Südosteuropa im III. und IV. Jahrhundert – ereignisgeschichtlicher Teil

Bruno Bleckmann

Die römische Geschichte des III. und IV. Jahrhunderts ist eine Zeit von Bürgerkriegen und Kämpfen gegen äußere Feinde. Mit Diokletian und der Tetrarchie kehrt eine relative Ruhe ein, die durch die Invasion der Goten katastrophale Folgen haben wird

 

Bruno Bleckmann
Südosteuropa
im III. und IV. Jahrhundert – ereignisgeschichtlicher Teil

aus Band 1: Herrschaft und Politik in Südosteuropa bis 1800

    1. Einleitung
    2. Invasionen und Bürgerkriege im ΙΙΙ Jahrhundert
    3. Die Tetrarchie
    4. Konstantin der Große
    5. Die konstantinische Dynastie 
    6. Valentinian und Valens

1.    Einleitung
Die römische Geschichte des III. und IV. Jahrhunderts ist eine Zeit von Bürgerkriegen und Kämpfen gegen äußere Feinde. Dabei kehrt nach einer Phase politischer Zerrissenheit und extremer innen- wie außenpolitischer Herausforderungen (251–285) mit Diokletian und der Tetrarchie (284/5–305) wieder relative Ruhe ein, bevor durch die Invasion der Goten (376/378), die ihren Ausgangspunkt in der Schwarzmeerregion hat, erneut ein Zustand größerer Instabilität geschaffen wird. Diese Instabilität wird nach dem Tod fteodosius’ des Großen (395), dann katastrophale und für den Zusammenhang des Reichsganzen irreparable Folgen haben.

Für den gesamten in diesem Kapitel zu behandelnden Zeitraum von 251 bis 378 steht die Region Südosteuropa, bzw. – im Sprachgebrauch der seit der tetrarchisch-konstantinischen Zeit gültigen administrativen Geographie – die Präfektur/Teilpräfektur Illyricum1 und die Diözese ftrakien, eindeutig im Mittelpunkt der Reichsgeschichte. Zum einen liegt dies an den Verteidigungsanstrengungen des Reichs, die sich wegen der zahlreichen Barbareneinfälle am Grenzabschnitt der mittleren und unteren Donau konzentrierten, wo ein großer Teil der römischen Armee stationiert war. Zum anderen wurde die Region häufig durchquert, insbesondere wenn sich die römischen Armeen auf dem Landweg vom lateinischen Westen in den griechischen Osten oder umgekehrt bewegten, um zu anderen (Kriegs-) Schauplätzen zu gelangen. Meist geschah dies auf der bedeutendsten Landstraße Südosteuropas, der neuzeitlich als Diagonalstraße bzw. via militaris bekannten Trasse.2 Diese führte von Poetovio (Ptuj) über das heutige Vinkovci (Cibalae), Belgrad (Singidunum), Niš (Naissus), Sofia (Serdica), Plovdiv (Philippopolis) und Edirne (Adrianopel) nach Byzantion/Konstantinopel. Viele dieser Heeresbewegungen erfolgten im Rahmen von Bürgerkriegen zwischen östlichen und westlichen Prätendenten. Es ist insofern naheliegend, dass sich die Schauplätze des militärischen Schlagabtausches besonders häufig in Südosteuropa und hier vor allem entlang oder in der Nähe dieser Hauptkommunikationslinie befanden, wenn Armeen aus den entgegengesetzten Richtungen aufeinander zu marschierten. Dies verdeutlicht eine ganze Serie von Bürgerkriegsschlachten. So kämpften östliche und westliche Armeen 261 in Serdica, 285 an der Moravamündung, 313 auf dem thrakischen Campus Ergenus, 316 in Cibalae und auf dem Campus Ardiensis, 324 in Adrianopel und 351 in Mursa (Osijek)   gegeneinander.

 

1 Im administrativen Sprachgebrauch des 2. Jahrhunderts steht Illyricum nur für den Zollbezirk, vgl. András Mócsy, Pannonia and Upper Moesia. A History of the Middle Danube Provinces of the Roman Empire. Translation ed. by Sheppard Frere, London, Boston 1974 (fte Provinces of the Roman Empire), 200.
2 Ein antiker Name dieser Straße ist nicht bekannt.

Zur Bedeutung der fraglichen Region für die Reichsgeschichte trug ferner bei, dass im dritten und vierten Jahrhundert im nördlichen Balkan besonders intensiv rekrutiert wurde. Das lag vielleicht daran, dass – wie einige Quellenäußerungen suggerieren – die Hirten und Bauern dieser Gegend als besonders kampfkräftig angesehen wurden. Wichtiger war aber wohl ein anderes Motiv. Es war nämlich opportun, bei der Verteidigung der langen Donaugrenze, auf Truppenbestände zurückzugreifen, die vor Ort im Hinterland rekrutiert werden konnten. Ein weiterer Grund für die damalige reichsgeschichtliche Bedeutung des Illyricum ist, dass gerade die Armee an der mittleren und unteren Donau in den wiederholten innenpolitischen Krisen als stets geschlossener und besonders starker Interessenverband auftrat und damit den Vorzug vor anderen Heeresgruppen im römischen Reich hatte. In den Bürgerkriegen von 193 und 238 konnten Septimius Severus und Maximinus ftrax auf den Rückhalt der illyrischen Truppen zählen.3 Und Decius (249–251) beschwor in sei- nen Münzprägungen den „Genius exercitus Illyriciani“, nachdem ihm die Donauarmee im Kampf gegen Philippus Arabs gefolgt war. Unter den neuen Bedingungen des spätantiken Bewegungsheers verschoben sich zwar ab dem vierten Jahrhundert die Voraussetzungen für die Artikulation eines illyrischen Sonderinteresses, gleichwohl war dieses bei der Erhebung Vetranios (350) oder der gegen den Willen des Valens und Gratian vorgenommenen Erhebung des Valentinian II. (375) durchaus noch wirksam. Das besondere Identitätsbewusstsein erklärt sich freilich ausschließlich aus aktuellen Handlungszusammenhängen und hat kaum irgendeine ethnische Komponente gehabt. Die Vorstellung, Illyrier oder Pannonier hätten sich an der Peripherie des Reiches gewissermaßen einen unverbildeten Patriotismus bewahrt und dadurch zur Rettung des Reiches beigetragen, kann aus den Quellen, die in allgemeiner Form auf die militärische Tüchtigkeit von Illyriern und ftrakiern verweisen,4 nicht belegt werden.5 Die römische Armee hat auch kaum durch den besonderen rustikalen Einschlag

 

3 Angaben zu pannonischen Elitetruppen als Unterstützer des Maximinus ftrax finden sich bei Hrdn. 7,8,11 (als Vortrupp der übrigen Donauarmee) und  8,6,1.
4 Vgl. Paneg. 10,2,2 mit C[harles] E[dwin] V[andervord] Nixon/Barbara Saylor Rodgers, In Praise of Later Roman Emperors. fte Panegyrici Latini. Introduction, Translation and Historical Com- mentary. Berkeley, Los Angeles, Oxford 1994, 55, Anm. 10. Siehe ferner Vegetius, Epitome de re militari 1,28: „Es ist offenkundig, dass die Daker, Moesier und ftrakier in einem solchen Grade stets kriegerisch gewesen sind, dass die Mythen bestätigen, dass Mars selbst bei ihnen geboren wurde.“ Die Betonung der militärischen Tüchtigkeit der Pannoniciani und Moesiaci bei Amm. 29,6,13 bezieht sich nur auf die beiden Legionen: legiones (…) duae, Pannonica et Moesiaca, valida proeliis manus. Kriegerische ftrakier: Amm. 26,7,5; Just. Novell. 26 praef. und vor allem Exposi- tio totius mundi 50: Thracia provincia et ipsa dives in fructibus et maximos habens viros et fortes in bello; propter quod et frequenter inde milites tolluntur. Siehe zu den Stellen Dietrich Hoffmann, Das spätrömische Bewegungsheer und die Notitia Dignitatum, Bd. 1. Düsseldorf 1969, 209f.
5    Vgl. etwa Georg Stadtmüller, Geschichte Südosteuropas. München 1950, 52: „Die Illyrier    und Pannonier wollten echte Römer sein“. Ebd., 53: „Merkwürdige Verbindung von illyrischen Provinzpatriotismus und römischem Reichsbewusstsein“. Prominent vertreten hat diese Ansicht Andreas Alföldi, Studien zur Geschichte der Weltkrise des 3. Jahrhunderts nach Christus.

 

der Illyrier, wie er aus italischer Perspektive bisweilen in den spätantiken Quellen überbe- tont wird,6 eine wie auch immer geartete ursprüngliche, zwischenzeitlich verloren gegangene Kampfkraft zurückgewonnen. Vielmehr hat umgekehrt die stark ausgebaute militärische Infrastruktur an der Donau und an den zur Donau führenden Flusstälern – Save, Morava und Timok – der Region überhaupt erst eine römische Identität verliehen. Das erklärt hinreichend die Orientierung illyrischer Soldaten am römischen Wertekanon, eine Orientierung, die freilich gelegentliche Erscheinungen von Söldnermentalität und Profitgier insbe- sondere bei den rasch wechselnden Usurpationen des III. Jahrhunderts nicht ausschloss.

Eine Facette dieser Problematik echten oder vermeintlichen illyrischen Sonderbewusstseins ist die Frage nach der Wahrnehmung der römischen Kaiser des dritten und vierten Jahrhunderts als genuin „illyrische“ Herrscher.7 Ein Großteil der römischen Kaiser dieser Zeit stammte aus Illyricum.8 Das hatte sich mit der Zunahme der Bedeutung der Militärpräsenz und der Rekru-

 

Darmstadt 1967, 229–237. Kritisch bereits András Mócsy, Pannonien und die Soldatenkaiser, in: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt (ANRW). Geschichte und Kultur Roms im Spiegel der neueren Forschung, 2. Principat, Bd. 6 (1977), 557–582, hier 570.
6 Einen Bezug zwischen der illyrischen Herkunft der Kaiser und ihrem Einsatz für die res publica stellt in unklarer, von starker Bildungsüberlegenheit getragener Argumentation vor allem Aurelius Victor her, vgl. Aur. Vict. 39,26: His sane omnibus Illyricum patria fuit: qui, quamquam humanita- tis parum, ruris tame ac militiae miseriis imbuti satis optimi reipublicae fuere. Zum rustikalen Cha- rakter illyrischer Herrscher, vgl. weiter Aur. Vict. 39,17: Maximian ist semiagrestis. Siehe ferner den Beinamen Armentarius („Großviehhirt“) des Galerius (Aur. Vict. 39,24) und die Charakteri- sierung des Valens als subagrestis ingenii (Amm. 31,14,5). Zu den Vorurteilen gegenüber Illyriern oder Pannoniern, vgl. bereits Cass. Dio 59,36 (Pannonier müssen ein hartes Leben mit einem har- tem Winter und ohne Öl und Wein führen), bei dem unter den besonders barbarischen Gewohn- heiten der Pannonier das Biertrinken erwähnt wird (Pannonier müssen Getreide essen und trin- ken). Diese Bewertung existiert in der Spätantike fort, wie der Spitzname des Valens Sabaiarus zeigt (Amm. 28,8,2) mit der Erklärung, dass die Sabaia der Name für das pannonische Bier ist. Vgl. Hier. In Isaiam 7,19. Eine gute Zusammenstellung mit weiteren Passagen bei Carl Patsch, Beiträge zur Völkerkunde in Südosteuropa, Bd. 4: Die quadisch-jazygische Kriegsgemeinschaft im Jahre 374/375. Wien, Leipzig 1929, 34–36, der allerdings zeittypisch diese Bewertungen teilt.
7 Siehe zu diesem Problem Edmond Frézouls/Hélène Jouffroy (Hgg.), Les empereurs illyriens. Actes du colloque de Strasbourg (11–13 octobre 1990). Strasbourg 1998; Klaus-Peter Johne, Die illyrischen Kaiser als Herrscher neuen Typs, in: ders./ftomas Gerhardt/Udo Hartmann (Hgg.), Deleto paene imperio Romano. Transformationsprozesse des Römischen Reiches  im 3. Jahrhundert und ihre Rezeption in der Neuzeit. Stuttgart 2006, 125–134.
8   Bei nicht weiter zu präzisierender Herkunft aus Illyricum sind zu nennen: Claudius Gothi-   cus, Florianus, Aurelianus, Constantius Chlorus, Severus II. Decius stammte aus der Gegend von Sirmium (Pannonia inferior); Probus aus Sirmium; Diokletian aus der Gegend von Salona oder aus Salona selbst; Maximian aus Sirmium (Epit. Caes. 40,10 mit Paneg. 2,2,2); Galerius aus Romuliana (Dacia ripensis) und Maximinus Daia aus Šarkamen in der Gegend von Nego- tin in der damaligen Dacia ripensis; Constantius Chlorus vielleicht aus Dalmatien, Konstantin aus Naissus; L. Domitius Alexander aus Pannonien (Aur. Vict. 40,17, vgl. allerdings Epit. Caes 40,20 und Zos. 2,12,3); Licinius (Dacia Nova, d. h. Dacia ripensis); Constantius II. (Sirmium); Vetranio (Moesia superior: Aur. Vict. 41,27); Jovian (Singidunum); Valentinian und Valens

 

tierungspraxis für die Donauarmee ergeben.9 Die Rekrutierungspraxis schlug auf die Auswahl der Herrscher durch, weil ab der Mitte des dritten Jahrhunderts die senatorische Herkunft und die zwischenzeitliche Bekleidung ziviler Ämter keine unabdingbare Voraussetzung mehr für die Erlangung militärischer Führungspositionen darstellte. Vielmehr wurden diese Spitzenpositionen auf einem rein militärischen Karriereweg erreicht, der aus Illyricum rekrutierten Personen offen stand.10 Durch diese neuen Karrieremuster kam es zu einer Situation, in der untereinander bekannte und persönlich vernetzte Offiziere nacheinander oder auch nebeneinander an die Macht kamen, von Claudius Gothicus bis zu den Kaisern der Tetrarchie. Die Tatsache, dass die meisten Kaiser aus dem gleichen „illyrischen“ Milieu stammten, führte, wie die Mordkomplotte gegen Aurelian oder Probus zeigen, kaum zur inneren Geschlossenheit oder gar zur Bildung einer „Partei“.11 Im Übrigen gehörten zum Generalskorps des ausgehenden dritten Jahrhunderts, wie der Fall des aus Südgallien stammenden Carus zeigt, durchaus immer wieder auch Personen, die nicht aus Illyricum stammten.12 Noch weniger lässt sich für die Mitte des vierten Jahrhunderts, in der Zeit der valentinianischen Dynastie, die Wirksamkeit einer geschlossen operierenden pannonischen oder illyrischen Fraktion in der Führung der Reichsarmee nachweisen.13 Für die Erklärung von Ereigniszusammenhängen wird daher die illyrische Herkunft in den folgenden Darlegungen keine Rolle spielen.

 

(Cibalae); Gratian (Sirmium). Die entsprechenden Belege finden sich bei Dietmar Kienast, Römische Kaisertabelle. Darmstadt 52011 unter den jeweiligen Kaisernamen. Für Galerius und Maximinus Daia ist darüber hinaus auf die durch die Grabungen von Gamzigrad und Šarkamen gebotenen Aufschlüsse hinzuweisen. Im Falle von Decius, der aus einer senatorischen Fami- lie Mittelitaliens stammte, weist ihn der Geburtsort Budalia bei Sirmium nicht zwingend   als „illyrischen“ Kaiser aus. Umgekehrt müssten die Söhne Konstantins, auch wenn sie nicht alle in Illyricum geboren worden sind, diesem Milieu zugerechnet werden. Aufgrund des Geburts- ortsprinzips werden in der aktuellen Geschichtsdeutung serbischer Ausstellungsmacher 17 de facto „serbische“ Kaiser gezählt (vgl. Itinerarium Romanum Serbiae, z. B. http://viminacium.org.rs/projekti/itinerarium-romanum-serbiae/ , 30.10.2015), wobei die nur wenig außerhalb Sirmiums (in Cibalae/Vinkovci) geborenen Kaiser Valentinian und Valens ebenso wie Dio- kletian ignoriert werden, obwohl sie in den gleichen Milieuzusammenhang gehören.
9  Vgl. Karl Strobel, Strategy and Army Structure between Septimius Severus and Constantine   the Great, in: Paul Erdkamp (Hg.), A Companion to the Roman Army. Malden/Ma., Oxford, 2007, 267–285, hier  278.
10 Den neuen Karrieretypus beschreibt Michel Christol, Une carrière équestre sous le règne de l’empereur Gallien, Latomus 35 (1976), 866–874; ders., La carrière de Traianus Mucianus et l’origine des protectores, Chiron 8, 1978, 393–408; ders., Essai sur l’évolution des carrières sénatoriales dans la 2e moitié du IIIe siècle ap. J.-C., Paris 1986.
11  Gegen Jenö Fitz, Das Jahrhundert der Pannonier (193–284). Budapest 1982, 52.
12 Zu der fiktiv ihm zugeschriebenen illyrischen Herkunft, die in der Moderne dann dazu geführt hat, ihm statt Narbonne Narona als Geburtsort zuzuweisen, kann verwiesen werden auf Tadeusz Zawadski, L’Histoire Auguste et les empereurs illyriens (249–282), in: Edmond Frézouls/ Hélène Jouffroy (Hgg.), Les empereurs illyriens. Strasbourg 1998, 21–27, hier  26f.
13   Siehe im Detail unten die Darstellung der Krise von 375.

2.    Invasionen und Bürgerkriege im III. Jahrhundert
Ab der Plünderung von Histria im Jahre 238, spätestens aber ab den 40er Jahren ist  eine deutliche Verschärfung der Bedrohungslage an der Donau und im Schwarzmeerbereich zu beobachten. Neben den Karpen, die in der Literatur auch als freie Daker benannt werden, übten vor allem Sarmaten und Goten Druck auf die Grenze aus. Die ab der Regierung des Philippus Arabs gebildeten militärischen Kommandos über ganze Provinzgruppen, wie die Kommandos des Severianus oder des Pacatianus, kön- nen bereits als Reaktion auf diesen Druck verstanden werden.14 Einen ersten kritischen Höhepunkt erreichte die Bedrohung am Ende der Regierung des Philippus Arabs und während der Regierungszeit des Decius. Letzterer hatte durch die Umstände seines Regierungsantritts, nämlich den Bürgerkrieg mit Philippus Arabs, wohl maßgeblich mitverschuldet, dass es zu einer zuvor nicht bekannten Eskalation der Problemlage kam.15 Vermutlich sind für die Zeit um 250 drei große Barbareninvasionen zu unterscheiden. Die erste ist bereits 248 zu datieren und wurde vor allem von den Karpen unternommen.16 Eine zweite Invasion, die ihren Höhepunkt in der vermutlich dann aufgegebenen Belagerung des

 

14 Severianus kommandierte nach Zos. 1,19,2 die Truppen in Moesien und Makedonien. Gemeint sind wohl die in dieser Zeit noch zusammenhängenden moesischen Provinzen von Singidunum (Belgrad) bis zur Donaumündung und das Hinterland, das auch ftrakien mit umfasste. Häufi- ger erscheinen in den Quellen Angaben über ein Großkommando in Pannonien und Moesien, vgl. die Belege bei Jenö Fitz, Die Vereinigung der Donauprovinzen in der Mitte des 3. Jhs., in: Studien zu den Militärgrenzen Roms. Vorträge des 6. Internationalen Limeskongresses in Süd- deutschland 1964. Köln, Graz 1967, 113–121; Mócsy, Pannonia and Upper Moesia, 203–205. Gemeint ist zunächst vor allem eine Zusammenlegung des Kommandos über Pannonia infe- rior und Moesia superior. Dabei ist zu beachten, dass Pannonia Inferior auf Kosten der Panno- nia superior neu zugeschnitten und militärisch verstärkt wurde, vgl. Fitz, Das Jahrhundert der Pannonier, 53–56. In Einzelfällen scheint sich das Kommando aber auch auf die Moesia infe- rior zu erstrecken. Das gilt vor allem dann, wenn über Inhaber dieses Großkommandos ausge- sagt wird, sie hätten die Goten bekämpft. Ob AE 1957,325 auf die Existenz eines Pannonien, Macedonien und Dalmatien vereinigenden Großkommandos hinweist (PLRE I Anonymus 55), muss angesichts des Zustands der Inschrift offen bleiben.
15 Eine gezielte Vorbereitung des Abwehrkampfes des Decius nimmt Boris Gerov an. Siehe hierzu ders., Die Einfälle der Nordvölker in den Ostbalkanraum im Lichte der Münzschatzfunde. I. Das II. und III. Jahrhundert (101–284), ANRW, 2. Principat, Bd. 6 (1977), 110–181, hier 131; mit Verweis etwa auf die Ausbesserung der Diagonalstraße und die Befestigung des Passes von Succi. Letzteres wird allerdings durch die Inschrift IG Bulg IV, 1989 (Soneium), einer Basis für Herennia Etruscilla, nicht wirklich nachgewiesen. Die programmatische Verbindung des Decius mit der Illyrienarmee ist eher eine Nachwirkung des Bürgerkriegs mit Philippus Arabs und steht nicht zwingend im Zusammenhang mit der seit Ende 249 aktuell gewordenen Gefährdungs- situation; anders Gerov, Die Einfälle der Nordvölker, 132f.
16 Siehe die nachvollziehbaren Ausführungen von Diljana Boteva, On the Chronology of the Gothic Invasions under Philippus and Decius (AD 248–251), Archaeologia Bulgariae 5 (2001), H.  2, 37–44.

 

sich im heutigen Nordosten Bulgariens befindenden Marcianopolis (Devnja) fand, dürfte von einem Bündnis aus karpischen und gotischen Kriegergruppen betrieben worden sein.17 Eine weitere Invasion entfaltete sich in der Konkurrenz großer Kriegergruppen, die von Kniva und Ostrogotha geführt wurden und die in das Jahr 250 zu datieren ist. (Aufgrund der neuen Befunde des Wiener Dexippos-Palimpsests, der die Ereignisse von 250 beleuchtet, ist damit zu rechnen, dass in den kommenden Jahren die bisherigen Forschungen und Rekon- struktionen überdacht und diskutiert werden.) Anscheinend überquerten gotische Gruppen die Donau an mehreren Stellen, wobei zwei Stoßrichtungen auszumachen sind.18 Unbefestigte Orte wurden zerstört,19 Nicopolis ad Istrum und Philippopolis im Laufe eines unklar zu fassenden Geschehens erobert,20 römische Truppen bei Beroe (Augusta Traiana) besiegt.21 Das beträchtliche militärische Geschick der gotischen Kriegergruppen im Kampf gegen reguläre römische Truppen oder bei Stadtbelagerungen lässt sich nur durch eine längere Erfahrung gotischer Söldner in der römischen Armee erklären. Goten waren etwa 243 im Feldzug Gordians III. gegen die Sasaniden engagiert worden. Besonders überlegen zeigte sich die Gruppe des Kniva, der bereits die Eroberung von Philippopolis gelungen war, vor allem dann, nachdem Decius selbst zum Balkan geeilt war. Decius versuchte in Zusammen- wirken mit dem Statthalter Niedermoesiens Trebonianus Gallus, die gotischen Krieger mit ihren Gefangenen und ihrer Beute bei ihrem Rückzug über die Donau zu stellen. Dabei unterlag er im Frühjahr 251 in einem sumpfigen Gebiet bei Abrittus gotischer Kriegslist.22

 

17 Die Datierung dieser Ereignisse um Marcianopolis ergeben sich aus der Analyse des Schatzes von Reka Devnja (Marcianopolis) mit seinen 100 000 Silbermünzen, von denen nur sehr wenige in die Zeit des Decius gehören, vgl. Boteva 2001, 40. Zum Fund, vgl. Nikola A. Mouchmov, Le trésor numismatique de Reka Devnja (Marcianopolis). Sofia 1934.
18 Siehe für den Übergang bei Novae und Oescus (Euscia) die Bestätigung durch den Bericht des Jord. Get. 101. Vgl. zur Rekonstruktion des Geschehens mit Herwig Wolfram, Geschichte der Goten von den Anfängen bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts. Entwurf einer historischen Ethnographie. München 31990,  55–57.
19   Vgl. Gerov, Die Einfälle der Nordvölker, 133.
20 Vgl. zu Philippopolis Gerov, Die Einfälle der Nordvölker, 137. Zur Eroberung von Philippopolis geben jetzt die neuen Palimpsest-Fragmente des Dexippos (Dexippus Vindobonensis) Aufschluss, vgl. Gunther Martin/Jana Grusková, „Scythica Vindobonensia“ by Dexippus(?). New Fragments on Decius’ Gothic Wars, Greek, Roman, and Byzantine Studies 54 (2014), 728–754. An neuen Erkenntnissen bietet der Palimpsest, dass rivalisierende Gotengruppen, nämlich die des Kniva und die des Ostrogotha, am Krieg beteiligt waren. Ein weiteres Fragment zeigt ferner, dass schon für die Zeit des Decius die Invasion Griechenlands befürchtet und entsprechende Selbstverteidigungskräfte im makedonisch-thessalischen Grenzgebiet mobilisiert wurden, vgl. Jana Gruskova/Gunther Martin, Ein neues Textstück aus den „Scythica Vindobonensia“ zu den Ereignissen nach der Eroberung von Philippopolis, Tyche 29 (2014), 29–43.
21   Wolfram, Geschichte der Goten, 56.
22 Forum Sempronii bei Abrittus (Razgrad) an der Straße von Sexaginta Prista nach Marcianopolis, vgl. dazu Anthony R. Birley, Decius Reconsidered, in: Frézouls/Jouffroy (Hgg.), Les empereurs illyriens, 57–80, hier 77 mit Anm. 176.

 

 

Der Nachfolger des Decius Trebonianus Gallus (251–253), der in den in Moesien gele- genen Legionslagern Oescus und Novae noch über intakte Truppenteile verfügte, konnte sich den Frieden durch die Gewährung des freien Abzugs der mit Beute beladenen Goten und durch die Zusicherung umfangreicher Subsidienzahlungen erkaufen. Dann zog er nach Rom ab. In der Folgezeit provozierte der neue Inhaber eines Großkommandos über Pannonien und Moesien, nämlich Aemilianus, insbesondere durch die Unterlassung der Sub- sidienzahlungen einen neuen Gotenkrieg. Er führte sogar seine Armee über die Donau.23 Trotz seiner Erfolge vergrößerte er die Instabilität in der Region, weil er infolge seiner Siege gegen die Goten zum Kaiser ausgerufen wurde und Mitte 253 einen Teil der Armee nach Italien abzog.24

Die Konfrontationen, zunächst zwischen Trebonianus Gallus und Aemilianus (253), dann wenige Monate später zwischen Aemilianus und Valerianus, hatten zur Folge, dass die Situation an der Donaugrenze nicht mehr kontrolliert wurde und nun zahlreiche grö- ßere Barbarengruppen tief in die Balkanhalbinsel eindrangen. Flankiert wurden diese Operationen durch Seeunternehmungen, die über das Schwarze Meer bis in das Marmara- meer und zur Nordküste Kleinasiens führten. Die zeitliche Anordnung, der Umfang und die Zahl dieser Barbareneinfälle lässt sich derweil aufgrund der schwierigen Quellenlage nicht genau bestimmen.25 Teilweise ist nicht einmal bekannt, um welche Barbaren es sich handelte. Neben Goten und Karpen werden für die Raubzüge über die Donau „Boranen“ und „Urugunden“ erwähnt, wobei letztere wahrscheinlich mit Burgundern zu identifizieren sind.26 Bekannt sind vor allem die in dieser Zeit ergriffenen Verteidigungsmaßnahmen,

 

23 Belege bei Wolfram, Geschichte der Goten, 58.
24 Hostilianus, der Sohn des Decius, wurde von Trebonianus  Gallus adoptiert und vorüberge-  hend als Mitkaiser anerkannt (Zos. 1,25,1). Wenig später aber wurde er dann umgebracht, bzw. er verstarb an der Pest; vgl. Aur. Vict. 30,2 sowie Epit. Caes. 30,2. Die Epitome de Caesaribus erweckt in ihrer Erzählung eher den Eindruck, dass Hostilianus der vom Senat unterstützte Gegenkaiser des Trebonianus Gallus war und in Italien herrschte. Warum, wie in der örtlichen Präsentation des Grabungsgeländes behauptet, das große Grabmal in Viminacium das Mausoleum des Hostilianus sein soll oder sonst Bezüge zwischen Hostilianus und Viminacium (als Todesort) bestehen sollen, ist aus den schriftlichen Quellen nicht erkennbar, vgl. dagegen <http://viminacium.org.rs/projekti/itinerarium-romanum-serbiae/>, 30.10.2015. Vermutlich hat sich die serbische Archäologie diesbezüglich vom Irrtum des Decius gewidmeten Artikels der RE leiten lassen (siehe Wittig, J., s. v. Messius Nr.15, RE XV, 1931, 1244–1285, hier 1274). Wittig behauptet, Trebonianus Gallus habe sich in besonderem Maße um die Bestat- tung des Hostilianus bemüht. Dabei ist der Text von Aurelius Victor 30,2 falsch verstanden worden: „Dein pestilentia oritur; qua atrocius saeviente Hostilianus interiit, Gallo Volusianoque favor quaesitus, quod anxie studioseque tenuissimi cuiusque exsequias curarent“.
25    Vgl. Wolfram, Geschichte der Goten,  57.
26 Zos. 1,27,1. Siehe zu den Boranern/Boraden und dem Einfall von 253 jetzt Toni Glas, Valerian. Kaisertum und Reformansätze in der Krisenphase des Römischen Reiches. Paderborn 2014, 126.

 

 

etwa der Ausbau von Stadtbefestigungen oder die Errichtung von Sperren bei den Thermopylen27 und am Isthmos.28 Wie viel davon bereits vom neuen Regime des Valerian und Gallienus (253–260) koordiniert und veranlasst wurde, bleibt unbekannt. Immerhin hatte Valerian aber unmittelbar nach seinem Herrschaftsantritt seinen Sohn Gallienus als Augustus nach Illyricum entsandt. Damit trat nun an die Stelle der für die Kaiserherrschaft riskanten Beauftragung eines Generals mit einem Großkommando über die Donauprovinzen das auf Dauer zukunftsträchtigere Modell des über Illyricum herrschenden Teilkaisers. Vermutlich war Gallienus wohl zunächst vor allem vom großen Legionslager Viminacium aus aktiv, wo seit Gordian III. Reichsmünzen geprägt wurden.29

Auch nachdem sich Gallienus selbst aufgrund weiterer gravierender Probleme an die Rheingrenze begeben musste, wurde mit Valerian dem Jüngeren, der als Caesar in Sirmium residierte, die Kaiserpräsenz in Illyricum weiter aufrechterhalten. Da Valerian allerdings minderjährig war, wurde ihm mit Ingenuus ein Oberkommandeur der ihm unterstellten Truppen zur Seite gegeben.30 Valerian starb wohl schon 258. Als dann zwei Jahre später der ältere Valerian, also der Augustus und Vater des Gallienus, in Persien gefangen genommen wurde und auch die Sarmaten über die mittlere Donau einzufallen drohten, putschte Ingenuus gegen die Dynastie und provozierte mit seiner Erhebung erneut anarchische Verhältnisse. Gallienus (Alleinherrscher von 260–268) griff darauf mit seinem mobilen Bewe-

 

27 Vgl. Synk. 466,1–7 Mosshammer. Das griechische Selbstverteidigungsaufgebot an den Thermopylen, von dem im neuen Wiener Dexippos-Palimpsest die Rede ist, wird unter anderem von einem fünfmaligen Böotarchen Dexippos geführt, vgl. fol. 193 recto, Z. 5f. Gegen Martin/ Grusková, „Dexippus Vindobonensis“ (?). Ein neues Handschriftenfragment zum sog. Herulereinfall der Jahre 267/268, WS 127, 2014, 101–120, hier 107, ist dieser Dexippos nicht mit dem Historiker, sondern wohl mit dem Böotarchen Gn. Curtius Dexippus (IG VII 3426) zu identifizieren (so Olivier Gengler, About Dexippus and Philostratus. Historical and prosopographical remarks on the Scythica Vindobonensia; noch nicht erschienen). Damit entfällt die Notwendigkeit, die Schilderung des Selbstverteidigungsaufgebots mit dem Kampf des Dexippos von 267/68 zu verbinden. Vielmehr sind Verbindungen zwischen der Erzählung des Palimpsests und Synkellos zu konstatieren: Die „Skythen“ verwüsten zunächst ftrakien und versuchen vergeblich ftessalonike zu belagern, bis sie schließlich zu den ftermopylen gelangen.
28  Vgl. Andreas Goltz/Udo Hartmann, Valerianus und Gallienus, in: Klaus-Peter Johne (Hg.),  Die Zeit der Soldatenkaiser. Krise und Transformation des Römischen Reiches im 3. Jahrhundert n. Chr. (235–284). Berlin 2008, 223–295, hier 234: Befestigungen von Athen, Montana, Serdica, Philippopolis. Vgl. Andreas Schwarcz, Die gotischen Seezüge des 3. Jahrhunderts, in: Renate Pillinger/Andreas Pülz/Hermann Vetters (Hgg.), Die Schwarzmeerküste in der Spä- tantike und im frühen Mittelalter. Wien 1992, 47–57, 49. Sperre am Isthmos vgl. Zos. 1,29,3; Synk. 466,1–7 Mosshammer.
29 Siehe Robert Göbl, Die Münzprägung der Kaiser Valerianus I./Gallienus/Saloninus (253/268), Regalianus (260) und Macrianus/Quietus (260/262). Wien 2000, 96–99; Miloje R. Vasić, Imperial and Colonial Mint in Viminacium: During the Reign of Trajan Decius (249–251 AD). Belgrade 2012
30    Mócsy, Pannonia and Upper Moesia, 205f.

 

 

gungsheer unter der Führung des Aureolus in Illyricum ein, wo er Ingenuus bei Mursa schlug. Dieser wurde nach der Niederlage von seinen eigenen Leuten umgebracht. Dessen entflohene Resttruppen erhoben den Regalianus, dessen Autorität freilich kaum über das im Norden Pannoniens gelegene Carnuntum hinausreichte und der wenig später ebenfalls umgebracht wurde.31 Sehr viel bedrohlicher war für Gallienus dagegen die Usurpation von Macrianus und Quietus (260–261), die der Katastrophe der Gefangennahme Valerians durch den Sasanidenherrscher folgte. In ähnlicher Weise wie Valerianus und Gallienus herrschte hier ein Kaiserpaar mit regionaler Aufgabenverteilung: Quietus verblieb im Osten, während sich sein Bruder Macrianus in den Besitz eines Teils von Illyricum setzte. Da Gallienus Illyricum für sich wiedergewinnen wollte, wurde die Region zum Schauplatz der Bürgerkriegskämpfe zwischen der östlichen und westlichen Reichshälfte. Der wohl bei Serdica ausgetragene Konflikt endete mit dem Sieg der überlegenen Reiterarmee des Generals des Gallienus Aureolus, zu dessen Streitmacht große Teile der Armee des Macrianus übergelaufen waren.32 Wie schwierig und anarchisch die Situation nach der Gefangennahme Valerians in Südosteuropa auch an anderen Stellen war, lassen die kontextlosen Nachrichten von einer rätselhaften, in Nordgriechenland zu lokalisierende Usurpation des Valens und einer Militärrevolte in Byzanz erahnen33.

Die innenpolitisch prekäre Situation führte zu einem weitgehenden Kontrollverlust über die Donaugrenze. So konnten die Goten 262 Verwüstungen von ftrakien bis weit nach Kleinasien anrichten. Von 263 bis 267 blieb Südosteuropa dann, nachdem Gallienus die Wiederherstellung seiner Autorität gelungen war, von weiteren Angriffen verschont. Vermutlich dürfte der persönliche Einsatz des Kaisers, für den ein Aufenthalt in Athen belegt ist,34 dazu beigetragen haben. Allerdings sammelten sich gefährliche Kriegergruppen nun im entfernten Südrussland. Zudem hatte die maritime Unternehmung der neuen Kriegergruppe der Heruler 267 eine massive, nie dagewesene Heimsuchung der Meerengenregion und der griechischen und kleinasiatischen Ägäisküste mit ihrem Hinterland zur Folge. Für diesen

 

31 Siehe zur Aufeinanderfolge der beiden Usurpationen Jenö Fitz, Ingenuus et Régalien. Bruxelle- Berchem 1966; Robert Göbl, Regalianus und Dryantilla. Wien 1970; Günther Dembski/Heinz Winter/Bernhard Woytek, Regalianus und Dryantilla. Historischer Hintergrund, numismatische Evidenz, Forschungsgeschichte (Moneta Imperii Romani 43 – Neubearbeitung), in: Michael Alram/Franziska Schmidt-Dick (Hgg.), Numismata Carnuntina. Forschungen und Material. Wien 2007, 523–596.
32 HA trig. tyr. 12,13. Zum Bellum Serdicense vgl. Jaroslav Šašel, Bellum Serdicense, Situla 4 (1961), 3–30 (=Jaroslav Šašel, Opera Selecta, Ljubljana 1992, 360–378).
33    HA trig. tyr. 19; Amm. Marc. 21,16,10; HA Gall. 6,8; 7,2 und  4.
34 HA Gall. 11,3–5. Vgl. Helmut Halfmann, Itinera Principum. Geschichte und Typologie der Kaiserreisen im Römischen Reich. Stuttgart 1986, 238. Siehe auch Armstrong, David Armstrong, Gallienus in Athens, 264, Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 70 (1987), 235–258. Zur Diskussion um die Motive des Aufenthalts des Kaisers in Athen, insbesondere zum Philhellenismus, vgl. jetzt Michael Geiger, Gallienus. Frankfurt 2013,  256–259.

 

 

Einfall von 267/268 liegen einige schlaglichtartige Detailangaben vor. Nach einem ersten vergeblichen Belagerungsversuch gegen Philippopolis35 fielen Ostgermanen über Thessalonike nach Griechenland ein. Gleichzeitig konnten die Heruler Athen einnehmen, wurden dann aber von einem athenischen Selbstverteidigungskommando in Kooperation mit den kaiserlichen von Kleodemos und Athenaeus geführten Flottenabteilungen zurückgeschlagen. Die über das Festland in den Norden zurückkehrenden Scharen wurden schließlich am Nestos von Gallienus selbst, weitere Restscharen an einem Gebirge namens Gessax vom General des Gallienus Marcianus geschlagen.36 Neben den großen, in den Schriftquellen bezeugten Truppeneinsätzen muss es im turbulenten Geschehen dieser großen Invasion zahlreiche weitere Auseinandersetzungen mit zerstreuten Einzelgruppen gegeben haben, etwa bei Scupi (Skopje) und Lychnidos (Ohrid) in Nordmakedonien.37 Münzhorte weisen auch auf eine weitere Invasion hin, die zu Lande über die Donaumündung in südlicher und südwestlicher Richtung erfolgte.38

Unmittelbar nach dem von Gallienus am Nestos davon getragenen Erfolg gegen die Barbaren kam es zu einer zweiten großen Angriffswelle von Herulern, Goten und Peucinern, an der im Übrigen auch einige versprengte Reste der ersten Welle teilnahmen.39 Das liegt daran, dass Gallienus nach seinen Erfolgen große Teile seiner Elitetruppen abziehen musste und nur die Armee des Marcianus in Illyricum verbleiben konnte. Denn in der Zwischenzeit hatte sich in Mailand der General Aureolus mit seinem großen mobilen Heer Postumus angeschlossen, der als Usurpator über Gallien herrschte. Gallienus wurde auf seinem Marsch nach Oberitalien von mehreren illyrischen Generälen begleitet, zu denen neben Heraclianus auch die späteren Kaiser Claudius und Aurelianus gehörten. Doch während der Belagerung von Mediolanum (Mailand) verständigten sich diese Generäle auf die Beseitigung des Gallienus (268).40 Der anschließend zum Kaiser erhobene Claudius eilte nach Kämpfen

 

35   AE 1965,114: Rettung von Philippopolis.
36   Zu Marcianus vgl. PLRE I, 553f.: Marcianus (2).
37 Inschriftlich ist der Einsatz von Vexillationen der legio II Parthica und der legio III Augusta unter Führung des Aurelius Augustianus und des Cluentius Synforianus belegt. Zur Einordnung siehe Goltz/Hartmann, Valerianus und Gallienus, 287 mit Anm. 279.
38   Siehe Gerov, Die Einfälle der Nordvölker, 146.
39 Beide Einfälle sind deutlich voneinander zu unterscheiden, die Dublettenhypothese von Alföldi obsolet. Siehe die unabhängig voneinander vorgenommenen Demonstrationen von Tadeusz Kotula, Νέσσος et Νάϊσσος. Problème topographique et historique des campagnes de Gallien et de Claude II contre les Goths, Eos 79 (1991), 237–243; Erich Kettenhofen, Die Einfälle der Heruler ins Römische Reich im 3. Jh. n. Chr., Klio 74 (1992), 291–313; Bruno Bleckmann, Die Reichskrise des III. Jahrhunderts in der spätantiken und byzantinischen Geschichtsschreibung. Untersuchungen zu den nachdionischen Quellen der Chronik des Johannnes Zonaras. München 1992, 191–201. Vgl. bereits Wolfram, Geschichte der Goten,   64.
40 Eine detaillierte Analyse findet sich bei Udo Hartmann, Der Mord an Kaiser Gallienus, in: Johne/Gerhardt/Hartmann  (Hgg.),  Deleto  paene  imperio  Romano,    81–124.

 

 

gegen germanische Invasoren in Italien rasch nach Illyricum zurück, um die durch die jüngsten innerrömischen Auseinandersetzungen geschaffene desolate Lage, nämlich den erneuten Einbruch von Goten in das Reich, zu bereinigen.

Verstreut auffindbare Details erlauben einige Rückschlüsse über den Verlauf dieses Einbruchs von 268/269. Es handelte sich erneut um ein amphibisches Unternehmen, dessen erste, im Schwarzmeerraum ausgetragene Phase zu Plünderungen an der untermoesischen Küste, insbesondere in Tomi und Marcianopolis, führte. Nach der Durchquerung der Meerengen und der Umfahrung des Athosgebirges wurden Thessalonike und Kassandreia heimgesucht, in einem anschließenden Zug ins Binnenland Doberos und die makedonische Landschaft Pelagonien verwüstet. Es folgte ein erstes kleineres Gefecht der Goten mit den dalmatischen Reitern. Das Gros der Barbarenschar wurde dann von Claudius bei Naissus geschlagen, der deshalb den Siegesbeinamen Gothicus annahm und als solcher auch der Geschichte bekannt geblieben ist. Reste der Barbaren gingen wiederum durch Hunger und Seuche zugrunde, andere Teile wurden von Tenagino Probus in Seekämpfen in der Ägäis vernichtet.

Das Szenario von innenpolitischer Anarchie und Goteninvasion wiederholte sich ein weiteres Mal nach dem Tode des Claudius und führte dazu, dass Aurelian erneut auf dem Balkan gegen die Goten zu kämpfen hatte. Diesmal allerdings setzte dieser sogar mit seinem Heer über die Donau über.41 Aufgrund der erneuten Schwierigkeiten, diesmal im pannonischen Grenzabschnitt,42 und der Erfahrungen der vorangehenden Jahrzehnte nahm Aurelian anschließend eine umfassende Neuordnung der militärischen Dispositionen und der Provinzialordnung an der Donau vor. Dies sollte die Geschichte des römischen Südosteuropa auf Dauer prägen. Die schwierig zu verteidigende Ausbuchtung des römischen Grenzverlaufs, die die trajanische Eroberungspolitik mit sich gebracht hatte, wurde nämlich definitiv zurückgenommen, nachdem die Kontrolle einiger Gebiete Dakiens schon unter Gallienus nicht mehr gewährleistet werden konnte.43 Ein Großteil der dort ansässigen römischen Bevölkerung wurde südlich der Donau angesiedelt, wo sie zur Grenzsicherung beitrug.44

 

41   So jedenfalls HA Aur. 22,2 zum Sieg über Cannabas/Cannabaudes.
42 Zur Attacke der Vandalen 271 vgl. Mócsy, Pannonia and Upper Moesia, 211; Klaus Tausend, Bemerkungen zum Wandaleneinfall des Jahres 271, Historia 48 (1999), 119–127.
43   Siehe Eutr. 9,15,1; HA Aur. 39,7; mit Angaben zur Diskussion und weiteren Quellen Dan
Ruscu, L’abandon de la Dacie romaine dans les sources littéraires (I), Acta Musei Napocensis 35.2 (1998), 235–254; ders., L’abandon de la Dacie romaine dans les sources littéraires (II), Acta Musei Napocensis 37.1 (2000), 265–275; Udo Hartmann, Claudius Gothicus und Aurelianus, in: Johne (Hg.), Die Zeit der Soldatenkaiser, 297–323, hier 315, Anm. 58. Zur Geschichte Südosteuropas in der Regierung Aurelians gehört auch die Erhebung eines Septimius in Dalmatien (vgl. Zos. 1,49,2 und Epit. Caes. 35,3), über die sonst nichts bekannt  ist.
44 Umstritten ist, wie diese Provinz hieß (Dacia nova ist wohl nur eine von Lactantius geprägte Ausdrucksweise, vgl. Lact., de mort. pers. 9,2) und ob Aurelian eine oder zwei dakische Provinzen gründete. Eine ausführliche Diskussion erfolgt bei Hartmann, Claudius Gothicus, in: Johne (Hg.), Die Zeit der Soldatenkaiser, 315, Anm. 58 und Toni Glas/Udo Hartmann, Die Provinzverwaltung, in:

 

 

Zwischen Obermoesien und Niedermoesien wurde eine neue, südlich der Donau gelegene Provinz Dakien eingeschoben, die im Großen und Ganzen den späteren Provinzen Dacia ripensis und Dacia mediterranea entsprach. Zweifelsohne blieben im alten Dakien romanische Bevölkerungsreste zurück, so wie die Infrastruktur dann von den nachdringenden Goten (Terwingen) genutzt wurde. Eine Kontinuität zwischen dieser Restbevölkerung und der späteren, dort siedelnden rumänischen Sprachgruppe muss allerdings insbesondere auch aus sprachwissenschaftlichen Gründen verneint werden.45

Vereinzelte Baumaßnahmen an den Kastellen der unteren Donau könnten mit der Bemühung des Aurelian um die Befestigung der neuen Grenze erklärt werden. 275 wurde er aber, als er einen Krieg gegen die Goten vorbereitete, an der Militärstraße nach Byzanz im thrakischen Caenophrurium infolge einer Hofintrige von seinen Offizieren umgebracht.46 Nach einer anarchischen Zwischenphase übernahm der ebenfalls aus Illyricum (nämlich aus Sirmium) stammende Offizier Probus, der sich als Kandidat der östlichen Truppen gegen Florian durchsetzen konnte, die Macht. Nachdem er zunächst 276 die Region auf dem Weg nach Gallien durchquert hatte, war er in den Jahren 278 bis 279 an der Donaugrenze tätig.47 Den Sarmatenkrieg, den er zunächst an der mittleren Donau geführt haben soll, hat Géza Alföldy jedoch für unhistorisch gehalten. Das trifft aber wohl eher für die von der Historia Augusta geschilderten Details als für den Krieg selbst zu.48 So ist die auf den Münzen von Siscia (Sisak) wohl im Zusammenhang mit einem feierlichen Adventus gewürdigte „Wiederherstellung Illyricums“ vermutlich durch diese Aktionen zu erklären.49 Nur vage Informa-

 

ebd., 641–672, hier 652–653. Der Fall der Mutter des Galerius (Lact., de mort. pers. 9,2) belegt den Umfang der Umsiedlungsmaßnahmen schon vor der Aufgabe der tres Daciae.
45 Siehe zur diesbezüglichen Diskussion der Kontinuitätsthese und der Migrationsthese (mit deutlicher Ablehnung der Kontinuitätsthese) Wolfgang Dahmen, Externe Sprachgeschichte des Rumänischen, in: Gerhard Ernst u. a. (Hgg.), Romanische Sprachgeschichte. Ein internationales Handbuch zur Geschichte der romanischen Sprachen. Berlin, New York 2003 (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft, 23.1), 1. Teilband, 727–745, besonders 729–736.
46 Ob Aurelian zuvor schon gegen die Karpen oder andere Barbaren (etwa Roxolanen) gekämpft und diese zwischen Carsium und Sucidava besiegt hatte, hängt an der problematischen Ergän- zung von CIL III, 12 456. Siehe zur Inschrift aus Durostorum (mit den Ergänzungen von R. Vulpe – I. Barnea) Rumen Ivanov, Das römische Verteidigungssystem an der unteren Donau zwischen Dorticum und Durostorum (Bulgarien) von Augustus bis Maurikios, Bericht der Römisch-Germanischen Kommission 78 (1997), 467–640, hier 519 und 587–590; Udo Hart- mann, Das palmyrenische Teilreich. Stuttgart 2001, 391, Anm.  109.
47   Gerald Kreucher, Der Kaiser Marcus Aurelius Probus und seine Zeit. Stuttgart 2003, 148–150.
48 HA Prob. 16,2. Siehe Kreucher, Der Kaiser Marcus Aurelius Probus, 149. Zweifel an der His- torizität des Sarmatenkriegs des Probus finden sich bei Géza Alföldy, Ein Bellum Sarmaticum und ein Ludus Sarmaticus in der Historia Augusta, in: ders. (Hg.), Die Krise des Römischen Reiches. Geschichte, Geschichtsschreibung und Geschichtsbetrachtung. Stuttgart 1989, 390– 404, hier 399, Anm. 40.
49 Restitutor Illyrici: RIC V 2, 95, Nr. 730. Hierzu und zu den zusätzlichen Adventusmünzen zuletzt Kreucher, Der Kaiser Marcus Aurelius Probus, 149, Anm.  393.

 

 

tionen liegen indes für die folgenden Maßnahmen an der unteren Donau vor. Während sich nördlich des Stroms wohnende gotische Gruppen zum Frieden bereit fanden,50 wurde südlich des Stroms durch die Ansiedlung insbesondere von Bastarnern die Politik fortgeführt, die durch eine dichtere Besiedlung der grenznahen Gebiete deren Potential zur Abwehr gegen neue Invasoren erhöhen sollte.51 Der Anstrengung, die Bevölkerungsdichte im Hinterland zu vergrößern und die Verteidigungsfähigkeit zu verbessern, dienten auch die Meliorisierungsmaßnahmen, zu denen Probus seine Truppen hinzuzog und die durch die Nachrichten zur Vorgeschichte seines Todes zufällig belegt sind.52 Demnach sollte das Umland des militärischen und administrativen Zentrums von Illyricum, der Heimatstadt des Probus Sirmium, durch umfangreiche Grabenarbeiten trockengelegt werden. Während dieser Arbeiten wurde Probus in einem „Eisernen Turm“ von seinen Soldaten umgebracht (282),53 aller- dings kaum, wie in einer späten Tradition behauptet, aus Unzufriedenheit mit den angebli- chen Erklärungen des Probus zur Disziplinierung des Heeres. Vielmehr hatten sich Soldaten den rebellischen Truppen aus Raetien und Noricum angeschlossen, die den Prätorianerpräfekten Carus zum Kaiser ausgerufen hatten.

Zum Kaiser geworden, machte sich Carus (282–283) dann auf den Weg an die Ostgrenze des Reiches. Hierbei nutzte er die Truppen, die er in der Gegend von Sirmium konzentriert vorfand, um diese in einen Krieg gegen die grenznahen Sarmaten zu führen. Illyricum wurde anschließend der Verantwortung seines Sohnes Carinus überlassen. Dieser hatte in einer innerdynastischen Aufgabenverteilung den Westen des Römischen Reiches übernommen, während Carus selbst und sein jüngerer Sohn Numerian für den Osten zuständig waren. Ende 283 führte Carinus als Regent des Westens einen Feldzug gegen die Quaden, dem germanischen Nachbarvolk der Sarmaten, durch.54 Nach dem Tod des Carus in Ktesiphon kehrte sein Sohn Numerian (283–284 gemeinsam mit Carinus Augustus) von Ktesi-

 

50 HA Prob. 16,3. Zur receptio kleinerer Gruppen von Sarmaten siehe Mócsy, Pannonia and  Upper Moesia, 268.
51    HA Prob. 18,1; Zos. 1,71,1
52 Aur. Vict. 37,4 geht es allerdings nur um eine lokale, die Verteidigungsfähigkeit von Sirmium verbessernde Maßnahme. Das umfangreiche wirtschaftliche Programm zur Beendigung    der
„economic of the Danubian provinces: drainage activity, planting of vines“ (Mócsy, Pannonia and Upper Moesia, 266) ist vermutlich ein Phantom. Die Angaben über den Weinbau (Aur. Vict. 37,3) betreffen genauso Gallien.
53  Epit. Caes. 37,4; Eutr. 9,17,3; Oros. 7,24,3.
54 Siehe zum Quadenkrieg des Carinus Alföldy, Bellum Sarmaticum, in: ders., Die Krise des Römischen Reiches, 392, Anm 10; Klaus Altmayer, Die Herrschaft des Carus, Carinus und Numerianus als Vorläufer der Tetrarchie. Stuttgart 2014, 157f. Mit dem Feldzug wird der große Fund von Šimanovci (in Syrmien) in Verbindung gebracht; vgl. hierzu Josip Brunšmid, Nekoliko našašća novaca na skupu u Hrvatskoj i Slavoniji. XXXVII. Nahođaj rimskih bakre- nih novaca iz druge polovine trećega stoljeća iz Šimanovaca (kotar Zemun), Vjesnik Hrvatskoga arheološkoga društva 13 (1913–1914), 269–294.

 

 

phon nach Europa zurück, wurde aber auf dem Rückweg in Kleinasien unter ungeklärten Umständen umgebracht. Erneut zogen Armeen durch Illyricum, um den Schlagabtausch in einem Bürgerkrieg zu suchen: Von Osten näherte sich das Heer des neuen Prätendenten, des ehemaligen dux Moesiae Diokletian, von Westen die Armee des verbliebenen Mitglieds der alten Dynastie Carinus. Letzterer hatte bereits auf dem Hinmarsch in Oberitalien einen weiteren Usurpator, nämlich Sabinus Iulianus, der in Pannonien erhoben worden und dann in westliche Richtung vorgerückt war, besiegt.55

Die Details des entlang der Militärstraße ausgetragenen Bürgerkriegs zwischen Diokletian und Carinus sind in der späteren prodiokletianischen Tradition verschleiert worden, weil der letztlich dann überlebende Diokletian in diesen Kämpfen keineswegs den Sieg davon trug. Die Historia Augusta weiß immerhin von mehreren ausgetragenen Schlachten in einem schwierigen Krieg. Eine dieser Schlachten scheint bei Cornacum, wenige Kilometer südlich von Vukovar ausgetragen worden zu sein.56 Dem folgten Auseinandersetzungen, als Carinus die Truppen des Diokletian in östliche Richtung zurückgedrängt hatte und nach Obermoesien gelangt war, vor allem dann in einer großen Schlacht bei Margum,57 zwischen Viminacium und Mons Aureus (285).58 Trotz seiner Siege wurde Carinus daraufhin, als er den flüchtenden Truppen Diokletians nachsetzte, von seinen eigenen Offizieren getötet.

 

55 Siehe gegen die Annahme der Existenz von zwei Usurpatoren namens Julianus, von denen der eine in Italien, der andere in Illyricum ausgerufen worden sein soll, die Quellendeutung von Bruno Bleckmann, Überlegungen zur Enmannschen Kaisergeschichte und zur Formung historischer Traditionen in tetrarchischer und konstantinischer Zeit, in: Giorgio  Bonamente/ Klaus Rosen (Hgg.), Historiae Augustae Colloquium Bonnense 1994. Bari 1997, 11–37,    hier 28, Anm. 56; weitere Literaturangaben zur Identifikation beider Usurpatoren finden sich bei Kienast, Römische Kaisertabelle, 263; Altmayer, Die Herrschaft des Carus, Carinus und Numerianus, 166–171.
56 Michel Festy, De Trébonien Galle à Carin: Deux questions géographiques, in: Giorgio Bona- mente/François Paschoud (Hgg.), Historiae Augustae Colloquium Perusinum 2000. Bari 2002, 243–252, besonders 249–250 zur Interpretation der Angabe der armenischen Fassung der Chronik Eusebs sowie später, aus Euseb abgeleiteten syrischen Chroniken siehe jetzt Altmayer, Die Herrschaft des Carus, Carinus und Numerianus, 173.
57 Aur. Vict. 39,9–11; Eutr. 9,20,2; Itin. Burdig. 564, 8–9 Wesseling = 89 Cuntz. Mit apud Mar- gum ist wohl der zwischen Viminacium und Mons Aureus liegende Ort gemeint; siehe anders Halfmann, Itinera Principum, 242; Kienast, Römische Kaisertabelle, 261f., der wie viele von der Auseinandersetzung am Fluss Morava ausgeht, was möglich bleibt. Da die Morava bei Margum in die Donau mündet, ist die genaue Klärung historisch nicht relevant. Vgl. jetzt mit Altmayer, Die Herrschaft des Carus, Carinus und Numerianus,  174.
58   Zur Lokalisierung: Eutr. 9,20,2.

3.    Die Tetrarchie
Mit der Regierung Diokletians (284–305) wurde der Kreis von Bürgerkriegen, Usurpationen und Barbareneinfällen unterbrochen und eine langjährige stabile Ordnung eingerichtet, die für Südosteuropa mit einer Zeit der Blüte verbunden war. Dauerhafte Kaiseraufenthalte in neu geschaffenen höfischen Zentren wie Sirmium, Serdica, Thessalonike festigten die zentrale Bedeutung der Region, nachdem die Mehrherrschaft und die damit verbundene Bildung mehrerer Schwerpunkte kaiserlicher Präsenz ein Prinzip monarchischer Herrschaftsorganisation geworden war, das bis zum Zerfall des Reiches nicht mehr aufgegeben wurde. Diokletian baute sein neues System der Mehrherrschaft stufenweise aus. Im ersten Stadium teilte er nach dem Muster der Vorgängerregierung des Carus und seiner Söhne seine Macht mit einem für den Westen abgeordneten Kaiser, nämlich Maximianus, zu dem er, was diesen Fall von früheren Herrschaftskonstellationen unterscheidet, keinerlei verwandtschaftliche Verbindung hatte. Diokletian selbst blieb nach der Aufteilung für den Osten zuständig, zu dem auch Illyricum und ftrakien in ihrer Gesamtheit gehörten. Neben der Bewältigung der Probleme an der Ostgrenze gehörte daher die Sicherung der Donaugrenze zu den Schwerpunkten seiner Tätigkeit. An der mittleren Donau wurden in einer Serie schwer datierbarer Kämpfe Sarmaten, an der unteren Karpen und Goten bekämpft.59

Mit der Erhebung zweier neuer Unterkaiser mit Nachfolgerecht, den Caesares, war 293 der Aufbau der so genannten Tetrarchie – ein neuzeitlicher Begriff für die kaiserliche Viererherrschaft – vollendet. In dieser Tetrarchie hat der im Osten tätige Caesar Galerius nicht, wie lange angenommen, Südosteuropa (bzw. das Hinterland der Donaugrenze) von Pannonien bis zu den Meerengen als eigenes festumrissenes Teilkaisertum erhalten. Die diesbezüglichen Bemerkungen des Aurelius Victor zur angeblichen Reichsteilung von 293, die die Existenz einer südosteuropäischen Regionalherrschaft suggerieren könnten, sind nämlich anachronistisch aus dem Wissen über den Zuschnitt späterer Teilkaisertümer entwickelt worden.60 Der Unterkaiser Galerius wurde in den 90er Jahren des 3. Jahrhunderts vielmehr von seinem Oberkaiser Diokletian immer dorthin geschickt, wo direktes militärisches Eingreifen gefragt war, also gegen regionale Aufstände in Ägypten und an die Grenze zum persischen Reich, wo er nach einigen Rückschlägen 298 einen triumphalen Erfolg erzielte. Diokletian, der sich in dieser Zeit wiederholt und oft gleichzeitig mit Galerius in Ägypten und

 

59 Vgl. Ivanov, Das römische Verteidigungssystem, 530. Angaben zur Verteidigung der Donau finden sich bei William Seston, Dioclétien et la Tétrarchie, Bd. 1: Guerres et Réformes (284– 300). Paris 1946, 129–136, 131 zu den Victoriae Sarmaticae, deren Datierung schwer fällt. Über die stereotyp wiederholten victoriae Goticae und Sarmaticae, die zum Charakteristikum seiner Regierung wurden, mokiert sich Lactantius (de mort. pers. 13,2).
60 Vgl. Aur. Vict. 39,30: Illyrici ora adusque Pontum fretum Galerio. Ähnlich schon Lact., de mort. pers. 18,6.

 

 

an der Ostgrenze aufhielt, bemühte sich in eigener Person nach 293 anfänglich auch um die Sicherung der Donaugrenze, vor allem gegen die Sarmaten an der mittleren und die Goten an der unteren Donau. Davon zeugt insbesondere die durch den Codex Iustinianus und andere Rechtstexte belegbare Inspektionsreise Diokletians im Herbst 294 an der mittleren und unteren Donau, die ihn von Sirmium und Singidunum61 über Viminacium mit Aufenthalten in Cuppae, Ratiaria, Cebrus, Variana, Appiaria, dem Kastell Transmarisca nach Durostorum (Silistra) führte, bevor er dann über Anchialos an der westlichen Pontosküste, Adrianopolis und Herakleia nach Nikomedeia in Bithynien zurückkehrte.62 Diese Aufenthalte gingen vor allem auch mit der Abnahme und Kontrolle der zahlreichen in dieser Zeit errichteten oder ausgebauten Befestigungsanlagen einher. Besonders umsichtig wurde die Verteidigung von Sirmium und der Savemündung organisiert. Die illyrische Kapitale wurde in Richtung Osten, also gegen die Sarmaten, durch die an der Donau angelegten Vorposten im Feindesland geschützt, was für das Jahr 294 in den an offiziösen Daten orientierten Consularia Constantinopolitana explizit festgehalten worden  ist.63

Nach der Niederschlagung der erwähnten Aufstände in Ägypten wurde Galerius ab 295 an der unteren Donau eingesetzt. 295/296 führte er Krieg gegen Goten und Karpen, die den Limes zwischen dem am rechten Ufer der unteren Donau gelegenen Transmarisca und Durostorum durchbrochen und dabei nicht nur Transmarisca, sondern auch im Hinterland Tropaeum Traiani zerstört hatten.64 Die besiegten Goten wurden daraufhin südlich der

 

61 Siehe zum langen Aufenthalt in Sirmium und Singidunum (September 293 – September 294) Timothy David Barnes, fte New Empire of Diocletian and Constantine. London 1982, 53. Angaben zur Dezennalienfeier in Pannonien finden sich bei Seston, Dioclétien, 131 mit Anm. 4.
62 Einzelne Belege bietet Barnes, fte New Empire, 53; ebenso für den untermoesischen Grenzabschnitt Ivanov, Das römische Verteidigungssystem, 530.
63 Die Berliner Handschrift der Consularia Constantinopolitana (Theodorvs Mommsen [ed.], Chronica minora. Saec. IV.–VII., Bd. 1, Berlin 1892 [Monumenta Germaniae Historica, Scriptores, 1], 230) gibt hier den Text: Constantino et Maximiano. His conss. castra facta in Sarmatia contra Acinco et Bononia. Auskunft zum Umfang dieses Gesamtsystems gibt Aleksandar Jovanović, Archaeological notes of the fortifications of Pannonia Secunda, in: Miroslava Mirković (Hg.), Römische Städte und Festungen an der Donau. Akten der regionalen Konferenz, Beograd 16.–19. Oktober 2003. Belgrad 2005, 83–88. Im Einzelnen gehören zum System: Jarak, Denovac (?), Kupinovo, Bjeljia, Čortanovci, Rakovac, Begeč (Onagrinum) und Titel (Contra Acumincum).
64 Ivanov, Das römische Verteidigungssystem, 530. Die Zerstörung von Tropaeum Traiani wird anlässlich des Wiederaufbaus durch Licinius belegt; vgl. zum Gotenkrieg der Tetrarchen Peter Brennan, Diocletian and the Goths, Phoenix 38 (1984), 142–146. Eine Identifizierung der Goten mit den Karpen ist ausgeschlossen, beide Völker waren an dem militärischen Vorstoß beteiligt. Wer die Karpensiege, die in Paneg. 8,5,2 genannt sind, erfochten hat, wird nicht genau angegeben. Auch aus der von allen Tetrarchen ab 296 getragenen Siegertitulatur Carpicus geht dies nicht hervor; vgl. dazu Nixon/Rodgers, In Praise of Later Roman Emperors, 116 mit Anm. 2. Ebenso unklar formulieren die Consularia Constantinopolitana (Mommsen [ed.], Chronica minora, Bd. 1, 230], die den Karpensieg bzw. die anschließend vorgenommene

 

 

Donau angesiedelt. Vermutlich wurden aus ihnen jene Soldaten gotischer Herkunft rekrutiert, die im Aufgebot des Galerius für den triumphal beendeten Perserkrieg von 298 mit- gezogen sein sollen.65

In den Jahren vor und nach dem Perserkrieg residierte Galerius vor allem in Sirmium, um in einem permanenten und ermüdenden Kleinkrieg die Sarmaten zu bekämpfen66 und um das pannonische Hinterland durch teilweise weitreichende infrastrukturelle Maßnahmen zu sichern. Dazu gehörte nicht nur die übliche Ansiedlung besiegter Völker, in diesem Fall der Karpen in Sopianae in der Valeria, aber auch in der Moesia secunda,67 sondern auch – in der Tradition des Probus – die Durchführung von Meliorations- und Kanalbauarbeiten. Zur gleichen Zeit wurde Unterpannonien in zwei kleinere Provinzen aufgeteilt, die Valeria und die Pannonia secunda.68 Damit sollte der administrative Zugriff verbessert und engmaschiger gestaltet werden. Zudem wurde in der zweiten Hälfte der 90er Jahre der Ausbau der Befes- tigungen an der mittleren und unteren Donau intensiviert. Exemplarisch verweisen für die

 

Umsiedlung auf römisches Territorium in das Jahr 295 datieren. Siehe Hieronymus chron. p. 226 Helm, wo zusätzlich die Bastarner genannt sind. Seston, Dioclétien, 132 datiert den Karpenkrieg wegen Paneg. 8,5,2 kurz vor dem 1.3.297. Barnes, fte New Empire, 54 nimmt an, die Karpensiege seien von Diokletian errungen worden, dessen Balkanaufenthalt er dementsprechend über 294 hinausführt. Aufgrund der papyrologischen Dokumentation und aufgrund eines Gesetzes, das er dem Caesar Galerius zuschreibt und das in Damaskus erlassen wurde, möchte er ausschließen, dass Galerius in der Zeit bis 297 nach Illyricum gelangte, vgl. Barnes, fte New Empire, 62–63. Die Zuweisung eines Gesetzestextes an einen Caesar geht allerdings von einer unbewiesenen Gesetzgebungskompetenz der Unterkaiser aus. Ferner ist die papyrologische Dokumentation zu lückenhaft. Es ist, wie bereits ausgeführt, zu vermuten, dass Galerius als Caesar überhaupt kein Teilreich hatte, sondern dass er bald hierhin, bald dorthin geschickt wurde, so dass er oft genug auch gemeinsam mit Diokletian residierte. Explizit bezeugt Jordanes, Getica 91 einen Einsatz des Galerius gegen die Karpen, der zwischen seine Erhebung und den Perserkrieg von 297/298 fällt. Amm. 28,1,5 macht dagegen Diokletian für eine Umsiedlung der Karpen verantwortlich. Dass es sich um die von Cons. Const. 230 beschriebene Aktion han- delt, ist nicht auszuschließen, aber er kann hierfür auch Galerius aus der Ferne dirigiert haben, wobei es Ammian ohnehin eher um die Datierung des Vorgangs in die Regierungszeit Diokle- tians geht. Vgl. ferner Oros. 7,25,12. Eine sehr späte Datierung der Karpenkriege des Galerius (erst um 304) nimmt Bill Leadbetter, Galerius and the Will of Diocletian. London, New York 2009, 97–101 aufgrund der Analyse der tetrarchischen Siegertitulaturen vor.
65   Siehe Jord. Get. 110.
66   Den Dauerkleinkrieg beschreibt Seston, Dioclétien, 135. Zur besonderen Situation an der    ripa Sarmatica, wo der Lauf der Donau durch Waldinseln eine besondere Durchlässigkeit etwa für Angriffe mit Einbäumen bot, gibt Patsch Auskunft: siehe ders., Beiträge zur Völkerkunde in Südosteuropa, Bd. 4: Die quadisch-jazygische Kriegsgemeinschaft im Jahre 374/375. Wien, Leipzig 1929, 3f.
67 Die Ansiedlung von Karpen in diesem Gebiet wird von Amm. 27,5,5 belegt, wo von einem vicus Carporum die Rede ist.
68 Explizit bezeugt bei Aur. Vict. 40,10. Zur gleichen Zeit muss auch die Aufteilung von Oberpannonien vorgenommen worden sein.

 

 

Festungen Donje Butorke, Sexaginta Prista, Transmarisca, Durostorum und Halmyris die Reste von Inschriften, die nach einem einheitlichen Formular gestaltet worden sind, darauf, dass die Festungsbaupolitik der Tetrarchie zentral gesteuert wurde.69 Weitere Anlagen lassen sich durch Ziegelstempel oder die Feststellung typischer Baumerkmale wie Türme mit rundem oder rechteckigem Grundriss opus vittatum, einem Mauerwerk aus Ziegeln und Steinquadern, ebenfalls der Epoche der Tetrarchie mit ihrer planvollen Baupolitik zuordnen.70 Diese Intensivierung des Festungsbaus ist mit den Anfängen des späteren spätantiken Grenzheers, der ripenses, verbunden, indem Legionsabteilungen über mehrere dieser ausgebauten Kastelle verteilt wurden.71 Die Verantwortlichkeiten, die Galerius für die Donaugrenze und

 

69 Vgl. Mihail Zahariade, The Halmyris Tetrarchic Inscription, Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 119 (1997), 228–236, besonders 229f. Für die archäologischen Befunde, vgl. für Kla- dovo „Donje Butorke“ (bei Diana) Constantin Băjenaru, Minor Fortifications in the Balkan-Danubian Area from Diocletian to Justinian. Cluj-Napoca 2010, 112 mit Sergej Torbatov, Terminologija za fortifikacionnite săorăženija prez rimskata i rannovizantijskata epoha [Fachausdrücke zu den Befestigungsanlagen der römischen und frühbyzantinischen Epoche], in: Rumen Ivanov (Hg.), Arheologija na bălgarskite zemi [Archäologie der bulgarischen Gebiete], Bd. 1. Sofija 2004, 31–48, hier 37 und 47; für Sexaginta-Prista (Ruse) siehe Ivanov, Das römische Verteidigungssystem, 583; für Transmarisca (Tutrakan) siehe Ljudmil Vagalinski/Emil Pet- kov, New Data on the Fortifications of Late Antiquity Transmarisca, in: Miloje R. Vasić (Hg.), Felix Romuliana. 50 Years of Archaeological Excavations. Papers from the International Con- ference, Zaječar, 27th–29th October 2003. Belgrade 2006, 105–109; für Durostorum (Silistra), das in aurelianischer oder diokletianischer Zeit befestigt wurde, siehe Băjenaru, Minor Fortifications, 41; für Halmyris (Murighiol) ebd., 45. Siehe auch zur zentral gesteuerten Festungsbau- politik der Tetrarchen Andrew Poulter, The Lower Danubian Frontier in Late Antiquity. Evolution and Dramatic Change in the Frontier Zone, c. 296–600, in: Peter Herz/Peter Schmid/ Oliver Stoll (Hgg.), Zwischen Region und Reich. Das Gebiet der oberen Donau im Imperium Romanum. Berlin 2010 (Region im Umbruch), 11–43, hier  18–21.
70 Zu den unterscheidbaren archäologischen Typen der Festungsbauten (für diokletianische Zeit regelmäßige Anlagen mit runden Ecktürmen) Jovanović, Archaeological notes, in: Mirković (Hg.), Römische Städte und Festungen, 83–88. Tetrarchische Anlagen für den pannonischen Raum beschreibt Ingomar Weiler, Beiträge zur Verwaltung Pannoniens zur Zeit der Tetrarchie, Situla 8 (1965), 142 (in Pannonien ausschließlich „für den valerischen und unterpannoni- schen Verlauf ): Castra ad Herculem, Solva (Esztergom), Castra Ulcisia (Szentendre), Csillaghegy, Aquincum und Transaquincum, Campona, Intercisa, Florentia und Contraflorentiam (Lugio), Teutiburgium, Onagrinum (contra Bononiam). Dass es in diokletianischer Zeit keine Bauaktivität am pannonischen Limes gegeben haben soll, hat Mócsy, Pannonia and Upper Moesia, 269–273 in einer kühnen Hypothese behauptet, die sich auf eine problematische Datierung von Wallanlagen im Barbaricum stützt (siehe zu diesen unten). Es gibt nur wenige sichere Anhaltspunkte für diokletianische Anlagen in Moesia Prima und Dacia ripensis: Vgl. zu Zidinac Băjenaru, Minor Fortifications, 97; für Lepenski Vir: ebd., 100; zu Taliata (Donji Milanovac): ebd., 44; für Hinova die Diskussion bei ebd., 114f.; für Ljubičevac: ebd., 118. Diokletianische Anlagen an der unteren Donau beschreibt Ivanov, Das römische Verteidigungssystem, 538–540 zu Castra Martis (Kula), 552 zu Oescus II, 560 zu Teilen von Novae II und I, 583 zu Sexaginta-Prista, 583–585 (inners- tes Fort von Kynton). Zu Kynton (Nova Černa) auch: Băjenaru, Minor Fortifications, 126f.
71   Vgl. das Unterkapitel „Heer“.

 

 

ihren Ausbau hatte, erklären möglicherweise, dass er nach dem Perserkrieg, sofern er nicht ohnehin mit Diokletian gemeinsam in Nikomedeia residierte, seine Zeit verstärkt in Thessalonike verbrachte. Dort wurde noch vor dem Herrschaftswechsel von 305, in dem Diokletian seine Macht abtrat und Galerius zum Oberkaiser des Ostens wurde, eine gewaltige tetrarchische Palastanlage errichtet.72

Für den Kaiser Diokletian spielte die südosteuropäische Region zum Zeitpunkt des Herrschaftswechsels zunächst insofern eine Rolle, als er nach 303 über die Donau in den Osten zurückgekehrt war und dabei anscheinend auch die Kastelle an der unteren Donau inspiziert hat.73 Die späte hagiographische Überlieferung könnte eventuell darüber hinaus einen Umweg über Dalmatien belegen. Ein solcher Umweg ist insofern nicht völlig unwahrscheinlich, da sich Diokletian vielleicht persönlich über die Fortschritte seines in Salona errichteten Rückzugspalastes hat informieren wollen.74 Spätestens mit dem Rückzug Diokletians in das Gebiet von Salona wird in den Quellen ein ephemeres Licht auf diese in römischer Zeit durchaus dichter besiedelte Region geworfen. Diokletian selbst war entweder aus Salona oder aus dessen Hinterland gebürtig und die Wahl seiner Altersresidenz Aspalathos-Spalatium (Split) erfolgte sicher in der Hauptsache aus diesem Grunde.75 Weniger wahrscheinlich ist, dass sich Diokletian, der ab 305 als senior Augustus (so der Titel des nicht mehr aktiven „emeritierten“ Augustus) keineswegs zur Privatperson geworden war, gewissermaßen an der Peripherie des Reiches zurückziehen wollte. Vielmehr waren allein durch die Wahl eines Ortes an der See durchaus weiterhin Kontroll- und Kommunikationsmöglichkeiten vorhanden. Die Baumaßnahmen am Palast von Split/Spalatium waren schon lange vor dem Rückzug eingeleitet worden. Sie scheinen daher zu beweisen, dass der 305 vollzogene Rücktritt

 

72  Siehe dazu das Unterkapitel „Residenzen“.
73 Lact., de mort. pers. 17,4: per circuitum ripae Istricae. Mit diesem Aufenthalt an der Donau bringt Mișu Davidescu, Cetatea romană de la Hinova [Die römische Festung Hinova]. Bucureşti 1989, den Ausbau von Hinova (bei Drobeta) in Verbindung; siehe Dorel Bondoc, fte Roman Rule to the North of the Lower Danube During the Later Roman and Early Byzantine Period. Cluj-Napoca 2009, 68–70. Anders Băjenaru, Minor Fortifications,   114f.
74 Auskunft über den Dalmatien-Aufenthalt Diokletians gibt John J. Wilkes, Dalmatia. London 1969, 419: Domnio erleidet am 10. April 304 in Salona das Martyrium und wird dabei mit vier Soldaten aus der Leibgarde des Kaisers hingerichtet, was ein Hinweis auf die Präsenz des Kaisers selbst ist. Siehe zum Martyrium des Domnio Rajko Bratož, Die diokletianische Christenverfolgung in den Donau- und Balkanprovinzen, in: Alexander Demandt/Andreas Goltz/ Heinrich Schlange-Schöningen (Hgg.), Diokletian und die Tetrarchie. Aspekte einer Zeitenwende. Berlin, New York 2004, 115–140, hier 125. Explizit berichtet die hagiographische Tradition über die Präsenz Diokletians in Salona im Prozess gegen Anastasius, und zwar im August 304, was historisch nicht möglich ist. Siehe dazu Bratož, Die diokletianische Christenverfolgung, in: Demandt/Goltz/Schlange-Schöningen (Hgg.), Diokletian und die Tetrarchie, 130.
75 Frane Bulić, L’imperatore Diocleziano. Nome, patria e luogo della sua nascita; anno, giorno, luogo e genere della sua morte. Spalato 1916.

 

 

und die Übergabe der Herrschaft an die neuen Augusti Constantius und Galerius Ergebnis einer systematischen, von langer Hand vorgenommenen Planung waren und nicht einem ad hoc gefällten spontanen Beschluss Diokletians  entsprangen.76

4.    Konstantin der Große
Mit der Oberkaiserherrschaft des Galerius (305–311), der nach dem Tod des Constantius 306 zum ranghöchsten Augustus avancierte, setzt der Zerfall der tetrarchischen Ordnung ein. Schauplatz der langen Geschichte dieses Zerfalls war vor allem der südosteuropäische Raum, wo die meisten Bürgerkriegsauseinandersetzungen stattfanden und wo sich die rivalisierenden Kaiser mit ihren Armeen meistens aufhielten. Bereits die misslungenen Versuche des Galerius, Maxentius in Italien zu bekämpfen (307), wirkten auf diesen Raum ein. Nach dem Scheitern des Galerius wurde nämlich durch Diokletian, der aus Salona nach Carnuntum reiste, das tetrarchische System neu justiert und 308 Licinius zum neuen Augustus des Westens erhoben. Er hatte zwar den Auftrag, Maxentius zu bekämpfen. Diesem Anspruch konnte er aber aufgrund seiner fehlenden Ressourcen nicht entsprechen. Als zweiter, sich in Südosteuropa aufhaltender Kaiser, wartete er stattdessen in Pannonien auf den Schlagabtausch und unternahm nur kleinere Aktionen gegen die Sarmaten.77

Wegen der nur provisorischen Einrichtung des Licinius im westlichen Illyricum ist eine genaue Grenze zwischen seinen und den Territorien des Galerius nicht zu ermitteln. Vermutlich musste sich Licinius auf Noricum und die pannonischen Provinzen beschränken, wo er sich in der Residenz Sirmium und wahrscheinlich auch in Siscia aufhielt.78 Dagegen gehörte der Osten des Illyricum zum Bereich des Galerius, der um diese Zeit auch den als Rückzugsort gewählten und vorbereiteten Kaisersitz Romuliana in den Hügeln westlich des Timoktals wiederholt aufgesucht haben dürfte. Das Endstadium seiner Krebskrankheit, das Laktanz mit abstoßenden Details schildert, verbrachte er im Palast von Serdica, wo er im April 311 auch das epochale Toleranzedikt erließ.79

 

76 Frank Kolb, Diocletian und die Erste Tetrarchie. Improvisation oder Experiment in der Organisation monarchischer Herrschaft? Berlin 1987, 150f.
77 In ILS 664 feiert der dux von Noricum und Oberpannonien Senecio einen um 310 errungenen Sieg seines Herrn. Maxentius bereitete seinerseits von Raetien aus den Aufmarsch gegen Licinius vor; vgl. Zos. 2,14,1.
78 Siehe zu Sirmium als Residenzort Jenö Fitz, Die Verwaltung Pannoniens in der Römerzeit, Budapest 1993–1995, 1176; Barnes, The New Empire, 80.
79 Palast und Stadt von Serdica als Schauplatz der Krankheit des Galerius: Lact., de mort. pers. 33,7; Anon. Val. 8. Die Angabe im Chronographen von 354, Chron. Min. 1, p. 148 Mommsen (in Dardania) ist nicht als Alternativangabe zu verstehen, vgl. gegen Barnes, fte New Empire, 64 die Ausführungen zur Provinzeinteilung im strukturgeschichtlichen Teil. Serdica gehörte in dieser Zeit zur Provinz Dardania.

 

 

Nach dem Tod des Galerius im Jahr 311 okkupierte Licinius dann handstreichartig (mit der Rückendeckung Konstantins) den Rest Südosteuropas bis zu den Meerengen und machte Serdica zu seiner Residenz.80 Sein Rivale Maximinus Daia, der seit 305 als Caesar des Ostens von Antiocheia aus regiert hatte, konnte aus der Erbmasse des Gebiets seines Onkels Galerius Kleinasien übernehmen, beanspruchte aber darüber hinaus auch dessen europäische Territorien. Infolgedessen eskalierte der Konflikt zwischen Licinius und Maximinus und ihre Truppen standen sich am Bosporus gegenüber. Mit knapper Not wurde zwar der Bürgerkrieg fürs erste durch Verhandlungen verhindert.81 Doch nur kurze Zeit später, im Frühjahr 313, wurden die Territorialabsprachen wieder gebrochen und Maximinus Daia fiel mit seinem Bewegungsheer über die Meerengen nach ftrakien ein und konnte zunächst Byzanz und Perinth-Herakleia einnehmen.82 Auf dem Campus Ergenus, d. h. in der Flussebene des Erginus (Ergene) bei Tzirallum (Çorlu) kam es auf dem Boden Südosteuropas nach einer langen Pause von einem Vierteljahrhundert erneut zu einem direkten Schlagabtausch zwischen römischen Armeen.83 Den nur 30 000 Mann des Licinius stand ein Heer von 70000 Mann des Maximinus Daia gegenüber.84 Maximinus Daia verlor gleichwohl die Schlacht, konnte aber noch nach Kleinasien fliehen, wo er auf dem Rückzug nach Syrien in Kilikien bei Tarsos verstarb. Im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg zwischen Maximinus Daia und

 

80 In Serdica wurde am 10. Juni 311 auch der als „Tafel von Brigetio“ bekannte Text verfügt (AE 1937,232 = FIRA I 93), durch den Licinius mit Veteranenprivilegien seine Anhängerschaft für den bevorstehenden Schlagabtausch mit Maximinus Daia stärken wollte; vgl. Simon Corco- ran, fte Empire of the Tetrarchs. Imperial Pronouncements and Government, AD 284–324. Oxford  1996, 145–148.
81   Lact., de mort. pers. 36,2.
82   Lact., de mort. pers. 45,4–6.
83 Zur Rekonstruktion des ursprünglichen Textes des Lact., de mort. pers. 46,9 und zur Lokalisie- rung der Schlacht zwischen Lüleburgaz und Çorlu Henri Grégoire, Deux champs de  bataille: „Campus Ergenus“ et „Campus Ardiensis“, Byzantion 13 (1938), 584–586. Zum gesamten Verlauf, vgl. Lact., de mort. pers. 46–47, der aus dieser auf südosteuropäischem Boden ausgetra- genen Schlacht einen der Schlacht an der Milvischen Brücke gleichkommenden, religionspoli- tisch aufgeladenen Schlagabtausch zwischen dem „Christenfreund“ Licinius und dem Verfolger Maximinus Daia macht. Im Anschluss an diese Schlacht publizierte Licinius in Nikomedeia, im neu übernommenen Gebiet des Maximinus Daia, das Reskript, das fälschlicherweise als Tole- ranzedikt von Mailand bekannt geworden ist. Diese in Südosteuropa vom „Serben“ (im Sinne von auf späterem „serbischem Boden“ geborenen und dementsprechend vereinnahmten Per- sonen) Licinius erreichten Erfolge spielen in dem von serbischer Staatsführung und serbisch- orthodoxer Kirche zum 1300. Geburtstag des „Toleranzedikts von Mailand“ organisierten Jubi- läums keine Rolle, im Unterschied zu den Taten des (aus Naissus/Nish stammenden) „Serben“ Konstantin. Vgl. die Reden von Tomislav Nikolić und von Patriarch Irinej vom 17. Januar 2013 zur Eröffnung der Ausstellung „Edict of Milan 313–2013, Serbia.“, in: Ivana Popović/Bojana Borić-Brešković (Hgg.), Constantine the Great and the Edict of Milan 313. fte Birth of Christianity in the Roman Provinces on the Soil of Serbia. Belgrade 2013, 8–11.
84   Vgl. Lact., de mort. pers. 45,7.

 

 

Licinius steht auch das Ende des Diokletian. Um eine Intervention Diokletians zugunsten des Maximinus Daia zu verhindern, hatte Licinius Diokletian wohl schon 313 in einer Art und Weise bedroht, dass dieser sich in seinem Palast von Split das Leben nahm.85 Die Residenz Split blieb ab dann weitgehend funktionslos, beherbergte aber eine Manufaktur, die Textilien für die Armee herstellte, ein sogenanntes gynaeceum.86 Den Schlusspunkt unter die Herrschaft seiner ehemaligen Gönner Diokletian und Galerius setzte Licinius, indem er Prisca, die Gattin Diokletians, und Valeria, die Tochter Diokletians und Frau des Galerius, 315 in Thessalonike öffentlich hinrichten ließ.87

Seine Erfolge gegen Maximinus Daia hatte Licinius der Tatsache zu verdanken, dass ihm Konstantin als sein Verbündeter den Rücken freigehalten hatte, nachdem dieser sich selbst in den Besitz des Reichsteils des Maxentius gesetzt hatte. Die gute Nachbarschaft zwischen Konstantin und Licinius, die vor allem durch ein Heiratsbündnis – Licinius heiratete Constantia, die Schwester Konstantins – besiegelt worden war, sollte freilich nicht lange anhalten. Die früher in der Forschung herrschende Annahme, es sei schon 314 zum Konflikt zwischen den beiden Herrschern gekommen, ist jedoch inzwischen korrigiert worden. Vielmehr hat Licinius noch im Besitz des Illyricum seine Decennalienfeier vorbereiten können und die Provinzen Südosteuropas in ihrer Gesamtheit eine Zeit lang von Sirmium aus gelenkt.88 316 scheiterten aber Gespräche um eine Erweiterung des Herrscherkollegiums. In diesen Gesprächen war es darum gegangen, dass Bassianus, ein Schwager Konstantins, eine Caesarstellung mit einem Territorium zwischen den beiden Augusti bekleiden sollte.89 Weitere Intrigen führten dann schließlich zum Krieg. Konstantin marschierte über Emona (Ljubljana) und an der Drau entlang in Illyricum ein, bis er in der Umgebung von Cibalae, beim heu-

 

85   Ich folge hier der Version der Epit. Caes. 39,7.
86 Joško Belamarić, Gynaeceum Iovense Dalmatiae – Aspalatho, in: Demandt/Goltz/Schlange- Schöningen (Hgg.), Diokletian und die Tetrarchie, 141–162, geht davon aus, dass Split schon unter Diokletian als gynaeceum eingerichtet war und dass hierfür auch das ansonsten überdimensionierte Aquäduktsystem angelegt war. Meines Erachtens hängt die Maßnahme eher mit der sprichwörtlichen Vorsicht Diokletians zusammen, der um jeden Preis auch als Senior-Augustus die Versorgung seines Hofs und seiner Leibgarde sicherstellen wollte. Im Übrigen zeigt das Beispiel des Geländes von Gamzigrad, dass man bei der Berechnung der Größe einer Residenz keineswegs nur von dem von Mauern eingefassten Areal auszugehen hat.
87   Lact., de mort. pers. 51,1–2.
88 Allgemeine Argumente finden sich bei Christian Habicht, Zur Geschichte des Kaisers Konstantin, Hermes 86 (1958), 360–378. Für die Tatsache, dass Illyricum bis 316 von Licinius kontrolliert wurde, lassen sich die Befunde zur Feier der Decennalien in Naissus oder zu den Meilensteinen anführen; vgl. Miroslava Mirković, Decennalia des Licinius und die Schlacht bei Cibalae, Živa antika 47 (1997), 145–158; ftomas Grünewald, Constantinus Maximus Augustus. Herrschaftspropaganda in der zeitgenössischen Überlieferung. Stuttgart 1990, 109–Weiteres bei Bruno Bleckmann, s. v. Licinius, Reallexikon für Antike und Christentum 23 (2008), 137–147, hier 139f.                                                                     89   Anon. Val. 14f.

 

 

tigen Vukovar, mit 20 000 Mann auf die 35 000 Mann starken Truppen des Licinius stieß.90 Licinius verlor die Schlacht und floh in der Nacht nach Sirmium. Von dort begab er sich mit seiner Frau und seinem Sohn, dem Säugling Licinius dem Jüngeren, sowie mit dem gesamten Kaiserschatz weiter auf der Militärstraße in den Osten. Nachdem er den Dux der Dacia ripensis zum Mitkaiser Valens ernannt hatte, führte ihn sein Weg über den Pass von Succi nach Adrianopel.91 Wie es Konstantin gelang, die Sperren von Succi zu überwinden, muss offen bleiben. Er konnte jedenfalls ohne Mühe in das thrakische Philippopolis gelangen. Im Flusstal der Arda kam es dann zum Schlagabtausch zwischen seinem Bewegungsheer und der großen Armee, die Licinius von Adrianopel hergeführt hatte.92 Das Ergebnis dieser Schlacht kann nicht als eindeutiger Sieg Konstantins bezeichnet werden. Vielmehr gelang es Licinius, sich in nördliche Richtung nach Beroea (Stara Zagora) abzusetzen und die Nachschublinien Konstantins zu bedrohen,93 während Konstantin weiter in Richtung Byzanz vormarschierte. Angesichts des unvollständigen Sieges und vielleicht auch aus Rücksicht auf seine Schwester Constantia stimmte Konstantin einem Friedensschluss zu. Damit sicherte er sich den Besitz des größten Teils Südosteuropas, nämlich von ganz Illyricum, während sich Licinius mit der thrakischen Diözese, also der Gebiete östlich des Passes von Succi, begnügen musste.94

In den folgenden Jahren hielt sich Konstantin ununterbrochen in Südosteuropa auf, vor allem in den Residenzen Thessalonike, deren Hafen er ausbauen ließ, und Serdica. In Serdica, das er nach dem Zeugnis einer späten Quelle als „mein Rom“ bezeichnet haben soll,95 nahm er 317 die Erhebung seiner Söhne Crispus und Constantinus iunior zu Caesares vor.96 Belegt sind außerdem Aufenthalte Konstantins in Mediana, in der Nähe seiner Geburtstadt Naissus, sowie in Sirmium. Durch seine permanente Anwesenheit in Illyricum verfolgte Konstantin zwei Ziele. Einmal ging es darum, den nächsten zu erwartenden Bürgerkrieg gegen Licinius vorzubereiten. Sodann beabsichtigte Konstantin, wie seine Vorgänger, die Donaugrenze auszubauen und zu sichern. Diese Sicherung der Grenze hatte aber angesichts der expansiven Neigungen Konstantins bereits eine deutlich aggressive Komponente gegenüber Licinius. Denn den Sarmatenkrieg von 322 führte Konstantin nicht nur im Vorfeld des eigenen Territoriums, nämlich von Sirmium und Pannonien, aus. Vielmehr gelangte er bereits auf der sarmatischen Uferseite bis in die Gegend des Eisernen Tors und in das Gebiet

 

90   Vgl. Hoffmann, Das spätrömische Bewegungsheer, 209.
91   Anon. Val. 17.
92    Anon. Val. 17. Vgl. Grégoire, Deux champs de bataille,  585f.
93   Anon. Val. 18.
94 Siehe bezüglich der europäischen Restbesitzungen des Licinius Anon. Val. 18: ftracia, Moesia minor, Scythia.
95  Anonymus post Dionem frg. 15,1 (Müller). Vgl. die Anspielung bei Veselina Kirilova Vačkova, Serdica is my Rome. The Urban Image and the Role of Serdica (mid 3rd century – mid 6th century AD). Sofija 2012.
96   Anon. Val. 19.

 

 

von Bononia (Vidin). Dort war aber eine scharfe Unterscheidung zwischen den Gegenden, die Licinius als Vorfeld zu kontrollieren hatte und der Zone des eigenen Vorfelds naturgemäß nicht möglich.97 Erst recht gilt dies für die im Folgejahr unternommene Aktion gegen die Goten, die von der Dacia ripensis aus erfolgte. Dass sich Konstantin gerade in dieser Zone verstärkt militärisch engagierte, lässt den Schluss zu, dass er durch die Kriegführung an der mittleren Donau den Ausbruch von Feindseligkeiten mit Licinius bewusst in Kauf nahm. Tatsächlich gehörten gerade die Beschwerden des Licinius über diese Übergriffe seines Kaiserkollegen zu den Anlässen des zweiten Bürgerkriegs, der im Sommer 324 ausbrach.98 Dieser neue Bürgerkrieg zwischen Konstantin und Licinius lief in zwei Phasen ab, nämlich einer ersten europäischen und einer zweiten asiatischen Phase auf der anderen Seite der Meerengen. Höhepunkte der ersten, noch in Südosteuropa ausgetragenen Phase waren die Schlachten von Adrianopel und die Belagerung von Byzanz.

Nach dem Sieg von Chrysopolis (324) wurde der abgesetzte Licinius in den Palast von Thessalonike verbannt, dann aber, weil er angeblich Goten von jenseits der Donau als Söldner anwerben ließ, auf Befehl Konstantins umgebracht (325). Schon 324 war Byzantion in Erinnerung an die von Konstantin an den Meerengen davon getragenen Siege in Konstantinopel umbenannt worden.99 Damit folgte Konstantin altem monarchisch-hellenistischem Brauch, der bereits den Trajan veranlasst hatte, eine Reihe von Ortschaften (z. B. Nicopolis; Tropaeum Traiani; Augusta Traiana) so zu benennen, dass seine Sieghaftigkeit verewigt wurde. Etwas später fasste Konstantin aber darüber hinausgehend den Plan, die Stadt als neue Hauptresidenz auszubauen.100 Dabei knüpfte er an die in Residenzen wie Sirmium, Thessalonike und Nikomedeia (İzmit) beobachtbaren urbanistischen Muster an – etwa an das Nebeneinander von Palast und Hippodrom oder daran, dass diese Neugründungen als Erweiterung eines älteren Stadtgebiets konzipiert waren. Er dehnte aber die Dimensionen

 

97 Zum Sarmatenkrieg Konstantins vgl. Johannes Wienand, Der Kaiser als Sieger. Metamorpho- sen triumphaler Herrschaft unter Constantin I. Berlin 2012, 335–350 mit der Behandlung des Problems der Prägungen Konstantins anlässlich des Sarmatensiegs und der detaillierten Diskussion von Porf. Carm. 6,18–21. Die aus dem Gedicht des Porphyrius zu etablierende Rekonstruktion zeigt, dass der Kaiser vom Grenzabschnitt in der Valeria bei Campona über die Gegend von Viminacium bis hinab nach Bononia (Vidin) tätig gewesen ist. Zu den Plätzen siehe auch Barnes, fte New Empire, 75. In der Nähe von Bononia und Novae befand sich eine bei Prok. Aed. 4,6,23 als „Krispas“ bezeichnete Festung, die von Justinian wieder aufgebaut worden war, also vorjustinianisch ist und die man mit dem Thronfolger Crispus in Verbindung bringen könnte. Eine Identifizierung mit dem oberpannonischen Crispiana (Itin. Ant. 257) bei Arrabona (Raab) ist nicht möglich.                                                                                                                                       98   Vgl. Anon. Val. 21.
99   Anon. Val. 30.
100 Siehe zur Gründung Konstantinopels und zur Gesamtanlage Albrecht Berger, s. v. Konstantinopel (stadtgeschichtlich), Reallexikon für Antike und Christentum 21 (2006), 435–483, mit der dort genannten Literatur.

 

 

von Anfang an so aus, dass Konstantinopel mehr war als eine weitere Residenz tetrarchischen Typs. Es war auch weit mehr als ein neues administratives und militärisches Zentrum von Südosteuropa und Kleinasien, gewissermaßen in einer Vereinigung der Funktionen von Sirmium und Nikomedeia. Konstantinopel war vielmehr das dynastische Gegenstück zur traditionellen Kapitale Rom und wurde daher schon in der Zeit Konstantins mit einer Reihe von Gebäuden und Institutionen ausgestattet, die diese Gleichgewichtigkeit zum Ausdruck brachte, etwa durch den Bau eines Forums, eines Senats, der Verteilung von Getreiderationen etc. Wie die entsprechenden Prägungen zeigen, verkörperte CONSTANTINOPOLIS als komplementäres Gegenstück zur VRBS Rom auf einer ideellen Ebene in Gemeinschaft mit der alten Kapitale das imaginäre, gewissermaßen bipolare Rom der neuen Dynastie.

Die Bedeutung dieses neuen Kraftzentrums, das erst nach einigen Jahrzehnten, ab Theodosius definitiv die große mit Rom konkurrierende Metropole geworden war,101 ist für die Geschichte Südosteuropas kaum zu unterschätzen. In späterer Zeit, und zwar noch im sogenannten dunklen siebten Jahrhundert, hat die Existenz dieser Kapitale dafür gesorgt, dass in der Gesamtregion (zumindest was Thrakien betrifft) Reste des antiken zivilisatorischen Niveaus erhalten blieben.102 Gleichwohl ist zu betonen, dass das Verhältnis zwischen Region und Zentrum am Anfang durchaus nicht von Einseitigkeit bestimmt war. Ohne ein reiches Hinterland (bis hin zur Wasserversorgung aus dem ostthrakischen Bizye [Vize]),103 ohne die in Thrakien und Makedonien existierenden Ressourcen einer an griechischen Städten reichen Region und ohne die durch die massive Militärpräsenz von Singidunum bis Markianopel sukzessiv ausgebaute Infrastruktur wäre die Gründung Konstantinopels kein Erfolg gewesen.104 Ein Teil der Ausstattung der neuen Gründung verdankte diese (neben dem noch reicheren Kleinasien) den Provinzen Ostillyricums, etwa die aus Delphi herbeigeführte Schlangensäule mit Dreifuß.

 

 

101 Vgl. Cyril Mango, Le développement urbain de Constantinople (IVe–VIIe siècles). Paris 32004.
102 Vgl. Gilbert Dagron, Les villes dans l’Illyricum protobyzantin, in: Villes et peuplement dans l’Illyricum protobyzantin. Actes du colloque organisé par l’École Française de Rome (Rome, 12–14 mai 1982). Rome 1984, 1–20, hier  4.
103 Cyril Mango, The water supply at Constantinople, in: Cyril Mango/Gilbert Dagron (Hgg.), Constantinople and its Hinterland. Papers from the Twenty-Seventh Spring Symposium of Byzantine Studies, Oxford, April 1993. Aldershot 1995, 9–18, besonders 13 zu Bizye. S. jetzt J. Crow/Bardill/R. Bayliss, The Water Supply of Byzantine Constantinople. London 2008. Gemüse in unmittelbarer Stadtnähe: Johannes Koder, Gemüse in Byzanz. Die Versorgung Konstantinopels mit Frischgemüse im Lichte der Geoponika. Wien 1993, 49–56.      
104 Der aus Philostorgios schöpfende Autor der anonymen Konstantinsvita BHG 365 hat einen Hinweis auf diese Blüte Thrakiens ausdrücklich in seinen Bericht über die Vorgeschichte der Gründung Konstantinopels eingefügt, vgl. Philost. 2,9a,2 (Bruno Bleckmann/Markus Stein [Hg.], Philostorgios Kirchengeschichte, Bde. 1–2. Paderborn 2015).

 

 

Strategisch war die neue Gründung nicht zuletzt deshalb erfolgt, um – in gleicher Weise, in der Diokletian dies von Nikomedeia und Galerius von Serdica aus getan hatten – rasch auf die Bedrohungen an der unteren Donau reagieren zu können. Die tendenziöse pagane Geschichtsschreibung (die den Niedergang des Römischen Reiches mit der Christianisierung und der Vernachlässigung der traditionellen Kulte erklärte) hat diese Intentionen Konstantins karikierend in ihr Gegenteil verkehrt, indem sie davon ausgeht, Konstantin sei nach seiner Niederlassung in Konstantinopel und nach einem angeblich verlustreichen Feldzug gegen die Taifalen außenpolitisch inaktiv gewesen.105 In Wirklichkeit steht fest, dass die Donaugrenze gerade in den Jahren der Alleinherrschaft durch eine rege Festungsbautätigkeit gesichert wurde.106 Konstantin versuchte darüber hinaus, das Vorfeld effizient zu kontrollieren. Dies reichte vom Ausbau von Brückenköpfen im Barbaricum, von denen einer, nämlich Sucidava sogar durch eine feste Brücke mit Oescus auf der römischen Seite verbunden wurde,107 bis hin zur Bekämpfung und Befriedung der Goten und Sarmaten in den Kriegen

 

105 Zos. 2,31,3. Zur Interpretation abweichend: Paul Speck, Wie dumm darf Zosimos sein? Vorschläge zu seiner Neubewertung, Byzantinoslavica 52 (1991), 1–14.
106 Siehe zur Befestigungspolitik Konstantins Aur. Vict. 41,18. Datierbar sind Festungsanlagen aus der Zeit Konstantins etwa durch die für die konstantinische Zeit typischen Grundrisse, nämlich U-förmige Türme und fächerförmige Ecktürme; vgl. hierzu Băjenaru, Minor Fortifications, 45 für die größeren Festungen von Dimum, Capidava und Dinogetia (Garvăn); zu Dinogetia: Alexandru Barnea, La forteresse de Dinogetia à la lumière des dernières fouilles archéologiques, in: Christoph Unz (Hg.), Studien zu den Militärgrenzen Roms III. Vorträge des 13. Internationalen Limeskongresses in Aalen 1983. Stuttgart 1986, 447–450, besonders 448 zur Datierung. Für Iatrus Krivina: Băjenaru, Minor Fortifications, 45 mit Ljudmil Vagalinski, Ne varietatem timeamus – über die Chronologie des spätantiken Kastells Iatrus an der unteren Donau (Objekt XLIV), Archaeologica Bulgarica 7 (2003), H. 2, 43–82. Für Sacidava (Dunăreni): Băjenaru, Minor Fortifications, 45 mit Sergej Torbatov, Ukrepitelnata sistema na provincija Skitija (kraja na III–VII v.) [Das Befestigungssystem in der Provinz Skythien (vom Ende des III.–VII. Jh.)]. Veliko Tărnovo 2002, 88–95; siehe auch Constantin Scorpan, Sacidava – an unusual design and construction method on the later Roman limes, in: William S. Hanson/ Lawrence J. F. Keppie (Hgg.), Roman Frontier Studies 1979. Papers presented to the 12th International Congress of Roman Frontier Studies, Bd. 3. Oxford 1980, 787–798. Kleinfestungen in Moesia Prima und Dacia ripensis (vielleicht zum Teil schon aus der Zeit der Samtherrschaft mit Licinius): Sapaja, vgl. Băjenaru, Minor Fortifications, 94f.; Pincum (Veliko Gradište): ebd., 95 (vielleicht später); Gornea: ebd, 96 mit Doina Benea, Dacia sud-vestică în secolele III–IV. Timişoara 1996, 76–79; Smorna (Boljetin): Băjenaru, Minor Fortifications, 100–102; Campsa (Ravna): ebd., 102–103; Porečka Reka (aus der Zeit Diokletians oder Konstantins): ebd., 104–105. Vgl. für eine frühere Zusammenfassung Miloje R. Vasić/Vladimir Kondić, Le limes romain et paléobyzantin des Portes de Fer, in: Unz (Hg.), Studien zu den Militärgrenzen Roms, 542–560, besonders 550–555, die Sapaja, Čezava-Novae, Diana, Boljetin, Pontes und vielleicht Ravna und Taliata in die Zeit nach 317 datieren.
107  Siehe zum Bau der Brücke von 328 Chron. Pasch. p. 527,16 Bonn; ferner die konstantinische Prägung RIC VII, 331, Nr. 298. Vgl. Andreas Alföldi, Die Donaubrücke Konstantins  des Großen und verwandte Darstellungen auf spätrömischen Münzen, Zeitschrift für Numismatik 36 (1926), 61–74; Carl Patsch, Beiträge zur Völkerkunde von Südosteuropa, Bd. 3,1:

 

 

von 332 und 334.108 Die besondere Sorge um die Sicherung der Donaugrenze, die allerdings trotz der Anknüpfung an traianische ftemen nicht mit Plänen zu einer Wiedereroberung Dakiens verwechselt werden darf, fand in der Erhebung des Neffen Dalmatius zum Teilherrscher und Miterben ihren Abschluss. Im Unterschied zu den in den einzelnen Großregionen verteilten drei Söhnen des Konstantin erhielt er einen militärischen Sonderauftrag, nämlich die Bewachung der ripa Gothica, also des vom Eisernen Tor zur Donaumündung reichenden, den Goten gegenüberliegenden Grenzabschnitts, wobei auch das Hinterland (Ostilly- ricum) bis zur Ägäis seiner Verwaltung überlassen wurde.109

 

Die Völkerbewegung an der unteren Donau in der Zeit von Diokletian bis Heraklius. 1. Teil bis zur Abwanderung der Goten und Taifalen aus Transdanuvien. Wien, Leipzig 1928, 20 f.; Dumitru Tudor, Sucidava. Une cité daco-romaine et byzantine en Dacie, Brüssel 1965; ders., Les ponts romains du Bas-Danube, Bukarest 1974; Bruno Bleckmann, Constantin und die Donaubarbaren. Ideologische Auseinandersetzungen um die Sieghaftigkeit Konstantins, Jahrbuch für Antike und Christentum 38 (1995), 38–66, hier 45–53. Die Festung Daphne, dem gegenüber von Transmarisca liegenden Brückenkopf, vgl. Proc. aed. 4,7,7. Die Behauptung, das Lager Daphne sei auf konstantinischen Münzprägungen hervorgehoben worden, ist wohl obsolet; vgl. gegen Patsch, Beiträge zur Völkerkunde (1928), 21 f., und andere argumentierend Octavian Iliescu, Constantiniana Dafne. Anciennes et nouvelles théories, Numismatica e Antichità Classiche 16 (1987), 265–292; Konstantin Olbrich, Constantiniana Daphne, Die Grün- dungsmythen eines anderen Rom?, Klio 88 (2006), 483–509. Vgl. zur Bedeutung der Festung Daphne, die neben Marisca errichtet wird, Dimitrina Mitova-Džonova, Stationen und Stützpunkte der römischen Kriegs- und Handelsflotte am Unterdonaulimes, in: Unz (Hg.), Studien zu den Militärgrenzen Roms, 504–509, hier 507, deren Datierung von Daphne in die Zeit des Constans allerdings nicht begründet wird.
108 Vgl. hierzu zusammenfassend Klaus Rosen, Konstantin der Große. Kaiser zwischen Machtpo- litik und Religion. Stuttgart 2013, 350–352. Das in seiner Bedeutung oft überschätzte foedus von 332 thematisiert Adolf Lippold, Konstantin und die Barbaren (Konfrontation? Integration? Koexistenz?), Studi Italiani di Filologia Classica 10 (1992), H. 3, 371–391, 371–391. In die Zeit der Alleinherrschaft Konstantins soll nach Sândar Soproni, Der spätrömische Limes zwischen Esztergom und Szentendre. Das Verteidigungssystem der Provinz Valeria im 4. Jahrhundert. Budapest 1978, dann auch die Errichtung der archäologisch nachweisbaren Langwälle im Alföld erfolgt sein. Möglicherweise sei der Sarmateneinfall von 332 sogar durch diese Arbeiten provoziert worden. Diese Wälle verlaufen zunächst in West-Ost-Richtung, dann etwa in einem Abstand von etwa 100 km parallel zur fteiss in Nord-Süd-Richtung. Das System endet auf der Höhe von Constantia und Viminacium. Andere Datierungsansätze verbinden die Errichtung diese Anlage mit Diokletian oder Constantius II. Siehe hierzu die weiteren Bemerkungen und kritische Gesamtwürdigung bei Ursula-Barbara Dittrich, Die Beziehungen Roms zu den Sarmaten und Quaden im vierten Jahrhundert n. Chr. (nach der Darstellung des Ammianus Marcellinus). Bonn 1984, 80–84. Mit Dittrich sind diese Wallanlagen wohl als nachantik ganz aus der Darstellung der römischen Verteidigungspolitik auszuklammern; vgl. auch Uwe Fiedler, Zur Datierung der Langwälle an der mittleren und unteren Donau, Archäologisches Korrespon- denzblatt 16 (1986), H. 4, 457–465.
109  Anon. Val. 35. Vgl. ferner Epit. Caes. 41,20 und Zos. 2,31,2 zum  Hinterland.

 

5.   Die konstantinische Dynastie
Das System der vier Caesares, die unter der Leitung des Oberkaisers Konstantin standen und von denen zwei mit den Angelegenheiten der zentralen Region Südosteuropa beschäftigt waren, ist möglicherweise bereits als Skizze einer Nachfolgeordnung zu verstehen.110 Sicher ist dies jedoch nicht. Aber selbst wenn eine solche Nachfolgeordnung vorhanden gewesen sein sollte, wurde sie dadurch obsolet, dass Constantius II., der als erster der Söhne Konstantins beim zentralen Hofstaat eintraf, die Angehörigen der jüngeren Linie des Kaiserhauses, darunter auch den Caesar Dalmatius, beseitigen ließ. Nachdem bis September 337 eine Regelung absichtlich vermieden und in den offiziellen Dokumenten Konstantin als posthum herrschender Augustus angeführt worden war, trafen sich die drei Brüder in Pannonien und einigten sich auf eine Dreiteilung des Reiches sowie auf die gemeinsame Proklamation zu Augusti.111 Die in der Sekundärliteratur zu findende Hypothese, der älteste überlebende Sohn Konstantins, Constantinus II. habe nicht nur die (in dieser Zeit durch die Reichsteilungen allmählich sich konstituierende) gallische Präfektur, sondern auch die Vormundschaft über den formal Italien und Illyricum beherrschenden Constans ausgeübt, trifft nicht zu. Constans verwaltete in voller Souveränität seinen Reichsteil, der mit der späteren Großpräfektur Italia, Illyricum, Africa identisch war, und zwar vor allem von Sir- mium und von Naissus (mit der Kaiservilla von Mediana) aus.112 Als der mit der Verteilung unzufriedene Constantinus II., der für sich letztlich immer die Alleinherrschaft beansprucht hatte, den Reichsteil des Constans überfiel, erreichte letzteren die Nachricht in der Dacia mediterranea.113 Die Absicht des Constantinus letztlich bis nach Illyricum zu marschieren wurde durch den Einsatz der Generäle des Constans unterbunden, die ihn bei Aquileia am Fluss Alsa abfingen und besiegten. Constans, der nunmehr im Besitz von zwei Dritteln des Römischen Reiches war, suchte seine Übermacht gegen seinen im östlichen Drittel als Kai- ser verbliebenen Bruder Constantius II. auszuspielen. Infolgedessen wurde die zwischen Illy-

 

110   Siehe Heinrich Chantraine, Die Nachfolgeordnung Constantins des Großen. Stuttgart 1992.
111 Zum Treffen in Pannonien: Iul Imp. or. 1,19 a mit 20 b–c. Gegen die explizite Angabe Julians wird das Treffen oft in Viminacium (Moesia prima) lokalisiert, wo allerdings Athanasius lediglich mit Constantius, der auf dem Weg in den Westen war, zusammentraf. Vgl. zur Rekonstruktion der Ereignisse, die insgesamt in das Jahr 337, nicht in das Jahr 338 zu datieren sind: Bruno Bleckmann, Der Bürgerkrieg zwischen Constantin II. und Constans (340 n. Chr.), Historia 42 (2003), 225–250, hier 241–243. Zum Treffen zwischen Constantius und Athanasius  in Viminacium gibt Auskunft: Annik A. Martin, Athanase d’Alexandrie et l’Église d’Egypte au IVe siècle (328–373). Rome 1996, 394, Anm. 7.
112 Geklärt insbesondere durch Hans Roland Baldus, Ein Sonderfall höfischer Repräsentation der spätconstantinischen Zeit, in: Rosemarie Günther/Stefan Rebenich (Hgg.), E fontibus haurire. Beiträge zur römischen Geschichte und zu ihren Hilfswissenschaften. Paderborn, Wien, München  1994, 255–262.
113  Wohl in Mediana bei Naissus; vgl. zu „Dakien“ als Residenzort des Constans Zon. 13,5.

 

 

ricum und Thrakien verlaufende Grenze im Rahmen dieser Konfrontationspolitik vorübergehend nicht nur zur scharfen Grenze im wirtschaftlichen Austausch,114 sondern auch zur ersten innerchristlichen konfessionellen Demarkationslinie. Beim Versuch, die Kirchenpolitik in seinem Sinne zu vereinheitlichen und Athanasios zu unterstützen, veranlasste Constans, dass unmittelbar an der Grenze der Dacia mediterranea, in Serdica, ein ökumenisches, von allen Bischöfen des Reiches besuchtes Konzil zusammentreten sollte. Die Bischöfe des Ostens machten sich zwar auf den Weg nach Serdica, versammelten sich aber zuvor noch im Reichsteil des Constantius im thrakischen Philippopolis, östlich des Passes von Succi. Dort beschlossen sie auch in der Frage der Anerkennung des Athanasius und seiner Auslegung der Beschlüsse des Konzils von Nikaia eine von den Bischöfen des Westteils abweichende Glaubensformel.115 Damit deutete sich zum ersten Mal in der Kirchengeschichte eine konfessionelle Spaltung Südosteuropas und die zum Schisma von 1054 führende Entwicklung an. Allerdings sollte diese erste „Kirchenspaltung“ einen ganz ephemeren Charakter haben. Denn Constans konnte durch seine Drohungen die Rückkehr des Athanasius in den Osten durchsetzen.

Die Zeit, in der der Balkan unter der konfliktreichen Herrschaft der Brüder Constantius II. und Constans geteilt blieb, endete bereits 350, als Constans durch die Erhebung des Magnentius Herrschaft und Leben verlor. Die starken illyrischen Truppen erhoben in dieser Situation den für Illyricum zuständigen Kommandeur des Bewegungsheers Vetranio zum Kaiser.116 Das war in Absprache mit der Kaiserschwester Constantina und dem für Illyricum zuständigen Prätorianerpräfekten Vulcacius Rufinus geschehen, der mit dem Kaiserhaus verwandtschaftlich verbunden war.117 Welche Motive Vetranio zur Erhebung trieben, ist umstritten und wird bereits in der literarischen Überlieferung verschieden dargestellt. Nach der bereits von einigen antiken Quellen nahegelegten Version handelte es sich um ein Manöver, in dem Vetranio im Interesse der konstantinischen Dynastie agierte und mit dem Illyricum für Constantius II. vor Magnentius gerettet werden sollte. Gemäß einer anderen Version war Vetranio genauso ein Usurpator wie Magnentius und verfolgte eigene macht-

 

114 Lib. or. 59, 169–172. Vgl. Werner Portmann, Die politische Krise zwischen den Kaisern Con- stantius II. und Constans, Historia 48 (1999), 301–329; ders., in: Georgios Fatouros/Tilman. Krischer/Werner Portmann (Hgg.), Libanios, Kaiserreden. Eingeleitet, übersetzt und kommentiert. Stuttgart 2002,  41f.
115 Vgl. zu den Synoden von Serdica und Philippopolis Leslie William Barnard, The Council of Serdica. Some Problems Reassessed, Annuarium Historiae Conciliorum 12 (1980), 1–25; Timothy David Barnes, Athanasius and Constantius. Theology and Politics in the Constantinian Empire, Cambridge. London 1993, 71–81. Auskunft zum Ort des Treffens gibt Leslie William Barnard, The Site of the Council of Serdica (A. D. 342/3), Liverpool classical monthly 3 (1978), 255–258.
116 Vgl. die Belege für die Generalsposition des Vetranio: PLRE 1, 954.
117 Siehe PLRE 1, 782f. Vulcacius Rufinus war ab 347 für Illyricum zuständiger Praefectus Praetorio. Er war der Bruder der Mutter des Cousins Constantius’ II., des späteren Caesar Gallus.

 

 

politische Ziele gegen Constantius II.118 Entscheidend ist indes vor allem die Frage, wie die Beteiligung der Constantina zu werten ist, die entweder im Interesse ihres Bruders agierte oder aber ihre eigenen Ansprüche auf eine Beteiligung am Erbe Konstantins des Großen hatte und diese Ansprüche etwa in einer Ehe mit Vetranio durchsetzen wollte.119 Im Zusammenhang mit der Übernahme der Macht ließ Vetranio für sein illyrisches Heer auch Silbermünzen ausprägen, die an die Vision Konstantins erinnerten, sei es dass er damit an die Bewährung der in Illyricum verbliebenen Truppen Konstantins erinnern wollte, sei es dass er damit für den Sohn Konstantins Constantius warb.120 Aber selbst wenn Vetranio ursprünglich nur als Stellvertreter des Constantius agiert haben sollte, so verfestigte sich jedenfalls der eigene Machtanspruch sehr schnell. Um sein eigenes Territorium von Thrakien und dem Reichsteil des Constantius abzugrenzen, ließ er die Militärstraße bei Succi sperren. Constantius II. gelang es gleichwohl, kampflos bis in die Dacia mediterranea vorzurücken, vermutlich aufgrund von Absprachen mit dem Prätorianerpräfekten von Illyricum Vulcacius Rufinus und seiner Schwester Constantina. Im Resultat wurde der überrumpelte Vetranio gezwungen, in einem zeremoniellen Akt am 25. Dezember 350 den Kaiserpurpur niederzulegen. Seinen Platz nahm darauf Gallus, der Cousin des Constantius, ein, der am 15. März in Sirmium zum Caesar erhoben wurde. Gleichzeitig wurde er mit der Schwester des Kaisers Constantina verheiratet, die auf diese Weise eine andere Möglichkeit für die Realisierung ihrer dynastischen Ambitionen gefunden hatte.

Die Erhebung des Gallus erfolgte in einer Zeit, in der Constantius von Illyricum aus den Angriff auf Magnentius vorbereitete. Dieser kam dem Constantius jedoch zuvor, indem er seinerseits in den Osten vorrückte. Dabei nahm er im Herbst 350 zunächst die Sperranla- gen, die in den Julischen Alpen den Zugang nach Illyricum kontrollierten, ein und besetzte beim Vorrücken an der Drau große Teile Noricums und Pannoniens, einschließlich der Kai- serresidenz Siscia.121 An der Mündung der Drau in die Donau verschanzten sich Magnen-

 

118 John F. Drinkwater, The Revolt and Ethnic Origin of the Usurper Magnentius (350–353) and the Rebellion of Vetranio (350), Chiron 30 (2000), 131–159.
119  So Bruno Bleckmann, Constantina, Vetranio und Gallus Caesar, Chiron 24 (1994),   29–68.
120 RIC VIII Siscia, 369, Nr. 272 etc. Belege bei Wienand, Der Kaiser als Sieger, 263, Anm. 246. Ersteres vermutet Bleckmann, Constantina, Vetranio und Gallus Caesar, 47–49. Letzteres  jetzt wieder Alan Dearn, The Coinage of Vetranio. Imperial Representation and the Memory  of Constantine the Great, The Numismatic Chronicle 163 (2003), 169–191. Siehe bereits Pierre Bastien, Le monnayage de Magnence (350–353). Wetteren 21983,  12.
121 Details schildert Jaroslav, Šašel, The Struggle between Magnentius and Constantius II for Italy and Illyricum, in: ders., Opera Selecta. Ljubljana 1992, 716–727, hier 722–724 (= ders., Živa antika 21 (1971), 205–216); Bastien, Le monnayage de Magnence, 18–20; Bruno Bleckmann, Die Schlacht von Mursa und die zeitgenössische Deutung eines spätantiken Bürgerkriegs, in: Hartwin Brandt (Hg.), Gedeutete Realität. Krisen, Wirklichkeiten, Interpretationen (3.–6. Jahrhundert n. Chr.). Stuttgart 1999, 47–101, besonders 75 zu den konfusen

 

 

tius in Mursa, Cosntantius II. in Cibalis. Dort hatte bereits 316 die große Schlacht zwischen Konstantin und Licinius stattgefunden, die anlässlich der Wiederholung des aktuellen Kampfes um die Herrschaft auch wieder in Erinnerung gerufen wurde.122

In der Ebene zwischen den beiden Städten wurde die für beide Seiten ausgesprochen verlustreiche Bürgerkriegsschlacht geschlagen, die als „Schlacht von Mursa“ Eingang in die Geschichtsbücher gefunden hat. Die literarische, an der kaiserzeitlichen Bürgerkriegsepik geschulte Tradition hat das Gemetzel in dieser Schlacht in besonders dramatischen Farben geschildert. Dafür gab vielleicht weniger die tatsächliche Tragik des Geschehens den Ausschlag als der Umstand, dass man von senatorischer Seite aus die Mitverantwortung des Constantius II. für das Bürgerkriegsgeschehen betonen wollte. Constantius II. hatte dagegen – was kaum erstaunt – einen positiveren Blick auf seine eigenen Leistungen im Kampf gegen Magnentius. Nach 353 ließ er an seine Bürgerkriegserfolge erinnern, nicht nur in Rom,123 sondern auch in Illyricum selbst. So wurde etwa Mursa selbst mit einem Triumphbogen, der an den Sieg gegen Magnentius erinnerte, geschmückt.124

Die Übernahme des Reichsteils des Magnentius, der durch den Sieg der Generäle des Constantius 353 abgeschlossen war, erforderte einen längeren Aufenthalt des Constantius in Italien. Doch auf die Nachricht vom Einbruch der Sueben, Quaden und Sarmaten eilte er 357 an die mittlere Donau.125 Dort verbrachte er die beiden folgenden Winter in Sirmium, flankiert vom praefectus praetorio Anatolius, dessen besondere administrative Effizienz in den Quellen hervorgehoben wird.126 358 eröffnete Constantius den Angriff auf die Sarmaten und überschritt die Donau auf einer vermutlich zwischen Bononia und Onagrinum errichteten Schiffsbrücke.127 Er zog dann vermutlich durch die Batschka bis zur Höhe der

 

Informationen des Zosimos über die Operationen bei Atrans, Siscia und Mursa, bei denen offenkundig die Schlusskämpfe in Slawonien mit der Besetzung des westlichen Illyricum in unglücklicher Weise miteinander verbunden worden sind.
122  Iul. Imp. or. 1,37 b.
123   Amm. 16,10,1; Soz. 4,8.
124  Amm. 21,16,15 mit Daniël den Hengst/Jan den Boeft/Hans Teitler (Hgg.), Philological and Historical Commentary on Ammianus Marcellinus XXI. Groningen 1991, 266f.
125  Einen Überblick zum Aufenthalt von Constantius II. im Donauraum bietet Pedro Barceló, Constantius II. und seine Zeit. Die Anfänge des Staatskirchentums. Stuttgart 2004, 146 –180. Für die beiden Kampagnen des Constantius II.: Patsch, Beiträge zur Völkerkunde (1928), 37–39; ders., Beiträge zur Völkerkunde (1929), 4–6; Nikola Vulić, Konstantius’ Sarmatenkrieg im Jahre 358 und 359, Byzantinische Zeitschrift 30 (1929/30), 374–375; Dittrich, Die Beziehungen Roms, 53–85, der ich für einige Details der Darstellung der Kampagnen des Constantius II. folge. Siehe für die Kampagne von 358 (Amm. 17,12 und 13) Joachim Szidat, Der Feldzug Constantius’ II. an der mittleren Donau im Jahre 358 n. Chr., Historia 21 (1972), 712–720.
126  Reform des cursus publicus durch Anatolius: In dessen Zeit fällt wohl auch die Renovierung der Heeresstraße von Atrans bis Sirmium, vgl. CIL III, 3705.
127   Amm. 17,12,4.

 

 

Provinz Valeria, wo es zum offenen und für Constantius siegreichen Kampf gegen die freien Sarmaten kam. Noch auf feindlichem Territorium verhandelte er schließlich mit Häuptlingen sarmatischer und quadischer Gruppen und setzte einen neuen Sarmatenherrscher ein.128 Anschließend verlegte er sein Lager nach Brigetio und traf in der Nähe des Donauknies auf weitere Barbaren, diesmal ausschließlich auf Quaden, die die Kapitulation anboten.129 Nach der vermeintlichen, von der panegyrischen Quelle Ammians zweifelsohne übertrieben hervorgehobenen Befriedung des pannonischen Grenzabschnitts, wandte sich Constantius II. noch im gleichen Jahr auf der Höhe des Abschnittes der Moesia prima bei Viminacium erfolgreich gegen die Sarmatae Limigantes.130 Besiegt wurden nacheinander die Untergruppen der nach den gegenüberliegenden römischen Grenzkastellen benannten Amicenser und Picenser, die im Mündungsgebiet der fteiss bzw. leicht östlich davon siedelten.131 Die übrigen Limiganten kapitulierten und sollten in neue Siedlungsgebiete ziehen, um eine größere Distanz zur römischen Grenze zu schaffen. Gegen diese umgesiedelten Limiganten kam es 359 auf der Höhe von Aquincum – diesmal auf römischem Boden – zu neuen Kämpfen, die angeblich zur ihrer Vernichtung führten. Jedenfalls tauchen diese von da an nicht mehr in den Quellen auf.132

Sirmium war in der Zeit der Kriege des Constantius II. an der mittleren Donau nicht nur – etwa bei der triumphalen Ankunft, dem Adventus, nach einem ersten Erfolg gegen die Sarmaten – Zentrum kaiserlicher Repräsentation, sondern auch Schauplatz religionspolitischer Entscheidungen, die in den sogenannten von 357 bis 359 verabschiedeten vier sirmischen Formeln ihren Niederschlag gefunden haben. In ihnen ging es darum, die Art und Weise der Nachordnung von Gottsohn gegenüber Gottvater zu definieren.133 Während dieser Zeit

 

128 Vgl. Amm. 17,12,20: Einsetzung des Zizais. Bei Aur. Vict. 42,21 als bedeutender Erfolg des Constantius dargestellt.
129   Amm. 17,12,30.
130 Amm. 17,13. In dieser abhängigen sarmatischen Bevölkerungsgruppe werden bisweilen Anten oder Slawen erkannt. Einen wirklichen Anhaltspunkt hierfür gibt es nicht.
131 Amm. 17,13,4; 19–20 mit Pieter de Jonge, Philological and Historical Commentary on Ammi- anus Marcellinus XVII. Groningen 1977, 332f. Eine Erklärung der beiden Volksnamen bietet Carl Patsch, Beiträge zur Völkerkunde von Südosteuropa, Anzeiger der Akademie der Wissenschaften in Wien (AAWW) 62 (1925), 181–216, 188f.
132 Pedro Barceló, Constantius II. und die Limiganten. Einige Präzisierungen zu Amm. Marc. XIX 11, Klio 74 (1992),  422–430.
133 Siehe zur Bedeutung, die Illyricum in dieser Zeit dann dementsprechend in den kirchengeschichtlichen Darstellungen gewinnt die Zusammenstellung bei Alenka Cedilnik, Ilirik med Konstantinom Velikim in Teodozijem Velikim. Balkansko-podonavski prostor v poročilh Atanazija, Hilarija, Sokrata, Sholastika, Sozomena, Teodoreta in Filostorgija. Ljubljana 2004, zusammengefasst in: Dies., Das Illyricum im 4. Jahrhundert, Göttinger Forum für Altertumswissenschaft 9 (2006), 37–72, dort besonders 53–63. Vgl. zu den Überresten kirchlicher Schriftstellertätigkeiten von Photinus bis zu Palladius von Ratiaria Rajko Bratož, Eine Region im Wandel – Der West- und Mittelbalkanraum in spätantiken und mittelalterlichen Chroniken, in:

 

 

erreichten auch einige lokale Vertreter des illyrischen Episkopats wie Valens von Mursa und Ursacius von Singidunum nicht ganz zufällig den Höhepunkt ihres kirchenpolitischen Einflusses. Abgeschlossen wurde die Serie dogmatischer Beratungen dann in Konstantinopel. Diese Beratungen sollten nach den Vorstellungen des Constantius II. zur Bildung einer im Glauben (nämlich auf der Basis der als „homöisch“ bezeichneten Vorstellung, dass Gottsohn zwar Gottvater ähnlich, gleichwohl aber untergeordnet sei) vereinheitlichten Reichskirche führen sollten. Constantius selbst hatte sich im Herbst 359 auf dem Weg über die Militärstraße zu diesen Beratungen in die Hauptstadt begeben. Zu Beginn des Jahres 360 machte er sich dann auf, um im Osten den Persern entgegenzutreten.

In Ausnutzung der Schwierigkeiten, der sich Constantius II. an der Ostgrenze ausgesetzt fand – erhob sich der Unterkaiser Julian im Februar 360 in Gallien.134 Das blieb nicht ohne Folgen für die Geschichte Südosteuropas. Denn nach dem Scheitern der langwierigen Verhandlungen mit Constantius II. beeilte sich Julian, einen möglichst großen Anteil des Römischen Reiches zu okkupieren. Dabei rückte er selbst, vom Oberlauf der Donau kommend nach Illyricum vor und nahm über diesen ungewöhnlichen und auch überraschenden Weg im Mai 361 Sirmium ein,135 während gleichzeitig die beiden größeren Armeekorps auf den herkömmlichen Truppenwegen entlang von Drau und Save einmarschierten. Um sich die Herrschaft über Illyricum zu sichern und das Eingreifen von Streitkräften des Constantius zu verhindern, ließ Julian den strategischen Pass von Succi schließen und wartete in der Ebene von Naissus, in der kaiserlichen Villa von Mediana, die weitere Entwicklung ab. Trotz der Einnahme des Passes von Succi war die Macht Julians auch in den westlichen Reichsteilen, in denen er großenteils als neuer Augustus anerkannt wurde, keinesfalls gesichert. Die Übernahme von neuen Territorien jenseits der ihm als Caesar konzedierten gallischen Großpräfektur wurde in weiten Kreisen als illegitim betrachtet.136 Den besonderen Rechtfertigungszwang Julians verdeutlichen die von Naissus aus betriebenen Aktivitäten. Er empfing dort auf der einen Seite Gesandtschaften von Städten aus Illyricum, die zu ihm übergetreten waren, auf der anderen Seite aber versuchte er seinerseits durch Sendbriefe die

 

 

Andreas Goltz/Hartmut Leppin/Heinrich Schlange-Schöningen (Hgg.), Jenseits der Grenzen. Beiträge zur spätantiken und frühmittelalterlichen Geschichtsschreibung. Berlin, New York 2009, 199–238, hier 201f.
134 Vgl. zu Julian in Illyricum die korrespondierenden englischen Passagen in meinem Aufsatz über die Usurpation Julians in dem von Stefan Rebenich und Ulrich Wiemer herausgegebenen Companion (erscheint 2017).
135 Joachim Szidat, Zur Ankunft Julians in Sirmium 361 n. Chr. auf seinem Zug gegen Constantius II., Historia 24 (1975), 375–378.
136 Vgl. die von Amm. 21,9,8 beschriebene Position des Lucillianus: incaute, imperator, et temere cum paucis alienis partibus te commisisti. Übergriffe auf fremde partes, im Sinne von Reichsteilen, gelten als illegitim; vgl. die Klage des Licinius gegen Konstantin: Anon. Val. 1,21. Siehe ferner Philost. 3,1a.

 

 

Loyalität der neuen Untertanen zu gewinnen. Wie unsicher dabei die rückwärtigen Linien gesichert waren, zeigt insbesondere der von Truppenteilen unterstützte Abfall der wichtigen Stadt Aquileia.137

Möglicherweise war es die Überdehnung der eigenen geringen Kräfte, die Julian dazu bewegte, gerade am Pass von Succi halt zu machen. Bei einem weiteren Vorrücken entlang der via militaris hätte eine Konfrontation mit der bedeutenden in ftrakien zusammenge- zogenen Streitmacht des Constantius II. erfolgen müssen. Allerdings fällt auf, dass Julian schon mit Beginn seiner Usurpation die Grenze zwischen Illyricum und ftrakien, also den Pass von Succi, als Ziel seines Anmarsches in den Blick genommen hat.138 Vermutlich war Julian der Überzeugung, dass er, sobald er den Besitz von zwei Dritteln des Römischen Reiches gesichert hatte, in gleicher Weise wie Constans ein Übergewicht gegenüber Constantius II. haben könnte.139 Die Angabe einer späten Quelle, Julian habe eine Begeg- nung des östlichen und des westlichen Heers an der Grenze der beiden Machtgebiete abwar- ten wollen, ist dagegen eine Rückprojektion der Ereignisse nach dem Tod des Constantius, als neben der westlichen Armee nun auch das Ostheer die Erhebung Julians akzeptierte.140

6.  Valentinian und Valens
Zum erwarteten und von Julian vorbereiteten Bürgerkrieg kam es dann aber nicht, wenn man von den militärischen Operationen bei Aquileia absieht. Constantius II. verstarb überraschend Anfang November 361 im kleinasiatischen Mopsukrene. Julian rückte daraufhin kampflos in Konstantinopel ein und wurde auch von den östlichen Truppen als Kaiser aner- kannt. Seine Alleinherrschaft sollte freilich durch die Konzentration der Kräfte auf den Kampf gegen die persischen Sasaniden, der dann scheiterte, fatale Auswirkungen für die Sicherung der Donaugrenze haben. Das wurde vor allem ab den ausgehenden 60er Jahren immer deutlicher. Unmittelbar während des Perserkrieges blieb die Lage eher ruhig, ebenso während der langen Phase der Rückkehr des Reichsheers aus dem Perserkrieg, nachdem Julian bereits im Juni 363 unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen war. Der Rückzug der Armee nahm die vollständige Regierungszeit des Jovian ein. Nach dessen Unfalltod im Februar 364 erlangte ein pannonisches Bruderpaar das Kaisertum, nämlich die aus der Gegend von Cibalae stammenden Offiziere Valentinian und Valens. Die Erhebung des Valentinian I., der dann

 

137  Amm. 21,12.
138  Amm. 22,1,3; 21,5,6. Vgl. Philost. 6,5 a und Soz. 5,1,3.
139 Vgl. Klaus Rosen, Beobachtungen zur Erhebung Julians 360–361 n. Chr., in: Richard Klein (Hg.), Julian Apostata. Darmstadt 1978,  409–447.
140 Zon. 13,11,8. Eine weiterhin mögliche Alternativdeutung findet sich bei Bleckmann, Die Reichskrise des III. Jahrhunderts, 364f.

 

 

wenig später (im März) seinen Bruder Valens zum Augustus erhob, hat wenig mit pannonischen Seilschaften in der Armee zu tun. Sie ergab sich vielmehr als Ergebnis der Verhandlungen vor allem ziviler, nicht aus Illyricum stammender Würdenträger am Hofe des gerade verstorbenen Jovian. In der Regierung des Kaisers kamen zwar dann zahlreiche Pannonier in Spitzenpositionen, wirkten aber durchaus oft eher gegeneinander als miteinander. Von einer illyrischen Interessenidentität kann also auch für diese Zeit keine Rede sein.141

Nach den Ereignissen vom Februar/März 364 zogen die neu erhobenen Kaiser Valens und Valentinian gemeinsam über den Pass von Succi nach Illyricum. Dort wurden in der Dacia mediterranea, nämlich in der Kaiservilla von Mediana, die Grundzüge der neuen gemeinsamen Regierung vereinbart. Unmittelbar danach wurde dann in der Residenz Sirmium die Aufteilung der Ressourcen und Territorien bekannt gegeben. Valens erhielt als Juniorpartner die Präfektur Oriens von Thrakien bis an die Grenze zu den Sasaniden, während Valentinian I. zwei Drittel des Reiches und damit auch die Hauptverantwortung für die Sicherung von Illyricum übernahm. Wie an der Rheingrenze sorgte er auch an der oberen und mittleren Donau für die umfangreiche Errichtung von Burgi und Kleinkastellen.142 Einer der

 

141 Vgl. dagegen noch Patsch, Beiträge zur Völkerkunde (1929), 33 mit Verweis auf Amm. 26,1,4 und 6, wo Equitius und andere die Armee beeinflussen – ut Pannonii fautoresque principis designati. Für ein „starkes landsmannschaftliches Solidaritätsgefühl“ führt Patsch weitere Belege insbesondere aus Ammian an; vgl. ebd., 33–36. Gegen diese Annahme von politisch wirksamen pannonischen Seilschaften, die hier Patsch (S. 34) zu Parallelen mit den Albanern am Hofe des Sultans Abdul- Hamid II. macht, die weitere Albaner in Spitzenpositionen zogen, vgl. dagegen Mócsy, Pannonia and Upper Moesia, 291 und Alexander Demandt, Der Tod des älteren fteodosius, Historia 18 (1969), 598– 626, hier 618. Siehe zur prosopographischen Beschreibung der in der Erhebung von 364 einflussreichen militärischen und zivilen Würdenträger Joachim Szidat, Usurpator tanti nominis. Kaiser und Usurpator in der Spätantike (337–476 n. Chr.). Stuttgart 2010, 106–108.
142 Epigraphisch sind vor allem die Bauinschriften des Heermeisters von Illyricum, Equitius, von Bedeutung vgl. Patsch 1929, 7–9; Sândar Soproni, Burgus-Bauinschrift vom Jahre 372 am pannonischen Limes, in: Studien zu den Militärgrenzen Roms. Vorträge des 6. Internationalen Limeskongresses in Süddeutschland 1964. Köln, Graz 1967, 138–143; Dittrich, Die Beziehungen Roms, 88; Hans Ulrich Nuber, s. v. Valentinianischer Festungsbau, Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 35 (2007), 337–341. Beispiele für in die valentinianische Zeit datierbare Burgi und Kleinkastelle in Obermoesien und in der Dacia ripensis: Malo Golubinje (Burgusanlage), Băjenaru, Minor Fortifications, 105; Hajdučka-Vodenica (vielleicht Translucus ND Or. 2,27), vgl. ebd., 106f.; Rtkovo – „Glanija“, vgl. ebd., 116; Ušće Slatinske reke (vielleicht Halicaniburgu: Proc. aed. 4,6,18), ebd., 120 (nur der Burgus, die daneben gelegene Festung vom Quadriburgium-Typus ist älter); Mihaj Iovac – „Blato“, vgl. ebd., 121f. mit Gordana Jeremić, Watchtowers and Signal Towers on the Middle Danube, in: Lyudmil Vagalinski (Hg.), fte Lower Danube in Antiquity (VI c. BC – VI c. AD). International Archaeological Conference in Tutrakan 2005. Sofia 2007, 305 –314, hier 312f.; Borđej, siehe Băjenaru, Minor Fortifications, 123f. Im Gebiet des Valens: Batin, siehe ebd., 125f. Bei einer Identifizierung von Dunavăţu de Jos mit Gratiana wäre auch dieser Platz in die valentinianische Zeit zu datieren, vgl. ebd., 131f. und Mihail Zahariade, Two Problems of Topography and Historical Geography in Dobrudja. I. Reginasse: Monteregine (C. Just. IV 20.8.21.10; Proc. De Aedif. IV.11.20).

 

 

Schwerpunkte der Bautätigkeit lag dabei am Donauknie zwischen Solva und Ulcisia. Dort wurden auch Kastelle als Brückenköpfe im Gebiet der Quaden errichtet. Mit diesen Bauten, aber auch mit Feldzügen, die von Sirmium und vom ungarischen Abschnitt der Donau aus durchgeführt wurden, setzte Valentinian letztlich die Politik des Constantius II. fort.143 374 waren die Quaden mit den Sarmaten erneut in römisches Gebiet eingefallen, einerseits weil sie durch die Baupolitik Valentinians provoziert worden waren, vor allem aber aufgrund der durch Marcellianus veranlassten Beseitigung des Königs Gabinius144. Die Barbaren plünderten zwar das Staatsgut Prista (40 km von Sirmium entfernt), Sirmium selbst aber wurde durch die Geistesgegenwart des Praefectus Praetorio Probus gerettet, der in der Lage war, die Befestigungswerke rasch instand zu setzen.145 Das quadisch-sarmatische Heer wandte sich anschließend nach Norden zur Provinz Valeria, wo es auf zwei römische Kleinlegionen stieß. Valentinian war nun gezwungen, von der Rheingrenze mit seinem Bewegungsheer heranzueilen, weshalb er erst 375 einen Gegenangriff gegen die Quaden unternehmen konnte. Mit General Merobaudes wurde jedoch ein Teil der Truppen in das Gebiet der Quaden vorausgeschickt. Valentinian selbst hatte bei Aquincum zum Schein eine Schiffsbrücke bauen lassen, den Fluss aber unbemerkt an einer anderen Stelle überquert. Die erfolgreiche Kampagne sollte dann im nächsten Jahr fortgesetzt werden und Valentinian I. überwinterte zunächst im pannonischen Savaria (Szombathely), dann in Brigetio (Szöny/Komárom). Während der Vorbereitungen verstarb der Kaiser allerdings in Brigetio an einem Schlaganfall, der durch eine heftige Wutattacke über das Gebaren einer quadischen Gesandtschaft provoziert worden sein soll. Die Feldzugsvorbereitungen wurden daraufhin von seinem Stab beendet, eine bereits errichtete Brücke abgebrochen. Die Gruppe von Offizieren und Amtsträgern, die bisher in Illyricum tätig gewesen war, setzte ohne Rücksprache mit Gratian oder Valens den minderjährigen Valentinian II. als Kaiser ein, der den Mittelteil des Römischen Reiches beherrschen sollte.146 Es scheint bei dieser Erhebung vor allem um Rivalitä-

 

II. Gratiana (ND Or. XXXVIII 27; Proc. De Aedif. IV 11,20), Dacia. Revue d’Archéologie et d’Histoire Ancienne N.S. 55 (2011), 137–148.
143 Chronologisch der Epoche des Constantius II. sind in der Region des Eisernen Tors zuzuweisen: Hajdučka Vodenica (das Quadriburgium), vgl. Băjenaru, Minor Fortifications, 107; Trans- dierna (Tekija), vgl. ebd., 108f. (siehe zur spätantiken Befestigungsanlage rechts des Flusses Aleksandrina Cermanović-Kuzmanović, Tekija. Belgrad 2004, 35–51); Dierna (Oršova), vgl. Băjenaru,  Minor  Fortifications,  109f.  und  Cermanovic-Kuzmanovic, Tekija, 51.
144 Zur Geschichte des Einfalls Ammianus Marcellinus 29,6,7–14. Für die weiteren Ereignisse Ammianus Marcellinus 30,5 und 6.
145 Durch die Beseitigung des Schutts, der sich in den Gräben der Verteidigungsanlage angehäuft hatte. Ein paralleler Befund ist archäologisch für Narona gesichert; vgl. Carl Patsch, Zur Geschichte und Topographie von Narona. Wien 1907, 20.
146 Siehe zur komplizierten Geschichte der Erhebung des Valentininian II. Klaus Martin Girardet, Die Erhebung Kaiser Valentinians II. Politische Umstände und Folgen (375/76), Chiron 34 (2004) 109–144; Gavin Kelly, fte Political Crisis of AD 375–376, Chiron 43 (2013), 357–409.

 

 

ten der Hauptwürdenträger am Hofe Valentinians I. gegangen zu sein, von denen die einen im Westen bei Gratian verblieben waren, die anderen Valentinian I. in den Osten beglei- tet hatten. Die in Illyricum präsente Gruppe um Equitius, Probus und Merobaudes verhinderte mit der Erhebung Valentinians II., dass die Präfektur Italia, Illyricum et Africa durch eine konkurrierende Gruppe übernommen wurde, an deren Spitze der aus Illyricum stammende und in Gallien tätige praefectus praetorio Maximinus stand. Durch Verhandlungen, in denen auch der Senat unter der Führung des Symmachus eine gewisse politische Bedeutung bekam, wurde schließlich ein Kompromiss gefunden. Maximinus musste gehen und Valentinian II. wurde von Gratian anerkannt, so dass sich die Gruppe um Equitius, Probus und Merobaudes keines Staatsstreichs schuldig gemacht hatte. Allerdings durfte der Kinderkaiser kein eigenes Gebiet verwalten, sondern Gratian schlug Illyricum zu seinem Herrschaftsgebiet und betrachtete sich als „Vater“ seines unmündigen Bruders.

Während der Kämpfe gegen die Sarmaten und Quaden, die Valentinian I. durchführte, musste weiter im Osten dessen Bruder Valens, der für die thrakische Diözese zuständig war, den Grenzabschnitt der unteren Donau sichern. Insbesondere die Usurpation Prokops (September 365 – Mai 366) hatte die Gefährdung an diesem Grenzabschnitt vergrößert, nicht zuletzt weil Prokop selbst zahlreiche Goten für sich als engagiert hatte. Von 366–369 hielt sich Valens in Marcianopolis, um den Krieg gegen die Goten zu führen, zunächst ohne dra- matische Rückschläge.

Bis weit in die siebziger Jahre des vierten Jahrhunderts konnte durch die regionalen Kriege und die Grenzbefestigung sowohl an der mittleren wie auch an der unteren Donau eine einigermaßen stabile Situation für das gesamte Hinterland des Grenzabschnitts gewahrt werden, auch wenn die dramatisierenden Erzählungen Ammians über die Einbrüche der Quaden und Sarmaten den Eindruck erwecken, als habe sich die römische Herrschaft immer am Rande der Katastrophe befunden. Entscheidend ist, dass sich Constantius II., Valentinian und auch Valens (im ersten Gotenkrieg) in der Lage gezeigt hatten, zu reagieren und im Vorfeld der Grenze zu agieren. Dies sollte sich am Ende dieses Jahrzehnts vollständig ändern. Die Katastrophe von Adrianopel (378), in der Valens unter ungeklärten Umständen ums Leben kam, wurde bereits vom Zeitgenossen Ammianus Marcellinus mit der anderen Katastrophe, in der ein römischer Kaiser in Südosteuropa den Goten unterlag, nämlich derjenigen von Abrittus, in Verbindung gesetzt. Ammian (31,5,1–17) glaubte noch, dass sich der römische Staat auch nach Adrianopel in ähnlicher Weise erholen werde wie nach der Reichskrise des dritten Jahrhunderts. Diese Hoffnung sollte sich nicht erfüllen. Die Gegend südlich der Donau stand zwar bis ins ausgehende sechste Jahrhundert unter römischer Kontrolle. Durch die Größe und den Erfolg Konstantinopels und durch die militärische Präsenz an der Donau blieb Südosteuropa ferner insgesamt auch weiterhin eines der Gravitationszentren des Reiches. Die Zeit der Blüte, die für Südosteuropa mit dem vierten Jahrhundert einhergeht, war aber nach Adrianopel definitiv vorbei, während sich für andere Regionen des Reiches im fünften und sechsten Jahrhundert durchaus noch Phasen größerer Prosperität konstatieren lassen.

Zitierempfehlung und Nutzungsbedingungen für diesen Artikel
Bruno Bleckmann, Südosteuropa im III. und IV. Jahrhundert – ereignisgeschichtlicher Teil. Version: 1.0, in: Online-Handbuch zur Geschichte Südosteuropas. Band 1: Herrschaft und Politik in Südosteuropa bis 1800, hg. vom Institut für Ost- und Südosteuropa- forschung, 3.5.2016, URL: http://www.hgsoe.ios-regensburg.de/themen/herrschaft-politik- und-staatlichkeit.html

Copyright © 2016 Institut für Ost- und Südosteuropaforschung, alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk entstand im Rahmen des Projekts „Handbuch zur Geschichte Südosteuropas“ und darf vervielfältigt und veröffentlicht werden, sofern die Einwilligung der Rechteinhaber vorliegt. Bitte kontaktieren Sie hierzu: hgsoe.redaktion@ios-regensburg.de

Bruno Bleckmann  7. Juli 2017
Rubrik: Osmanisches Reich, Türkei

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.