Habemus Papam! Und dann?

Dr. Emmanuel Sarides

Offener Brief des Bürgers Dr. Emmanuel Sarides an den neuen Pontifex Maximus Franciscus in Rom

An
Eure Heiligkeit
Pontifex Maximus Franciscus
(alias Jorge Mario Bergoglio)
Palazzo Apostolico
00120 CITTA’ DEL VATICANO

Caro Papa,

Zunächst einmal möchte ich dir zu deiner Wahl als Papst am 13.03.2013 ganz herzlich gratulieren, „tante auguri“, alles Gute. Und dir eine gute Gesundheit und viel Kraft wünschen, die du bestimmt brauchen wirst, um die Aufgaben zu bewältigen, die mit diesem schwierigen Amt zusammenhängen. Staune, bitte, nicht und sei mir nicht böse, dass ich dich duze, doch auf diese Idee hast du mich selbst bzw. haben mich deine Redeschreiber und sonstigen Regisseure gebracht mit jenem kumpelhaften „Buona Sera!“, mit dem du vom Balkon aus die tausenden von Gaffern auf dem Petersplatz und die Milliarden Fernsehzuschauern positiv beeinflussen konntest. Außerdem bin ich älter, du bist am 17.12.36, ich aber am 04.04.35 geboren, also ich darf das.

Den Veröffentlichungen über deine Aufgabenbereiche entnehme ich, dass „Reformen“ zu den Schwerpunkten deiner Arbeit gehören werden. Unter „Reformen“ versteht natürlich jeder etwas anders und ich, als ein einfacher Bürger, wohnhaft in Deutschland, möchte hier zu Protokoll geben, dass „Reformen“ in diesem Wirtschaftswunderland noch nie was Gutes gebracht haben. Auf die Missionierung der armen Asiaten und Afrikaner bezogen, würden dann „Reformen“ noch mehr Tricks und Cheats seitens deiner wohlgenährten Missionare bedeuten, die armen Leute überall auf der Welt zu „bekehren“, obwohl die meisten davon bloß eine Besserung deren wahrlich elenden Lage erwarten.

Auch die „Barmherzigkeit“, die „die Welt verändern und weniger kalt machen (soll), von der du am Sonntag, dem 17.03.13, in deinem Angelus sprachst, geht in die gleiche Richtung. Entschuldige, bitte, aber bei solchen Sprüchen kommen mir automatisch immer diese schrecklichen Bilder ausgemergelter Mütter und deren Kinder mit den großen Augen in den Sinn, die wir so oft im Fernsehen zu sehen bekommen und ich denke wieder an deine Missionare, die für etwas Mais und Milch diese armen Leute ganz fix zu unseren katholischen Brüdern in Christo verwandeln. Ist das, caro Papa, was du unter „Barmherzigkeit“ verstehst?  Oder meinst du die salbungsvollen Predigten in den prachtvollen Kathedralen des Westens, die Trost für manche alleinstehende Oma spenden, die sonst nur mit ihrem vierbeinigen Partner kommunizieren würde?

Lass uns mal auch die „Barmherzigkeit“ des Westens unter die Lupe nehmen, gegenüber den Christen in Syrien beispielsweise, denn die katholische Kirche ist ja Teil des westlichen Systems, zu dem auch Israel gehört, das recht intensiv an einem regime change in Syrien arbeitet, das musst du als Jesuit (und als ein gescheiterter Promovend der Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt am Main), wohl wissen. Reicht es hier aus, ex cathedra Barmherzigkeit zu predigen, wenn deine Alliierten und deine befreundeten Länder, (ja, ja, der Vatikan gehört zwar nicht dem NATO, ist aber ein „unabhängiger“ Staat, der zweifellos diesem System angehört – und du sein Oberhaupt) die internationalen Söldnerbanden finanzieren, die Syrien in die Steinzeit zurück gebombt haben, sie zu Befreiungskämpfern erklären und eine widerliche – alles auf den Kopf stehende Propaganda gegen Präsident Assad betreiben, außerdem Patriot-Raketen an der Grenze zu Iran aufstellen, die, so lügt man uns, für den Fall installiert werden, dass das halbtote Syrien die Türkei angreift? Ich sehe da keine „Barmherzigkeit“ im Gegenteil ein Verbrechen, dessen Infamie alles bislang da gewesene in den Schatten stellt.

Oder siehst du eine Spur von „Barmherzigkeit“ seitens der Besatzungsmacht Israel, die völkerrechtswidrig den größten Teil von Palästina besetzt hält, es mit Siedlungen judifizierter Russen überzieht und die Palästinenser erwürgt und beleidigt?

Inzwischen arbeiten die vom Vatikan beauftragten Werbeagenturen auf Hochdruck. So erwarten laut einer Umfrage der seriösen „Bild am Sonntag“ 69 Prozent der Bundesbürger, dass Franziskus ein guter Papst wird. Was das auch bedeuten mag. Und bei Twitter hat er das ins Leben gerufene Account „@Pontifex“ inzwischen mehrere Millionen Follower zu verzeichnen, in verschiedenen Sprachen. Ja, wir sind modern. Und setzen auf die Jugend. Schlau, wa?

Caro papa, Sprüche sind gut, von einem Jesuiten gekloppt, sollten sie aber mit Vorsicht zu genießen sein. So hast du bei deinem gestrigen Angelus treuherzig erzählt, da „ist mir der Name des Franziskus von Assisi ins Herz gedrungen, der Mann der Armut. Und während die Auszählung weiterging, habe ich an die Kriege gedacht, und dass Franziskus ein Mann des Friedens ist, der uns den Geist des Friedens gibt, der Mann, der die Schöpfung liebt und bewahrt. Und wir haben im Moment kein so gutes Verhältnis zur Schöpfung, nicht wahr?“

Nein, wir haben tatsächlich kein gutes Verhältnis zur Schöpfung, denn wir haben sie auf den Kopf gestellt, nicht die Natur sondern das Geld und sonst nichts regiert die Welt. Und das Kreditsystem, das die Geldbesitzer, du weiß wer das sind, installiert haben und mit dem sie alle Länder in die Schuldenfalle treiben, von der bis heute keins wieder heraus gekommen ist. Du sagst zwar, „Ach, wie sehr möchte ich eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen!“ sein. Doch glaubst du im ernst, dass du da gegen den Willen der Mächte, die hinter und über dir stehen, was anrichten kannst? Ich glaube es nicht und du als Jesuit bestimmt auch nicht.

Ich verabschiede mich also von dir, wünsche alles Gute und gebe dir auf den Weg folgendes Lied von Reinhard Mey zum Nachdenken darüber, ob es nicht besser wäre, dass die Menschheit aufgeklärt wird und die Realität ins Auge sieht und nicht mit Phantastereien und Illussionen eingelullt wird. Beten hilft manchmal, über die Realität nachzudenken ist aber, glaube ich, noch besser.

Übrigens: In meiner Studentenkneipe „Litfass“ (Sybelstr. 49. 10629 Berlin), die ich von 1966 bis 1971 betrieb und wo damals alle Revolluzzer und Liedermacher von Rang auftraten, war Reinhard Mey nicht dabei. Er verkehrte im „Steeve Club“ oder „Go-In“, „Littfas“ war für „normale“ Jungs als Treffpunkt von mehr hartgesottenen (Free Jazz, Happenings) und Revolutionären etwas „ungeeignet“. Doch während diese Revolutionäre nach und nach den Bart abrasierten und von Fahrrad auf den Mercedes umstiegen, entwickelte sich Reinhard Mey mit „Das Narrenschiff“ zu einem richtigen Dichter und Denker, der seinersgleichen Sucht

Dr. Emmanuel Sarides

Das Narrenschiff

Das Quecksilber fällt, die Zeichen stehen auf Sturm,
Nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm
Und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine.
Und rollen und Stampfen und schwere See,
Die Bordkapelle spielt „Humbatäterä“,
Und ein irres Lachen dringt aus der Latrine.
Die Ladung ist faul, die Papiere fingiert,
Die Lenzpumpen leck und die Schotten blockiert,
Die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten.
Die Seen schlagen mannshoch in den Laderaum
Und Elmsfeuer züngeln vom Ladebaum,
Doch keiner an Bord vermag die Zeichen zu deuten!

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf’s Riff.

Am Horizont wetterleuchten die Zeichen der Zeit:
Niedertracht und Raffsucht und Eitelkeit.
Auf der Brücke tummeln sich Tölpel und Einfaltspinsel.
Im Trüben fischt der scharfgezahnte Hai,
Bringt seinen Fang ins Trockne, an der Steuer vorbei,
Auf die Sandbank, bei der wohlbekannten Schatzinsel.
Die andern Geldwäscher und Zuhälter, die warten schon,
Bordellkönig, Spielautomatenbaron,
Im hellen Licht, niemand muß sich im Dunkeln rumdrücken
In der Bananenrepublik, wo selbst der Präsident
Die Scham verloren hat und keine Skrupel kennt,
Sich mit dem Steuerdieb im Gefolge zu schmücken.

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf’s Riff.
Man hat sich glatt gemacht, man hat sich arrangiert.
All die hohen Ideale sind havariert,
Und der große Rebell, der nicht müd‘ wurde zu streiten,
Mutiert zu einem servilen, gift’gen Gnom
Und singt lammfromm vor dem schlimmen alten Mann in Rom
Seine Lieder, fürwahr: Es ändern sich die Zeiten!
Einst junge Wilde sind gefügig, fromm und zahm,
Gekauft, narkotisiert und flügellahm,
Tauschen Samtpfötchen für die einst so scharfen Klauen.
Und eitle Greise präsentier’n sich keck
Mit immer viel zu jungen Frauen auf dem Oberdeck,
Die ihre schlaffen Glieder wärmen und ihnen das Essen vorkauen.

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf’s Riff.

Sie rüsten gegen den Feind, doch der Feind ist längst hier.
Er hat die Hand an deiner Gurgel, er steht hinter dir.
Im Schutz der Paragraphen mischt er die gezinkten Karten.
Jeder kann es sehen, aber alle sehen weg,
Und der Dunkelmann kommt aus seinem Versteck
Und dealt unter aller Augen vor dem Kindergarten.
Der Ausguck ruft vom höchsten Mast: Endzeit in Sicht!
Doch sie sind wie versteinert und sie hören ihn nicht.
Sie zieh’n wie Lemminge in willenlosen Horden.
Es ist, als hätten alle den Verstand verlor’n,
Sich zum Niedergang und zum Verfall verschwor’n,
Und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden.

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf’s Riff.

Rubrik: Religion/Θρησκεια
von Dr. Emmanuel Sarides
19.03.13

Dr. Emmanuel Sarides  19. März 2013
Rubrik: Kirchen/Religion

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