Griechenland, das „infantile Gemeinwesen“ (Bastian)

Cangrande

Linksammlung zu Aufsätzen über die griechische Gesellschaft

Eine Debatte auf der Facebook-Seite des CDU-MdB Klaus-Peter Willsch und die Beschäftigung mit einem Tagesspiegel-Interview des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis [„Lügen – aber richtig: Nachschulung für den griechischen Wahrheitsminister Yanis Varoufakis (Gratis, sed non privatissimum)„] brachten mich auf die Idee, hier eine Reihe von Zeitungsaufsätzen usw. zu sammeln, die sich mit der der griechischen Gesellschaft befassen. Nach meiner Einschätzung (wie auch einiger der Autoren) ist Griechenland letztlich unreformierbar.

Über Griechenland weiß ich zwar nur wenig.
Jedoch hatte ich mich vor Jahren etwas intensiver mit den in vieler Hinsicht vergleichbaren Zuständen und der Mentalität in Süditalien befasst. Nicht einmal in 150 Jahren staatlicher Einheit ist es den Norditalienern gelungen, ihren „Mezzogiorno“, eine ebenfalls archaische Klientel-Gesellschaft, mental entscheidend zu modernisieren.
Schon aus diesem Vergleich heraus kann man eine Reformierbarkeit des bodenlosen Griechenland-Fasses mit ziemlichere Sicherheit ausschließen.

Aswestopoulos, Wassilis (Focus-Korrespondent; Telepolis-Korrespondent;   eigene Webseite;   „hat in Aachen und Athen studiert und berichtet regelmäßig für deutsche Zeitungen und Magazine aus Griechenland„)

  • (Buch) „Griechenland – Eine EUROpäische Tragödie: Die Hintergründe der Euro-Krise“ (Amazon).          Besprechungen:    Deutschlandradio Kultur (19.02.2012): „Nein, Griechenland ist nicht zu retten. Das Buch des deutsch-griechischen Journalisten Wassilis Aswestopoulos trägt zwar den pompösen Titel ‚Griechenland – eine europäische Tragödie‘. Aber gemeint ist damit eigentlich: „Griechenland – eine unendliche Posse.“ Nicht einmal einen ordentlichen Untergang werden die Griechen seiner Ansicht nach hin bekommen. ‚Die Fortsetzung des griechischen Dramas folgt!‘ verspricht Aswestopoulos am Ende seines Buchs: ‚Bis zum letzten Euro, wie versprochen‘.“ [Sehr hellseherisch! Aber das war auch vielen anderen, auch mir schon damals klar.]      Webseite „Empfohlene Wirtschaftsbücher„.
  • Die Hälfte des Einkommens verloren“ (17.11.2011, L.I.S.A., Interview):   „….. nach dem Zweiten Weltkrieg und dem anschließenden Bürgerkrieg ….. hat Griechenland ebenso wie Deutschland und Japan ein wahres und kein statistisch geschöntes Wirtschaftswunder geschafft. Leider manifestierten sich damals auch die politischen Netzwerke, die bis heute das Land beherrschen und mittels Nepotismus ausbeuten. Im Laufe der Jahre hat die von Zuschüssen und Korruption lebende Bevölkerungsgruppe wirtschaftlich die Überhand gewonnen.“ Im Übrigen tendiert auch Aswestopoulos dazu, die Europäer über Gebühr für die griechische Misere verantwortlich zu machen. Aber Griechenland ist nun einmal ein souveräner Staat; wenn die Regierung die erforderlichen Reformen (die die Troika ja ausgearbeitet hatte!) nicht umsetzt, oder die gar auf der Verwaltungsebene schlicht blockiert werden, dann ist Europa machtlos.
  • Angela Merkel in Athen. Ein Erlebnisbericht“ (10.10.2012; Telepolis)   Hier schildert Aswestopoulos die bürokratischen Fehlleistungen der Verwaltung im Umgang mit der Presse bei dem damaligen Staatsbesuch der Bundeskanzlerin in Athen. Die wohl auch er als symptomatisch für die Ineffizienz der griechischen Bürokratie überhaupt ansieht.

Axt, Heinz-Jürgen, Prof. Dr. (Emeritus; früher Lehrstuhlinhaber für Europäische Integration und Europapolitik an der Uni Duisburg) (Interview): “ ‚Anarchistisches Verhalten“ in Athen„.
Ich glaube, … es [ist] insbesondere die mangelhafte administrative Kapazität, die verhindert, dass die Steuereinnahmen tatsächlich in dem Maße eingetrieben werden, die der griechische Staat … benötigt. ….. Die Verwaltung und der Staat haben in Griechenland niemals wirklich effektiv gearbeitet. Und das hat zu einem Misstrauen gegenüber dem Staat geführt. Das ist so ein bisschen anarchistisches Verhalten der griechischen Bürger, das aber auch seine strukturellen Ursachen hat. …..  Von den Parteien wurde vieles versprochen und manches musste man auch tatsächlich den Wählern gegenüber einhalten und hat dann eben beispielsweise eine dreizehnte oder vierzehnte Rente zugestanden. Einfach, um die Wähler bei der Stange zu halten und auch den Sieg bei der nächsten Wahl zu sichern. Das ist ganz offensichtlich gewesen in der Vergangenheit. Das ist sehr schön nachzuvollziehen, wenn man erhöhte Staatsausgaben und die Ausweitung des öffentlichen Dienstes im Zusammenhang mit Wahlterminen betrachtet. Immer wenn Wahltermine anstanden haben, schnellten diese Ausgaben des Staatshaushaltes ganz erheblich nach oben. ….. Ich glaube, es geht nicht nur um die Frage, ob der öffentliche Dienst personell überbesetzt ist. Sondern es geht vor allem um die Frage der Qualifikation. Ohne einen qualifizierten und auch ambitionierten öffentlichen Dienst, können die anstehenden Aufgaben absolut nicht gestemmt werden. ….. Das [bürokratische Schwierigkeiten für Unternehmensgründungen] ist ein Problem, das ich inzwischen nicht mehr nachvollziehen kann. Letztendlich erkläre ich es mir dadurch, dass bei griechischen Politikern – und das geht quer durch die Parteienlandschaft – ein großes Misstrauen gegenüber dem privaten Unternehmertum herrscht. ….. Die Entwicklung in Griechenland war immer sehr stark durch den Staat und durch Staatseingriffe bestimmt. Staatliche Entwicklungsbank, Förderung von Unternehmen, aber immer unter der Kontrolle und der Oberherrschaft von staatlichen Organen. Dahinter stand eine Angst, Unternehmer könnten zu reich werden, sie könnten möglicherweise der Kontrolle des Staates entgleiten. Ich befürchte, dass sich diese Grundhaltung auch unter der neuen Regierung nicht ändern wird. Denn gerade jetzt ist der Ruf nach Einschränkung von privater Initiative besonders laut zu vernehmen.“

Bastian, Jens: „Pleite? Macht doch nichts!
Griechenlands Finanzen sind völlig marode – doch die Griechen hat das lange überhaupt nicht gestört. Regeln gelten in dieser instabilen Gesellschaft nicht viel. Analyse eines infantilen Gemeinwesens„. (Hervorhebung von mir.)
(Jan. 2010, WELT am Sonntag)

Boukalas, Pantelis: „Hypocrisy shines once more
Über den Umgang der damaligen Regierung mit der sog. „Lagarde“-Liste von Konten griechischer Bürger – mutmaßlich Steuerhinterzieher – in der Schweiz. Vgl. auch unter Malkoutzis, Nick, 3.11.12.
(30.10.2012, Kathimerini)

Dellas, Harris (auslandsgriechischer Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Bern; Homepage):

  • Griechenland funktioniert wie seinerzeit die Sowjetunion“ (06.11.2011, Tagesanzeiger – CH -, Interview)     „Korruption ist nicht einmal der schlimmste Vorwurf. Man kann korrupt, aber kompetent sein. Das ist weniger schlimm als inkompetent. Das Problem der griechischen Politiker besteht darin, dass sie nicht verstehen, wie eine Volkswirtschaft funktioniert, über geringe Managementqualitäten verfügen und keine Visionen haben. ….. Es gibt tatsächlich typische Merkmale des griechischen Charakters. Eines ist, dass es für alles einen Sündenbock geben muss. Wenn etwas Schlimmes passierte, war immer ein externer Akteur schuld. ….. Dank der Informatik wäre es heute einfach, eine funktionierende Steuerverwaltung aufzubauen. Doch die Politiker haben kein Interesse daran, dies zu tun, weil ihre Freude und Gönner dann Steuern bezahlen müssten. ….. Ich denke, die Wähler sind kurzsichtig. Es gibt eine Partei, die dies (Reformen) verlangt. Sie nennt sich Aktionspartei, doch sie erhält nur ein Prozent der Stimmen. Die Griechen ziehen es vor, populistischen Parteien die Stimme zu geben. Vielleicht in der Hoffnung, eines Tages auch von diesem System profitieren zu können. ….. Griechenland funktioniert wie seinerzeit die Sowjetunion. Die Staatsunternehmen sorgen für den Grossteil der Wirtschaftsleistung. Zudem ist die Privatwirtschaft stark reguliert. Und es gibt viele Kartelle. Die Griechen misstrauen dem Markt zutiefst. Jemanden liberal zu nennen, ist eine der schlimmsten Beschimpfungen, die es gibt.
  • Nicht die Reeder, sondern die kleinen Fische sind schuld“ (24.02.2015, Swissinfo.ch, Interview)     „[Alexis Tsipras und seine Leute] sind in dem Sinne korrupt, als dass sie von den korruptesten Leuten Griechenlands gewählt wurden, nämlich den Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes. 50 Prozent der Staatsangestellten haben Tsipras gewählt. Er wird das Risiko kaum eingehen, seine Wählerschaft zu erzürnen. Der Grossteil der Leute, die Syriza wählten, taten dies, weil sie ihre Privilegien nicht verlieren wollen. ….. Das Problem ist, dass jeder und jede den Staat als Feind betrachtet und kein Vertrauen in ihn hat, teils mit guten Gründen. Die Griechen sind realitätsfremd und leben in den Wolken. Zudem machen sie immer andere für ihre Misere und für fehlende Fortschritte verantwortlich. Die griechische Mentalität ist anatolisch geprägt, das war schon immer so. Die Griechen wollen keine Verantwortung übernehmen und handeln egoistisch: Sie tun alles, um zu profitieren, auch wenn halb Griechenland dabei bachab geht. ….. Man muss verstehen, wieso es mit Griechenland so schlimm steht und viele Menschen leiden. Der Lebensstandard in Griechenland ist tief, weil die Produktivität tief ist. Wie will Tsipras den armen Leuten ein Einkommen ermöglichen? Dies geht nur mit Investitionen und der Schaffung von Arbeitsplätzen. Er tut aber das Gegenteil und vertreibt Investoren, durch politische Unsicherheit und Kritik am Privatsektor. ….. auch Samaras ist ein Populist. Der Unterschied zwischen ihm und Tsipras ist gering. Bei den Parteien in Griechenland geht es nicht um links oder rechts, sondern darum, ob sie an moderne Gesellschaften und Ökonomien glauben oder populistisch und im Mittelalter steckengeblieben sind. Leider gibt es nur wenige Leute mit einer modernen europäischen Einstellung. Die meisten von ihnen haben die links-liberale Partei To Potami gewählt. Wäre diese am Ruder, gäbe es Hoffnung im Land.“
    [Vgl. hier zu Sizilien: Ebenfalls aufgeblähter Beamtenapparat und überhöhte Gehälter.]

Dimou, Nikos (Wikipedia; Biographie in Englisch auf seiner Homepage)

  • (Buch): „Über das Unglück, ein Grieche zu sein“ [Amazon; Verlagsseite]. Im Original auf griechisch Ende der 70er Jahre des 20. Jh. erschienen, liegt das als „Klassiker“ gepriesene Buch (das ich selber nicht gelesen habe) seit einigen Jahren auch in deutscher Übersetzung vor. (Rezension; dito in der WELT. Auf seiner Homepage hat er – ohne Datum – eine englischsprachige Rechtfertigung gegen seine Kritiker eingestellt, die so schließt: „Who will dare to teach Greeks the truth about their history? ….. About the history, and culture, of their neighbors? Who will dare to teach them the truth about certain „national issues“ ….. When will Greeks succeed in seeing themselves as they really are: a nation like all the others, with abilities and weaknesses, with talent (often more than this land can hold), and insecurities, capable of both generosity and meanspiritedness. Beyond the overhaul of the economy, I preach the revamping of our attitudes. Am I really an anti-Hellene? Or do I love Greece? The future will decide.„.)
  • (Buch): „Die Deutschen sind an allem schuld“ [Amazon;    Verlagsseite: „Nikos Dimous neue Reflexionen »über das Unglück der Griechen« sind in der Form platonischer Dialoge geschrieben. Er und seine internationalen Gesprächspartner wundern sich über so manches: warum Griechen im Ausland plötzlich zivilisiert Auto fahren, warum sie schon zur Begrüßung über alles klagen und was es mit dem griechischen Licht auf sich hat. Gut, dass es nun endlich eine Erklärung für alles gibt – und einen Nachfolgeband für Dimous wunderbar geistreichen Bestseller „Über das Unglück, ein Grieche zu sein“.]      Aus einer Rezension: „… er identifiziert messerscharf den “Populismus als Aids des heutigen griechischen Lebens. Man gibt dem Volk, was es will.” Nämlich Gefühle, Verdächtigungen, Ängste.“.    Aus einer anderen: „Mit einem Augenzwinkern erklärt der griechische Philosoph Nikos Dimou in seinem neuen Buch, wieso es so viele Missverständnisse zwischen Griechen und Deutschen gibt.“   Ausführliche Besprechung auch im Schweizer Tagesanzeiger.
  • Immer Ieichtgläubig, immer verraten“ (SPIEGEL 04.02.1985): „Das Wort „frangos“ (Franke) steht heute im Griechischen für Westler und hat einen bösen Klang. „Lieber den Turban des Türken als die Mütze des Lateiners“ rief im 15. Jahrhundert der Großherzog Notaras. Denn Griechenland hat nicht allein unter dem Joch der Osmanen gelitten, sondern auch unter den „Franken“ – Venezianern, Genuesen, Franzosen. ….. Die Türkenangst der Griechen muß ebenso wie die Westfeindlichkeit in ihrer historischen Perspektive gesehen werden. Sie umfaßt Jahrhunderte von Drohung, Aggression und Krieg. Wenn die Griechen heute Symptome von Verfolgungswahn zeigen, wenn sie überall Verschwörungen sehen, haben sie in der Tat einigen Grund dazu. Ihr historisches Gedächtnis ist voll schwer zu heilender Traumata. Die westliche Welt scheint für gegeben zu nehmen, daß Griechenland kulturell, historisch, soziologisch dem Westen „gehört“. Doch als das Land nach vier Jahrhunderten türkischer Herrschaft frei wurde, hatte es sehr wenig mit dem Westen gemein. ….. Im Lande des Aristoteles, des Erfinders der Logik, hat Logik kaum eine Chance; jede Entscheidung hängt von einer Neigung oder Abneigung, von Impulsen und Instinkten ab. ….. Griechenlands soziales und politisches Leben ist, durch die politischen Differenzen der letzten zehn Jahre, entartet in einen angstvollen und fanatischen Kampf – ohne Rationalität, ohne Dialog, in Hexenjagd und Verleumdung. „Ihr Griechen wart immer Kinder“, sagten, laut Plato, die ägyptischen Priester dem Solon.
  • Griechenland ist keine mündige Nation“ (Interview; Tagesspiegel 09.05.2010): „Die Lage ist sehr ernst. Ich glaube, auch die informierten Griechen haben noch gar nicht verstanden, wie ernst sie ist. ….. Und das Schlimmste: Dies ist nicht eine prekäre Situation, die in ein paar Jahren vorüber sein wird. Ich fürchte, das wird lange dauern. ….. Man kann ein Land, dass eigentlich erst 100 Jahre Geschichte hat und davon nur 30 Jahre ungestörtes demokratisches Leben, nicht mit denselben Kriterien messen wie die europäischen Länder. Man muss kritisieren, aber man muss auch verstehen. [Man kann freilich auch verstehen, ohne zu zahlen oder sich zu Zahlungen verpflichtet zu fühlen! 😉 ]     [Frage: ] Manche werfen den Griechen vor, sie lebten auf Kosten Europas.   [Dimou: ] „In gewisser Weise stimmt das. Die EU hat uns viel Geld gegeben. ….. Die Griechen …. haben sehr schnell gemerkt: Die blöden Europäer geben uns Geld ohne zu überprüfen, was wir damit machen. Also kaufen wir uns mit dem Geld einen Cayenne oder einen Range Rover. Die Europäer haben gedacht, wir seien eine mündige Nation. Das waren wir nicht. ….. Ich bin sehr skeptisch [dass die Troika etwas ändern kann]. Das größte Problem Griechenlands ist die öffentliche Verwaltung – eine Million Beamte! Österreich, das genauso groß ist, kommt mit 150 000 aus …… Unsere Verwaltung ist nicht nur riesig, sondern auch völlig korrupt. Nicht einmal die Obristendiktatur hat es geschafft, sich gegen sie durchzusetzen. Sie hat versucht, die Unkündbarkeit der Staatsbediensteten abzuschaffen, ist damit aber gescheitert. ….. Jetzt kommen die Europäer und die Leute vom IWF und geben uns Befehle, denn darum handelt es sich doch: Befehle! Aber deren Umsetzung hängt von hunderten Behörden ab. Und wenn die nicht kooperieren wollen oder können, was wird dann? ….. ich hoffe, dass diese Krise der Anfang einer neuen Epoche für Griechenland ist. Zugleich fürchte ich, es wird sehr schwierig sein. Denn es gibt in manchen Köpfen verrückte Ideen. Nehmen Sie Mikis Theodorakis, der ….. von der angeblichen internationalen Verschwörung gegen Griechenland erzählt hat – eine fixe Idee: dass die ganze Welt Komplotte gegen Griechenland schmiedet. Das ist nicht nur absurd, sondern auch eine groteske Selbstüberschätzung. ….. Griechenland ist ein armer Staat mit reichen Bürgern. Die Schattenwirtschaft macht nach Schätzungen rund 40 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. [Aber wir Deutschen sind doof genug, die ach so „armen“ Griechen zu bedauern und zu alimentieren …] ….. „Ich wage die Prognose, dass Griechenland in drei Jahren besser dastehen wird als jetzt. Aber das ist leicht gesagt. Denn jetzt ist alles sehr schlecht. Und in einem Jahr wird es noch schlechter sein. Denn dann werden alle Sparmaßnahmen wirklich erlebt. 2011 wird das schlimmste Jahr. 2013 müsste es besser sein als jetzt. Aber ob es gut sein wird, daran zweifle ich.
  • Die grausame Geliebte“ (Interview; Tagesspiegel, Zeit u. a., 22.02.2012. Aus der Einleitung: „In Griechenland hat das berühmteste Buch des Schriftstellers Nikos Dimou seit seiner ersten Veröffentlichung 1975 bereits 30 Auflagen erlebt. Jetzt erscheint endlich auch die deutsche Übersetzung(„Über das Unglück, ein Grieche zu sein“. ….. Griechenland sei „eine grausame Geliebte“, schreibt Dimou, der in München Philosophie studierte: „Schließ Griechenland ins Herz, und Du kriegst einen Infarkt.“)    „„Ein Grieche lebt zweimal über seine Verhältnisse und verspricht das Dreifache von dem, was er halten kann.“ [Dazu ausführlicher in der NZZ: „Nikos Dimou zeichnet die Griechen als eine Truppe von Schmierenkomödianten, die den Europäern gegenüber den Antiken geben. Und denen ein starker Hang zur Übertreibung eignet ….. . «Ein Grieche nimmt die Realität prinzipiell nicht zur Kenntnis. Er lebt zweifach über seine Verhältnisse. Er verspricht das Dreifache von dem, was er halten kann. Er weiss viermal so viel wie das, was er tatsächlich gelernt hat. Er zeigt seine Gefühle fünfmal stärker, als er sie eigentlich empfindet.»“] Das haben Sie vor 37 Jahren geschrieben. Die aktuelle Krise kann Sie nicht überrascht haben.“      Nein, das hat sie nicht. Dieses Zitat stammt aus dem Kapitel „Die griechische Übertreibung“. Sie ist ein wichtiges Merkmal des griechischen Charakters. ….. Der zweite Grund: Die Griechen sind nicht rational. Sie denken mit dem Gefühl. Das macht es ihnen so schwer, diese Krise zu bewältigen. ….. Ich bin sicher, dass man mich anklagen wird, von der Krise zu profitieren und das Ansehen der Griechen herabzusetzen. Aber ich glaube, dass es kein antigriechisches, sondern ein progriechisches Buch ist, entstanden aus Liebe zu Griechenland. Denn wirkliche Liebe bedeutet nicht zu verherrlichen, sondern kritisch zu beobachten, um seinem Land zu helfen. ….. . In den Jahren seit dem Ende der Obristendiktatur wurde von der Linken eine Art revolutionäre Kultur gepflegt, eine Kultur der Gesetzlosigkeit, die sich in der Gesellschaft weit verbreitet hat. Das beginnt schon damit, dass man sich nicht an die Verkehrsregeln hält und glaubt, einfach Steuern hinterziehen zu dürfen. ….. Die Griechen suchen immer einen Sündenbock. Als ich ein Kind war, waren das die Engländer. Dann waren die Amerikaner an allem schuld. Jetzt sind die Deutschen das rote Tuch für die Griechen.
  • Wir denken mit dem Gemüt“ (Interview; SPIEGEL 04.06.2012; Dimou war damals bereits 76 Jahre alt.)  . „… wenn man mit den Griechen zusammenarbeiten oder aber ihr Land reformieren will ….. muss man wissen, welch tiefverwurzelten Ängste die griechische Seele quälen. Und ich glaube, dass sie gerade, wenn es eine Krisensituation wie die jetzige gibt, wieder zum Vorschein kommen. Dann sehen die traditionell gastfreundlichen Griechen andere auf einmal als Feinde an, die ihnen ihre Seele stehlen wollen. ….. „Ich frage …..: „Was hat die Merkel mit uns zu tun? Nichts. Wir haben Schulden gemacht und die Europäer um Hilfe gebeten. Deshalb sind sie hier.“ Dann antworten meine Gesprächspartner in der Regel, die Europäer würden gut daran verdienen, oder es handle sich um eine Verschwörung der Banken oder des Weltkapitalismus gegen Griechenland.“ [Gibt ja auch in Deutschland genügend Dummköpfe, die das glauben.] „Die größte Schuld [an den Schwierigkeiten bei den Rettungsversuchen] liegt bei den griechischen Politikern, sie haben diese Krise herbeigeführt und nicht schnell genug auf sie reagiert. Außerdem haben sie den Leuten nicht erklärt, wie ernst die Situation war, sondern haben, wieder einmal, die Schuld den anderen gegeben, haben behauptet: „Ja, diese Maßnahmen sind barbarisch, aber sie werden uns aufgezwungen vom Internationalen Währungsfonds, der EU, der EZB, also der Troika.“ Den europäischen Vertretern hatten sie zuvor gesagt: „Wir brauchen diese Maßnahmen, bitte gebt uns das Geld.“ Es war eine doppelzüngige Politik. Ich glaube, die Griechen sind vor allem Opfer ihrer politischen Elite. …..     Ich bin davon überzeugt, man hätte das Vorgehen einfach besser erklären müssen. Ich verstehe, dass viele Griechen den Eindruck hatten, unter deutscher oder europäischer Besatzung zu leben, auch wenn ich diesen Eindruck nicht teile. Durch das Auftreten der Troika und die Art, wie sie von griechischen Politikern instrumentalisiert wurde, ist eine große Chance vertan worden. Wenn man den Griechen eine andere Mentalität nahebringen will, muss man sehr vorsichtig sein, wie man das tut, sonst erzielt man schnell den gegenteiligen Effekt.“     „Wie ein Psychoanalytiker rate ich dem griechischen Patienten, die Dinge diesmal sehr rational zu sehen.  SPIEGEL: Wie lange wird Ihre Therapie dauern?    Dimou: Das hängt vom Patienten ab. Wenn der sehr griechisch reagiert, dann wird er noch nicht einmal zur zweiten Therapiestunde kommen.“ [Wohl wahr!]
  • Satansbraten“ (Interview; ZEIT 26.07.2012)     „ZEIT: Fühlen sich die Griechen in einem Boot mit Spanien, Italien & Co?   Dimou: Gemeinsam ist vielleicht die Mentalität. Aber auch hier würde ich sagen: Die Mentalität des Griechen kann mit der des Süditalieners verglichen werden, aber nicht mit der des Norditalieners. ….. Es ist wirklich schwierig, in Griechenland, Reformen zu machen. In Griechenland ist in den vergangenen zwei Jahren nichts passiert. ….. Die Leute sagen: Das wäre eine gute Reform, aber wir tun es nicht, weil diese Deutschen es uns befehlen. »Heil Hitler! Die Nazis sind zurück!«“
  • Identitätsprobleme. ‚Der Grieche fühlt sich nicht als Europäer‘ „. (Interview; Deutschlandradio Kultur, 03.01.2014): “ Griechenland hat nicht eine gemeinsame Geschichte mit Westeuropa. Sie hat diese ganzen Bewegungen, die Europa irgendwie geformt haben, nicht erlebt. Keine Renaissance, keine Reformation, keine Aufklärung, keinen Aufstieg der bourgeoisen Klasse. ….. Wir sind irgendwie von einem feudalen Zustand in die Moderne katapultiert worden binnen einiger Jahrzehnte. Kulturell ist Griechenland noch zwischen dem Mittelalter und der Moderne, zwischen dem Norden und dem Süden. Oder, wenn Sie wollen, dem Westen und dem Osten. ….. vor tausend Jahren die griechisch-orthodoxe Kirche und die katholische Kirche ….. sich entzweit haben. Das war das sogenannte Schisma, und seit dem Moment hat die orthodoxe Kirche, die eine sehr starke Macht in Griechenland ist und einen sehr großen Einfluss ausübte, immer, für tausend Jahre, antiwestliche Propaganda gemacht. Der Westen war irgendwie der Teufel. ….. der Grieche sich nicht als Europäer fühlt. Das ist auch interessant, dass wir sehr oft von Europa sprechen, als ob es ein anderer Kontinent wäre. Zum Beispiel sagt man: Nikos Dimou hat in Europa studiert, und meint, dass ich in München studiert habe. ….. Winkelmann und seine Theorie des vollkommenen Menschen, das war der alte Grieche. Und auf einmal wurde die ganze romantische Bewegung in Europa pro-griechisch, und das hat uns sehr geholfen während unseres Kriegs mit den Türken während der Revolution. Die Hilfe Europas hat uns damals wirklich befreit. Es war 1828, und Griechenland wurde dadurch frei. Aber das hat uns auch ein Problem gegeben, denn wie ich in meinem neuen Buch schreibe – der Titel ist „Die Deutschen sind an allem schuld“ –, diese deutsche altgriechische Ideologie hat uns ein Ego gegeben, das viel zu groß war für unser Land.“
  • Vom Unglück ein Grieche zu sein“ (Interview; Wirtschaftswoche 27.01.2014. Im Gegensatz zu den meisten anderen sehr ausführlich und mit einer Reihe von neuen Gedanken und Informationen.)     „Die Bayern haben mit König Otto, dem ersten griechischen König aus dem Hause Wittelsbach, versucht, unser Land zu reformieren. Sie wollten aus uns vollkommene Europäer machen, und zugleich wollten sie, dass wir unseren antiken Vorfahren ebenbürtig sind. Dass wir ebenso klug, schöpferisch und poetisch sind. Das hat uns geschadet. Man kann nicht einfache balkanische Bauern, und das waren damals die meisten Griechen, in solche Geschöpfe verwandeln. ….. Um aus uns eine westliche Nation zu machen, musste im 19. Jahrhundert alles importiert werden. Es fing mit den Gesetzen an, die aus Deutschland importiert wurden. Das erste griechische Gesetzbuch war eine Übersetzung des Bürgerlichen Gesetzbuches. Die Bayern wollten aus uns Deutsche machen (lacht). Auch die Institutionen wurden importiert. Das alles war fremd, es ist nicht von innen heraus gewachsen. ….. Die Hälfte der Griechen akzeptiert, dass wir an unserer Lage selbst schuld sind. Die andere Hälfte sucht die Verantwortung außerhalb Griechenlands. In ihrer mildesten Variante geht sie davon aus, dass die Fremden uns nicht verstehen und aus uns Protestanten machen wollen mit der dazugehörigen Arbeitsethik. ….. Die härtere Variante, die Verschwörungstheorie, geht davon aus, dass der Norden den Süden in ein Reservoir billiger Arbeitskräfte verwandeln will. Eine andere Theorie besagt, dass Griechenland ein unglaublich reiches Land mit Unmengen an Erdgas und Öl sei, das die Fremden an sich reißen wollen. ….. Zehn Jahre vor dem Aufstand gegen die Türkenherrschaft hat der Patriarch eine Art von Bulle herausgegeben, in der er nicht den türkischen Sultan, sondern die Menschen aus dem Westen zu Feinden erklärte, die mit Ideen von Demokratie, Gleichheit und Freiheit hantierten. ….. Die Linke hat in Griechenland den Bürgerkrieg verloren, aber den Krieg der Ideen hat sie gewonnen. ….. Die Erneuerung des griechischen politischen Korps bereitet mir großes Kopfzerbrechen. Ich sehe keine interessanten neuen Köpfe. Die Leute, die uns nun „retten“ wollen, sind diejenigen, die uns in die Krise gestoßen haben. …..  das, was der Westen von uns will, ist unrealistisch: dass wir von heute auf morgen eine ganz andere Mentalität annehmen. Der Westen hat nicht kapiert, was für ein Land Griechenland ist, wie die Griechen denken und reagieren. Die Vorgaben des Westens waren sehr logisch – aber wir sind nicht logisch! ….. Der Staat ist unser größtes Problem. Er ist zu groß, kostet sehr viel Geld und ist so schlecht organisiert, dass man ihn kaum reformieren kann. Übrigens hat das nicht mal die Diktatur geschafft. Die Obristen haben große Worte gemacht, was sie alles verändern wollten. Und am Schluss hat die Bürokratie die Diktatur bürokratisiert.
  • Griechischer Philosoph über Krise: ‚Wir haben keinen rationalen Staat‘ “ (02.03.2014, taz)     „Der bayrische Prinz Otto wurde dann unser König und importierte westliche Institutionen, die uns nach der 400-jährigen osmanischen Besatzung aber ganz fremd waren. Bis heute stammt unser Gesetzbuch aus dieser Zeit. ….. Die Bevölkerung bestand damals zu 98 Prozent aus Analphabeten und balkanischen Bauern. Denen wurde plötzlich gesagt, dass sie die Nachfolger von Perikles seien, und dazu sollten sie von einem auf den anderen Tag Europäer werden. All das hat sie restlos überfordert. Diese deutsche Erfindung vom Idealgriechen hat ihr Ego aufgeblasen und zugleich eine Identitätskrise geschaffen…… Interessanterweise haben auch die Griechen die Deutschen immer idealisiert – sie galten als fleißig, organisiert, produktiv. Heute allerdings gehört Deutschland zu den unbeliebtesten Nationen, während die vormals verachteten USA in der Skala aufgerückt sind. ….. Ich habe mich stets gewundert, dass wir Griechen diese leidvolle Phase [Besatzungszeit] scheinbar so schnell überwunden haben und die Deutschen wieder mochten. ….. Winckelmanns Einfluss ist ….. bedeutsam: Wir haben uns seither überschätzt, und das löste eine sonderbare Reaktion aus. In Wahrheit leiden wir unter Größenwahn und Minderwertigkeitskomplex gleichzeitig. ….. Wir brauchen Zeit, um eine Mittelschicht und Organisation aufzubauen und unsere Mentalität zu ändern. Diese Entwicklung wird lange dauern. ….. Wir sind ein kleines Land mit unglaublich vielen Talenten, die sich jedoch überwiegend im Ausland entwickelt haben und erfolgreich wurden.“
  • Ostersamstag. Ein Grieche im Fegefeuer„. Weder von Nikos Dimou verfasst, noch ein Interview. Sondern ein Handelsblatt-Bericht darüber, welche Schwierigkeiten Dimou als religiöser Zweifler in der griechischen Gesellschaft hat. Und damit ein erhellendes Beispiel für die Reichweit der gesellschaftlichen Macht der Orthodoxen Kirche in Griechenland. (18.04.2014)
  • Die Deutschen sind an allem schuld “ [Interview; 05.01.2015, „Diablog.eu“ („deutsch-griechische Begegnungen„). Übernahme aus der Griechenland-Zeitung; in deren Newsletter am 02.04.2014 veröffentlicht.]      „Unser Größenwahn, mit dem wir schon in der Schule indoktriniert wurden, ist: Wir sind das auserwählte Volk, gemeinsam mit den Juden. Nur, dass wir Antisemiten sind und nicht akzeptieren wollen, dass auch die Juden auserwählt sind. Bei einer europaweiten Umfrage waren die Griechen zu 97% stolz darauf, als Griechen geboren zu sein. Der europäische Durchschnittswert war 32%.Auf der anderen Seite gibt es den Underdog-Komplex, man fühlt sich wie ein geprügelter Hund. So kommt es zu diesem Widerspruch: Ich bin toll, aber statt das anzuerkennen, macht man mir das Leben schwer, ignoriert mich. Demzufolge hassen sie mich und ziehen mich über den Tisch. Diese übertriebene Ich-Pose führt dazu, dass ich mich ungerecht behandelt und hintergangen fühle. ….. Die Menschen hatten nicht gelernt, ihre Rechte zu verteidigen [1967 gegen den Militärputsch], sondern nur ihre Interessen. Berufs- und Gewerkschaftsinteressen werden in Griechenland mit großer Verve unterstützt. ….. Welche Rolle spielt die Familie, da wiederum die Mutterfigur in Griechenland. Befreundete Intellektuelle haben den Begriff „Matriarchat“ verwendet. Ist das tatsächlich so? Ja, nicht nur in Griechenland, sondern generell im europäischen Süden. Auch die italienische Mamma ist ein Diktator. Sie verkörpert ein Unterdrückungssystem, das zur Kastration des Sohnes führt, zum Phänomen des Muttersöhnchens. Erst gestern habe ich in einer Statistik gelesen, dass 70% der griechischen Studenten bei ihrer Familie leben, während der europäische Durchschnitt bei 28% liegt. Der Hauptgrund, warum ich zum Studium nach Deutschland ging, war, dass ich mich von meiner Mutter befreien wollte.“ [Wahrscheinlich ein wichtiger Aspekt, den man sonst kaum erwähnt findet. Vgl. im weiteren Zusammenhang auch den Aufsatz „What Greece is Really Like (for Women)“ von Stephanie Kordas.]
  • Die Griechen wissen nicht, wer sie sind“ (Interview; 24.01.2015, WELT)     Die Welt: Sie gelten in Ihrer Heimat als Europa-Versteher. Schlimmer noch, Sie fühlen sich den Deutschen verbunden. Macht einen das im Griechenland von heute automatisch verdächtig? Dimou: Ich mache mich unbeliebt bei den Griechen, weil ich Wahrheiten ausspreche, die die Leute nicht hören wollen. ……. Die Griechen versuchen mit allen Mitteln, der Wirklichkeit zu entfliehen. Das zeigt sich schon bei einem Blick in die griechischen Schulbücher. Der offiziellen Geschichtsschreibung zufolge wurden die Griechen immer verfolgt, sie haben nie Kriege begonnen und im Übrigen immer recht gehabt. Was daraus spricht, ist das Selbstverständnis, ein überlegenes Volk zu sein, das direkt von Sophokles und Aristoteles abstammt. ….. Der Syriza-Chef Alexis Tsipras ist eine sehr interessante Gestalt. Er ist eine charismatische Person, ein geschickter Demagoge, der sich volkstümlich gibt und es tatsächlich auch ist. ….. Tsipras verfolgt eine interessante Taktik. Er hat alle heiklen Ideen der politischen Linken wie beispielsweise die Forderung nach einer Trennung von Kirche und Staat oder nach mehr Rechten für Homosexuelle über Bord geworfen, um mehrheitsfähig zu sein. ….. 40 Prozent seiner Partei bestehen aus Hardcore-Kommunisten, die meinen, was sie sagen. Wenn Tsipras also von seinem Kurs abweicht, auf dem er verspricht, sich mit den Europäern und internationalen Gläubigern anzulegen, läuft er Gefahr, von seiner Basis gestürzt zu werden. Er hat sich in eine Zwickmühle manövriert: Er will unbedingt an die Macht kommen und verspricht dafür allen alles. …..  die Leute sagen: Schlimmer als jetzt kann es doch nicht mehr kommen. Die Verzweifelten wählen Syriza und setzen alles auf eine Karte, fast wie im Kasino. …..  Die EU hat viel zu spät die wahre Dimension der finanziellen Katastrophe erkannt. Im Prinzip war schon 2004 während der Olympischen Spiele klar, dass Athen sich zu viel Geld leiht, das es nie würde zurückzahlen könne. ….. Natürlich tragen die griechischen Politiker die Hauptverantwortung für diese Krise. Sie haben die Schulden gemacht, den öffentlichen Sektor aufgeblasen, und sie schützen nach wie vor ihre Klientel. Deswegen musste die Troika ja auch nach Athen kommen, aber sie hat dabei die Mentalität der Griechen unterschätzt. Die EU-Vertreter verfügten autoritäre Erlasse, aber sie haben die Rechnung ohne die Griechen gemacht. ……. Die Welt: Wie … sollen wir die Unterschiede innerhalb der EU genießen, wenn die Gemeinschaftswährung doch verlangt, dass wir alle gleich werden? Dimou: So tragisch es ist, aber der Euro hat sich zumindest in diesem Sinne als Fessel für das europäische Projekt entpuppt.“
  • Tsipras verkörpert die Hoffnung auf Veränderung“ (Interview; 25.01.2015, Wirtschaftswoche)     „Ich gehe davon aus, dass Alexis Tsipras gewinnen wird. ….. Falls er die [absolute Mehrheit] nicht erreicht, setzt er auf eine Koalition mit ANEL, den „unabhängigen Griechen“. Seine ultralinke Partei würde dann mit einer ultrarechten zusammenarbeiten, eine absurde Konstellation. Die beiden verbindet ihr großer Hass auf die mit der Troika vereinbarten Reformabkommen. Viele Griechen machen diese Vereinbarungen für die Krise verantwortlich, statt zu begreifen, dass sie eine Folge, eine Konsequenz der Krise waren. Sie glauben, würden diese Abkommen abgeschafft, werde alles wieder beim Alten sein. ….. Ich höre sehr oft den Satz: Schlimmer als jetzt kann es nicht mehr werden. Das ist natürlich falsch, denn es kann viel schlimmer kommen. Wenn wir den Euro gegen eine Drachme tauschen, die alle paar Wochen an Wert verliert, dann werden Importe unbezahlbar. Wir werden kaum Benzin haben und selbst kein Brot, denn wir importieren einen großen Teil des Getreides. Vielen ist nicht bewusst, dass wir eine Krise haben, weil wir zu wenig produzieren und exportieren. 80 Prozent der Summe, die wir jetzt den internationalen Gläubigern schulden, gehen darauf zurück, dass wir unsere Importe nicht bezahlen konnten. [Das kapieren sogar viele Deutsche nicht; die LINKEN ohnehin nicht.] ….. Das größte Problem des Landes verschweigt er: den öffentlichen Sektor. Er ist riesig, kostet sehr viel Geld und erschwert mit seiner Bürokratie das Leben von Unternehmen, die Werte schaffen. Wer nicht durch Bestechung nachhilft, bekommt die Baugenehmigung nach dem Tod. Daran hat sich auch nach fünf Jahren Troika nichts geändert? Im Gegenteil, die Beamten verlangen heute höhere Schmiergelder, weil es für sie gefährlicher geworden ist, wenn sie bei der Bestechung erwischt werden. Das sind Gewohnheiten, die aus der Zeit der osmanischen Besatzung Griechenlands stammen. Es wird Jahrhunderte dauern, um sie zu überwinden. Die Mentalität der Leute kann man nicht von heute auf morgen ändern. ….. Politiker aller Parteien sagen, dass Griechenland Reformen braucht. ….. Aber jede noch so kleine Reform wird aus dem Apparat heraus zunichte gemacht. ….. Da wird mit der Troika gemeinsam ein Gesetz ausgearbeitet, vom Parlament verabschiedet und veröffentlicht. Wenige Tage später kommt eine Vorschrift, die das Gesetz aushebelt. Ein konkretes Beispiel: Bestimmte Berufe sollten liberalisiert werden, etwa Gepäckträger an den Bahnhöfen und Häfen. Zwei Tage nach dem Gesetz zur Marktöffnung gab es einen Erlass, dass nur Träger zugelassen werden, die eine Bescheinigung vom Sozialamt vorweisen können, dass sie zuvor bereits als Träger gearbeitet haben. …..  40 Prozent der Partei bestehen aus total dogmatischen Kommunisten und Stalinisten. Ihre Mentalität, ihre Weltanschauung, ist urkommunistisch, nicht nur kommunistisch. ….. Diese Leute werden Tsipras die Unterstützung im Parlament versagen, wenn er gegenüber der Troika Zugeständnisse machen wird. ….. Halten Sie Tsipras für machthungrig? Mehr als das: Er ist sendungsbewusst. Er glaubt, dass er ein Gesandter Lenins ist, der die gesamte europäische Politik ändern will. Er glaubt wirklich daran, dass andere Länder seinem Beispiel folgen werden. Seine Ambition kennt kaum Grenzen.“

Fleischhauer, Jan: „Und schuld sind die Deutschen
Der politische Reifegrad eines Wahlvolks zeigt sich nicht zuletzt in den Repräsentanten, die es auswählt. Was soll man von Leuten halten, die einen Mann zum Ministerpräsidenten bestimmen, der seinen Wählern nicht nur das Blaue vom Himmel verspricht – sondern ihnen auch noch ausmalt, dass für alles, was sie sich wünschen, andere aufkommen werden, die reicher und mächtiger sind, also vorzugsweise die Deutschen? Das Wahlergebnis wird uns in dem Teil der Presse, die mit der linken Weltsicht sympathisiert, wahlweise als Akt der Emanzipation oder Wiedergeburt eines erniedrigten Landes verkauft. Tatsächlich ist es der Beleg, dass ganze Teile von Gesellschaften auf eine frühere, kindliche Entwicklungsstufe regredieren können. Der Vorgang ist aus der Psychoanalyse gut bekannt: Wenn sich Menschen der Wirklichkeit nicht mehr gewachsen fühlen, reagieren sie auf die Zumutungen der Gegenwart mit Trotz und Abwehr. Sie ziehen sich in eine imaginäre Welt zurück, in der ein Wutanfall genügt, um die Autoritäten zum Einlenken zu bewegen. ….. Die politische Linke in Europa hatte immer schon einen Hang zum Infantilen. Wenn es in der Realität nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat, liegt das nie an einem selbst oder der Unausgereiftheit des eigenen Programms, sondern stets an anderen, die sich gegen einen verschworen haben ….. . Tsipras ist der typische Vertreter eines akademischen Mittelschichtsmilieus, das nahtlos aus den Seminarräumen, in denen es seinen Weltverbesserungsideen frönte, in die Welt der Politik wechselte, wo es dann mit seinen großen Plänen weitermachte. Die Avantgarde des Sozialismus, die sich so weltläufig glaubt, ist dabei von einer erschreckenden Provinzialität. Über Athen ist Tsipras nie wirklich hinausgekommen. ….. Die Linkspartei in Berlin feiert den Wahlsieg von Syriza, als habe man selber gewonnen. So ganz falsch ist das ja nicht. In Griechenland sehen wir das Modell einer Gesellschaft, wie es die Funktionäre bei Ver.di und der Linken immer erträumt haben: Das größte Glück ist eine Anstellung beim Staat; nichts bewegt sich ohne das Einverständnis der Gewerkschaften, und wenn es finanziell mal irgendwo klemmt, werden eben neue Schulden gemacht.
(27.01.2015; in Fleischhauers SPON-Kolumnenserie „Der Schwarze Kanal„)

Fraunberger, Richard („Richard Fraunberger ist freier Autor und lebt seit 14 Jahren in Griechenland„):

  • Schuldenkrise in Griechenland. Im Würgegriff“ (05.06.2015, FAZ) „Seit 1991 versprachen neun griechische Premierminister Reformen und die Modernisierung eines Staates. Doch Reformen wurden weder umgesetzt noch von den Bürgern eingefordert. Wie kommt es, dass die Bevölkerung den Euro will, aber wenig Reformbereitschaft zeigt?“
  • Griechische Demokratie. Am Scheideweg“ (10.07.2015, FAZ) „Der Staat und das alte Parteiensystem sind nicht zusammengebrochen, weil die Menschen von Korruption und Vetternwirtschaft genug hatten oder weil sie moralisch gereift seien ….. . Sie hätten schon vor Jahrzehnten auf die Straße gehen und gegen den von allen geduldeten, ungeschriebenen Gesellschaftsvertrag, der auf Geben und Nehmen beruht, protestieren können. Der Staat und das alte Parteiensystem stürzten in die Krise, weil die Kassen leer waren. Wenn ein Staat bankrott ist, hat er nichts mehr zu verteilen. ….. Griechen hoffen, ohne zu denken, sagt der griechische Philosoph Stelios Ramfos. Sie werfen ihren Verstand über Bord. Politik ist für sie Zauberei. Wie Arbeitslosigkeit abgebaut werden kann, darüber macht sich niemand ernsthaft Gedanken. Der Staat wird es schon richten, und sei es mit einer Stelle beim Staat. ….. Nahezu alle verschließen sich der Realität und suchen die Schuld bei anderen. Die Dialog- und Diskurskultur Griechenlands erschöpft sich in der Emotionalisierung des Themas. ….. Die jetzige Krise ist ….. keine bloß wirtschaftliche, sondern vor allem eine gesellschaftliche. ….. Ohne einen Kultur- und Mentalitätswandel wird Griechenland nie auf die Höhe eines modernen europäischen Staates aufrücken, egal auf welche Reformen die EU dringt. Doch ein solcher Wandel kann nicht verordnet werden. Ein Wandel benötigt Einsicht und viel Zeit. Er muss flankiert werden von mehr Investitionen in das völlig marode Bildungssystem. ….. Niemand fühlt sich verantwortlich für den Zustand der öffentlichen Finanzen. Viele wollen nichts zu tun haben mit den Staatsschulden, obgleich sie einen großen Teil ihres Wohlstands einer jahrzehntelangen Steuerhinterziehung und Steuerflucht verdanken und damit die Staatsverschuldung befeuert haben. ….. Wie viel Solidarität, die eine Voraussetzung für jede Demokratie ist, kann es in einer Gesellschaft geben, die klientelistisch organisiert ist? Und wie lässt sich Klientelismus aufbrechen? Genügt dazu die Wahl einer neuen Partei, die in ihrer Rhetorik und Praxis den alten in nichts nachsteht und die schon längst unterwandert ist von ehemaligen Pasok-Mitgliedern, Pasok-Wählern und Pasok-Gewerkschaftern? …… Wie stark ist die Gewaltenteilung, deren Säulen umrankt sind von klientelistischen Netzen, die sich niemand zu kappen traut und die keiner kappen kann, denn das, was man kappen müsste, sitzt in den Köpfen der Menschen. ….. Unter der Nea Dimokratia hat sich zwischen 2004 und 2009 die Zahl der Beamten verdoppelt. ….. Zu keiner Zeit war Griechenland auf der Höhe der westeuropäischen Länder, als es 1981 der Gemeinschaft beitrat. Weder finanziell noch wirtschaftlich, noch infrastrukturell. ….. Das Land aufzunehmen war eine politische Entscheidung. Doch für die Denkmuster des neuen Griechenlands interessierte man sich nicht. Jahrzehntelang warf Brüssel der politischen Kaste Milliardenbeträge vor die Füße und half ihr, den Staat zu einem Bollwerk des Klientelsystems auszubauen.

Georgiadis, Adonis (Interview): „Griechischer Oppositions-Chef: „Auf eine gewisse Art habt Ihr uns kaputtgemacht

Tsipras hat den Leuten versprochen, er würde Geld von der EU bekommen, ohne Auflagen zu erfüllen. So etwas existiert auf unserem Planeten nicht. Er wollte die Renten erhöhen. Das kann er nicht tun, weil er kein Geld hat. Also ist er ein Lügner. Er hat tausende solcher Lügen erzählt, hunderte Versprechen gemacht, die nur mit dem Geld anderer Leute zu bezahlen wären. Das ist so typisch links. ….. Wir müssen mit unserem eigenen Geld auskommen. Wir müssen unserem Volk klarmachen, dass die Steuerzahler anderer Länder nicht weiter für unsere Schulden aufkommen wollen. ….. Wenn wir einander aber nur anlügen, bleiben wir in der Abwärtsspirale. ….. Die EU bringt uns seit 30 Jahren bei, von ihrem Geld zu leben. Das war falsch. Auf eine gewisse Art habt Ihr uns kaputtgemacht. Es ist wie mit einem verzogenen Kind, das nie gelernt hat zu arbeiten. Das ist eine schlechte Politik von einem Partner. Eine gute Politik wäre, ihn auszubilden, ihm Fähigkeiten zu verleihen. Die Griechen müssen in der echten Welt ankommen. Es wird ein schwieriger Weg, die letzten Jahre waren ja für viele sehr angenehm: Wir bekamen Geld, ohne etwas zu tun. Aber wir müssen als Gesellschaft erwachsen werden.

 FOCUS Online: Braucht Griechenland einen neuen Schuldenschnitt?

Georgiadis: In der Zukunft bestimmt. Aber erst dann, wenn wir stolz Erfolge vorweisen können. Nicht jetzt. Wenn wir die Probleme nicht lösen, kommen nach dem Schuldenschnitt einfach wieder neue Schulden. Damit löst man das Problem nicht, man verschiebt die Lösung nur in die Zukunft. [Genau das ist das Ziel von Tsipras und Varoufakis: Schuldenschnitt jetzt, um sofort bei den Banken neue Schulden aufnehmen zu können!]

„FOCUS Online: Aber wenn ihm das [Abmachung mit den Gläubigern] gelingt, wird er die Lorbeeren ernten, nicht Sie.

Georgiadis: Das ist doch nicht wichtig. Ich hoffe, dass es eine Einigung gibt, wer auch immer die Lorbeeren bekommt. Ich spreche hier nicht über die Nea Dimokratia, ich spreche über Griechenland. Wenn Tsipras einen besseren Deal macht als wir: bravo!

Wenn der wirklich so denkt, und ggf. auch handelt, wie er redet: Dann könnte dieser Politiker („… ist Fraktionschef der Nea Dimokratia und wird als nächster Regierungschef gehandelt„) vielleicht eine Hoffnung für Griechenland sein.
(14.06.2015, Focus)

Graf, Melanie (trotz des Namens eine „Greek-American„) führt die anarchisch-indivualistischen Charakterzüge der griechischen Menschen und Gesellschaft auf den Kampf von Räuberbanden gegen die türkische Herrschaft zurück: „Mentality of Pallikaria and its Role in the Economic Crisis“ (meine Hervorhebung):
The Greek term pallikaria literally refers to the bandits that roamed the countryside during Tourkokratia, or the Ottoman occupation, plundering the estates of the Turkish elite and proclaiming select regions to be under their private rule. Although their deeds were not nearly as honorable and glorious as Greek folklore proclaims them to have been, these guerilla warriors represented the only real threat to Turkish rule throughout the occupation. Although the ideology and rhetoric behind the revolution was undoubtedly Western and elitist, it was these rebellious pallikaria that embodied the real power of the resistance movement. ….. “Pallikarism” is an idea that is still widely prevalent within the cultural consciousness of Greece. ….. Originating from the country’s legends and traditions, it is a noble concept ingrained deep within the Greek psyche. It manifests itself within today’s version of Greek political culture as an anti-authority sentiment, thus freeing Greeks from accountability and obligation to a degree that would be much less accepted in many other countries. This aspect of the Greek cultural consciousness contributed to the development of the country’s economic crisis by giving rise to rampant corruption and tax evasion. ….. In other words, the current economic crisis has its roots in Tourkokratia, as the years of domination by autocratic Turkish rulers played a considerable role in the molding of modern Greek political culture. Brutally subjugated under the Sultan’s representatives, the people of the horia, or villages, developed an ingrained distrust of authority and disregard for legality, as they learned to regard authoritative and administrative figures with reservation and suspicion. ….. Although they feel entitled to its outputs, the Greek people do not feel obligated to provide the system with its needed inputs. …..
Greece has sustained the highest rates of tax evasion within the entire EU for years, primarily due to the astonishingly low levels of enforcement. ……. While the many loopholes in the institutional structure of the state and its laws has allowed for a tremendous underground economy, the rampant clientelism undermines the political will that would be needed to address such problems. ….. When the tides of Europeanism washed the entitlement scheme onto the shores of Greece, its implementation became inevitable. But we have come to see that the Greek mentality- the mentality of the pallikaria– creates a hostile environment for such social programs. With its deep value for autonomy and independence, Greek political culture propagates a disregard for legality and a distrust of authority that undermines the underlying assumptions of the welfare state. In my opinion, when such a system is implemented within such a context, an economic crisis is simply unavoidable …„.
(07.10.2011, Greek Reporter)

Hatzis, Aristides N. (Athener Wirtschaftswissenschaftler; Homepage „The Greek Crisis„. Dort sind Links mit Artikeln zur Krise versammelt. Von Hatzis‘ eigenen Kommentaren im Wall Street Journal und der Financial Times sind auf der Webseite leider nur die Anfänge eingesellt; in den Medien selber verbirgt sich der allergrößte Teil hinter einer Bezahlschranke. Die lässt sich freilich umgehen, wenn man ein Textstück aus dem freien Teil bei Google eingibt und dann den Link zum WSJ bzw. zur FT anklickt. 😉 )

  • Greece Needs Broader Structural Reforms Than Syriza Has Proposed“ (29.01.2015, New York Times; meine Hervorhebung)    „… a coalition government of radical left and populist right … which is Euro-sceptic and anti-reform, will not solve Greece’s problems. Greece is wrecked not just by debt but by the institutional flaws with its economy. Debt relief and other such measures would be beneficial, but Greece can only overcome its crisis by implementing crucial structural reforms. ….. Greece’s economy is not free and competitive. Powerful cartels are shielded with barriers to entry by newcomers and foreign investors. There are still numerous closed shops and professions. Public sector unions are overprotected in comparison with private sector employees. ….. The administrative and the bureaucratic costs for investing, starting a business or transfer real estate are still unreasonably high. Overregulation is stifling economic activity. The tax system is inefficient and grossly complex. The justice system is extremely slow…… The broken social security system resembles a ticking bomb in an aging society with less than 50 percent employment and unbalanced retirement funds. ….. Unfortunately the new government has an agenda of welfare populism, is suspicious of any kind of market-reforms and protective of vested interests.
  • There’s No Compromising With the Greeks“ (03.02.2015, WSJ)  –  s. o. unter „Lewis“
  • A split verdict on the blackmail and bullying over Greece“ (11.06.2015; Financial Times; meine Hervorhebungen)     „… the Greek public, most of whom do not wish to jeopardise their membership of the eurozone, are not the people who should worry Mr Tsipras most. Far more problematic is his party. Many of his leading ministers are luddites. They live in the 1970s, dreaming of transforming Greece into a mix of Cuba and Venezuela. ….. One could wonder ….. why the rest of the eurozone is taking so much trouble to negotiate with someone who ….. will not compromise. For two reasons. The first is geopolitical ….. The EU has no desire to alienate a country on its southeastern flank. The second is economic. European finance ministers sound confident… that the fallout from a Greek exit can be contained. But no one knows for sure. So, for all the rhetoric, Europe follows its precautionary principle: if you cannot gather enough information, do not experiment. ….. The Greek government is trying to avoid the bitter pill of pro-market structural reforms and the restructuring of its rickety retirement system. This is one of the most rigid and least open economies in the EU, yet some Greek ministers consider it a neoliberal paradise. It is a shame that the government fears the political cost of reforms and negotiates against the long-term interests of its own people.“

Kadritzke, Niels    (Bild und Kurzbiographie)
Für diejenigen, welche die nötige Zeit haben – oder Schnellleser sind -, dürften Kadritzkes sehr ausführliche Analysen der griechischen Misere bzw. der Verhandlungen mit den Gläubigern – z. B. hier – ganz allgemein recht lesenswert sein. Man spürt, wie er zwar auf der einen Seite um Sachlichkeit und Objektivität bemüht ist (vgl. etwa diesen taz-Artikel über die griechischen Reparationsforderungen gegen Deutschland), aber andererseits tendenziell doch auf der Seite der Griechen steht. Daher sollte man seine Einschätzung kritisch hinterfragen und seine Artikel mit anderen Informationsquellen abgleichen.

Kelpanides, Michael
Soziologieprofessor in Thessaloniki; Autor zweier Bücher zu spannenden Themen: „Zur Problematik der logisch-methodologischen Einheit von Natur- und Sozialwissenschaften. Eine Verteidigung des Objektivismus in den Sozialwissenschaften“   und   „Das Scheitern der Marxschen Theorie und der Aufstieg des westlichen Neomarxismus: Über die Ursachen einer unzeitgemässen Renaissance„.

  •  „Griechische Unruhen. ‚Der Nepotismus ist das Lebensprinzip Griechenlands‘ “ (Dez. 2008, FAZ-Interview)     „Die griechische Gesellschaft ist eine Anspruchsgesellschaft mit wenig Realitätssinn, sagt der griechische Soziologe Michael Kelpanides. Die Unruhen seien keineswegs ein Aufstand der Jugend, sondern Resultat einer verkrusteten und nepotistischen Gesellschaft.“
  • Griechenland sollte austreten“ (Okt. 2011, FAZ-Interview)     „Der griechische Soziologe Michael Kelpanides von der Universität Thessaloniki meint, sein Land sollte aus der Europäischen Währungsunion austreten – zum Wohle aller.“
  • Griechenland – ein »besetztes« Land?“  (Febr. 2012, Focus)     Einleitung: „Warum werden die Griechen immer deutschfeindlicher, obwohl Deutschland ihnen hilft? Unter anderem, weil sie einen Bevormundungskomplex haben. EIN ERKLÄRUNGSVERSUCH VON MICHAEL KELPANIDES“.
  • Griechenland-Wahl. Syriza steht für die Rückkehr zur Korruption“ (26.01.2015, FAZ-Interview)     „Der griechische Soziologe Michael Kelpanides fürchtet, dass Griechenland mit einer Syriza-Regierung „den letzten Rest von Respekt und Glaubwürdigkeit im Westen verlieren wird“. Ein Gespräch über den rasanten Aufstieg einer Splitterpartei zur stärksten politischen Kraft.“   Auszug (meine Hervorhebung): „Wofür steht Syriza?“ „Für die Rückkehr zu dem System der Korruption, des Nepotismus und des Klientelismus, das Griechenland ruiniert hat – auch wenn die Partei behauptet, das Gegenteil zu wollen. Die Vorgeschichte von Syriza beginnt 1968, als eine Gruppe Intellektueller sich von der stalinistischen und moskauhörigen Kommunistischen Partei Griechenlands abspaltete, und seitdem, unter wechselnden Namen und Flaggen, bis zur Krise als Mini-Partei vier oder fünf Prozent der Stimmen erhielt. Sie war stets das Lieblingskind der Intellektuellen und Akademiker. Ihren kometenhaften Aufstieg verdankt die Partei allein dem Protestvotum als Folge der Austeritäts- und Sparpolitik. Sie wurde auf einmal nicht mehr nur von Intellektuellen gewählt, sondern von den breiten Schichten, die Opfer der Misswirtschaft von korrupten politischen Eliten wurden. Von Eliten freilich, die die Griechen in regulären parlamentarischen Wahlen gewählt hatten.“ Diese Einschätzung scheint sich zu bestätigen; durch größere Reformanstrengungen ist die gegenwärtige nationalistisch-sozialistische Koalition unter Führung der Syriza jedenfalls noch nicht aufgefallen. (Vgl. dazu auch unten bei Piller, Tobias v. 23.02.2015)

Lagarde, Christine (geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds; Wikipedia)
Hier geht es ausnahmsweise nicht um einen Aufsatz oder eine Studie über Griechenland, sondern lediglich um eine Äußerung, zu der sich Frau Lagarde aufgrund der Erfahrungen mit der Verhandlungstaktik der griechischen Regierung veranlasst sah, und die einen Bezug zu meiner Überschrift im vorliegenden Blott hat (meine Hervorhebung): „Es sei dringend notwendig, schnappte IWF-Chefin Christine Lagarde nach der gestrigen Sitzung, zu einem Dialog zurückzukehren, ‚mit Erwachsenen im Raum‘.“ („Die unausgesprochen allerletzte Frist„, Zeit vom 19.06.2015). Mit anderen Worten: Die Verhandlungsführung der Syriza-Politiker war in ihren Augen kindisch, also infantil.

Lewis, Michael, „Beware of Greeks Bearing Bonds
Der Titel ist eine Anspielung auf das Trojanische Pferd („Fürchte die Griechen, auch wenn sie Geschenke bringen„). Im Text schildert Lewis u. a. die Macht und den Reichtum der orthodoxen Kirche und die Missstände in Verwaltung (fehlende Kooperation) und die Kultur des fehlenden Vertrauens in der Gesellschaft („Greeks are sure of one thing: they can’t trust their fellow Greeks.“) *
(Oktober 2010, Vanity Fair)
Lewis hat mehrere Bücher über die Finanzbranche bzw. die Finanzkrise verfasst (z. B. „The Big Short„, hier als oberflächlich kritisiert) sowie einige Länderereportagen für das Magazin Vanity Fair über die Ursachen und Folgen der Finanzkrise. (Island sowie – nicht sehr schmeichelhaft und selbstverständlich mit den obligaten Nazi-Zutaten – Deutschland.)
* [Zur griechischen Misstrauenskultur vgl. auch den – leider nur teilweise gratis lesbaren – Artikel „There’s No Compromising With the Greeks“ (Anfang unter: http://www.greekcrisis.net/2015/02/theres-no-compromising-with-greeks.html; mit dem oben unter „Mikas“ beschriebenen Trick kann man auch den ganzen Aufsatz im WSJ lesen) des Athener Wirtschaftswissenschaftlers Aristides N. Hatzis v. 3.2.2015:
In the Greek popular vocabulary, the word “compromise” has very negative undertones. It’s a synonym for betrayal, a sell-out. The concept of a positive-sum game is alien to many Greeks. It’s no coincidence then that the level of trust in the country, according to the Legatum Prosperity Index ranking, is extremely low and diverges from the European average. Greeks are rational enough to prefer compromise to sudden death. But they need this compromise to be dressed as a heroic triumph and not a practical agreement that includes concessions (another vilified word).“]

Makris, Georgios (Professor für Neugriechische und Byzantinische Philologie in Münster; Wikipedia) (Interview) „Die griechische Demokratie funktioniert vorzüglich„:
Die Staatsfinanzen ….. lässt sich in der Tat nicht bewältigen, auch nach dem Schuldenschnitt von 100 Milliarden nicht, es sei denn, der insgesamt kontraproduktive griechische Staat wird grundlegend reformiert, d.h. radikal reduziert, während die zuständigen internationalen Finanzinstitutionen (E.U., IWF, EZB) den Versuch langfristig mit Qualitätskontrollen begleiten. Ansonsten finde ich zwar, dass Politik und politische Kultur stark zu wünschen übrig lassen, möchte jedoch hinzufügen, dass sich das politische Leben des Landes in einem demokratisch tadellosen, freiheitlichen Rahmen entfaltet, der institutionell europäischen Standards durchaus entspricht. ….. der Nepotismus ….. ist [zwar] nach wie vor gegenwärtig – unter fünf Ministerpräsidenten der letzten zwanzig Jahren waren zwei Neffen, zwei weitere Söhne von Ministerpräsidenten, während etwa ein Drittel der Familiennamen der jetzigen Parlamentarier ein Jahrhundert zuvor in den Listen der Volksvertreter ebenfalls vorkam; wesentliche Teile der im Parlament vertretenen Linken sind leider bekennende Stalinisten ….. Insgesamt aber funktioniert die Demokratie in Griechenland heute vorzüglich. ….. Teilen des amtierenden politischen Personals und der vorhandenen Strukturen traue ich es nicht zu [die Krise zu bewältigen], dem Land aber insgesamt und seinen Menschen traue ich es durchaus zu, wenn sie sich vom Würgegriff des Staates befreien und weiterhin effiziente Unterstützung – keine bloßen Kredittranchen! – seitens der europäischen Partner erhalten. ….. In den Weltranglisten steht Griechenland hinsichtlich des Pro-Kopf-Einkommens etwa an 25., hinsichtlich des Produktionsergebnisses je Erwerbstätigem jedoch etwa an 100. Stelle. ….. kam es zu einer Schuldenkrise wie die heutige erst nach dem Beitritt des Landes zur Eurozone. Durch diese wuchs die Produktivität nicht, es öffnete sich aber die Möglichkeit, die Einkommen der Staatsbediensteten durch Billigkredite, durch Staatsschulden massiv anzuheben. Die Politiker und ihre Klientel nahmen die Möglichkeit wahr, und es kam zur Katastrophe. ….. In den strukturellen, historisch bedingten Schwächen des Landes sehe ich nur Teilvoraussetzungen der Krise. Einen direkten Kausalzusammenhang sehe ich im Zusammenwirken der strukturellen Schwächen und der nicht zu vertretenden Vergabe von Krediten an das Land; it takes two to tango. ….. es sind die Privilegien des Staatssektors, die bisher durch die maßlose, als sozial maskierte Staatsverschuldung unterfüttert wurden. ….. Der Staat wird sich verkleinern müssen und das ist gut so. Einschnitte sind leider unumgänglich, heißt doch die Alternative „vollkommener Zusammenbruch“. ….. Ich hoffe zudem sehr, dass die bevorstehenden Änderungen zwangsläufig die Teile der Politik, deren Existenzberechtigung bisher ausschließlich im Bedienen des Klientelsystems bestand, wegfegen und Platz für moderne parteipolitische Formationen schaffen werden.“ [Das darf man aus heutiger Sicht mit Blick auf die Syriza wohl als frommen Wunsch bezeichnen!]
(12.11.2011, L.I.S.A.)

Malkoutzis, Nick, A peculiar kind of freedom
Über den Umgang der damaligen Regierung mit der sog. „Lagarde“-Liste von Konten griechischer Bürger – mutmaßlich Steuerhinterzieher – in der Schweiz. Vgl. auch Boukalas, Pantelis, 30.10.12
(03.11.2012, Kathimerini)

Markaris, Petros (Wikipedia, Autor insbesondere von Kriminalromanen)

  •  „Euro-Krise:Die Griechen müssen leiden‘ (04.03.2010, SPON, Interview)     „… bis Ende der siebziger Jahre war Griechenland ein armes, aber sehr anständiges Land. Dann kam mit dem Beitritt in die EWG 1981 das viele Geld, und die Griechen konnten damit nicht umgehen. Die Menschen hatten kein Bewusstsein dafür, weder die Politiker noch die einfachen Bürger. Verschiedene Regierungen haben ein Leben auf Pump von da an offen unterstützt. Jetzt sind wir an einen Punkt gelangt, an dem sich die Bevölkerung nicht freiwillig beschränkt und auch die Regierung das Geld nicht verwalten kann. Ich Zweifel noch immer daran, dass es die Regierung ernst meint mit ihren angekündigten Sparmaßnahmen. ….. Ich habe mich immer darüber gewundert, dass die Griechen mehr Sympathie zu den Deutschen, dem Volk ihrer ehemaliger Besatzer, empfinden als zu ihren Befreiern, den Amerikanern und Briten. Das kehrt sich jetzt um. Ich fürchte, dass das deutsch-griechische Verhältnis gefährdet ist, was ich zutiefst bedauere. Wenn die Griechen verzweifelt sind, greifen sie wie jetzt zum Nationalismus – das ist leider die Mentalität der Balkanvölker. ….. Die griechische Gesellschaft ist durchsetzt von Korruption. ….. Es entsteht eine Gesellschaft der Mitschuldigen. In Griechenland muss die Mentalität radikalreformiert werden. Ich habe Sorgen, dass jetzt nur die Symptome der Krise geheilt werden und nicht deren Ursachen. “ (Das war prophetisch! KEINE griechische Regierung hat es seither ernst gemeint. Zwar haben die schon gigantische Sparmaßnahmen eingeleitet. Aber kaum Reformen zur Steigerung der Wirtschaftsleistung umgesetzt. Und die Korruption grassiert nach wie vor. „Nur durch die rigorose Aufsicht der EU oder des IWF kann sich Griechenland aus der Krise herausarbeiten. Wir brauchen in Griechenland eine Rosskur.“ Die wiederum NICHT kommen wird. Und wohl auch nicht greifen würde: Diese Gesellschaft ist mental genauso unreformierbar, wie die süditalienische!)
  • In Athen gehen die Lichter aus“  (05.12.2011, ZEIT)    Ausführliche Darstellung der Interessenlage der verschiedenen Sektoren der griechische Gesellschaft, z. B. des dort ausgesprochen schmarotzerischen Öffentlichen Dienstes: „Eine weitere [informelle] Partei ist die ‚Partei des Molochs“‚ Sie rekrutiert sich aus dem griechischen Staatsapparat und seinen Betrieben. Die Partei zerfällt in zwei Gruppen. Zur ersten Gruppe gehören die Beamten und Funktionäre, die in den öffentlichen Diensten und Staatsbetrieben arbeiten. Die zweite Gruppe sind die Gewerkschafter. Die Partei des Molochs ist der außerparlamentarische Arm der jeweiligen Regierungspartei und der Garant des Klientelsystems. Denn ihre große Mehrheit besteht aus Parteikadern und Parteifunktionären. …..  Eine Freundin, die eine Stelle als Ingenieurin in einer Behörde hat, hat Folgendes erlebt: Vor einem Jahr kam ein neuer Kollege in ihre Abteilung. Schon am ersten Tag sagte er: ‚Liebe Kolleginnen und Kollegen, es tut mir leid, aber ich habe alles, was ich in der Uni gelernt habe, vergessen.‘ Danach arbeitete er keinen einzigen Tag, und kein Vorgesetzter ging dagegen vor. ….. Die Wahrheit ist, dass die griechischen Gewerkschaften keine Macht über die Arbeitnehmer des Privatsektors besitzen. Dagegen ist ihre Macht im öffentlichen Sektor fast uneingeschränkt. ….. Die Koalition mit dem jeweiligen Parteiapparat hat die Macht der Gewerkschaften im öffentlichen Dienst enorm gestärkt. ….. Die Verwaltungsangestellten der Betriebe trauen sich nicht, den Gewerkschaftern entgegenzutreten. ….. Wenn Konflikte zwischen der Gewerkschaft und der Betriebsleitung ausbrechen, schreitet oft ein Minister ein, und die Betriebsleitung zieht den Kürzeren. Die Streiks in den Behörden und Staatsbetrieben mit Demonstrationen ….. sind nur ein letzter, verzweifelter Versuch der Moloch-Partei, ihre Privilegien zu sichern oder wenigstens zu retten, was zu retten ist. ….. Wer begriffen hat, dass die einen ihren Vorteil auf Kosten der anderen suchen, sieht auch, wie sehr es in der griechischen Gesellschaft an Solidarität mangelt. Es sind die Schwachen, die den Preis für den Kampf der Gewerkschaften gegen Regierung und deren Sparmaßnahmen zahlen. Sie werden zu Geiseln der Gewerkschaften.
  • Der Euro wird nicht bestehen“ (24.11.2012, Der Freitag)     „Durch ein perverses System entstand die Situation, dass die Gehälter gekürzt und gekürzt werden, aber die Preise fallen und fallen nicht. Weil das Kartellsystem mit den ganzen abgekarteten Absprachen nicht attackiert wird.“   (Und mittlerweile ist bekanntlich die noch perversere Don-Draghi-Gang dabei, die Preise mit Gewalt hochzudrücken. Angeblich, weil Deflation eine Rezessionsgefahr heraufbeschwört; in Wahrheit, um den realen Wert der Schulden – des Staates wie der Privaten – zu Lasten der Geldbesitzer in den Keller zu drücken.)   „….. die gemeinsamen europäischen Werte sind von der Währung vernichtet worden. Die Demokratie ist ausgehöhlt. So kann man Europa nicht einen. Ohne gemeinsame ethische und kulturelle Werte muss jedes Europaprojekt scheitern.“
  • Für Griechenlands Eliten sind die Bürger Wahlvieh“ (10.01.2015, WELT)     „Die beiden großen Parteien führen einen erbarmungslosen Wahlkampf ….. Dabei geht es weder um Parteiprogramme noch um konkrete Inhalte. Beide Parteien verlieren kein Wort über die hohe Arbeitslosigkeit, kein Wort über die schleichende Produktivität des Landes, kein Wort über die Konkurrenzfähigkeit, die die brach liegende Wirtschaft dringend braucht. Es geht nur um die Denunzierung des anderen. ….. Die einzige Schicht Bürger, die sich die Wahlen herbeiwünscht, sind die Gewerkschafter, die im öffentlichen Dienst tätig sind. Sie hoffen, dass Syriza die Wahlen gewinnen wird und sie ihre Privilegien behalten werden. Sie sind Teil eines maroden Staatsapparats und gehören zum Klientelsystem der Parteien.“
  • Haben Sie Erbarmen mit mir“ (19.04.2015, Kölner Stadtanzeiger, Interview)     „Natürlich haben auch die Europäer in der Vergangenheit Fehler gemacht. Vielleicht können sie die Lage in Griechenland nicht immer richtig beurteilen. Vielleicht hat es Fehlentscheidungen seitens der EU gegeben. Aber die ganz großen Fehler, die gemacht worden sind, die haben allein wir zu verantworten. ….. Wir brauchen so schnell wie möglich eine große Bildungsreform. Unser öffentliches Bildungssystem ist zum Heulen schlecht.“

Michas, Takis: „Greece’s Far Left Against the World
[Artikel hinter der Bezahlschranke. Die kann man allerdings öffnen, indem man einen Textauszug in der Google-Suche eingibt und den WSJ-Treffer anklickt: Dann erscheint der vollständige Text! 😉 ]
„From its very first day in power, the far-left Syriza party government of Prime Minister Alexis Tsipras has tried consistently to frame the political debate in Greece not as a conflict between differing worldviews or economic philosophies, but as a conflict between “foreign centers” and the “motherland” (patrida). In this view, negotiations with creditors—especially Germany—aren’t about economic reforms, Greece’s ability to repay or the like. Rather, the bailouts are an attempt to exploit Greece for nefarious ends. ….. Overseas, Syriza suggests the main issue is fiscal austerity versus growth, and the party presents itself as representative of democratically expressed frustration with the bailout-imposed reform program. But at home, the rhetoric directed at the domestic audience is less and less democratic. Instead, Syriza deploys an authoritarian narrative according to which the country is involved in a titanic struggle against the dark forces of international capitalism and their local servants. ….. Syriza has been able to manipulate in a masterly way the collective mindset of Greece, where conspiracy theories and feelings of victimization abound. …..  Syriza is trying to shut down any debate over the factors one normally associates with Greece’s dismal economic performance: lack of competitiveness, low public-sector productivity, bad public schools, corrupt civil servants, clientelism, rent seeking, dysfunctional justice, bureaucracy, inflexible labor markets, unrealistic pensions and the like. ….. the leading opposition party, New Democracy, has been unable to articulate an alternative narrative. ….. The opposition has not managed to frame the issue in terms that reflect the reality of the situation: As conflict between reformers and anti-reformers, between those that want Greece to unleash entrepreneurial creativity and those that want to keep entrepreneurs obeying the diktats of a powerful state.
(29.04.2015, Wall Street Journal)

Paraskewopoulos, Spiridon, Prof. Dr. (griechischer Wirtschaftswissenschaftler und Emeritus der Uni Leipzig):

  • Offener Brief an die Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel„. (23.09.2014)     Auszug: „….. was Sie sehr geehrte Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel wissen sollten, wenn Sie Morgen Dienstag (23.09.2014) den Ministerpräsidenten Griechenlands, Herrn Samaras, in Berlin empfangen werden. Er wird ….. weitere Mrd. € Kredite ….. erbetteln. Konkret sollten Sie Folgendes wissen: Erstens, dass alle bisherigen griechischen Politiker das griechische Volk als ihre ”nützlichen Idioten” und die europäischen Politiker einschließlich ihrer Völker als „die dummen Franken“  (κουτόφραγκοus) betrachten. Zweitens, [dass] die griechischen Politiker seit Jahrzehnten ….. ständig ….. das griechische Volk [und] ….. die europäischen Völker permanent belügen und berauben und sich auf Kosten beider enorm bereichern. Drittens, diesen korrupten griechischen Politikern ist es bisher sehr gekonnt gelungen, die griechischen Bürger in einem raffinierten Klientel bzw. vetternwirtschaftlichen System  (Erwartungssystem) einzubinden, so dass sie für die Realisierung der persönlichen und illegalen Bereicherungsinteressen ihrer Politiker, permanent die Rolle des nützlichen Idioten übernehmen …… [Komm.: Weil dabei auch für das Griechenvolk was abfällt!] Viertens, das Dumme und das Unverständliche dabei ist, dass auch die Europäer vermutlich unbewusst (?) bei diesem verdorbenen Spiel sehr aktiv mitmachen. Sonst ist nicht zu verstehen, dass sie Hunderte von Milliarden € europäischen Subventionen und billige Kredite den griechischen Politikern anvertrauen, welche sie zum großen Teil veruntreuen.“
  • Was ich an den Deutschen mag – und an den Griechen nicht“ (Ohne Datum; anscheinend von 2014)     „… das Schlimmste und das Schändlichste bei dieser Entwicklung ist, dass diese raffinierten griechischen Politiker langsam beginnen, mit Hilfe der Medien das griechische Volk zu überzeugen, dass die Hauptschuldigen für ihre Misere die Kreditgeber sind – hauptsächlich die Deutschen, die mindestens 65 Mrd. Euro gewähren. Sie alle sind Zinswucherer, harte Ausbeuter, die vor allem das Ziel haben Griechenland zu erobern, die Griechen zu unterwerfen und zu versklaven. Und diese Botschaft scheint in der griechischen Gesellschaft Fuß gefasst zu haben, da sie fast in allen Medien und in den Bürgercafés das erste Thema bei Diskussionen ist.“ [Das gleiche miese Spiel spielt natürlich aktuell die Syriza; vielleicht sogar noch unverfrorener.]

Piller, Tobias: „Jeder Reformplan gilt als Invasion
Ein Bericht über Reaktionen griechischer Reformer auf die neue Regierung: „In Griechenland melden sich die Reformbefürworter zu Wort. Sie protestieren gegen die Regierungspläne. Wirtschaft und Bildungssystem drohten abermals Staat und Parteien zum Opfer zu fallen.“ (Vgl. auch Kelpanides, 26.01.2015)
Hier ist aber eine andere Information (von dem griechischen Wirtschaftswissenschaftler und Emeritus der Uni Leipzig Spiridon Paraskewopoulos) weitaus wichtiger (meine Hervorhebung):
Seit das Land 1981 in die Europäische Union aufgenommen wurde, habe Griechenland 180 Milliarden Euro an Fördermitteln aus Europa erhalten – und Deutschland in diesen Topf 300 Milliarden Euro eingezahlt„. Bedenkt man, dass Griechenland ca. 1/7 der deutschen Einwohnerzahl hat, dann hat Griechenland umgerechnet in 34 Jahren 1.260 Milliarden (also ca. 1,3 Billionen!) € an „Marshallplanhilfen“ erhalten, oder ca. 37 Milliarden (vergleichbar; absolut ca. 5,3 Mrd.) pro Jahr. (Dazu als Vergleich: Bundeshaushalt 2015 ca. 300 Mrd. €; 1980 waren es jedoch lediglich 110 Mrd.) Und diese riesigen Mittel sind in Griechenland versickert, ohne dass das Land eine moderne Produktionsbasis, Verwaltung und eine zivilisierte Einstellung der Bürger zu ihrem Staat vorweisen könnte. (U. a. wurden bekanntlich Mittel für den Aufbau eines nationalen Katasteramtes bereitgestellt, das bis heute nicht fertig ist und schon jetzt riesige Mittel verschlungen hat. Auf dem Papier sollte es 1995 losgehen. EU-Gelder wurden kassiert, aber bis 2001 war noch nichts passiert.
Nach einem Zeitungsartikel von 2013 war damals für die Fertigstellung das Jahr 2020 anvisiert; doch sind noch jetzt in 2015 60% der Fläche nicht erfasst und mittlerweile stocken die Arbeiten schon wieder.)
(23.02.2015, FAZ)

Richter, Heinz A., Prof. Dr.: Griechenland ist zu orientalisch, um ein europäisches Land zu sein, und zu westlich, um zum Orient zu gehören.”
Es ist an der Zeit, dass Brüssel, Paris und Berlin ….. lernen, was der Klientelismus ist, und die griechische Elite erkennt, dass es an der Zeit ist, den Klientelismus zu überwinden und sich moderne europäische Strukturen zuzulegen. Sollten keine systemüberwindenden grundlegenden Reformen durchgeführt werden, droht Griechenland, sich zu einem failed state zu entwickeln.
(Sept. 2013, Radio Kreta) [Auf dieser Webseite ein Interview aus dem Jahr 2011.]

Stangos, Angelos:

  • Hard truths“ (27.12.2013, Kathimerini)     „… many of the terms of the memorandum should have been implemented by the Greek government regardless of any deal. …..  All reason and moderation were lost in the operation of the welfare system, which pillaged state coffers, and the same applies to the economy, which, among other ills, contributed enormously to the destruction of production and the weakening of productivity. The role of the public administration, including the justice system, was and remains central to these problems. It is debatable whether there has ever been any other country in the West with such a wasteful, incompetent and corrupt public administration, from the local to the central level, as Greece.“ (Und ich kann nicht erkennen, dass die gegenwärtige Regierung Anstrengungen unternimmt, um an der hier beschriebenen Situation etwas zu ändern: Im Gegenteil will sie u. a. die Staatskrake wieder füttern, um ihre Wählerklientel zu beglücken.)
  • Pandering to bad behavior“ (Kathimerini, 16.07.2014)     „One of the main reasons why the Greek economy went to pieces and the country experienced an overall decline is that it has always operated at the service of bad behavior. What this resulted in was an incredible web of distortions from which it cannot extract itself, in a state that is ineffective if not incapable, in mountains of red tape and in a prevailing sense of impunity. ….. What’s worse is that the country has still not changed tack. When we talk about pandering to bad behavior, we are not referring to compromises. This is a foreign notion in this country, especially when it comes to compromises with reality or between political parties. ….. the laws that are voted through Parliament are almost never succinct and almost always require a whole list of clarifications and explanations. ….. these amendments, changes and alterations almost always benefit individuals who ….. have either failed to make good on their obligations, have broken the law or have violated ethical and moral standards ….. . Taxpayers who have failed to declare their incomes or who fear a visit by the auditors are so often the subject of clemency, as are borrowers who fail to pay off their loans and hide behind those who really cannot afford to do so. Every wrongdoer ….. feels entitled to special treatment ….. . Greek politicians have absolutely no idea about the concepts of rule of law, order, equality before the law and meritocracy.“ (Meine Hervorhebung)

Tachiaou, Christina (von der Oppositionspartei „To Potami„, über die man sonst kaum etwas hört, also schon deshalb interessant; Interview): „Dieses Land muss sich ändern„. Der Interviewer erläutert vorab: „SYRIZA, die griechische Schwesterpartei der deutschen Die Linke ging bekanntlich eine Koalition mit den Unabhängigen Griechen (ANEL) unter Panos Kammenos ein. Das ist jene Partei, die bis zum Ausschluss ihres einzigen Europaabgeordneten Notis Marias zusammen mit der AfD in einer europäischen Fraktion war. Andererseits ist SYRIZA über die Grünen Ökologen, mit denen eine Fraktionsgemeinschaft besteht, und die europäische Fraktion der Grünen mit den deutschen Grünen verbunden.“     Aus dem Interview:
Wir sind eine Partei des Konsenses, eine Eigenschaft, an der es momentan in Griechenland mangelt. ….. Es gab in der Vergangenheit sehr viele Fehler, dramatische Fehler. Wenn wir als Griechen ehrlich zu uns selbst sind müssen wir dies eingestehen. Wir möchten eine Wiederholung dieser Fehler vermeiden. Wir brauchen Reformen! Dieses Land muss sich ändern.“   Interviewer: „Im ersten, vor fünf Jahren unterschriebenen Memorandum stand die Reform der Justiz an erster Stelle. Nichts geschah.“   Chr. T.: „Ich möchte hier anmerken, dass die Memoranden verteufelt wurden. Die Front der Anti-Memorandumspolitiker hat sich schlicht allen Inhalten dieser Verträge verweigert. Dabei steht da auch Sinnvolles drin. Selbstverständlich muss die Justiz reformiert werden. Dazu kommt die aus unserer Sicht einfachste, sofort wirkende Reform, das Katasteramt. Es müsste endlich fertig gestellt werden. Aber, weil es zu den Verpflichtungen des Kreditvertrags gehörte, hat sich die Politik bislang schlicht verweigert.“ [Auch sieht geht also davon aus, dass die griechische Politik auf die Reformauflagen mit infantilen Trotzreaktionen antwortet.] „Vieles, was die Kreditgeber von uns verlangen, hätten wir selbst und zu unserem eigenen Vorteil bereits seit Langem umsetzen müssen. ….. Das fragliche Gesetzespaket [angeblich zur Entlastung der Gefängnisse gedacht] hat aber noch weitere dunkle, skandalöse Punkte. Wer eine letztinstanzlich verhängte oder rechtlich unumstößliche Haftstrafe bis zu fünf Jahren hat, diese aber mit teuren juristischen Tricks bislang nicht antrat, kann sich nun frei kaufen. Wer also genug Geld hat, geht nicht in den Knast – das ist die Botschaft. Begehen Sie ruhig eine wirtschaftskriminelle Straftat, vermeiden Sie die Festnahme und dann können Sie sich locker frei kaufen.“ [Aha: DAS also sind „Reformen“ nach Syriza-Art!] ….. „….. es kann nicht sein, dass jedes Mal, wenn ein Minister oder Staatssekretär ausgetauscht wird, sämtliche Verordnungen bei der Bildung, bei den Exporten oder beim Handel sämtliche Regeln geändert werden.“ [Die Verwaltungsebene ist also mächtiger als die Gesetzgebungsebene.] ….. „die ANEL ist eine Partei mit einer extremistischen Rhetorik. ….. Die ANEL betrachtet Europa als Gegner. ….. (zieht ein kleines rotes Buch hervor). Dies ist der Koalitionsvertrag der CDU, CSU und der SPD. Jeder kann ihn kaufen und nachlesen, was die Parteien vorhaben. Für unsere Regierung hier in Griechenland gibt es noch nicht einmal ein Blatt Papier mit den wichtigsten Punkten. Es gibt schlicht gar keine Aussage! ….. Wir reden nicht von Schmiergeldern [bei dem mit der US-Regierung ausgehandelten 500-Millionen-Euro-Deal zur Modernisierung der Seeaufklärer kritisiert.] Aber just in den Tagen, als im Parlament gerade mal 200 Millionen Euro für die Ärmsten der Armen locker gemacht wurden, hatte die Regierung im geschlossenen Kämmerlein vereinbart, dass der 500-Millionen-Euro-Deal abgewickelt wird. Hier muss man die Relationen sehen. Aber was noch schlimmer ist, „cosi fan tutti“, so haben es doch auch die anderen gemacht. Das war die Begründung! Ich finde das erschreckend. Ist dies eine linke Regierung?“ [Sozialisten halt – von unseren Grünen und Linken auch noch unterstützt!]
(29.04.2015, Telepolis)

Ude, Christian (Interview mit dem ehem. Münchener OB, der ein eigenes Ferienhaus auf der Insel Mykonos besitzt und von daher als Landeskenner gelten darf): „Christian Ude rechnet mit den Griechen ab“ (meine Hervorhebungen):
[Pflichtlektüre für JEDEN Deutschen Steuerzahler, der noch an die griechische Opferpropaganda glaubt!]
Die Griechen können sich über ihre Verschuldung nicht beklagen, wie sie es jetzt tun. Sie haben die Kredite gewollt, um eine aberwitzig aufgeblähte Staatsverwaltung zu finanzieren, um einen aberwitzig überzogenen Rüstungsetat aufrechtzuerhalten. Sie gewähren Sozialleistungen, die sich die meisten Kreditgeber in ihren Ländern nicht leisten. Die Griechen sollen nicht die Unschuld vom Lande spielen. Sie haben über ihre Verhältnisse gelebt. ….. In Griechenland war es unverantwortlich, was sowohl die sozialistische Pasok als auch die konservative Nea Dimokratia angestellt haben an Günstlingswirtschaft, an Staatsaufblähung und Politik auf Pump. ….. Es schmerzt mich als Griechenland-Freund, wie die Pleiteregierung in Athen mit 18 Demokratien umspringt, sie Nacht für Nacht an der Nase herumführt, mit willkürlichen Ultimaten und Kursänderungen quält. ….. Der Schaden für Europa ist bereits durch einen atemberaubenden Vertrauens- und Autoritätsverlust eingetreten. ….. Vor allem war ich der Meinung, dass die Milliardäre und Multimillionäre in die Pflicht genommen werden, ihren Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens zu leisten ….. . Aber nicht mal da gibt es echte Fortschritte. Die Liste des IWF mit griechischen Steuerflüchtlingen wäre ein Einstieg gewesen. Aber … die angeblich so linke Regierung ist gar nicht links – ganz im Gegenteil. Die angeblich radikalen Linken haben ihrem rechtspopulistischen Koalitionspartner alle erdenklichen Zugeständnisse gemacht, um die Superreichen im eigenen Lande zu schonen.“
(Frage) „Warum kam zum Beispiel die Türkei aus ihrer Wirtschaftskrise gut heraus, und die Griechen nicht?“
Ude: ….. Den Türken war von Anfang an klar, dass sie sich selber aus dem Schlamassel herausarbeiten müssen. Griechenland indessen hat so lange von der EU-Geldschwemme und den schier unbegrenzten Kreditmöglichkeiten profitiert, dass man das geliehene Geld bereits für wohlverdientes Geld gehalten hat und Anstrengungen gegenüber immer ablehnender wurde. Bis auf den heutigen Tag herrscht die Meinung vor, dass es Sache der europäischen Partnerländer sei, sie gefälligst aus dem Graben zu ziehen. Diese Mentalitätsfrage ist das Entscheidende: Ich bin ja gerade öfter in der Türkei und berate auch Institutionen. Dort ist klar, Geld, das man nicht hat, kann man nicht ausgeben. Bei den Griechen ist das so noch nicht angekommen. ….. [Zur Steuermoral:] ich musste sogar einen Anwalt beauftragen, um endlich Grundsteuer für meine Immobilie bezahlen zu dürfen. Griechen empfinden es als Zumutung, dem Finanzamt Geld zu geben. Das ist eine ursprünglich weitverbreitete mediterrane Gepflogenheit, die anderswo unter ökonomischem Druck überwunden wurde.
Richtig: Da muss Druck herrschen – anders lernen es die Menschen nicht. (Ist ja nicht nur in Griechenland so …..)
(Frage) „Manche sagen, die EU-Kredite kommen vor allem den Banken zugute.“
Ude: So ein Schmarrn! Es ging an alle diejenigen, die am korrupten System beteiligt waren. An die, die für längst Tote Rente kassierten, oder andere, die für Scheinjobs im Öffentlichen Dienst kassierten, oder Unternehmer, die EU-Zuschüsse nahmen, ohne etwas dafür zu tun. All diese Missstände lassen sich doch nicht leugnen!
(30.07.2015, Augsburger Allgemeine)

Textstand vom 10.07.2015
Cangrande  16. März 2018
Rubrik: Griechenland, Türkei

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