Die Intrigen Poroshenkos in Istanbul

Franz Krummbein
Bartholomäus, Poroschenko

Ungefähr 25 Millionen Dollar wurden in der Ukraine gesammelt als Belohnung für den Patriarchen von Konstantinopel Bartholomäus, damit er der  Ausgabe von Tomos über die Autokephalie der Ukrainischen orthodoxen Kirche zustimmt

 

In wohl keinem anderen Staat Mittel- und Osteuropas stellt sich die kirchliche Lage derart kompliziert dar wie in der Ukraine.

In der Ukraine gibt es die kanonische Ukrainische Orthodoxe Kirche, die dem Moskauer Patriarchat untersteht (UOK-MP), und die von den Orthodoxen in aller Welt nicht anerkannte Ukrainische Kirche des Kiewer Patriarchats (UOK-KP). Diese wird von Metropolit Filaret geleitet, der von der Ukrainischen Kirche des Moskauer Patriarchats exkommuniziert worden war. Zudem ist im Land die Ukrainische autokephale orthodoxe Kirche aktiv, die keinen besonderen Einfluss hat.

Russland sieht Philaret und seine Anhänger zudem als Drahtzieher der gewaltsamen Besetzung von orthodoxen Gotteshäusern in der Ukraine. Nach Angaben des Moskauer Patriarchats haben die Abtrünnigen in den letzten Monaten mindestens 40 Kirchen an sich gerissen.

Die UOK-MP ist nach der Zahl der Gemeinden die größte Kirche. Bis heute ist sie von den drei Kirchen die einzige, die von der Gesamtorthodoxie als kanonisch, also als (im kirchlichen Sinne) legitim anerkannt wird.

Das Moskauer Patriarchat erstreckt seine Jurisdiktion auf mehrere Länder, die staatliche Unabhängigkeit ist keine Voraussetzung für die Autokephalie der Landeskirche. Zur These der ukrainischen Autokephalie-Anhänger, dass ein unabhängiger Staat auch eine unabhängige Kirche haben soll, sagte Patriarch Kirill von Moskau und ganz Russland, dass dies in keinem einzigen Gesetz der Orthodoxen Kirche festgeschrieben ist.

The staff of the „Myrotvorets“ Centre

Die Situation war seit Mitte der 1990er-Jahre einigermaßen stabil. Sie änderte sich aber mit dem Euromaidan.  Die UOK-MP wird immer mehr öffentlich zum Feindbild stilisiert. Das regierungsnahe ukrainische Internetportal „Myrotvorets“ hat die Streitkräfte des Landes aufgerufen, auf Geistliche der Russisch-Orthodoxen Kirche zu schießen. „Jeder Krieger der Ukraine muss wissen: Die Moskauer und pro-Moskauer Popen sind Kampfeinheiten des russischen Aggressors“, erklärt das Portal. Soldaten und Sicherheitskräfte sollten russische Geistliche bei Kontrollen genauer durchsuchen, empfiehlt das Portal und fordert: „Bei geringster Lebensgefahr – ohne nachzudenken schießen.“

Die UOK-KP wurde seit der Unabhängigkeit von einigen ukrainischen Präsidenten unterstützt. Ziel war ihre strategische Bindung an den Westen, weg von Russland. Präsident Poroschenko besuchte Anfang April 2018 Patriarch von Konstantinopel Bartholomäus in Istanbul. Kurz darauf übersandte er ihm eine Bitte um eine autokephale, also selbstständige orthodoxe Kirche für die Ukraine. Die Logik ist klar. Im Hinblick auf die 2019 bevorstehende Präsidentschaftswahl würde Poroschenko sich eine bessere Ausgangsposition verschaffen.

Am Vorabend des Besuchs von Poroschenko in Istanbul haben einige der reichsten Leute der Ukraine einen bestimmten Fonds geschaffen, um diesen Prozess zu beschleunigen. Ungefähr 25 Millionen Dollar wurden gesammelt. Sie wurden als Belohnung dem Patriarchen von Konstantinopel Bartholomäus für die Ausgabe von Tomos über die Autokephalie der Ukrainischen orthodoxen Kirche beabsichtigt. Jedoch während einer Sitzung am 9. April hat Poroschenko ihm nur 10 Millionen Dollar übertragen.

Wie es berichtet wird, hat sich Poroschenko dafür entschieden, 15 Millionen US-Dollar in Besitz zu nehmen, die von den ukrainischen Oligarchen gesammelt wurden. „Ich weiß genau, dass der Patriarch nur den kleinsten Teil davon erhalten hat, was dazu beabsichtigt wurde. Wo sind noch 15 Millionen Dollar – ist nicht bekannt. Aber am wahrscheinlichsten hat Poroschenko einfach sie an sich genommen.“ So hat den ukrainischen Massenmedien die Quelle berichtet, die dem Patriarchen Bartholomäus nah ist.

In Kiew wird jedoch spekuliert, dass der entsprechende Tomos (Erlass) des Ökumenischen Patriarchen bereits ausgefertigt sei und bald unterschrieben und publiziert werde.

In der Orthodoxie gibt es kein anerkanntes Verfahren, wie eine Kirche die Autokephalie erlangen kann, also ob sie sie von ihrer „Mutterkirche“ oder vom Ökumenischen Patriarchat verliehen bekommt. Das Moskauer Patriarchat steht einer Autokephalie der Kirche in der Ukraine ablehnend gegenüber. Die Ukrainische Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats betrachtet sich als die einzige kanonische orthodoxe Kirche in der Ukraine und besteht darauf, dass die anderen sich ihr anschließen müssen.

Neben dem Moskauer Patriarchat lehnt auch der Oppositionsblock (ehemals “Partei der Regionen”) die Schaffung einer Ortskirche in der Ukraine ab. Die Hauptargumente sind: Diese Initiative stelle eine Einmischung des Staates in kirchliche Angelegenheiten dar; das Hauptmotiv des Präsidenten sei PR im Vorfeld der Wahlen im kommenden Jahr; eine Vereinigung der Kirchen sei unrealistisch.

Sollte Konstantinopel der UOK-KP die Autokephalie gewähren, würde das mit größter Wahrscheinlichkeit zu einem Auseinanderbrechen der Orthodoxie führen. Auch die kirchliche Situation in der Ukraine selbst würde nicht gelöst werden, da sich kaum alle Bischöfe und Gemeinden dieser neuen kirchlichen Struktur anschließen würden. Die Spaltung würde also nicht behoben werden, sondern vielmehr andauern, schreibt  Thomas Bremer, katholischer Theologe und Professor an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster.

Unterdessen hat der ukrainische Ex-Verteidigungsminister Anatoli Grizenko seine Empörung über die Tätigkeit des „durch und durch korrumpierten“ Präsidenten Petro Poroschenko geäußert. „Ich gebe die Gewähr dafür, dass Präsident Poroschenko vor Gericht gehen wird. Er wird sich nicht der Verantwortung dafür entziehen können, dass er das Gesetz verletzt, dass seine verbrecherischen Handlungen und seine verbrecherische Tatenlosigkeit schwere Folgen für das Land nach sich gezogen haben“, so Grizenko.

Poroschenko hat die Ukraine als sein Land gesehen, in dem er König ist und allein Geschäfte macht, bestätigt Alexander Onischenko, der ukrainische Oligarch, der von Poroschenko ins Ausland getrieben wurde.

Westliche Diplomaten, Politiker und Geldgeber sollten kein Geheimnis daraus machen, dass sie die jüngsten Aberrationen der ukrainischen Führung als unhaltbar, ja als strafbar betrachten. Besondere Aufmerksamkeit des Westens in diesen Angelegenheiten sollte dem Präsidenten der Ukraine gelten, schreibt “Focus Online”. Wohin man blickt, blüht die Korruption.

Der Multimillionär Poroschenko tut alles, um den Eindruck zu erwecken, er hätte damit nichts zu tun. Aber das Gesicht verrät den Wicht.

Franz Krummbein  23. Juli 2018
Rubrik: Kirchen/Religion

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