Hellas und die Spur des Kohlenwasserstoffs

Dr. Georg Chaziteodorou
Karikatur von Klaus Stuttmann

Durch die Ermordung des iranischen Generals Qasem Soleimani im Irak sind die USA offiziell zu einer völlig illegalen militärischen Besatzungsmacht geworden. Entweder kämpfen sie weiter oder ziehen sie endgültig ab. Die Israel- und Kohlenwasserstoff-Lobby werden aber auf einen Angriff auf den Iran zwecks Regimewechsel im Iran und Irak bestehen.

 

1981 trat Hellas der damaligen Europäischen Gemeinschaft (EG) bei, 1986 folgten Spanien und Portugal. 1986 lag das BIP pro Kopf in den reichsten EG-Ländern fünfmal so hoch wie in den südeuropäischen Mitgliedsländern. Die Diskrepanz von BIP innerhalb der EU wuchs 2007 mit dem Beitritt Rumäniens und Bulgariens auf das 20-Fache. Vorangegangen war 2004 die Aufnahme von acht ehemaligen Ostblockländern (sowie Malta und Zypern), die ebenfalls einen wirtschaftlichen Entwicklungsrückstand gegenüber der „alten“ EU aufwiesen.

Die Mitgliedsländer der „neuen“ EU wurden Opfer der unverschämte Lüge, die 1992 in den feierlich proklamierten Zielen der EU versteckt war. Es ging tatsächlich, wie das Beispiel Hellas zeigte, weder um eine „Stärkung der Solidarität“ zwischen den Völkern Europas, noch um deren „wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt“ und schon gar nicht um die „Stärkung der Identität und Unabhängigkeit Europas“. Statt, wie ursprünglich geplant, die politische Einigung der EU voranzutreiben, hat die EU-Kommission in Zusammenarbeit mit dem IWF (kriminelles PSI) ihr demokratisches Defizit und mit der verbrecherische Ausplünderung Hellas für die Rettung der „Deutschen Bank“ durch drei Memoranden, ihren inneren Bruchlinien offengelegt.

Die Gründung  der Super Kasse „Hellenic Corporation of Assets and Participations” und der unabhängigen Institution „Independent Public Revenue Authority“ in Hellas dient dem Raub des öffentlichen und privaten Eigentums der hellenische Nation bzw. dessen, was in Hellas noch übrig geblieben ist, für die Tilgung von Schulden die keine echte Schulden sind.

Der Euro ist eine Krisenwährung, damit wird der Zerfall der Eurozone in den Kreisen der Finanzspekulanten wie im politischen Raum, in Zusammenhang mit dem erwarteten Zusammenbruch des Weltfinanzsystems, ernsthaft diskutiert. Denn die Freiheit und die echte Demokratie (per Volksabstimmung) von der zunehmenden Bevormundung durch den in der Tendenz diktatorischen Apparate der EU (Kommission, EZB u.a.) wiegen mehr als die wirtschaftlichen Vorteile und die Rettung der toxischen Euro–Währung.

Bildergebnis für herkules augiasstall

Wenn Hellas sich retten will, muss sie zuerst vom Mist der machtausübenden Familien nach der Methode von Herakles verabschieden und dem Beispiel Großbritanniens folgen – muss die EU verlassen. Sonst wird es als Protektorat Deutschlands und Frankreichs nicht mehr als souveräne Nation existieren.

Der politische und religiöse Augiasstall Hellas muss durch die echten Hellenen ausgemistet werden. Herakles gelang es, die schier unendlichen Menge Mist, der sich in den letzten 46 Jahren (1974-2020) durch die Rinder des Königs Augias angesammelte hat und das ganze Land verpestet, an einem einzigen Tag entfernen. Herakles hatte die in der Nähe fließenden Ströme Alpheos und Peneos durch einen Kanal umgeleitet und den ganzen Mist weggespült!

Das wäre dann auch das Hauptziel der Reinigung Hellas. Der politische und religiöse Wirbel ist der letzte Nagel im Sarg der Familienherrschaft und des Einflusses der EU-Gauner, die Hellas durch drei Memoranden ausgeplündert haben. Nur ein gereinigtes Hellas kann kann, wie Israel, Nuklearwaffen besitzen um dem Frieden des Schreckens gegen die Türkei im Ägäis- und Südostmittelmeerraum zu etablieren.

Die Welt von heute ist gewiss nicht so einfach, dass sich alle modernen Veränderungen, Probleme, Krisen, Konflikte, Kriege allein auf die Frage der Verfügbarkeit von Kohlenwasserstoff zurückzuführen sei. Das Zeitalter der Kohlenwasserstoffe nahm am 28. August 1859 in der Umgebung von Titusville in Pennsylvania der USA seinen Lauf und fand rasend schnell seinen Weg auf die Märkte, was deutlich zeigt, wie drängend die Nachfrage war.

Der große persische Erdölfund vom Mai 1908 alarmierte die Erdölgesellschaften der ganzen Welt. Damals wurde auch die Saat des Ersten Weltkrieges und des nachfolgenden katastrophalen für Hellas Krieges gegen die Türkei gesät. Alpträume von der berüchtigten deutschen Berlin – Bagdad – Bahn quälten die britischen Kolonialpolitiker, und die Bedrohung der britischen Verbindungen mit Indien, dem Fernen Osten und Asien gegenüber Australiens wurde plötzlich offenbar.

Ungefähr von 1910 an wurde das mesopotamische Erdöl nicht nur eine Angelegenheit von ungeheurer wirtschaftlicher Bedeutung, sondern auch zum Symbol des Kampfes der damaligen Großmächte, der im Ersten Weltkrieg bis zu einer vorläufigen Entscheidung ausgefochten wurde. In dieser Zeit war sicherlich die Turkish Petroleum Company (TPC) eine der eigenartigsten Erdölgesellschaften der Welt, da sie überhaupt kein türkisches Erdöl förderte.

Über Jahrzehnte hinweg sollten die Erdölfelder von Mossul, auf deren Ausbeutung sie es abgesehen hatte, zwischen den verschiedenen Erdölunternehmern und Politikern der abendländischen Großmächte heftig umschritten und immer neuen Grenzziehungen unterworfen worden seien. Damit stellen sie vermutlich die am längsten und zähesten umkämpften Erdölgebiete auf unserem Planeten bis heute dar.

Die Frage des Besitzes der Erdölschätze von Mossul wurde über vier große Vertragswerke (Versailes 1919, San Remo 1920, Serves 1920 und Lausanne 1923) geregelt. Am 8. April 1919 einigten sich die jeweils für Erdölfragen zuständigen Vertreter Großbritanniens und Frankreichs auf das so genannte Long – Berenger – Abkommen mit den folgenden fünf wesentlichen Punkten, die endgültig im San Remo Abkommen von 24 April 1920 übernommen wurden:

1. Frankreich erhält 50% aller Erdölrechte, die sich Großbritannien und Frankreich in Russland, Rumänien und Galizien sichern.

2. Frankreich erhält 34% des verfügbaren Erdöls aus britischen Kolonien.

3. Großbritannien erhält 34% des verfügbaren Erdöls aus den französischen Kolonien.

4. Frankreich erhält den 25% deutschen Anteil der Tütkish Petroleum Company (TPC) in Mossul und Bagdad.

5. Großbritannien erhält das Recht, eine Pileline von Mossul über französisches Mandatsgebiet zum Mittelmeer zu verlegen.

Im Kongress der USA machte sich angesichts der ehrgeizigen Pläne Großbritanniens und Frankreichs Empörung breit bis sie sich im Kielwasser des San – Remo – Abkommens einmischten. 1922 kam es zu einem vorläufigen Vertrag über die Verteilung der Geschäftsanteile der Türkish Petroleum Company (TPC), der nun auch eine Beteiligung der USA vorsah.

Einer der unvermeidlichen Strippenzieher im Hintergrund war in dieser Zeit der Waffenhändler mit hellenischen Wurzeln Basil Zaharoff, der auch im Erdölgeschäft investierte. Er galt als der reichste Mann neben Rockefeller. Anfang 1921 rief er zusammen mit der „Anglo–Persial Oil Company“ die „Société Générale des Huiles de Pétrole“ (Später Teil der BP) ins Leben, die damals auch in Frankreich tobenden Wettkampf der Standard – Oil – Gesellschaften der USA mit den britischen Konzernen Shell und Anglo – Persian eine expansive Strategie verfolgte und alles tat, um den Amerikaner Marktanteile abzujagen.

Natürlich hatte Basil Zaharoff auch das Erdöl von Mossul im Blick, ähnlich wie die Erdölkonzerne der USA, die auf Atatürk und seine junge Türkei und nicht auf Großbritannien und Hellas setzten und gewannen. Im Juli 1922 gab in London die Anglo-Persian Company 50% ihrer Beteiligung an der TPC an die USA ab. Am 10. Oktober 1922 unterzeichneten die Türkei, Großbritannien, Frankreich und Italien (Hellas folgte einige Tagen später nach) den Waffenstillstand von Mudanya. Am Abend des gleichen Tages wurde zufälligerweise auch im fernen Bagdad der erste anglo-irakische Vertrag unterzeichnet der in 18 Artikel den britischen Machtstatus im Irak offiziell regelten.

An anderen Ende der längst zerbrochene Achse Berlin – Bagdad, besetzten wenige Wochen später, am 11. Januar 1923, rund 8.000 französische Soldaten das deutsche Ruhrgebiet. Irakische – britische Truppen in Mossul und Kirkuk, französische in Duisburg und Bottrop fast gleichzeitig. Sollte hier ein verborgener Zusammengang bestehen? Da Großbritannien den Einmarsch Frankreichs in fremdes Gebiet duldet, kann auch Frankreich dem Einmarsch Großbritanniens in Mossul nichts in den Weg legen.

Beide Länder haben Hellas in Klein Asien verraten. Beim Kohlenwasserstoffe hört die Freundschaft auf. Der Hellenisch-Türkische Krieg war in Wirklichkeit Stellvertreterkrieg der abendländischen Mächte um die Kohlenwasserstoffe des Orients. Für diesem Krieg hat Hellas über 100.000 Soldaten geopfert und musste ca. 2 Millionen entwurzelte Hellenen aus Kleinasien aufnehmen.

Die gleiche abendländische Mächte haben 1974 die Türken auf Zypern gebracht und auch sehr bald werden sie auf Kreta und auf die östlichen Insel der Ägäis bringen. Wer bekommt eigentlich die zypriotische und hellenische Konzessionen, die Lizenzeinnahmen, die Durchleitungsgebühren als die herrschende Elite der USA und der EU? Neue Asymmetrien werden auch hier entstehen.

Die uralte Verbindung von „Weizen, Olivenöl und Soldaten“ ist durch die Paarung „Kohlenwasserstoffe und Soldaten“ abgelöst worden. Denn es gilt weiter das Recht des stärkeren. Die Türkei, im Gegensatz zu Hellas, dank ihrer robusten Wirtschaft und militärischer Stärke, entwickelt sich zu einer Regionalmacht im östlichen Mittelmeer und wird sie für die USA ein wichtiger Verbündeter bleiben, deren Einfluss im Nahen Osten in dem Maße zu schwinden droht, in dem ihre Unfähigkeit immer klarer zutage tritt.

Durch die Ermordung des iranischen Generals Qasem Soleimani in Irak sind die USA offiziell zu einer völlig illegalen militärischen Besatzungsmacht im Irak geworden. Entweder kämpfen sie weiter im Irak oder ziehen sie endgültig ab. Die Israel- und Kohlenwasserstoffe-Lobby werden auf ein Angriff auf Iran für einen Regimewechsel im Iran und Irak bestehen.

Um diese Ziele zu erreichen werden sie mit einer riesigen Anzahl von Luftangriffe mit Raketen und Flugzeuge beginnen. Natürlich werden Kriege schon immer aus vielen verschiedenen Gründen geführt. Energetisch betrachtet gibt es Ölkriege und Ölkrisen nicht erst seit Beginn der wirtschaftlichen Nutzung von Kohlenwasserstoff. Schon in der Antike: sorgte das kostbare Öl für Unruhen, Konflikte und Krisen. Die drei Punischen Kriege zwischen Rom und Karthago (264 – 146 v. Chr.) waren die ersten große Ölkriegen der Weltgeschichte.

PD Dr.-Ing. Georg Chaziteodorou
Bleibergweg 114, D-40885 Ratingen
Tel.+Fax: 0049 2102 32513
E-Mail: chaziteo@t-online.de

Dr. Georg Chaziteodorou  11. Januar 2020
Rubrik: Griechenland, Türkei

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