Türkei bedroht Griechenland – Will Erdogan das Osmanische Reich wiederbeleben?

Andreas Lilge

Der Konflikt um die Hoheitsrechte über einige Inseln in der Ägäis spitzt sich zu. Erdogan droht seinem Nachbarn Griechenland. Heikel! Beide sind NATO-Mitglieder. Die Wurzel des Konflikts ist 100 Jahre alt und manche Emotion hat Ursachen die noch älter sind. Aber daneben gibt es noch andere Gründe.

In jüngster Zeit mehren sich die Provokationen der Türkei gegen Griechenland. Verletzungen des griechischen Luftraums, durch die türkische Luftwaffe, ein gerammtes Patrouillenboot, ein durch türkische Kriegsschiffe blockiertes Bohrschiff und zwei verhaftete griechische Grenzsoldaten sind deutliche Zeichen für eine Politik, die den Grenzverlauf im ägäischen Meer revidieren will.
Die Ansicht, dass viele der zu Griechenland gehörenden Inseln zur Türkei gehören würden, beschränkt sich nicht auf die türkische Regierungspartei AKP, sondern ist auch in der kemalistischen Oppositionspartei CHP verbreitet. Diese Ansicht hat ihre historischen Wurzeln in der Zeit des Untergangs des osmanischen Reichs.
Die Türkei als Verbündeter und Wirtschaftspartner der Deutschen im 1. Weltkrieg, musste als Kriegsverlierer starke Gebietsverluste hinnehmen (Vertrag von Sèvres 1920). Nach dem türkisch-griechischen Krieg wurden im Vertrag von Lausanne (1923) der heutige Grenzverlauf und die Zugehörigkeit fast aller Inseln der Ägäis geregelt.
Die Dodekanes-Inselgruppe die in Folge des türkisch-italienischen Krieges zu Italien gehörte, wurde 1946 als Kriegsfolge des 2.Weltkriegs, an Griechenland übergeben.

Historischer Hintergrund

Es herrscht bei vielen Türken auch heute noch die Ansicht, dass die heutige Türkei einen Geburtsfehler hat, den Verlust von Herrschaftsgebieten in Europa und Arabien.

Bei der Staatsgründung der heutigen Türkei 1923, hatte sie viele Gebiete, die durch den Vertrag von Sèvres (1920) verloren gingen zurückerobert oder auf dem Verhandlungsweg zurückerhalten. Im Vergleich zur Rumpftürkei (zwei Provinzen am Schwarzen Meer) die 1920 verblieb, ist das Staatsgebiet der heutigen Türkei mehr als doppelt so groß. Insbesondere am südöstlichen Rand des Landes meint man aber immer noch berechtigte Gebietsansprüche zu haben.

Treaty sevres otoman de

Die Türkei nach dem Vertrag von Sèvres 1920. Diverse Besatzungszonen und Abspaltungen  Quelle: Wilimedia unter Creative Commons Lizenz

Auch bei der Zugehörigkeit diverser ägäischer Inseln sind die Verträge an einigen Stellen sehr verschieden auslegbar. Auch Zypern, das seit 1960 eine unabhängige Republik ist, wurde 1974, angeblich zum Schutz der dort lebenden Türken zur Hälfte von der Türkei besetzt, als Reaktion auf den Versuch der griechischen Militärjunta Zypern an Griechenland anzuschließen.

Das osmanische Reich, auch religiös begründet

Die Türken haben als Besatzer und Eroberer einst den griechisch-byzantinischen Herrschaftsbereich übernommen und viele der südosteuropäischen Staaten im Laufe der Jahre zu tributpflichtigen Vasallen gemacht. Der Herrschaftsanspruch der Türken, über diese Länder wurde mit dem Kalifat der Osmanenherrscher, seit dem 16. Jahrhundert, begründet.

Der Kalif hat nach muslimisch-theokratischem Staatsverständnis als „Beherrscher und Beschützer der Gläubigen“ (zumindest der Sunniten) nicht nur das Recht, sondern sogar die religiöse Pflicht gehabt den Islam zu verbreiten und sei es mit Feuer und Schwert. Unterworfene Länder, die es vorzogen christlich zu bleiben, wurden mit einer besonderen Tributpflicht belegt. Auch die Herrschaft über weite Teile Arabiens wurde durch das Kalifat gerechtfertigt.

Südosteuropa; immer mehr Staaten wurden unabhängig, mit aktiver Hilfe westeuropäischer Mächte

Seit der Unabhängigkeit Griechenlands 1830 fühlte man sich insbesondere durch Frankreich, Großbritannien und Russland betrogen und übervorteilt, da sie maßgeblich daran beteiligt waren, dass Griechenland unabhängig und tributfrei wurde. Auch weitere europäische Länder befreiten sich im Laufe des 19. Jahrhunderts von der türkischen Herrschaft und eine der drei Mächte war immer beteiligt. Die Ablösung der ehemaligen arabischen Gebiete, wurde massgeblich durch die Briten unterstützt und beeinflußt.

Erdogan spielt die „osmanische Karte“ aus

Es ist eine tiefsitzende Überzeugung bei vielen Türken, dass die Inseln in unmittelbarer Küstennähe rechtmäßig zur Türkei gehören. Das sehen die Griechen mit Verweis auf ihre Geschichte und historische Rolle in der Ägäis anders. Im Augenblick begnügen sich beide Seiten damit der anderen kleine Nadelstiche zu verpassen und markige Reden zu schwingen, die aber haben es in sich. In einem Artikel der „ekathimerini“ werden beispielhaft Auszüge aus Reden des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und die Erwiderungen des griechischen Verteidigungsministers Panos Kammenos gegenübergestellt.

Erdogan sagte kürzlich: „Wir werden definitiv die große Türkei bauen. Wenn nötig, werden wir unser Leben geben. Wenn nötig, werden wir Leben nehmen.“

„Wir werden die Wunden in unseren Herzen nicht vergessen, die durch die künstlichen Grenzen verursacht wurden, die sie gezogen haben“, so der Staatschef. Und: „Nach Afrin kommt die Auferstehung.“

„Diejenigen, die glauben, dass unsere Ausführungen Bluffs oder leere Rhetorik sind, werden sehen, dass sie einen tödlichen Fehler machen“, sagte Erdogan und fügte hinzu, dass seine Aussagen die „Entschlossenheit der Türkei, der Politik des Staates und der Gefühle des Volkes“ widerspiegeln. „Wir werden Erfolg haben, oder wir werden sterben.“

Nur wenige Stunden später konterte der griechische Verteidigungsminister Kammenos, anlässlich des Unabhängigkeitstages am 25.März: „Wir werden jeden vernichten, der es wagt, unsere nationale Souveränität in Frage zu stellen.“

„Wer an große osmanische Reiche denkt, sollte sich an 1821 erinnern. Wie das griechische Volk dem osmanischen Reich gegenüberstand und es zerstörte“, so Kammenos weiter. Und: „Unsere Streitkräfte sind bereit, sich jeder Herausforderung zu stellen, die die territoriale Integrität des Landes betrifft.“

Wie man sieht, wird das Thema von beiden Seiten nach außen sehr emotional behandelt und beide Seiten rufen als Zeugen die Geschichte an, was eine einvernehmliche Regelung für beide Seiten schwierig macht.

Die Wirtschaft hat es in beiden Ländern schwer und einen außenpolitischen Gesichtsverlust können sich weder die griechische noch die türkische Regierung leisten. Letzten Endes sollte man auch hier einfach mal die Frage stellen, „Wem nutzt es?“

Praktischer Hintergrund

Viele der zu Griechenland gehörenden Inseln liegen nur wenige Kilometer von der türkischen Festlandsküste entfernt. Die Verträge, die die Zugehörigkeit der Inseln regeln, sind an einigen Stellen verschieden interpretierbar. Das hat weitreichende Folgen in Bezug auf das Seerecht und die Ausbeutungsrechte rund um die Inseln. Anzumerken ist auch, dass einige der umstrittenen Inseln, weder von Griechen noch von Türken jemals wirklich genutzt wurden, da sie viel zu klein und karg sind.

Die Karte zeigt sehr deutlich, wie kompliziert die Situation ist. Die Ägäis ist praktisch griechisch und überlappende Territorialansprüche reichen bis in das östliche Mittelmeer.

GR-Ägäis-Ins
Die ägäischen Inseln. Die griechisch-türkische Seegrenze ist teilweise markiert. Quelle: Wikimedia, Creative Commons Lizenz

Das blockierte Bohrschiff sollte nach Öl- und Erdgasvorkommen suchen. Im Raum der Ägäis und nahe Zypern werden größere Erdgas- und Erdölvorkommen vermutet. Wenn Griechenland durch die Inseln seine Territorialansprüche, auch auf den umliegenden Meeresgrund, aufrecht erhalten kann, haben die Griechen das Ausbeutungsrecht und die Türken das Nachsehen.

Nun stellt sich die Frage, worum es wirklich geht, nationale Ehre, historische begründbare Ansprüche, Souveränitäts- oder Bohrrechte. Das Thema wird durch die Verquickung von Wirtschaftsinteressen und Nationalstolz auf beiden Seiten nicht einfacher. Wo es hinführt ist kaum vorhersehbar.

Quelle: https://www.epochtimes.de/politik/europa/tuerkei-bedroht-griechenland-will-erdogan-das-osmanische-reich-wiederbeleben-a2393192.html

Einige Kommentare zum Artikel (insgesamt sind es 145)

Fände ich gut! Dann hätten sich die Schulden von Griechenland auch erledigt (Ironie)! Aber dazu braucht er doch bestimmt alle seine Befürworter aus D zur Unterstützung. Also nix wie ab zum Kalifen nach Ankara!

Der Bosporus-Addy mal wieder… Kopfklatsch
Das „Osmanische Reich“ ?? Der hat nicht alle Latten am Zaun !!
Mögen die Griechen ihn mit Tzaziki und Gyros bombardieren !

Sehr interessant. 2 Nato Staaten jetzt gegeneinander. Was tut die restliche Nato ?
Das gute daran ist dass Griechenland eines der größten Militätbudgets in der Nato hat. Wird Zeit dass dem Erdolf die Flügel gestutzt werden. Istanbul soll ja wieder Konstantinopel werden.

In dem Bericht wird Byzanz erwähnt. Dem Vorgängerstaat der heutigen Türkei, bevor Turkstämme das Gebiet eroberten und die heutige Türkei erschufen. Parallelen zu heute sind unverkennbar. Damals erlag Byzanz auch deshalb, weil eigenmächtig und egoistisch handelnde Königs- und Fürstenhäuser europäischer Länder, sowie der mächtige Kirchenstaat, den damaligen Glaubensbrüdern/Schwestern in Byzanz nicht zu Hilfe eilten. Wäre dies geschehen, gäbe es die heutige Türkei nicht. Zweimal danach wollten die Osmanen Europa erobern und scheiterten vor den Toren Wiens. Wer die Geschichte kennt der weiß: Es war den polnischen Heerscharen zu verdanken. Sie, die Polen, wissen auch heute noch, warum sie sich der Umverteilung verweigern, während dem westlich gelegenen Europa der selbstgeschuldete Untergang bevorsteht.

Sie haben in der Geschitsunterricht nicht aufgepasst, aber das ist nicht Ihr Fehler. Die Türken kamen gegen die Habsburger als Verbündete der Franzosen. Siehe Erbschaftskriege in Spanien. Die Franzosen haben zuerst in Polen dann in Ungarn Verbündete gesucht und am Ende in Sultan gefunden. Also, unser Unglück liegt in Wien und Paris. Die Franzosen haben die Türken bewaffnet, finanziert und ausgebildet.
Dabei haben die so tapfere Wiener die Ungaren am Schlachtfelt Mohács verraten und so kamen die Türken vor Wien.
Ein pisschen aufpassen in Geschichtsunterricht. Der Habsburger waren nähmlich bei der Fuggers hoch verschuldet und konnten ihren Frühstück nicht ohne Schulden mehr bezahlen. Aber in Ungarn gab Goldmienen was nicht zu den Habsburger gehörte. Dies mussten sie im Besitz nehmen und dem Fugger als Belohnung und Schuldenerlass überlassen. Aber wie wollte man das machen? Nur durch Verrat, Nach den velorenen Schlacht wurde Ungarn dreigeteilt und die Habsburger haben das Teil bekommen wo die Goldmienen lagen. Damit wurde die Schuldscheine verbrannt, siehe dazu eine berühmten Gemälde darüber. Und so sieht die Geschichte aus!
In der Schacht von Mohacs haben die Habsburger die ungarische königliche Boote abgefangen und mit ihren ersetzt. Am ander Ufer der Donau warteten 50 000 Soldaten gegen die Türken aih ihren Einsatz.Denen wurde die falsche Nachricht übermittelt, mitgeteilt, ihr könnt nach Hause gehen, weil die Türken geschlagen worden. Pustekuchen. Na, wer ist jetzt Schuld? Die Österriecher? Ich würde sagen, ja!

  • Internationaler Strafgerichtshof in Den Haag.
    Irgendwann!
    Endstation für Erdogan?

  • Logenbüder hetzen die Menschen aufeinander!

  • Aus dem Internet

    Recht plötzlich hat die Bundesregierung
    verkündet, ein türkischer Wahlkampf habe in Deutschland nichts
    verloren. Dabei machen türkische Politiker schon viele Jahre hierzulande
    genau das: Sie spannen ihre Landsleute (oder wen sie dafür halten) für
    ihre Zwecke ein. Als Erdogan 2008 in Köln vor Tausenden Anhängern
    sprach, ging dem Auftritt ein fürchterliches Brandunglück in
    Ludwigshafen voraus

    Aber es wird nicht mehr lange dauern, da bekommt Erdogan hier in Deutschland politische Mehrheiten, um hier seinen Wahlkampf abzuhalten. Im Grunde kann er es nicht mehr abwarten und hat seine Landsleute zur zahlreichen Vermehrung aufgefordert, damit das demoktratische Stimmenverhältnis bald gekippt werden kann.

    Christliche Dummschafe helfen im Moment tatkräftig mit, die Zahl der Muslime hier zu vergrößern und zu unterstützen.

  • Die NATO und EU …….ich glaube das diese Haufen tatenlos zusehen und Erdogan gewähren lassen….Cypern lässt grüßen…
    ..

  • Eigentlich sollte man vom Handeln des Muslim Erdogan Gesetzmäßigkeiten auf die Handlungsweise aller Muslime ableiten und auch Gesetzmäßigkeiten aus der Behandlung der Christen durch die Muslime in den muslimischen Ländern.

    Aber wo der Verstand fehlt ….

  • Auch bei Erdogan fällt mir auf daß man in letzter Zeit zumindest hierzulande sein Konterfei unbearbeitet zeigt.
    Ich sehe einen Mann in dessen Gesicht immer stärker seine wahren Charakterzüge sichtbar werden, der innwändige Mensch tritt sichtbar nach außen.
    Und richtig gesund scheint der Erdogan auch nicht zu sein.
    Jedes Ding hat seine Zeit, das sollten Erdogan und seine Anhänger auch wissen.
    Aber bei verblendeten Menschen …….

  • Wir haben es mit Despoten, Völkerwanderung, militärischer Expansion und politisch instabilen Lagen zu tun. Das sind sehr ungünstige Konstellationen, vor allem in ihrer Menge.

    Im kalten Krieg gab es klare Positionen, was Sicherheit bedeutete- von ein paar Stellvertreterkriegen abgesehen. Heute vermischen sich ideologische mit wirtschaftlichen Interessen von verschiedensten Protagonisten.

    Alles erinnert an das Brettspiel Risiko. Da kommt es für die Mitspieler oft ganz anders als man denkt. Nun werden im realen Leben die Karten neu gemischt. Gleichzeitig rüstet die Welt auf. Eine globale Entspannung ist nicht in Sicht.

  • Das sich die leute immer zoffen muessen..

  • Eine Rundreise durch die Balkanstaaten, und die 500 Jahre OsmReiches sind
    gegenwaertig. Deutlicher teilweise, als in Istanbul selbst, in der Provinz wird es
    wahrscheinlich auch anders sein.

  • Schöner Bericht, aber: die ganze Türkei ist ein Geburtsfehler.

  • Es müssen Milliarden tote geben, bis es 500millionen Menschen übrig bleiben soll! Georgiaguidstone!!!

    Das kann man größtenteils mit kriegen erreichen!
    Jetzt plant man den nächsten Kriegsschauplatz und die nächsten Flucht Ströme nach Europa!

  • Wie passt denn das zusammen? Die EU arbeitet an den Vereinigten Staaten von Europa und will die Nationalstaaten am besten ganz zerschlagen und ein Mischvolk ohne Identitäten erschaffen und am liebsten eine globale Welt ohne Grenzen errichten und Erdogan macht genau das Gegenteil, will die Türkei und den Nationalstolz der Türken vergrößern und will trotzdem immer noch Mitglied in der EU werden ?
    Deutlicher kann man nicht aufzeigen, welchen dämlichen Traum die Linken da träumen , der von Merkel seit Jahren unterstützt wird.
    Merkel zerstört nicht nur Deutschland sondern die ganze EU, die diesen Träumen bedingungslos folgen .
    Es war bedeutend friedlicher in Europa, als Merkel noch nicht Kanzlerin war.

  • das fing mit Schröder schon an, Serbien, schon vergessen? Mir wird jetzt noch schlecht wenn ich nur dran denke, da ist noch jeder dem Clinton in den Ar*** gekrochen. Hätte nie gedacht daß da so viel Platz drin ist…
    Nie wieder Krieg von Deutschen hab ich mal gelernt, einzig und alleine eine reine Verteidigungsarmee und was ist jetzt, unsere Grenzen werden am Hindukusch verteidigt während hier ne Invasion läuft.

  • Nie wieder Krieg von Deutschen/von Deutschen Boden…das haben alle schon wieder vergessen ! Keiner hat daraus gelernt. Warum auch …mit Krieg ezielt man Wahnsinns-Dividenden….

Andreas Lilge  7. April 2018
Rubrik: Balkan/Osteuropa/Kaukasus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.