifende Solidarität entstand, die zu einer Internationalisierung der vorher internen Konflikte beitrug.  In Bulgarien wehren sich die Pomaken gegen ihre Zwangsassimilation‚ in Griechenland solidarisieren sie sich mit den Rumeli-Türken, die sich allem Anschein nach immer mehr in einer Irredenta-Bewegung verstricken‚ zugleich grenzen sie sich aber auch gegen die Türkisierungsbemühungen der Türkei in Griechenland ab – wie u.a. auch die Untersuchung des türkischen Autors B. Oran gezeigt hat.

In diesem Zusammenhang werden zwei Problemfelder lokalisierbar:

– erstens, die innergriechische Isolierung der Pomaken, die grenzüberschreitende Auswirkungen und die Solidarisierung ihrer Glaubensgenossen in der Türkei zur Folge hatte und

– zweitens, der aus der griechischen Türkisierungs-, jetzt Hellenisierungspolitik entstandene Konflikt zwischen Pomaken und der griechischen Mehrheitsgesellschaft.

Konstatierbar ist, dass die jahrzehntelange Stigmatisierung der Pomaken als eine minderwertige Gruppe von je nach dem zugrundeliegenden situativen Kontext, verhassten „Bulgaren“ oder „Türken“ zur Bildung einer ethnischen Grenze zwischen ihnen und der Mehrheitsgesellschaft beigetragen hat. Diese Grenze kann nicht durch den in letzter Zeit unternommenen krampfhaften Versuch abgebaut werden, sie zu Nachfahren der alten Thraker bzw. Griechen zu erklären. Eine solche, von den Pomaken als bedrohlich empfundene Hellenisierungspolitik kann nur bewirken, dass sie sich auf der Suche nach Verbündeten immer mehr mit den Türken in der Türkei identifizieren, die sich mit ihnen solidarisieren. Andererseits könnten auch hier wieder verstärkte Abgrenzungen entstehen, falls die Pomaken das Gefühl bekommen sollten, sie würden als Objekte außenpolitischer Belange ihres mächtigen Verbündeten missbraucht.

Pomaken sind in ihrer Geschichte stets zwischen die Fronten geraten: zwischen Bulgaren und Byzantinern ebenso wie zwischen Osmanen und Christen, in der Zeit der Entstehung der heutigen Nationalstaaten auf dem Balkan wie beim griechischen Bürgerkrieg 1946 bis 1949, schließlich zwischen der Türkei und Griechenland bzw. der Türkei und Bulgarien heute. Dabei werden die noch andauernden Türkisierungsbemühungen der Türkei vom griechischen Staat mit einer Hellenisierungskampagne beantwortet, bei der die Gründung neuer Schulen, mehr Griechisch Unterricht, Christianisierungsversuche und ein heuchlerisches Nachgeben auf fast unannehmbare Forderungen als politische Mittel eingesetzt werden. Allem Anschein nach sind solche Bemühungen zum Scheitern verurteilt, ebenso wie die Bemühungen türkischer und griechischer Autoren, den Beweis der türkischen oder griechischen Abstammung der Pomaken zu erbringen, die letztendlich nur noch als Partei im griechisch-türkischen Konflikt aufgefasst werden. Beide Parteien beantworten nicht, sie verhindern sogar die Beantwortung der Frage: Wie sehen die Pomaken sich selbst? Sind sie Bulgaren‚ Griechen oder Türken, stammen sie von den alten Thrakern, den Petschenegen oder den Kumanen ab? Sind sie eine ethnische oder eine religiöse Minderheit, die gern ihre eigene Schriftsprache hätte oder wollen sie das sein, als das sie von den ihnen benachbarten Ländern jeweils reklamiert werden?

Die Beantwortung dieser – und anderer Fragen, die in der meist tendenziösen Pomaken-Literatur griechischer, bulgarischer und türkischer Autoren peinlich vermieden oder übergangen wird (westeuropäische bzw. westliche Autoren haben sich mit den Pomaken noch kaum ernsthaft befasst), ist nunmehr fällig. Sie erfordert jedoch sowohl eine Neubewertung der in der Literatur vorhandenen Daten und vertretenen Hypothesen, als auch Material, welches aus den Ergebnissen von Feldforschungsarbeiten gewonnen werden soll. Feldforschung in den zu militärischen Sperrgebieten erklärten Siedlungsorten der Pomaken ist aber sowohl in Griechenland und erst recht in Bulgarien äußerst schwierig, gleichermaßen auch in der Türkei, in der die aus diesen beiden Ländern eingewanderten Pomaken bereits einem forcierten Assimilationsprozeß unterliegen. Dennoch scheint die Kombination dieser beiden Untersuchungsmethoden, der Neubewertung des vorhandenen Schrifttums und der Feldforschung, der einzig gangbare Weg zu einer Pomaken-Studie zu sein, wenn  man nicht die Pomaken als eine gesonderte ethnisch-religiöse Minderheit abschreiben will.

ANMERKUNGEN 

(1) so meldete z. B. die „International Herald Tribune“ vom 8.2.85, „Sofia Said to Force Turks to change Their Names“ und „Der Tagesspiegel“ vom 20.2.85, „Spannungen zwischen Türkei und Bulgarien. Sofia geht gegen türkische Volksgruppe vor“.
(2) vgl. auch „Taz“ vom 21.12.85
(3) so hat z.B. die Amnesty International in einer Pressemitteilung in Bern an 1.4.86 der bulgarischen Regierung eine massive Unterdrückung der türkischen Bevölkerung vorgeworfen und von über 100 Toten gesprochen, die im Zusammenhang mit der im Dezember 1984 gestarteten Assimilationskampagne angeblich umgebracht wurden (vgl. „Der Tagesspiegel“ vom 2.4.86). Bereits am 26.9.85 forderten die Abgeordneten der 21 Mitgliedsländer des Europarates in einer Entschließung die bulgarische Regierung auf, die nationale Kampagne zur ”Bulgarisierung“ türkischer Namen unverzüglich zu beenden. Alle Türken, die „durch Androhung oder Anwendung von Gewalt zur Änderung ihrer Namen gezwungen wurden“, sollten ihre rechtmäßigen Namen weiterführen dürfen (vgl. auch „Der Tagesspiegel“ vom 27.9.85).
(4) Nach Bajraktarevic‘ erstreckte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts das Siedlungsgebiet der Pomaken von Plovdiv im Norden bis nach Thessaloniki im Süden und vom Mittellauf des Arda im Osten über den Vardar-Fluß bis zum Fluß Crni Drim im Westen. Pomaken gab es außerdem im Donau-Gebiet und zwar in den Kreisen Lovec‘, Pleven (Plewna) und Orehovo (Rahovo). Vgl. auch Bajraktarevic’: 1936, 1160.
(5) Vgl. hierzu auch Sarides 1980, 17. Dazu Hirschberg: „Im 15. Jahrhundert beginnen die Osmanen die Ebene östlich des Balkangebirges zu besetzen und die Slawen in die Berge zurückzudrängen. Hier in den Bergen fand die bäuerliche Bevölkerung ein geradezu ideales Rückzugsgebiet… Die mohammedanischen Bulgaren in den Rhodopen und den Gebirgen des östlichen Makedoniens werden von den christlichen Stammesgenossen Pomaken genannt. Diese haben in Tracht, Sitte und Sprache mancherlei türkisches Kulturgut angenommen“ (Hirschberg: 1974, 158).
(6) Vgl. auch de Jong: 1980. 95
(7) Vgl. auch Bajraktarevic‘: 1936, 1161
(8) Vgl. auch „Der neue Brockhaus“, Bd. 4, Wiesbaden 1975, S. 243
(9) Vgl. auch „Meyers Grosses Universal Lexikon“, Bd. 11, Mannheim 1984, S. 138
(10) Vgl. auch „Great Soviet Encyclopedia“. Translation of the 3rd Edition, Bd. 20. New York/London 1979, S. 393
(11) Vgl. auch „Larousse du XXe Siecle“. Bd. s, Paris 1932, S. 693
(12) Vgl. auch „Enkyklopedikon Lexikon Eleftherudakls“,  Bd. 14, Chicago/ London/Toronto/Geneva/Sydney/Tokyo/Manila/ Seoul 1979  !!! Falsch!! ??
(13) Vgl. auch „The Neu Encyclopaedia Britannica“. Bd. 14. Chicago/ London/Toronto/ Geneva/ Sydney/Tokyo/ Mani la/ Seoul 1979
(14) Vgl. Bajraktarevic’: 1935, 1159f.
(15) Vgl. auch Eren: 1964, 572
(16) Vgl. Kayihan: 1967, 3
(17) Vgl. auch Verlag Eleftherudakis (Hg): 1930, 806
(18) Vgl. auch Magriotis: 1980/81, 51
(19) Vgl. auch Kayihan: 1967. 3f.
(20) so wurde z.B. vor einiger Zeit in der Nähe von Echinos (Sahin) eine größere christliche Kirche entdeckt. Vgl. auch Magriotis: 1980/81. 51; Melikis: 1981
(21) Vor allem während der Regierungszeit der Kaiser Leon V. (886-912) und Basilius II., des sogenannten Bulgaroktonos (Bulgarentöter) 976-1025), kam es zu einem verstärkten Einsatz der Pomaken gegen die Bulgaren. Diese beiden Kaiser sollen heute von ihnen als „unsere Löwen“ bezeichnet werden. Vgl. auch Melikis: 1981.
(22) Vgl. auch Straube: 1980, 15
(23) Vgl. auch Obolensky: 1948, 265f.
(24) So u.a. Eren‚ Magriotis. Griechische Autoren bilden hier die Ausnahme, so u.a. Gritsi-Milliex: 1977. Nach Melikis wurden zu ihrer Islamisierung Jürüken aus Kleinasien eingesetzt, die die Pomaken-Siedlungen plünderten und sie zur Aufgabe ihres Glaubens zwangen. Danach (1656) ist eine pomakische Vertretung nach Phlllppopel gegangen und hat hier Glauben zum Islam geschworen. Vgl. auch Melikis: 1981
(25) In der Schlacht bei Batak sollen sie z.B. etwa 5.000 Bulgaren niedergemetzelt haben. Vgl. auch Verlag Eleftherudakis: 1930. 806
(26) Das von mir bis jetzt gesichtete Schrifttum konnte keine weiterführenden Informationen über das Wesen dieser Republik geben. Sie soll über 20 Orte umfasst und nach dem Prinzip der Selbstverwaltung funktioniert haben.
(27) Nach Magriotis haben die pomakischen Abgeordneten Celal‚ Hakki‚ Nuri‚ Tevfik‚ Rusti‚ Sukri und Hassim an den General folgende Petition überreicht: „Nachdem unseren dort wohnenden Landsleuten wegen der völlig fehlenden Toleranz, der Unterdrückung und der häufigen Übertretungen und Unterschlagungen‚ die einer zivilisierten Nation unwürdig sind, unmöglich wurde, unter bulgarischer Besetzung zu leben…“  „…würde die Besatzung Thrakiens durch die alliierten Armeen unsere Leiden beenden und jeglicher Störung der Ordnung zuvorkommen, welche dort zu explodieren droht. Es wäre wünschenswert, wenn die griechischen Streitkräfte an der Besatzung teilnehmen würden“. Vgl. auch Magriotis:1930, 46f.
(28) Text des Vertragswerks in: LNTS: 1924; Text der Konvention in: LNTS: 1925
(29) Zahlen bei Ronneberger/Mergl: 1980, 380
(30) Vgl. auch Alexandris: 1983. 310f.
(31) Die größte Bevölkerungsgruppe stellen in Thrakien die sogenannten Rumeli-Türken dar. Bei der statistischen Erhebung des Jahres 1951, der letzten Erhebung, bei der nach Muttersprache und ethnischer Zugehörigkeit gefragt wurde, wurden in Thrakien neben 18.666 Pomaken 93.856 „Türken“ festgestellt (vgl. auch Office National de Statistique de Grece (Hg). Resultats du recensement de la population effectue le 7 Avril 1951, Vol. 1, Athen 1961, S. CX und CXI. In dieser „türkischen“ Minderheit sind wiederum kleinere Minderheiten wie Zigeuner (heute auf etwa 5.000 geschätzt), Tscherkesen‚ Jürüken, Konyaren und Schwarze, die den Ort Evlalon (Inanli) bewohnen. Der hier gebrauchte Terminus Rumeli-Türken zeigt Muslime an, die aus Anatolien, Zentralasien und der Krim nach Thrakien “verpflanzt“ wurden. ebenso einheimische, die zum Islam übertraten (vgl. auch Weekes‚ R.V., Muslim Peoples. A World Ethnographic Survey. Westport/London 1978. S. 448f.). Die Gesamtbevölkerung der Region Thrakien betrug 1981 345.220 Personen (vgl. auch Office National de Statistique de Grece (Hg), Population de fait de la Grece au recensement du 5 Avril 1981, Athen 1982, S. 16.
(32) Die Pomaken-Siedlungen haben eine Einwohnerzahl, die zwischen 6 (Kunduros) und 2.296 (Echinos/Sahin) liegt. Vgl. auch Office National de Statistique de Grece: 1982, 152f. Die Zahl der griechischen Pomaken wird mit 37.000 angegeben. Vgl. auch das Arbeitsdokument „über den Entschließungsantrag Dok. 1-1362/82 von Herrn J. Taylor und Herrn I. Paisley zur Lage in Nestthrakien“, den der griechische Abgeordnete im Europäischen Parlament K. Gontikas am 14.9.83 dem Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments vorlegte. Die „Taz“ beziffert die Pomaken. die an der griechisch-bulgarischen Grenze angesiedelt sind, auf 150 bis 200.000 (vgl. ‚Taz“ vom 21.12.85).
(33) Vgl. auch NZZ vom 5.9.1979
(34) In Xanthi z.B. wird der nördliche Teil der Altstadt, der sogenannte Ahrian—Mahalla‚ bereits zum Teil von Pomaken bewohnt.
(35) So hat es z.B. am 27.11.1919 zwischen Griechenland und Bulgarien einen Vertrag zum Austausch von ethnischen Gruppen gegeben. Noch vor Vertragsabschluss war die Hälfte der als Bulgaren deklarierten Bewohner der von Griechenland umworbenen Gebiete nach Bulgarien abgeschoben worden (vgl. auch Kloss: 1969. 206f.). Eine Gruppe von etwa 200.000 Albanern wurde während des griechischen Bürgerkrieges 1946-1949 mittellos nach Albanien abgeschoben (vgl. auch „The Albanian Resistance“: 1956). Etwa 100.000 slawischsprachigen Makedoniern wurde nach dem Bürgerkrieg durch gezielte Maßnahmen der Regierung die Auswanderung nach Australien und Kanada „erleichtert“.
(36) Mit Ausnahme Makedoniens, wo heute noch eine makedonische Minderheit — im Untergrund – aktiv ist.
(37) vom obligatorischen Bevölkerungsaustausch ausgenommen wurden „the Greek inhabitants of Constantinople“ und „the Moslem inhabitants of Western Thrace“ (vgl. auch LNTS: 1925, 76). Neben den Muslimen in Thrakien verblieb noch eine kleine Insel muslimischer Albaner in Westmakedonien (die jedoch während des griechischen Bürgerkriegs zwischen die Fronten geriet und eliminiert bzw. über die Grenzen nach Albanien abgeschoben wurde) und die etwa 50.000 Muslime auf Rhodos, das allerdings erst 1947 von Griechenland einverleibt wurde.
(38) Die beiden Abgeordneten gaben die Gesamtzahl der Pomaken mit 279.000 (Paris) und 550.000 (New York) an (vgl. auch Melikis 1981; Chidiroglu: 1984. 24f.
(39) Vgl. auch Chidiroglu: ebd.
(40) Vgl. auch Magriotis: 1980/81, 56
(41) Vgl. auch Meinardus: 1985, 58f.
(42) Siehe auch Andreades: 1956, 14 (Übers. E.S.)
(43) Ebd., 14ff.
(44) Vgl. auch Chadziargyris: o.J.‚ 111f.
(45) Im Prozess vom türkischen Yassiada gegen die Führer der Demokratischen Partei 1960 legte die Staatsanwaltschaft Beweise vor, die den Anteil ihrer Verantwortung an den Ausschreitungen belegten. Die angeklagten Politiker gaben an, diese inszeniert zu haben, um den Teilnehmern der Londoner Konferenz die nationale Erregung in der Türkei zu dokumentieren und die Position der Türkei in der Konferenz zu stärken (vgl. auch Weiker: 1963, 35f.).
(46) Vgl. auch Xydls: 1967, 93f.
(47) „The Greek Government‚ to its credit‚ did not retaliate against Turkish citizens or the Turkish minority in Greece (Stephens: 1966, 196).
(48) Vgl. auch Meinardus: 1985. 556f.
(49) Ebd.
(50) Vgl. auch Magriotis: 1980/81, 55ff.
(51) Noch bis vor einiger Zeit wurden sie vor allem als „mularades“, Maultiertreiber‚ eingesetzt.
(52) Magriotis: 1980/81, 49f.
(53) Ebd., 46f.
(54) Vgl. auch Gritsi-Milliex: 1977
(55) Vgl. auch Papachristodulu: 1955, 34f.
(56) Vgl. auch Gonatas/Kydoniatis: 1985, 101f.
(57) Ebd.‚ 103f.
(58) Nomaden aus Kleinasien, etymologisch von „Yürümek“ (türk.)‚ laufen.
(59) Vgl. auch Gonatas/Kydoniatis: 1985, 103f.
(60) Ebd.
(61) Vgl. Xirotyris: 1971, 37f.
(62) Ebd.
(63) Xirotyris: 1976, 353f.
(64) Vgl. auch Popovic‘: 1986, 8f.
(65) Vgl. auch Kalatzopulos/Pituropulos: 1984, 6f.
(66) Ebd.
(67) Ebd.
(68) Vgl. auch Magriotls: 1980/81, 55
(69) Nach Kanakidou zahlte der Bischof jedem Pomaken‚ der im Falle einer Heirat mit einer Griechin zum Christentum übertrat‚ 50.000 Drachmen. Vgl. auch Kanakidou: 1978, 55f.
(70) vgl. auch „Stochos“ vom 23.10.1986
(71) Vgl. auch Rich: 1986, 443
(72) Ebd.
(73) Vgl. auch Ischirkoff: 1917, 15f.
(74) Ebd.
(75) Ebd.
(76) Vakarelski: 1969, 5
(77) Ebd.
(78) Kurze Bulgarische Enzyklopädie, Bd. 4: 1978, 202
(79) Bulgarische Enzyklopädie, Bd. 1: 1978, 428
(80) Vgl. auch Popovic 1985, 9f.
(81) Ebd. Die Gesamtzahl der Muslime in Bulgarien betrug 1956 746.300 Personen, das waren 9.8 Prozent der Bevölkerung (vgl. auch The Statesman‘ s Year-Book 1968-1969, S. 854). Zur gleichen Zelt waren die bulgarischen Muslime in der Nationalversammlung mit zehn Abgeordneten vertreten (vgl. auch „Rabotnitschesko Djelo“ vom 5.3.1964).
(82) Vgl. auch Ischirkoff: 1917, 16
(83) Ischirkoff: 1917, 16f. Kanakidou erwähnt in ihrer Arbeit, daß die Bekehrung der Pomaken zur Orthodoxie per Massentaufe in Flüssen stattfand, bei der sie bulgarische Namen bekamen und in bulgarische Register als Bulgaren eingetragen wurden (vgl. auch Kanakidou: 1978, 4f).
(84) Vgl. Bohmann: 1969, 344f.
(85) Ebd.
(86) Vgl. auch Chidiroglu: 1984, 39f.
(87) Ebd.
(88) Ebd.
(89) Ebd.
(90) Vgl. auch „Die Zeit“ vom 22.3.1985 und „Der Spiegel“: 13/1980, 148f.
(91) Popovic: 1936, 10
(92) Über Einzelheiten vgl. Oran: 1986, 49f.
(93) vgl. auch Alexandris: 1983, 123
(94) Vgl. Meinardus: 1985, 508f.
(95) Vgl. Landau: 1981, 66
(96) Vgl. Bayülken: 1965, 150f.
(97) Ebd.‚ 150ff.
(98) Ein Umstand, der zu Klagen gegen die Türkei seitens der thrakischen Muslime geführt hat.
(99) Vgl. auch Meinardus: 1985, 508f.
(100) Das Gros der ausgewanderten Rumeli-Türken und Pomaken hat sich zwar In Istanbul niedergelassen, doch es gab auch eine offizielle Ansiedlungspolitik‚ in deren Zuge Pomaken in bestimmten 0rtschaften‚ z.B. in der Gegend um Manisa angesiedelt worden sind (vgl. auch Balkanli: 1986, 287.).
(101) Nach Angaben des hier bereits zitierten türkischen Autors Baski Oran vom 27.11.1986
(102) Vgl. Straube: 1980, 94
(103) Die wichtigsten Vereine sind:

  1. Bati Trakya Dayanisma Dernigi (Solidaritätsverein der Türken West-Thrakiens)‚ gegründet 1946 mit Regionalbüros in Izmir‚ Bursa‚ Nikomidia‚ Kücük Dere und Zeizinburnu bei Istanbul,
  2. Rodop-Tuna Türkleri Kültür ve Dayanisma Dernegi (Kultur- und Solidaritätsverein der Rhodopen- und Donau-Türken).
  3. Bati Trakya Göcmenleri Yardimlasma Dernegi (Verein zur Unterstützung westthrakischer Umsiedler) mit der Dachorganisation Türk Göcmen ve Mülteci Dernekleri Federasyonu (Föderation der türkischen Umsiedler und Flüchtlings-Vereine).
  4. Rumeli Türkleri Kültür ve Dayanisma (Kultur- und Solidaritätsverein der Rumeli-Türken),
  5. Bati Trakya Türkleri Yardimlasma Dernegi (Unterstützungsverein der Westthrakien-Türken). Kelsterbach‚
  6. Bati Trakya Türkleri Yardimlasma Dernegi (Unterstützungsverein der Westthrakien-Türken)‚ Gießen,
  7. Solidaritäts- und Kommunikationszentrum der Türken von West-Thrakien in Griechenland, Düsseldorf,
  8. Solidaritätsverein der Türkisch-Moslemischen Minderheit von West-Thrakien in Griechenland, Hamburg.

(104) Chidiroglu zählt zu den wichtigsten türkischen Diplomaten, Professoren und Autoren in der Türkei, die aus Griechisch-Thrakien abstammen, Ümüt Haluk Bayülken, Ahmet Aydinli, Abdurrahim Dede, A. Cevat Eren, Ahmet Kayihan, Muharrem Ergin‚ Enver Ziya Karal‚ Kenan Özbel, Refet Rodoplu, Ahmet Salami, Enver M. Serifgil, Hikmet Jürtagül, Hayiriye Süleymanova, Faruk Timurtas u.a.m. Ein Teil dieser Persönlichkeiten soll pomakischer Abstammung sein. Vgl. auch Chidiroglu: 1984. 34f.
(105) Vgl. auch Chidiroglu: 1984, 34f.
(106) Ebd.; Es konnte nicht überprüft werden, ob der heutige Mufti von Xanthi, Mustafa Hilmi, mit Mehmet Hilmi verwandt ist. Nach Gonatas und Kydoniatis soll Mustafa Hilmi, der selbst pomakischer Abstammung ist, die Pomaken systematisch türkisieren. Vgl. auch Gonatas/Kydoniatis: 1985, 110f.
(107) Vgl. auch Chidiroglu: 1984, 35f; nach Magriotls sind Träger der türkischen Propaganda in Thrakien, deren Opfer hauptsächlich die Pomaken sind, das türkische Konsulat in Komotini, türkische Agenten und türkische Lehrer, die offiziell aus der Türkei zum Unterricht in den Schulen beordert werden, in Wirklichkeit aber als Spione und Propagandisten tätig sind. Sie behaupten, dass die Pomaken Türken seien, ihre Minderheit eine türkische Minderheit sei, da sie von der türkischen Armee islamisiert wurden (vgl. Magriotis: 1980/81, 48f). Gonatas und Kydoniatis verweisen auf die „extremistischen Organisationen der Muslime“, „B.T.T.-M.T.“ und „Trakya“, in deren Netz die bäuerlichen Pomaken gefangen gehalten werden (vgl. Gonatas/Kydoniatis: 1995, 110f.
(108) Vgl. C.A. Eren: 1964, 573f. Erens Verweis bezieht sich auf die Arbeit von M.T. Gökbilgin, XV. ve XVI. asirlada Edirne ve Pasa livasi, Istanbul 1952.
(109) Ebd.
(110) Vgl. H. Eren: 1978, 83f.
(111) Vgl. Kayihan: 1967, 4f.
(112) Vgl. Aydinli: 1971, 21f.
(113) Vgl. Serifgil: 1980, 81f.
(114) Ebd.
(115) Ebd.
(116) Vgl. Oran: 1986, 86f.
(117) Ebd.
(118) Ebd., 89f.
(119) Ebd.; Ein Gruppengespräch‚ das Oran in Thrakien mit pomakischen Teilnehmern aufzeichnete, verdeutlicht, dass die Pomaken weder Türken noch Griechen sein wollen (ebd.‚ 87f.).

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English

Ethnic Minority as an Object of International conflict, The Case of Pomaks in Northern Greece

Abstract 

The Pomak area of settlement was divided by the boundaries between Greece and Bulgaria. Their religion‚ Islam, favoured the assimilation of those who immigrated into Turkey while it prevented their assimilation or „Grekification“ and „Bulgarisation“ in Greece and Bulgaria respectively. In the history the Pomaks have frequently stood between conflicting parties: between Bulgars and Byzantines‚ between Ottomans and Christians. This has been true for the time of nation-building on the Balkans in the 19th and early 20th century as well as ln the Greek civil war from 1946 to 1949 and still applies to the situation today between Turkey and Greece and between Turkey and Bulgaria. Nowadays in Bulgaria they resist the efforts of the authorities to force them into assimilation. In Greece the side with another Muslim minority, the Rumeli-Turks or Osmanlis who – so it seems – are showing tendencies towards irredentism. At the same time, however, the Pomaks in Greece seen to be very reluctant to submit to any attempt on the part of Turkey to „Turkify“ them.

Although the paper takes the situation of Pomaks in Bulgaria and Turkey into account, it emphasises their situation in Greece where interconnected fields of conflict can be identified: First, decades of stigmatizing the Pomaks as an inferior group – as hated „Bulgars“ or as „Turks“‚ Just as each specific situation required – have produced an ethnic boundary between the Pomaks and the majority of Greek society. This boundary has not been made more penne able by recent and rather hasty attempts to declare them the descendants of the old Thracians’ or Greeks. It is highly probable that the Pomaks‚ feeling threatened by this new policy of Hellenization‚ will look for allies and thus identify themselves with the Turks in Turkey who have shown a certain amount of solidarity with them. Second‚ precisely the isolation of the Pomaks in Greece creates a situation that transcends national frontiers, e.g. the solidarity shown by the Turks in Turkey on the basis of the common religion and internationalisation of an actually internal conflict through the attempts of the Turkish government to claim the Pomaks as „Turks“. The tendency to identify with the Turks is‚ however‚ reversed to the degree in which the Pomaks get the impression that they are merely utilized as pawns in the foreign policy of their powerful ally.

The Turkish, Greek and Bulgarian llterature dealing with the ethnic origins of the Pomaks, varies according to the nationality of the authors. In Turkey the Pomaks are considered to be of Turkish origin, in Greece of Greek origin and in Bulgaria of Bulgarian origin. There ls no answer to the question of how the Pomaks see themselves: as Bulgars, Greeks or Turks; as descendants of the old Thracians’, the Pecheneges or the Kumans? Little is known whether the Pomaks consider themselves an ethnic or religious minority which would like to develop its own unwritten language or whether they do want to be what the respective neighbouring countries are claiming? An answer to these questions will be wanting as long as most authors seem to be more interested in „proving“ scientifically the policy of their respective governments than In finding out the self-view of the Pomaks.

In order to find answers to these questions‚ the findings and hypotheses of the existing literature have to be re-evaluated. In addition to this‚ field research will have to be conducted. This research will meet, however, with considerable difficulties in Greece and even more so in Bulgaria since the area of settlement of the Pomaks has been declared a prohibited military area by both countries. It will be almost equally difficult to do research among Pomaks who immigrated to Turkey where they have been submitted to an enforced process of assimilation. However‚ the combination of both methods of research – re-evaluation of the existing literature as well as field research – seem to be the only feasible way to improve our knowledge of the Pomaks, if the Pomaks are not to be dismissed as a small ethnic-religious minority that might disappear under the pressure of assimilation claims anyhow.

Dr. Emmanuel Sarides  11. Mai 2017
Rubrik: Publikationen

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