Mehr Raub und Schande geht gar nicht!

Georgios Em. Dimitrakis
Alexis Tsipras von SYRIZA (links) Kyriakos Mitsotakis von Nea Dimokratia (rechts)

In Griechenland finden am Sonntag, den 26. Mai 2019, Wahlen statt. Europawahl 2019, Kommunal-und Landtagswahlen. Während die Bürger von Wahlen die Schnauze voll haben, fiebern die Politiker um die geeignete Strategie, wie sie deren Stimme wieder mal aneignen können

Georgios Em. Dimitrakis: Το πλεόνασμα της ληστείας και ντροπής
Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung von Emmanuel Sarides

Die von Kommunikationsspezialisten angebotenen Dienstleistungen sind nicht immer die Besten, im Gegenteil, sie machen eine Menge Probleme, Kommunikationsspezialisten werden in der Regel von politischen Parteien oder von einzelnen Kandidaten beschäftigt, um deren Wahlkampf zu organisieren.

Natürlich hat auch die gegenwärtige Regierung Griechenlands, aber auch alle andere Parteien, die für den Niedergang unseres Landes verantwortlich sind, ihre Kommunikationsspezialisten. Diese scheinen aber auf einem anderen Planeten zu leben oder sie verwechseln Griechenland mit der Schweiz oder Schweden – da, wo es  weniger Korruption oder keine Korruption gibt. Und das übertragen sie dann auf Griechenland.

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Wir geben hier das Beispiel eines Kommunikationsspezialisten, der von einer politischen Partei telefonisch kontaktiert wird. Der Inhalt des Telefonanrufs verläuft dann ungefähr folgendermaßen:

Die Partei: Hilfe! Das Hauptproblem für die Menschen in Griechenland ist die Korruption und die Διαπλοκή (die Verflechtung in Politik und Regierung). Die Öffentlichen Dienste werden „geölt“, um zu arbeiten, die Ärzte werden „gefettet“, damit sie bloß den Hörer abnehmen und mit den Chirurgen fragen Sie lieber gar nicht, denn sie haben eine eigentümliche Vorstellung von Arithmetik, sie rechnen nur in Tausenden von Euro. Tun Sie da was!

Sagen Sie mir, sagt der Kommunikationsspezialist, was ist eigentlich mit den Politikern?

Was sagst du da? Willst du mich befragen? Ich gebe dir einen Auftrag! Tue was, denn nach den Umfragen ist unsere Partei am sinken!

Verzeihen Sie mir, antwortet der Kommunikationsspezialist, aber ich habe zufällig einen Griechen getroffen, der mir erzählte, er sei ein Lehrer und hat mir beschrieben, wie elend die Schulen sind und wie die Villen im Norden Athens den Berg Penteli langsam „wegfressen“. Ist das wahr?

Ich hab dir gesagt, lass das! Alles übertrieben! Wir haben bessere Schulen als in Afrika und vielleicht auf dem ganzen Balkan. Tu jetzt etwas! Aber schnell!

Na denn, meint der Kommunikationsspezialist, dann tu ich auf die Schnelle „etwas“: Einen Plakat-Entwurf mit dem Chef der Partei oder dem Premierminister im Vordergrund und darunter, in fetter und deutlicher Schrift, die Sätze „Die Ethik unserer demokratischen Fraktion ist nicht verhandelbar“. Und „usere Partei ist die Seele aller Benachteiligten!“ Jawohl, das ist das, was wir alle wollen! Ein schlauer Kommunikationsspezialist. Und hochgebildet außerdem. Goebbels, der Chefpropagandistis von Hitler , sagte ja, ein Plakat soll auch von Ungebildeten innerhalb einer Minute gelesen und verstanden werden. Und das haben alle Kommunikationsspezialisten kapiert. Diese Voraussetzung erfüllen also die Plakate, die seit jeher in ganz Griechenland auf die Wand geklebt werden oder in Zeitungen und TV-Kanälen erscheinen. Egal ob der Kommunikationsspezialist in Griechenland lebt oder nicht und und nicht hören kann, was die nicht-privilegierten Griechen nach ihrem Besuch im Finanzamt, im Krankenhaus oder einem anderen öffentlichen Dienst sagen, wenn sie sein Plakat auf einer Wand sehen.

Sogar von seinen Gegnern wird zugegeben, dass der amtierende Premierminister weder bestechlich ist, noch irgendwelchen Διαπλοκή-Klüngeln gehört. Es gereicht auch zu seiner Ehre, dass nur wenige Griechen wissen, wie viele Kinder er hat und und was sie tun. So ähnlich war es auch beim großen Eleftherios Venizelos, von dem man weiß, dass von seinen beiden Söhnen Kyriakos an Tuberkulose litt und Sophokles nach Kleinasien geschickt wurde (wobei die kleinasiatische Expedition mit der so genannten kleinasiatischen Katastrophe endete).

Der Herr Premierminister gehört nicht zu denen, die, wie er vor einigen Tagen sagte, das Parlament als Lehen einiger weniger Familien überfgeben hat, nein, er hat es als Lehen „vieler“ gemacht.  Dies gereicht zu seiner Ehre, obwohl wir nicht wissen, wer die „Vielen“ sind und, um ehrlich zu sein, diese „Viele“ sind leider diejenigen, die zu Opfern des „Raubs und der Schande“ wurden. Die Staatsführer besiegeln immer ihre Zeit so oder so ähnlich. Wird aber der amtierende Premierminister als der Premierminister in die Geschichte eingehen, der selbst – und seine Vorgänger -die Memoranden unterzeichnet und die angeblichen riesigen Überschüsse „erfolgreich“ erwirtschaftet hat? Ich befürchte, dass die Gefahr besteht, dass er in der Geschichte als der Premierminister eingehen wird, zu dessen Zeit das griechische Volk Schreckliches durchmachen müsste wegen der  jahrzehntelangen riesigen Fehler der korrupten und dekadenten Regierungen, die auch die letzten Spuren der öffentlichen Moral verschlungen  haben.

Die Frage, die sich nun jeder Grieche und jede Griechin stellt, lautet: Hat sich etwas geändert, seitdem die Regierung mit der Umsetzung der Memoranden begonnen hat? Die Philosophie der Memoranden und der Troika, der Vertreter der Kreditgeber, die deren Umsetzung überwachen, hatte ja als zentralen Kern die strukturellen Veränderungen in der von Διαπλοκή und Korruption vollständig zersetzten öffentlichen Verwaltung und in allen anderen Institutionen des griechischen Staates. Die für viele Jahrzehnte die Ressourcen des griechischen Volkes und die Anpassungsmittel der Europäischen Union und die Bankdarlehen verschlungen hatten und Griechenland in den Bankrott trieben. Einen beispiellosen und einzigartigen Bankrott in der Weltgeschichte.

Die Memoranden sehen die Notwendigkeit vor, die Kosten und Funktionen der öffentlichen Verwaltung und ihrer Institutionen zu senken, einzuschränken oder in einigen Fällen abzuschaffen. Auf keinem Fall jedoch die Abschaffung der öffentlichen Gesundheit und anderer grundlegender Dienste. Doch TROIKA und Kreditgeber reagieren jeweils mit Vorraussetzungen, wenn sie erkennen, dass die Regierung und das gesamte politische Machtsystem Widerstand gegen eine Beschränkung des verschwenderischen öffentlichen Sektors leisten.

Bildergebnis für η απάτη με τα πλεονάσματα

Allen Politikern und Entscheidungsträgern außerhalb Griechenlands ist inzwischen bekannt, dass der von der griechischen Regierung propagandistisch hochgespielte „Überschuss“, der weltweit nur ein müdes Lächeln hervorgeruft hat, überhaupt nicht auf das Wachstum der griechischen Wirtschaft zurückzuführen ist, die nach Berichten internationaler Finanzanalysten schwer krank ist, sondern nur durch die stark erhöhten Steuern und die Plünderung der leidenden sozialen Schichten, das heißt der „Vielen“, wie beispielsweise durch die Einschränkung oder Eliminierung von Medikamenten und in vielen Fällen durch einen völligen Mangel an Fachärzten im Gesundheitssystem. Und wie auch Beobachtern außerhalb Griechenlands bekannt ist, wird ein Teil des „Überschusses“ am schändlichem Raub und Scham an die bekannten Gewerkschaften zurückgegeben, auf denen das politische Machtsystem Griechenlands beruht. Was keiner weiteren Erklärungen bedarf!

 

Georgios Em. Dimitrakis
Der Autor kretischer (aus Mari-Rethymno) und thrakischer Abstammung wurde geboren und lebt in Xanthi. Studium der Politischen Ökonomie und Soziologie in Bonn und Kulturerbe in Athen

Georgios Em. Dimitrakis  26. Mai 2019
Rubrik: Griechenland

Ein Gedanke zu „Mehr Raub und Schande geht gar nicht!“

  1. Tsipras hat wie eigentlich alle seine vorgänger auch jedes jahr für viele milliarden euro geschenke an die wähler verteilt. Auch zusätzliche einstellungen beim staat und in die staatsbetriebe bringt dutzenden tausend jedes jahr zusätzlich arbeit, alles finanziert durch die kutofranken der EU.

    Europäer werden in griechenland abfällig kutofranken genannt weil man sie abzocken kann.

    Ich dachte griechenland würde zum sparen gezwungen wie kann da griechenland immermehr geld ausgeben?

    https://www.wiwo.de/politik/europa/haeftling-auf-gehaltsliste-griechenland-zahlt-moerder-weiter-beamtenbezuege/8940220.html?fbclid=IwAR319bSDZDmLULd9asL91Rjdgb9QwXTv9YbKDLK_woTI5KMtm2IYpuCsGOs
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    wiwo.de

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